DEU­T­SCH-FR­ANZÖSI­SCHE AR­CHI­TEK­TUR: der Deutsch-Französische Garten

In den letzten Monaten stellte die ehemalige Baumeister-Academy Stipendiatin Alexandra deutsch-französische Architektur aus der Großregion Saarbrücken vor. Nach den vertikalen Städten der Großregion erkundet sie nun den deutsch-französischen Garten in Saarbrücken. Denn der eignet sich wunderbar für einen Spaziergang an sonnigen Tagen. 

In den letzten Wochen habe ich, so wie viele andere, das Spazieren gehen für mich entdeckt. Ob Fahrradfahren, Joggen oder Flanieren, wer in Bewegung bleibt, kann die Stadt neu erkunden und den eigenen vier Wänden für eine Weile entfliehen.

Auf meinem Streifzug durch die deutsch-französische Architektur der Großregion, habe ich den „Deutsch-Französischen Garten“ in Saarbrücken erkundet. Heute nehme ich die Leser mit auf einen Rundgang durch die Parkanlage.

Lageplan DFG_ Rundgang
Der Spaziergang durch den deutsch-französischen Garten beginnt am Nordbahnhof.

Ein Naherholungsgebiet für Deutschland und Frankreich

Die 50 Hektar große Parkanlage im Süd-Westen der Stadt befindet sich kurz vor der französischen Grenze und wird normalerweise von beiden Nationalitäten gleichermaßen als Naherholungsort genutzt. Die Geschichte des Parks geht zurück auf die 1870 stattgefunden Schlacht bei Spichern. Der Park war ebenfalls Schauplatz der nachfolgenden zwei Weltkriege Kriege. Zahlreiche Bunker – teilweise verdeckt unter Blumenwiesen, andere gut sichtbar am Wegesrand – erinnern daran.
Der „Deutsch-Französische Garten“ oder im Volksmund nur DFG, ist 1960 aus einer Gartenschau entstanden und feierte dieses Jahr seinen sechzigsten Geburtstag.
An der Entwicklung der Gartenschau waren viele beteiligt. Den ersten Preis des erhielt eine Arbeitsgemeinschaft von Ingenieuren und Architekten aus Saarbrücken und Wiesbaden, Bernhard Grothe, Wolfgang Walter, Wolfgang Mörbel und Helmut Kreuzer. Der zweite Preis ging an die Arbeitsgemeinschaft der Pariser Gartenarchitekten Jacques Sgard und Gilbert Samel.

Architekturspaziergang durch den „Deutsch-Französischen Garten“

Es ist Sonntag, der Himmel ist strahlend blau und der Park ist gut besucht. Wo man auch hinschaut, sind Spaziergänger, Rad- oder Skateboardfahrer, Paare, Familien und Sportler unterwegs. Kaum jemand hat eine Maske an und obwohl jeder auf Abstand zu bleibt, wirkt die gesamte Szenerie fast schon alltäglich, normal.

Nordbahnhof
Ausgangspunkt des Spaziergangs ist der Nordbahnhof.

Der Rundgang beginnt am Nordeingang des Parks und führt Richtung Süden entlang des Deutschmühlenweihers. Den Nordbahnhof der Kleinbahn nutzen die Besucher als Picknickfläche, denn der rote und der blaue Waggon sind noch im Winterschlaf. Die Bahn chauffiert Besucher auf einer großen Runde durch die gesamte Parkanlage und strahlt Nostalgie der sechziger Jahre aus. Waschbetonblumenkästen in verschiedenen geometrischen Formen präsentieren ihre Frühlingspracht. Kurz nach der Wasservogelinsel erreicht man die Station des nächsten Mobilitätswunders des Parks: Hoch über den Baumkronen thront die Konstruktion der Seilbahn, unter der, die rot-weiß gestreiften Seilbahnkörbchen leuchten. Die Seilbahn schwebt vom Südufer des Weihers über dem Tal der Blumen bis zur Bergstation kurz vor dem Ehrenfriedhof.

Musikpavillon
Der Musikpavillon kommt nach der Station der Seilbahn.

Nach der Talstation der Seilbahn, kommen der Lese- und der Musikpavillon. Beide wurden nachträglich ergänzt und in den letzten Jahren modernisiert.  Der Weg durch das Tal der Blumen führt einen zur Südmulde: Einer Wiese, die das Mosaikbecken, den Garten „Saarbrücken- Nantes“ und der Berlin-Pavillon flankiert. Die Elemente sind etwas in die Jahre gekommen, haben jedoch nicht an ihrer Anziehungskraft verloren.

Mosaikbecken an der Südmulde
Das Mosaikbecken an der Südmulde.

Zum Schluss führt der Spaziergang an dem deutschen und an dem französischen Rosengarten vorbei. Wählt man den Weg durch den Wald, kommt man an der Waldbühne vorbei und kommt am Nordbahnhof wieder an den Anfangspunkt des Spaziergangs.

Waldbühne
Spaziert man durch den Wald kommt man an der Waldbühne vorbei.

Zwei Stunden dauert der Rundgang durch den  „Deutsch-Französischen Garten“ und führt dabei nur an den Highlights vorbei. Der Park bietet jedoch noch vieles mehr, von Rückzugsorten im kühlen Schatten, über sonnige Sportflächen, bis hin zu Kinderspielplätzen und botanischen Lehrpfaden.

Der teilweise marode Charme der sechziger Jahre zieht die Besucher immer noch in seinen Bann und bietet den Freiraum, nach dem man sich in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen so sehnt.

Alle Bilder und Illustrationen von Alexandra Tishchenko

Die Baumeister Academy ist ein Praktikumsprojekt des Architekturmagazins Baumeister und wird unterstützt von GRAPHISOFT und der BAU 2019.