Academy-Alumni Maximilian: Nun in Mendrisio

Maximilian Graber war letztes Jahr als Baumeister Academy Gewinner bei MVRDV. Von Rotterdam ging es für ihn direkt in die Schweiz, in das beschauliche Mendrisio. Dort absolviert er an der Accademia di Architettura ein Austauschjahr. In diesem ersten Teil seines Erfahrungsberichts gibt er einen ersten Eindruck der Stadt und was die Accademia ausmacht. 

„Dolce Vita, zu Schweizer Preisen.“

Nach meinem Praktikum bei Renzo Piano in Paris und der Baumeister Academy bei MVRDV in Rotterdam, führt mich meine Reise nun weiter in die Schweiz. Gut vier Autostunden von der bayerischen Landeshauptstadt München und meiner Heimatuni entfernt, befindet sich eine der renommiertesten Institutionen für Architektur in Europa. Mein Ziel ist nicht etwa Zürich oder Lausanne, sondern die beschauliche Gemeinde Mendrisio, im Tessin. Nur wenige Kilometer südlich von Lugano, in unmittelbarer Nähe zur italienischen Landesgrenze und dem Comer-See, liegt das Örtchen Mendrisio. Genau hier gründete Mario Botta vor 22 Jahren die Accademia di Architettura, Architekturfakultät der Universita della Svizzera Italiana. Damit liegt die Akademie im Zentrum zweier Mentalitäten. Denn der Kanton bildet nicht nur den geographischen Übergang zwischen Norden und Süden, sondern schlägt auch die kulturelle Brücke zwischen schweizerischer Strenge und italienischem „Dolce Vita“. Dadurch wird der Tessin zum Schmelztiegel der Mediterranen und Zentraleuropäischen Welt. Die vielen Einflüsse prägen die Region und verhelfen ihr zu unverwechselbarem Charakter, weshalb sich Studenten aus aller Welt in die kleine Stadt verirren. Die Nähe zum Mailänder Flughafen macht ein Studium an der Akademie für Internationals noch interessanter. So treffen täglich Studenten und Lehrkräfte aus über 30 Nationen am Campus aufeinander. Doch das Studium hier muss man sich erst einmal leisten können. Zu den hohen Lebenshaltungskosten, die man zwar durch regelmäßige Einkaufsfahrten nach Italien minimiert, muss sich jeder Master-Student den Semesterbeitrag von rund 4 000 Schweizer Franken im Ausgabenbuch notieren – Dolce Vita, zu Schweizer Preisen. Ein Stipendium ist daher mehr als erwünscht!

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Blick auf die "Casa dell´Accademia". Foto: Matteo Fontana

 

„Die Kommunikation mit den Professoren variiert zwischen Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch.“

Die Unterrichtssprache ist grundsätzlich Italienisch, manche Kurse werden aufgrund des zunehmenden Anteils an internationalen Studenten jedoch auf Englisch abgehalten. Die Kommunikation mit den Professoren variiert je nach Herkunft und Sprachkenntnissen zwischen Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch. Jedes Design-Studio betreut, bis auf eine Ausnahme, 24 Studenten mit mindestens 2 Assistenten. Das Atelier von Valerio Olgiati behält es sich vor, lediglich 23 Studenten zu unterrichten, wobei das Atelier bereits doppelt so viele Studenten über Portfoliobewerbungen akzeptiert, als andere Studios. Doch die Wahl der Ateliers ist ohnehin ein Thema für sich: Gewählt wird in zwei Durchgängen. In der ersten Runde erhält jeder Student die Möglichkeit, sein Portfolio im Wunschatelier einzureichen. Dadurch können der jeweilige Professor und seine Assistenten ihn auswählen.  Bewirbt man sich nicht, oder das Wunschatelier lehnt einen ab, so entscheidet der Computer im zweiten Wahlgang über das Schicksal der Studenten. Austauschstudenten behandelt das System dabei wie Bachelor-Studenten im dritten Jahr, egal ob sich diese bereits im Master befinden, oder nicht. So ist die Aufregung am Anfang jeden Semesters besonders groß – Manche haben Glück und manche eben nicht. Die begehrten Studios der Akademie werden betreut von Quintus Miller, den Gebrüdern Aires Mateus, Valerio Olgiati, sowie Jonathan Sergison, Francis Keré und Gastprofessoren wie Bijoy Jain, E2A, Jan de Vylder oder Anne Holtrop.

Coming Up: Maximilian Graber berichtet über sein Studium und wieso Mendrisio Studenten sogar im italienischen Hinterland bekannt sind.