Wer ein Mauerwerk plant, steht früh vor einer grundlegenden Entscheidung: ZiegelZiegel: Der Ziegel ist ein massives Baumaterial, das aus Ton oder Lehm gebrannt wird. Es gibt verschiedene Arten von Ziegeln, die jeweils für unterschiedliche Zwecke verwendet werden. oder PorenbetonPorenbeton: Porenbeton ist ein Beton, der durch die Zugabe von Hohlraum bildenden Stoffen wie Zement oder Kalkstein eine geringere Dichte aufweist. Dadurch ist er insbesondere im Bereich der Wärmedämmung sehr beliebt.. Beide Wandbaustoffe dominieren den deutschen Massivbau seit Jahrzehnten, beide erfüllen die wesentlichen Anforderungen an Tragfähigkeitbezieht sich auf die Fähigkeit eines Bauelements oder einer Struktur, die Lasten und Belastungen zu tragen, die auf sie wirken. Die Tragfähigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise der Materialqualität, Konstruktion und der Art der Belastung., Wärmeschutz und Feuchteschutz, und doch unterscheiden sie sich in Herstellung, Struktur, Verarbeitbarkeit und bauphysikalischem Verhalten so deutlich, dass die Wahl zwischen ihnen erhebliche Konsequenzen für Konstruktion, Kosten und Komfort hat. Wer die Eigenschaften beider Baustoffe wirklich versteht, trifft diese Entscheidung nicht nach Gewohnheit, sondern nach Sachkenntnis.
- Was Ziegel und Porenbeton materialwissenschaftlich voneinander unterscheidet und wie beide hergestellt werden
- Welche bauphysikalischen Kennwerte für Wärmeschutz, Feuchteschutz und SchallschutzSchallschutz - Die Fähigkeit eines Gebäudes oder Raumes, Schall abzuschirmen und zu dämpfen. entscheidend sind
- Wie sich beide Baustoffe in der Verarbeitung, beim Mauern und bei der Detailausbildung verhalten
- Welche Tragfähigkeiten und Druckfestigkeiten typisch sind und was das für den konstruktiven Einsatz bedeutet
- Wann einschaliges Mauerwerk ohne Zusatzdämmung realisierbar ist und wann nicht
- Welche Rolle Diffusionsoffenheit, Feuchteregulierung und Wärmeträgheit im Gebäudebetrieb spielen
- Welche typischen Anwendungsfelder, FormateFormate: Formate beschreiben die Abmessungen von Baustoffen, insbesondere von Mauersteinen. und Systemlösungen es für beide Baustoffe gibt
- Welche Missverständnisse und Vereinfachungen in der Praxis häufig auftreten und wie man sie vermeidet
Materialwissenschaftliche Grundlagen: Was Ziegel und Porenbeton wirklich sind
Der Begriff Ziegel bezeichnet gebrannte keramische Mauerziegel, die aus natürlichem Ton oder LehmLehm: Lehm ist eine natürliche, aus Tonmineralien und anderen Bestandteilen bestehende Substanz. Er wird als Baustoff eingesetzt und eignet sich aufgrund seiner guten wärme- und feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften besonders gut zur Herstellung von Lehmwänden und -decken. geformt und bei Temperaturen zwischen etwa 900 und 1100 Grad Celsius gebrannt werden. Beim Brennvorgang versintern die Tonmineralien, das Material wird hart, formstabil und wasserbeständig. Moderne HochlochziegelHochlochziegel: Ein Hochlochziegel ist ein Mauerstein, der besonders viele Hohlräume aufweist und dadurch eine höhere Wärmedämmung aufweist. enthalten zusätzlich organische ZuschlagstoffeZuschlagstoffe: Zuschlagstoffe sind Materialien wie Kies oder Sand, die bei der Herstellung von Beton oder Estrich als Füllstoffe verwendet werden. wie Sägemehl, Papierfasern oder Styroporkügelchen, die