Der Sonne entgegen

Der Trubel ist vorbei! Wir haben erfolgreich am Solar Decathlon Europe 2014 (SDE2014) in Versailles teilgenommen. Es ist an der Zeit, die letzten Monate einmal Revue passieren zu lassen. Denn viele Gelegenheiten zur Selbstreflektion hatten wir nicht gerade.

Wir sind das Team Rooftop, ein Gruppe von Studierenden der UdK und der TU Berlin, und eins von 20 Teilnehmer-Teams am SDE 2014. Für den Wettbewerb haben wir eine nachhaltige Wohneinheit entwickelt und gebaut, die das Dach des typischen Berliner Altbaus ersetzt und somit neuen Wohnraum schafft. Darüber hinaus liefert sie genügend Solar-Energie, um sich und einen Teil des Wirtshauses mit Strom zu versorgen.

Eyecatcher am Haus ist die aufklappbare Fassade, deren obere Hälfte mit PV-Modulen bestückt ist. Hochgefahren verdoppelt sie die solare Ertragsfläche und bildet zusätzlich eine optimale Verschattung für die Glasfassade.

Im Innenraum bestimmt das „Core-Module“ das Geschehen. Der mit Bambus verkleidete Block ist repräsentativ für die modulare Bauweise der gesamten Wohneinheit, denn er beinhaltet Küche, Bad und die gesamte Technik. Gleichzeitig ist er ein raumgestalterisches Element.

So, jetzt möchte ich noch einen kurzen Blick hinter die Kulissen werfen und – auf Gefahr hin ein wenig pathetisch zu werden – meine persönliche „Erfahrung Rooftop“ teilen.

Ich studiere Wirtschafts-Ingenieurwesen an der TU Berlin. Durch Zufall bin ich im zweiten Bachelor-Semester (ich komme jetzt ins fünfte) auf das Projekt gestoßen, das damals noch in den Kinderschuhen steckte. Eine kurze E-Mail, mein erstes Samstags-Treffen und ich war Teil des Teams. Es hieß, man bräuchte noch Unterstützung im Bereich Kommunikation, also sollten Aufgaben wie Videos drehen, Poster designen oder eine neue Website entwerfen meine nächsten Monate bestimmen.

Es ist mir lange Zeit sehr schwer gefallen, in diesem Bereich Verantwortung zu übernehmen. Ich hatte so etwas noch nie gemacht und auch mit meinem Studium hat das alles nicht direkt zu tun gehabt. Ohne die nötige Zeit, in die Aufgabe „reinzuwachsen“, wäre für mich nach zwei Wochen wahrscheinlich wieder Schluss gewesen. Letztendlich habe ich im letzten halben Jahr jede freie Minute mit Rooftop verbracht. Verglichen mit der Zeit, die ich in der Uni verbrachte – null Minuten – war das enorm viel.

Ein Semester muss ich jetzt wiederholen, doch das Studium ist schließlich da, um mich auf die Arbeitswelt vorzubereiten, und in der Beziehung habe ich in den letzten eineinhalb Jahren mehr gelernt, als in jedem Hörsaal der Uni. Ich bin an meine persönlichen Grenzen gestoßen und weiß jetzt um meine Stärken und Schwächen. Es lohnt sich also definitiv Verantwortung zu übernehmen!

Das Haus wird Ende September auf dem Campus Charlottenburg wieder aufgebaut. Kommt vorbei und schaut es euch an!

Fotos: 1-5: Team Rooftop, 6-11: Jason Flakes, 12-15: Valeria Anzolin