01.12.2014

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Baumeister 12: Lernen als Prozess

von Alexander Gutzmer

Kinder, könnte man sagen, sind das ultimative Statussymbol des 21. Jahrhunderts. Zumindest in kinderarmen Ländern wie Italien oder Deutschland. Entsprechend viel Wert legen unsere Gesellschaften auf die adäquate Umgebung für unsere süßen Kleinen. Von daher überrascht es nicht, dass auch die Architektur von Lern- und Aufenthaltsräumen für Kinder zunehmend in unseren Blick gerät.

Dass wir auf die Architektur des Lernens schauen, erweitert auf begrüßenswerte Weise unser Verständnis von dem, was wir unter der „lernenden Gesellschaft“ verstehen. Und dass diese Erweiterung nötig ist, liegt im Wettbewerb der Wirtschafts- und Kulturräume auf der Hand. Denn trotz aller Rhetorik über ein Revival der Industrie: Unser Umgang mit Wissen wird über unseren künftigen Wohlstand entscheiden.

Eine Region wie Westeuropa ist gut beraten, ein möglichst breit gefasstes Verständnis von Lernen, Wissen, Bildung zu entwickeln, um im Wettbewerb mit außereuropäischen Ländern zu bestehen. Hier denke ich nicht zuletzt an Nationen wie China. Aber zum Beispiel auch an das – übrigens auch für große Architekturbüros immer relevantere – Vietnam. Diese Länder stellen sich der Idee der Wissensgesellschaft. Aber sie haben womöglich einen eingeschränkten Blick auf das, was sich unter einer „Gesellschaft des Wissens“ verstehen lässt. Berichte über chinesische Kinder, die zu Wissensaufsaugmaschinen erzogen werden, bezeugen dies.

Wenn wir es schaffen, dem einen ganzheitlicheren, kulturelleren und auch architektonischeren Begriff von Wissensgesellschaft entgegen zu setzen, hätten wir im Wettbewerb der Standorte eine Alleinstellung.

Werfen wir also einen Blick auf die lernende Gesellschaft von heute. Schauen wir auf die Architektur, die diese Gesellschaft kreiert. Und fragen wir, ob diese ihren eigenen Beitrag dazu leistet, wie gelernt wird – oder ob sie lediglich die Effizienz des Lernens erhöht. Unsere Beispiele zeigen, dass Architektur eigene Akzente setzen kann. Und zwar in Richtung eines kommunikativen Lernens. Dieses funktioniert über die ungezwungene Weitergabe von Wissen. Lernen soll, gerade bei Kindern, zunächst einmal Spaß machen. Der harte Wettbewerb kommt früh genug.

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Foto:  Adam Mørk

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