beim Brennen ausbrennen und ein feines Porensystem im ScherbenScherben: Scherben bezieht sich auf gebrochenes Glas oder Keramikmaterial. In der Architektur können Scherben zum Beispiel als Baustoffe verwendet werden oder als dekoratives Element in Fenstern, Fliesen oder Mosaiken. hinterlassen. Dieses Porensystem senkt die WärmeleitfähigkeitWärmeleitfähigkeit - Der Grad der Wärmeübertragung durch ein Material. erheblich, ohne die DruckfestigkeitDruckfestigkeit: Die Druckfestigkeit eines Baustoffs gibt an, wie viel Druck er standhalten kann, bevor er bricht oder sich verformt. unzumutbar zu verringern. Die RohdichteRohdichte - Maß für die Dichte eines Werkstoffs im unbearbeiteten Zustand moderner Wärmedämmziegel liegt je nach Produkt zwischen etwa 600 und 1000 Kilogramm pro Kubikmeter, klassische VollziegelVollziegel: Der Vollziegel ist ein massiver Ziegel, der aus Ton gebrannt wird. Er ist besonders stabil und widerstandsfähig und wird oft bei der modernen Architektur verwendet. erreichen dagegen Rohdichten von 1600 bis 2000 Kilogramm pro Kubikmeter.
Porenbeton, im Fachhandel auch als Gasbeton oder unter dem Markennamen Ytong bekannt, ist ein mineralischer LeichtbetonLeichtbeton: Leichtbeton ist ein Beton, der durch die Zugabe von speziellen Zuschlagstoffen eine geringere Dichte aufweist. Dadurch ist er leichter als herkömmlicher Beton und eignet sich insbesondere für den Einsatz in Fassaden oder Deckenkonstruktionen., der aus Quarzsand oder Flugasche, KalkKalk: Ein Baustoff, der aus gebranntem Kalkstein hergestellt wird und für verschiedene Zwecke eingesetzt wird., ZementZement: Zement ist ein Bindemittel, das aus Kalkstein, Ton und anderen mineralischen Stoffen hergestellt wird. Es wird unter anderem für die Herstellung von Beton und Mörtel verwendet., Wasser und einem Treibmittel, meist Aluminiumpulver, hergestellt wird. Das Aluminiumpulver reagiert mit dem Kalkhydrat und erzeugt Wasserstoffgas, das die noch plastische Masse aufschäumt und ein gleichmäßiges, feinporiges Gefüge erzeugt. Anschließend wird das Material in einem Autoklaven unter Wasserdampfdruck bei rund 180 Grad Celsius gehärtet, wobei sich Tobermorit als festigkeitsgebende Mineralphase bildet. Die Rohdichte von Porenbeton liegt typischerweise zwischen 300 und 700 Kilogramm pro Kubikmeter, was ihn zu einem der leichtesten mineralischen Wandbaustoffe überhaupt macht.
Beide Baustoffe sind also mineralisch und anorganisch, beide sind nicht brennbar und erfüllen die Anforderungen der BaustoffklasseBaustoffklasse: Ist eine Klassifizierung von Baustoffen, die je nach ihrer Brandverhalten, z.B. ihre Brennbarkeit oder Feuerwiderstandsfähigkeit, eingestuft werden. A1 nach DIN ENEN steht für "Europäische Norm" und ist ein Standard für Produkte und Produkttests in Europa. 13501-1. Dennoch unterscheiden sich ihre Mikrostrukturen grundlegend: Der Ziegel besitzt eine keramische Matrix mit einem System aus Makroporen (den Lochungen im Hochlochziegel) und Mikroporen im Scherben, während Porenbeton eine homogene, gleichmäßig verteilte Porenstruktur aufweist, in der die PorenPoren: Kleine Löcher oder Hohlräume in einem Material. durch dünne Stege aus gehärtetem Kalk-Quarz-Zement-Gemisch getrennt sind. Diese strukturellen Unterschiede prägen nahezu alle bauphysikalischen Eigenschaften beider Baustoffe.
