Zukunft der Arbeit

Gemeinsam mit dem Schweizer Möbelhersteller USM diskutierten wir in Köln die Jobwelt der Zukunft. Das Ergebnis: 15 Forderungen aus Sicht der Architektur, die wie abends vor rund 500 Leuten vorstellten.

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v.l: Ayşin Ipekçi, Ulrich Königs, Imke Keicher, Catrin Krayer, Thomas Dienes, Alexander Gutzmer

Der Rahmen dafür war passend: Im Kölner Dock.One hatte der Schweizer Möbelhersteller USM ein temporäres Büro für seine Mitarbeiter eingerichtet. In diesem leicht virtuellen Ambiente hatten wir mit Architekten und Wissenschaftlern erforscht, welche Forderungen aus Sicht der Architektur an das Arbeiten von morgen zu stellen sind. Die Headlines: „Digitales Leben“, „Ressourceneffizientes Wirtschaften“, „Bedürfnisbefriedigung mehrerer Generationen“. Gerade letzteres Thema sorgte für kontroverse Debatten im Panel, an dem neben den Architekten Ulrich Königs und Ayşin Ipekçi die Zukunftsforscherin Imke Keicher, Thomas Dienes (Leiter Produktentwickung bei USM) und die Unternehmenssprecherin Catrin Krayer teilnahmen.

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Rund 500 Zuschauer kamen ins Dock.one

Welche neuen Formen der Zusammenarbeit werden durch mobile Arbeitstools wie Smartphones, Tablets oder Notebooks möglich? Klar ist: Aller Technik zum Trotz steht der Mensch im Mittelpunkt. „Beziehungen bilden den zentralen Rohstoff der digitalen Wirtschaft“ lautete die erste These. Innerhalb von Unternehmen, im Kontakt mit Kunden, in der Kommunikation mit anderen Unternehmen – das Knüpfen persönlicher Netzwerke bildet die Grundlage für erfolgreiches Arbeiten, darin waren sich alle Beteiligten einig.

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Die nächste These greift den Gegensatz zwischen physischer und digitaler Welt auf: „Physisches und Digitales bilden zwei miteinander kommunizierende Röhren“. Der Raum bildet das Digitale als fluides, nicht statisches Gebilde ab. In der Kommunikation beider Bereiche können flexible und einladende „Wir-Orte“ entstehen.

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Temporäres Büro: Das USM-Lab im Dock.one

„In Unternehmen herrscht eine verwirrende Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Arbeitsformen und Charaktere“ lautet ein weiteres Statement. Um eine funktionierende Arbeitsstruktur zu entwickeln, ist eine soziale und generationenübergreifende Durchmischung unabdingbar, die sich auch räumlich abbilden muss.

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Die  Identifikation der Mitarbeiter mit ihrer Firma spielt bei alldem eine entscheidende Rolle: „Corporate Identity muss sich nach innen wie nach außen richten.“ Eng damit in Zusammenhang steht die Gestaltung von Räumen mit einem authentischen Lebensumfeld: „Erfolgreiche Unternehmen schaffen ein Habitat für ihre Mitarbeiter“. Das Gefühl der Verbundenheit mit dem Unternehmen muss für den Mitarbeiter spürbar sein.

Ressourceneffizientes Wirtschaften

Eine weitere These: „Nachhaltig denken heißt Produkte und Gebäude ganzheitlich betrachten“. Die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens hängt also von einer umfassenden Perspektive und dessen konsequenter Umsetzung ab, so die Meinung des Panels. Welche Querverbindungen, welche womöglich noch zu wenig betrachteten Beziehungen wirft ein Gebäude auf? Hier heißt es für Unternehmen wie Architekten, den eigenen Blick nicht zu früh zu beschränken.

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Den Unternehmen kommt damit auch ein pädagogischer Auftrag zu: „Nachhaltigkeit beginnt im Mindset der eigenen Mitarbeiter“. Das moralische Handeln der Firma dient als Vorbild und sensibilisiert die Mitarbeiter.

Die nächste These dürfte Hardcore-Ökologen zunächst überraschen. „Porsche ist das nachhaltigste Auto der Welt“. Gemeint ist, dass langlebige Produkte in Würde altern – und dass man dies als Qualität erkennen muss. Gefordert ist ein Umdenken in der Konsumhaltung. Damit einher geht die nächste These: „Wir haben es verlernt, Produkten und Gebäuden beim Altern zuzusehen“.

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Womit wir beim Thema Nachhaltigkeit in der Architektur wären. Die Überlegung: Erst das Einfache, Robuste und Eigensinnige macht Gebäude anpassungsfähig. Oder anders ausgedrückt: „Architektur muss Charakter haben, um nachhaltig zu wirken“ – „Simplexity“ so nannte es Ayşin Ipekçi.

Bedürfnisbefriedigung mehrerer Generationen

All diese Veränderungen stellen gerade auch das Zusammenwirken unterschiedlicher Generationen im Unternehmen auf eine beträchtliche Probe. Einen regelrechten Generationenbruch aufgrund der Digitalisierung stellten die Teilnehmer fest. Um diesen Bruch zu kitten, müssen Unternehmen bewusst in die Individualität und Lebensphasen ihrer Mitarbeiter investieren.

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„Flip Learning“, also das Lernen der Generationen voneinander, wird zum Erfolgsprinzip. Um dies zu ermöglichen, benötigen Unternehmen unterschiedlich kommunikative Räume – laut oder leise, transparent oder geschlossen – Räume, die die Vielfalt der Mitarbeiter abbilden.