Zürich, B2 Boutique Hotel + Spa

Auf dem Hürlimann Areal in Zürich-Enge haben die Architekten Margrit Althammer und René Hochuli aus den denkmalgeschützten Mauern einer Brauerei ein Designhotel für „architekturaffine Business-Nomaden“ gemacht. Wer gern einen Hauch Industrieflair um sich hat, ist dort gut aufgehoben.

Eigentlich sollte jeder Aufenthalt im B2 im Abenddunkel und ganz oben beginnen, auf dem Dach. Dort empfängt der beheizte Pool die Gäste. Unter klarem Sternenhimmel können die den Blick über die Stadt schweifen lassen und das großartige Panorama genießen. Wo ließe sich die Stadtbesichtigung besser planen, Großmünster und Prime Tower im Blick? Doch vermutlich stolpern die meisten Anreisenden am helllichten Tag über das Kopfsteinpflaster dem Schornstein vom alten Kesselhaus – weithin sichtbarer Wegweiser – entgegen.

Um eines gleich zu sagen: Nein, es riecht nicht mehr nach Gerste. Innen erinnern noch einige optische Details an die Vorgeschichte des Designhotels als Brauerei. Zuerst fallen die lang gezogenen Bogenfenster auf, die die Bibliothek samt Weinbar mit Tageslicht versorgen. Die Zimmer im ehemaligen Sudhaus referieren leider nur sparsam auf ihre Geschichte: Lediglich Fotografien von Jochen Splett zeigen die ehemaligen Räumlichkeiten verfremdet.

Mehr vom Brauereigeist spürt man in den acht Suiten, die sich im einstigen Kühlschiff befinden und als Haus im Haus konzipiert sind. Da sie wie Boxen losgelöst von der Hülle eingebaut wurden, sieht der Gast auf dem Balkon, wie sich die Stahlrippen der alten Konstruktion über seinem Kopf spannen. Dem weiten Blick über Zürich stellen sich außerdem Eisenlamellen entgegen, die für Schatten sorgen. In einem Gang, hinter Glas, ist noch ein alter, vom Putz befreiter Mauerrest zu bestaunen, der von diversen Eingriffen zeugt.

Überall im Haus sind Bücher verteilt: Die 33.000 Exemplare stammen aus einem Antiquariat und finden auch zu Tischen gestapelt und in den Zimmern als Bettlektüre Verwendung. Für mich stehen unter anderem bereit: „Schöne alte Biertrinkgefäße“, „Schlösser Europas“ und „Bleib jung, lebe länger!“ Letzteres – ein Diätbuch aus der Nachkriegszeit – ist nicht die beste Einstimmung auf das leckere Frühstück am nächsten Morgen.

Dass das B2 hauptsächlich von gut gekleideten Businessreisenden besucht wird, haben die Gestalter des Innenraums – ushitamborriello – bei der Planung des „Frühstücksraums“ offensichtlich mitbedacht. Denn man speist in der Bibliothek – zwar optisch reizvoll eingerahmt vom Antiquariatsbestand, unter Leuchtern aus mattgrünen Bierflaschen, doch ist der Bereich nicht von der Empfangshalle getrennt. Im Gegenteil: Erhöht und von den Leuchten gut inszeniert, sitzt man auf dem Präsentierteller. Ein nachlässiger Kleidungsstil wäre da für beide Seiten des Schauspiels unerfreulich.

Sofern man nicht das Thermalbad im Kellergewölbe aufsucht, empfiehlt sich die Flucht nach vorn aus dem Areal in die Stadt. Zwar haben sich auf dem Areal der Brauerei neben dem Promimieter Google diverse Einrichtungsgeschäfte und Wohlfühltempel angesiedelt – doch die sind zumindest bei meinem Aufenthalt allesamt gespenstisch leer. Auch die restliche direkte Umgebung ist wenig reizvoll: Chinaimbisse und Wohnblöcke laden nicht eben zu Spaziergang und Absacker ein. Wie gut, dass man sowieso nicht erst eine Bar in der Umgebung suchen muss: Sein Bier – natürlich der Marke Hürlimann – bekommt man auch im Hotel gezapft.

Adresse

B2 Boutique Hotel + Spa
Brandschenkestrasse 152
CH-8002 Zürich
www.b2boutiquehotels.com