Wärmeschutz: Wärmeleitfähigkeit, Wärmedämmwert und einschaliges Mauerwerk
Der wichtigste Kennwert für den Wärmeschutz ist die Wärmeleitfähigkeit, angegeben als Bemessungswert lambda in W/(m·K). Je niedriger dieser Wert, desto besser dämmt das Material. Moderne Wärmedämmziegel erreichen Bemessungswerte zwischen etwa 0,07 und 0,14 W/(m·K), abhängig von Rohdichteklasse und Lochgeometrie. Porenbeton liegt mit Bemessungswerten zwischen etwa 0,08 und 0,21 W/(m·K) in einem vergleichbaren Bereich, wobei die leichtesten Klassen (Rohdichte 300 bis 400 kg/m³) die niedrigsten Werte erzielen.
Für die Praxis bedeutet das: Mit beiden Baustoffen ist einschaliges Mauerwerk ohne separate WärmedämmschichtWärmedämmschicht: Eine Schicht von Material, die auf eine Oberfläche aufgebracht wird, um die Wärmeverluste zu reduzieren. prinzipiell möglich, wenn die Wandstärke ausreichend gewählt wird. Ein Wärmedämmziegel mit lambda von 0,09 W/(m·K) und einer Wandstärke von 42,5 Zentimetern erreicht einen WärmedurchgangswiderstandWärmedurchgangswiderstand: Ein Maß für die Widerstandsfähigkeit eines Materials gegen Wärmeverluste., der den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes für Außenwände in vielen Fällen genügt. Porenbeton der Rohdichteklasse 0,35 mit einem Bemessungswert von etwa 0,09 W/(m·K) und einer Wandstärke von 36,5 Zentimetern erzielt ähnliche Ergebnisse. Beide Systeme konkurrieren also direkt um den Markt des einschaligen, monolithischen Massivbaus, der in Deutschland nach wie vor eine bedeutende Rolle spielt.
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Wärmeträgheit, also der Fähigkeit eines Bauteils, Wärme zu speichern und zeitverzögert abzugeben. Diese Eigenschaft wird durch die spezifische WärmekapazitätSpezifische Wärmekapazität - Wärmemenge, die benötigt wird, um eine Einheit von Material um einen Grad zu erwärmen. und die Rohdichte bestimmt. Ziegel hat eine höhere Rohdichte als Porenbeton und damit eine höhere WärmespeicherfähigkeitWärmespeicherfähigkeit bezeichnet die Fähigkeit eines Stoffes, Wärme zu speichern. pro Volumeneinheit. Das bedeutet, dass ein Ziegelmauerwerk Temperaturschwankungen stärker puffert, was im Sommer zu einem angenehmeren RaumklimaRaumklima: Das Raumklima beschreibt die Eigenschaften der Luft in einem Raum und umfasst insbesondere Faktoren wie Feuchtigkeit, Temperatur und Luftqualität. Ein gutes Raumklima ist wichtig für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bewohner. beitragen kann. Porenbeton mit seiner geringen Rohdichte erwärmt sich schneller, kühlt aber auch schneller aus. Für Gebäude mit diskontinuierlicher Nutzung, etwa Ferienhäuser oder Versammlungsstätten, kann die schnelle Aufheizbarkeit des Porenbetons ein Vorteil sein; für dauerhaft bewohnte Gebäude in sommerwarmen Lagen spricht die Wärmespeichermasse des Ziegels für sich.
Feuchteschutz, Diffusionsoffenheit und das hygrische Verhalten im Wandquerschnitt
Die Frage nach dem Feuchteschutz ist bei der Entscheidung zwischen Ziegel oder Porenbeton besonders vielschichtig, weil beide Baustoffe sehr unterschiedliche hygrische Eigenschaften besitzen. Porenbeton ist ein ausgesprochen kapillaraktiver und diffusionsoffener Baustoff. Sein Wasserdampfdiffusionswiderstandsfaktor mu liegt je nach Rohdichte zwischen etwa 5 und 10, was bedeutet, dass Wasserdampf dieses Material relativ leicht durchdringen kann. Gleichzeitig kann Porenbeton durch sein feines Porensystem Feuchtigkeit kapillar aufnehmen und wieder abgeben. Diese Eigenschaft macht ihn feuchteregulierend, birgt aber auch Risiken: Porenbeton, der dauerhaft feucht wird, verliert FestigkeitDieser Begriff bezieht sich auf die Fähigkeit eines Materials oder einer Konstruktion, Belastungen und Kräften standzuhalten, ohne zu versagen oder zu brechen. Die Festigkeit wird in der Regel durch Prüfverfahren ermittelt und ist ein wichtiger Faktor bei der Materialauswahl und Konstruktion. und Wärmedämmvermögen erheblich. Daher ist Porenbeton zwingend vor direktem Schlagregen und aufsteigender Feuchte zu schützen, was durch geeignete Putzsysteme, Sockelabdichtungen und Dachüberständen sichergestellt wird.
Ziegel, insbesondere Hochlochziegel, weisen ebenfalls eine gewisse Diffusionsoffenheit auf, sind aber durch die keramische Sinterstruktur des Scherbens weniger kapillaraktiv als Porenbeton. Der mu-Wert von Ziegeln liegt je nach Produkt zwischen etwa 5 und 15. Die Lochgeometrie moderner Hochlochziegel ist so gestaltet, dass KonvektionKonvektion: Konvektion bezeichnet den Wärmetransport durch Strömung eines Fluids wie etwa Luft oder Wasser. In der Architektur findet Konvektion etwa bei Heizsystemen oder Klimaanlagen Anwendung. durch die Löcher minimiert wird, was die effektive Wärmedämmwirkung erhöht, aber auch die Diffusionseigenschaften des Gesamtquerschnitts beeinflusst. Für den Wandaufbau bedeutet das: Beide Baustoffe erlauben diffusionsoffene Konstruktionen, die ohne DampfbremseDampfbremse: Eine Dampfbremse ist eine Folie, die an der Innenseite von Wänden angebracht wird, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Wärmedämmung. oder DampfsperreDampfsperre: Eine Dampfsperre ist eine dichte Schicht, die verhindert, dass Wasserdampf in die Dämmung eindringt. auskommen, sofern der Wandaufbau insgesamt so gestaltet ist, dass keine Tauwasserakkumulation im Bauteilinneren entsteht.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Verhalten beider Baustoffe im Sockelbereich und bei der AbdichtungAbdichtung: eine Schutzschicht auf einer Fläche, um das Eindringen von Feuchtigkeit oder Schmutz zu verhindern. gegen Bodenfeuchte. Porenbeton ist aufgrund seiner Kapillaraktivität im erdberührenden Bereich ohne zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen nicht geeignet. Ziegel ist hier robuster, weil die keramische Matrix weniger kapillar saugt, aber auch Ziegelmauerwerk benötigt im Sockelbereich eine fachgerecht ausgeführte horizontale Abdichtung gegen aufsteigende Feuchte. Beide Baustoffe reagieren auf dauerhaft erhöhte Feuchtegehalte mit Festigkeitsverlusten und, im Fall von Porenbeton, mit einer deutlichen Verschlechterung der Wärmedämmeigenschaften.
Tragfähigkeit, Druckfestigkeit und konstruktiver Einsatz
Für die tragende Funktion im Mauerwerk ist die Druckfestigkeit des Mauersteins maßgebend, ergänzt durch die Festigkeit des Mörtels und die resultierende charakteristische Druckfestigkeit des Mauerwerks nach DIN EN 1996 (EurocodeEurocode: Der Eurocode ist eine normative Sammlung von europäischen Konstruktionsstandards für Bauprojekte. Er soll dabei helfen, eine einheitliche und sichere Bauweise zu garantieren. 6). Ziegel werden in Festigkeitsklassen eingeteilt, die als Druckfestigkeitsklasse (DFK) bezeichnet werden und Werte von 4 bis 60 Newton pro Quadratmillimeter umfassen. Wärmedämmziegel mit sehr niedriger Rohdichte liegen typischerweise in den Klassen 4 bis 10, was für mehrgeschossige Wohngebäude in der Regel ausreicht. Vollziegel und KlinkerKlinker: Klinker ist ein besonders widerstandsfähiger und langlebiger Baustoff, der durch das Brennen von Ton hergestellt wird und oft in der Fassade von Gebäuden oder als Bodenbelag Verwendung findet. erreichen deutlich höhere Festigkeiten und werden dort eingesetzt, wo besondere mechanische Beanspruchungen, etwa durch Stützen, Unterzüge oder Kellermauerwerk, auftreten.
Porenbeton wird nach Rohdichte- und Festigkeitsklassen klassifiziert. Die FestigkeitsklasseFestigkeitsklasse: Die Festigkeitsklasse eines Baustoffs beschreibt seine Fähigkeit, äußeren Belastungen und Kräften standzuhalten. (PP) gibt die charakteristische Druckfestigkeit in Newton pro Quadratmillimeter an. Typische Wandbauplatten und Plansteine aus Porenbeton liegen in den Klassen PP2 bis PP6, wobei PP4 und PP6 für mehrgeschossige Gebäude gebräuchlich sind. Die Druckfestigkeit von Porenbeton ist im direkten Vergleich mit Ziegeln gleicher Rohdichte tendenziell geringer, was jedoch durch die homogene Struktur und die präzise Maßhaltigkeit der Plansteine teilweise kompensiert wird. Plansteine aus Porenbeton werden mit Dünnbettmörtel in Schichtdicken von ein bis drei Millimetern vermauert, was die Wärmebrückenwirkung der FugenFugen: die Lücken oder Spalten zwischen Fliesen oder anderen Elementen. minimiert und die Mauerwerksqualität erhöht.
Ziegel werden je nach Produktsystem entweder mit Normalmörtel, Leichtmörtel oder ebenfalls mit Dünnbettmörtel verarbeitet. Hochlochziegel mit Nut-Feder-System erlauben das Vermauern ohne Stoßfugenvermörtelung, was die Verarbeitungsgeschwindigkeit erhöht und die Wärmebrückenwirkung der Stoßfugen reduziert. Für beide Baustoffe gilt: Die Qualität der Ausführung, insbesondere die Einhaltung der Lagerfugendicke und die vollflächige Vermörtelung, hat erheblichen Einfluss auf die resultierende Mauerwerksdruckfestigkeit und die Wärmedämmeigenschaften des Gesamtquerschnitts.
Schallschutz: Masse, Struktur und die Grenzen beider Baustoffe
Beim Schallschutz zeigt sich einer der deutlichsten Unterschiede zwischen Ziegel oder Porenbeton. Das Schalldämmmaß einer Wand hängt nach dem Massegesetz stark von der flächenbezogenen Masse ab: Schwere Wände dämmen SchallSchall: Schall beschreibt Druckwellen in der Luft, die vom menschlichen Gehör wahrgenommen werden können. besser als leichte. Da Ziegel eine deutlich höhere Rohdichte als Porenbeton aufweist, erzielt Ziegelmauerwerk bei gleicher Wandstärke in der Regel ein höheres bewertetes Schalldämmmaß. Ein 24 Zentimeter dickes Ziegelmauerwerk mit Rohdichte 1000 kg/m³ erreicht ein bewertetes Schalldämmmaß von etwa 50 bis 52 Dezibel, während eine gleich dicke Porenbetonwand mit Rohdichte 400 kg/m³ auf etwa 42 bis 46 Dezibel kommt.
Für Wohnungstrennwände, die nach DIN 4109 ein bewertetes Schalldämmmaß von mindestens 53 Dezibel erfüllen müssen, ist Porenbeton in einschaliger Ausführung bei üblichen Wandstärken daher häufig nicht ausreichend. Hier werden entweder größere Wandstärken, höhere Rohdichteklassen oder zweischalige Konstruktionen erforderlich. Ziegel bietet in dieser Hinsicht mehr Spielraum, ohne dass die Wandstärke unverhältnismäßig zunehmen muss. Für Außenwände, bei denen der Schallschutz gegen Außenlärm im Vordergrund steht, ist die Situation ähnlich: Schwere Ziegelwände schützen besser vor tieffrequentem Verkehrslärm als leichte Porenbetonwände gleicher Stärke.
Es wäre jedoch falsch, Porenbeton pauschal als schallschutzschwach abzustempeln. In Gebäuden mit geringeren Schallschutzanforderungen, etwa in Einfamilienhäusern ohne Wohnungstrennwände, ist der Schallschutz durch Porenbeton in der Regel vollkommen ausreichend. Wer die Anforderungen der DIN 4109 kennt und die Wandkonstruktion entsprechend plant, kann mit beiden Baustoffen schallschutztaugliche Lösungen realisieren, wenn auch mit unterschiedlichem konstruktivem Aufwand.
Verarbeitung, Bearbeitung und Systemlösungen auf der Baustelle
Ein praktischer Vorteil des Porenbetons, der auf der Baustelle täglich spürbar ist, liegt in seiner einfachen Bearbeitbarkeit. Porenbeton lässt sich mit einer Handsäge, einer Bandsäge oder einem Winkelschleifer schneidenSchneiden: Das Schneiden ist ein Verfahren, um Glasplatten in bestimmte Formen oder Größen zu schneiden. Hierbei kommen spezielle Schneidewerkzeuge zum Einsatz., bohren und fräsen. Schlitze für Leitungen, Aussparungen für Dosen und Formstücke für Stürze oder RingankerRinganker: Der Ringanker ist ein Bauteil, das in der Dachkonstruktion Verwendung findet. Er verbindet die Dachsparren miteinander und sorgt für eine hohe Stabilität und Belastbarkeit der Dachkonstruktion. lassen sich ohne schweres Werkzeug herstellen. Das spart Zeit und erleichtert die Koordination zwischen Rohbau und Haustechnik erheblich. Porenbeton-Plansteine sind zudem maßgenau gefertigt, was die Ausführungsqualität erhöht und den Putzaufwand reduziert.
Ziegel sind in der Bearbeitung anspruchsvoller. Das Trennen von Hochlochziegeln erfordert eine Steinkreissäge oder einen Winkelschleifer mit Diamantscheibe; Handschnitt ist kaum möglich. Schlitze für Leitungen werden üblicherweise mit einem Schlitzgerät gefräst. Dafür bietet Ziegel eine höhere Robustheit gegenüber mechanischen Beanspruchungen und Stößen, was bei der Rohbauphase und bei der späteren Nutzung von Vorteil sein kann. Moderne Ziegelsysteme umfassen ebenfalls ein breites Sortiment an Ergänzungssteinen, Halbsteinen, U-Steinen für Ringanker und Stürzen, sodass auch hier eine weitgehend systemische Verarbeitung möglich ist.
Beide Baustoffe werden von den führenden Herstellern als vollständige Systemlösungen angeboten, die aufeinander abgestimmte Steine, MörtelMörtel: Mörtel ist ein Gemisch aus Sand, Wasser, Zement und gegebenenfalls weiteren Zusatzstoffen. Er dient als Verbindungsmaterial beim Mauerwerksbau und sorgt für eine stabile und dauerhafte Verbindung der Steine oder Ziegel., Putze und Ergänzungselemente umfassen. Die Einhaltung dieser Systemgrenzen ist nicht nur aus Gewährleistungsgründen wichtig, sondern auch bauphysikalisch: Ein Porenbeton-Planstein, der mit einem nicht abgestimmten Normalmörtel vermauert wird, verliert einen Teil seiner Wärmedämmvorteile durch die Wärmebrückenwirkung der dickeren Lagerfugen. Ebenso kann ein Wärmedämmziegel, der mit einem zu steifen Mörtel vermauert wird, durch SpannungsrisseSpannungsrisse: Spannungsrisse sind Risse, die in einer Struktur auftreten, wenn die Materialspannung zu groß wird. Sie können bei der Trocknung, Abkühlung oder Belastung des Materials auftreten und können je nach Größe und Lage schwerwiegende Auswirkungen haben. in seiner Tragfähigkeit beeinträchtigt werden.
Typische Anwendungsfelder und die Frage des richtigen Einsatzes
In der deutschen Baupraxis hat sich eine gewisse regionale und typologische Präferenzverteilung herausgebildet. Porenbeton ist besonders im Einfamilienhausbau verbreitet, wo seine leichte Verarbeitbarkeit, sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im Wärmeschutz und die Möglichkeit zur Eigenleistung geschätzt werden. Ziegel dominiert traditionell im mehrgeschossigen Wohnungsbau, im Gewerbebau und überall dort, wo höhere Tragfähigkeiten, besserer Schallschutz oder eine robustere Oberfläche gefordert sind.
Für Keller und erdberührende Bauteile ist keiner der beiden Baustoffe in seiner Standardausführung optimal geeignet, wenn keine zusätzliche Abdichtung vorgesehen wird. Im Kellerbereich werden häufig Betonsteine oder wasserundurchlässiger Beton (WU-BetonWU-Beton: Die Abkürzung steht für "Wasserundurchlässiger Beton". Hierbei handelt es sich um einen besonderen Typ von Beton, der so zusammengesetzt ist, dass er wasserundurchlässig ist. WU-Beton wird vor allem in Bauteilen verwendet, die besonders vielen Feuchtigkeitsbelastungen ausgesetzt sind, wie etwa in Kellern oder Schwimmbädern.) bevorzugt. Wenn Ziegel oder Porenbeton im Keller eingesetzt werden, ist eine fachgerechte Abdichtung gegen Bodenfeuchte und drückendes Wasser unabdingbar. Porenbeton ist hier besonders empfindlich und sollte im erdberührenden Bereich nur mit geeigneten Spezialprodukten und vollständiger Außenabdichtung verwendet werden.
Im Sichtmauerwerk, also bei FassadenFassaden sind die Außenwände von Gebäuden, die zur Straße hin sichtbar sind. ohne Putz, ist Ziegel klar im Vorteil. Klinker und VerblendmauerwerkVerblendmauerwerk: Verblendmauerwerk ist ein Mauerwerk, bei dem eine dünne Schicht aus Stein oder Klinker auf das eigentliche Mauerwerk aufgebracht wird. Diese Technik wird oft genutzt, um ein Gebäude zu gestalten oder zu verschönern. aus Ziegel sind witterungsbeständig, frostfest und wartungsarm. Porenbeton ist für unverputzte Außenflächen nicht geeignet, da seine offenporige Struktur Schlagregen aufnimmt und die Frostbeständigkeit unverputzter Porenbetonoberflächen begrenzt ist. Für verputzte Fassaden hingegen sind beide Baustoffe gleichermaßen geeignet, sofern ein abgestimmtes Putzsystem verwendet wird.
Häufige Missverständnisse bei der Wahl zwischen Ziegel und Porenbeton
Ein verbreitetes Missverständnis lautet, Porenbeton sei grundsätzlich weniger dauerhaft als Ziegel. Das ist so nicht korrekt. Porenbeton, der vor Feuchte geschützt und fachgerecht verarbeitet wird, ist ein langlebiger Baustoff mit einer nachgewiesenen NutzungsdauerNutzungsdauer - Die Lebensdauer eines Gebäudes oder Produkts, bevor es ersetzt oder entsorgt werden muss. von mehreren Jahrzehnten. Gebäude aus Porenbeton aus den frühen Nachkriegsjahrzehnten stehen heute noch und belegen die prinzipielle Dauerhaftigkeit des Materials. Probleme entstehen fast ausschließlich dort, wo Porenbeton dauerhafter Feuchte ausgesetzt wird, also bei fehlender Abdichtung, mangelhaftem Putz oder unzureichendem Dachüberstand.
Umgekehrt wird Ziegel manchmal als universell überlegen dargestellt, was ebenfalls vereinfacht ist. Wärmedämmziegel mit sehr niedriger Rohdichte sind zwar hervorragende Wärmedämmer, aber empfindlicher gegenüber mechanischen Beanspruchungen als dichte Vollziegel. DübelDübel sind kleine Stahlnägel, die in Löcher gebohrt werden, um Teile eines Gebäudes miteinander zu verbinden. und Befestigungen in Hochlochziegeln erfordern spezielle Hohlraumdübel, da die Lochgeometrie die Verwendung normaler Spreizdübel einschränkt. Wer schwere Lasten an Wärmedämmziegeln befestigen will, muss das bei der Planung berücksichtigen.
Ein weiteres Missverständnis betrifft den Vergleich der Wärmeleitfähigkeitswerte. Hersteller bewerben ihre Produkte gelegentlich mit Bemessungswerten, die unter Idealbedingungen ermittelt wurden. In der Praxis hängt der tatsächliche Wärmedurchgangswiderstand einer Wand von der Ausführungsqualität, der Feuchte im Mauerwerk und der Qualität der Verfugung ab. Ein Porenbeton mit lambda von 0,08 W/(m·K) und ein Wärmedämmziegel mit demselben Wert liefern in der Theorie identische Ergebnisse; ob das in der Praxis auch so ist, hängt von der Sorgfalt der Verarbeitung ab.
Ziegel oder Porenbeton: Eine Entscheidung mit Kontext
Die Frage nach Ziegel oder Porenbeton lässt sich nicht mit einer pauschalen Empfehlung beantworten, weil sie von Gebäudetyp, Nutzung, Standort, Schallschutzanforderungen, Verarbeitungskontext und nicht zuletzt von den Präferenzen des ausführenden Handwerks abhängt. Beide Baustoffe sind ausgereifte, normativ abgesicherte und in der Praxis bewährte Systeme. Wer einschaliges Mauerwerk mit gutem Wärmeschutz, leichter Verarbeitbarkeit und niedrigem Gewicht sucht, findet im Porenbeton eine überzeugende Lösung. Wer höhere Tragfähigkeiten, besseren Schallschutz, größere Wärmeträgheit oder die Möglichkeit zum Sichtmauerwerk benötigt, wird zum Ziegel greifen.
Bauphysikalisch gesehen ergänzen sich beide Baustoffe eher, als dass sie sich ausschließen. Es ist keine Seltenheit, dass in einem Gebäude Ziegel für Außenwände und Porenbeton für nichttragende Innenwände verwendet wird, oder dass Porenbeton im Einfamilienhausbau die Außenwand bildet, während Ziegelmauerwerk die Kelleraußenwände übernimmt. Solche Kombinationen sind technisch problemlos möglich, sofern die unterschiedlichen Verformungsverhalten und Feuchtedehnungen bei den Anschlussdetails berücksichtigt werden.
Architekten und Planer, die beide Baustoffe in ihrer Tiefe kennen, haben einen echten Vorteil: Sie können die Entscheidung begründet treffen, Ausschreibungen präzise formulieren und Ausführungsfehler frühzeitig erkennen. Die Wahl des Wandbaustoffs ist keine Nebensache, sie prägt das thermische, akustische und hygrische Verhalten eines Gebäudes über seine gesamte Nutzungsdauer. Wer diese Entscheidung auf Basis von Kennwerten, Systemkenntnis und Ausführungserfahrung trifft, legt damit einen Grundstein, der sich über Jahrzehnte auszahlt.
