11.04.2026

Architektur

Ziegel oder Porenbeton: Eigenschaften, Vorteile und Einsatz im Überblick

Eine Detailaufnahme von Material und Konstruktion zum Thema Ziegel oder Porenbeton
Grauer Betonbau vor weißem Himmel – ein Bild von herfrenchness über Unsplash.

Wer ein Mauerwerk plant, steht früh vor einer grundlegenden Entscheidung: Ziegel oder Porenbeton. Beide Wandbaustoffe dominieren den deutschen Massivbau seit Jahrzehnten, beide erfüllen die wesentlichen Anforderungen an Tragfähigkeit, Wärmeschutz und Feuchteschutz, und doch unterscheiden sie sich in Herstellung, Struktur, Verarbeitbarkeit und bauphysikalischem Verhalten so deutlich, dass die Wahl zwischen ihnen erhebliche Konsequenzen für Konstruktion, Kosten und Komfort hat. Wer die Eigenschaften beider Baustoffe wirklich versteht, trifft diese Entscheidung nicht nach Gewohnheit, sondern nach Sachkenntnis.

  • Was Ziegel und Porenbeton materialwissenschaftlich voneinander unterscheidet und wie beide hergestellt werden
  • Welche bauphysikalischen Kennwerte für Wärmeschutz, Feuchteschutz und Schallschutz entscheidend sind
  • Wie sich beide Baustoffe in der Verarbeitung, beim Mauern und bei der Detailausbildung verhalten
  • Welche Tragfähigkeiten und Druckfestigkeiten typisch sind und was das für den konstruktiven Einsatz bedeutet
  • Wann einschaliges Mauerwerk ohne Zusatzdämmung realisierbar ist und wann nicht
  • Welche Rolle Diffusionsoffenheit, Feuchteregulierung und Wärmeträgheit im Gebäudebetrieb spielen
  • Welche typischen Anwendungsfelder, Formate und Systemlösungen es für beide Baustoffe gibt
  • Welche Missverständnisse und Vereinfachungen in der Praxis häufig auftreten und wie man sie vermeidet

Materialwissenschaftliche Grundlagen: Was Ziegel und Porenbeton wirklich sind

Der Begriff Ziegel bezeichnet gebrannte keramische Mauerziegel, die aus natürlichem Ton oder Lehm geformt und bei Temperaturen zwischen etwa 900 und 1100 Grad Celsius gebrannt werden. Beim Brennvorgang versintern die Tonmineralien, das Material wird hart, formstabil und wasserbeständig. Moderne Hochlochziegel enthalten zusätzlich organische Zuschlagstoffe wie Sägemehl, Papierfasern oder Styroporkügelchen, die beim Brennen ausbrennen und ein feines Porensystem im Scherben hinterlassen. Dieses Porensystem senkt die Wärmeleitfähigkeit erheblich, ohne die Druckfestigkeit unzumutbar zu verringern. Die Rohdichte moderner Wärmedämmziegel liegt je nach Produkt zwischen etwa 600 und 1000 Kilogramm pro Kubikmeter, klassische Vollziegel erreichen dagegen Rohdichten von 1600 bis 2000 Kilogramm pro Kubikmeter.

Porenbeton, im Fachhandel auch als Gasbeton oder unter dem Markennamen Ytong bekannt, ist ein mineralischer Leichtbeton, der aus Quarzsand oder Flugasche, Kalk, Zement, Wasser und einem Treibmittel, meist Aluminiumpulver, hergestellt wird. Das Aluminiumpulver reagiert mit dem Kalkhydrat und erzeugt Wasserstoffgas, das die noch plastische Masse aufschäumt und ein gleichmäßiges, feinporiges Gefüge erzeugt. Anschließend wird das Material in einem Autoklaven unter Wasserdampfdruck bei rund 180 Grad Celsius gehärtet, wobei sich Tobermorit als festigkeitsgebende Mineralphase bildet. Die Rohdichte von Porenbeton liegt typischerweise zwischen 300 und 700 Kilogramm pro Kubikmeter, was ihn zu einem der leichtesten mineralischen Wandbaustoffe überhaupt macht.

Beide Baustoffe sind also mineralisch und anorganisch, beide sind nicht brennbar und erfüllen die Anforderungen der Baustoffklasse A1 nach DIN EN 13501-1. Dennoch unterscheiden sich ihre Mikrostrukturen grundlegend: Der Ziegel besitzt eine keramische Matrix mit einem System aus Makroporen (den Lochungen im Hochlochziegel) und Mikroporen im Scherben, während Porenbeton eine homogene, gleichmäßig verteilte Porenstruktur aufweist, in der die Poren durch dünne Stege aus gehärtetem Kalk-Quarz-Zement-Gemisch getrennt sind. Diese strukturellen Unterschiede prägen nahezu alle bauphysikalischen Eigenschaften beider Baustoffe.

Wärmeschutz: Wärmeleitfähigkeit, Wärmedämmwert und einschaliges Mauerwerk

Der wichtigste Kennwert für den Wärmeschutz ist die Wärmeleitfähigkeit, angegeben als Bemessungswert lambda in W/(m·K). Je niedriger dieser Wert, desto besser dämmt das Material. Moderne Wärmedämmziegel erreichen Bemessungswerte zwischen etwa 0,07 und 0,14 W/(m·K), abhängig von Rohdichteklasse und Lochgeometrie. Porenbeton liegt mit Bemessungswerten zwischen etwa 0,08 und 0,21 W/(m·K) in einem vergleichbaren Bereich, wobei die leichtesten Klassen (Rohdichte 300 bis 400 kg/m³) die niedrigsten Werte erzielen.

Für die Praxis bedeutet das: Mit beiden Baustoffen ist einschaliges Mauerwerk ohne separate Wärmedämmschicht prinzipiell möglich, wenn die Wandstärke ausreichend gewählt wird. Ein Wärmedämmziegel mit lambda von 0,09 W/(m·K) und einer Wandstärke von 42,5 Zentimetern erreicht einen Wärmedurchgangswiderstand, der den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes für Außenwände in vielen Fällen genügt. Porenbeton der Rohdichteklasse 0,35 mit einem Bemessungswert von etwa 0,09 W/(m·K) und einer Wandstärke von 36,5 Zentimetern erzielt ähnliche Ergebnisse. Beide Systeme konkurrieren also direkt um den Markt des einschaligen, monolithischen Massivbaus, der in Deutschland nach wie vor eine bedeutende Rolle spielt.

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Wärmeträgheit, also der Fähigkeit eines Bauteils, Wärme zu speichern und zeitverzögert abzugeben. Diese Eigenschaft wird durch die spezifische Wärmekapazität und die Rohdichte bestimmt. Ziegel hat eine höhere Rohdichte als Porenbeton und damit eine höhere Wärmespeicherfähigkeit pro Volumeneinheit. Das bedeutet, dass ein Ziegelmauerwerk Temperaturschwankungen stärker puffert, was im Sommer zu einem angenehmeren Raumklima beitragen kann. Porenbeton mit seiner geringen Rohdichte erwärmt sich schneller, kühlt aber auch schneller aus. Für Gebäude mit diskontinuierlicher Nutzung, etwa Ferienhäuser oder Versammlungsstätten, kann die schnelle Aufheizbarkeit des Porenbetons ein Vorteil sein; für dauerhaft bewohnte Gebäude in sommerwarmen Lagen spricht die Wärmespeichermasse des Ziegels für sich.

Feuchteschutz, Diffusionsoffenheit und das hygrische Verhalten im Wandquerschnitt

Die Frage nach dem Feuchteschutz ist bei der Entscheidung zwischen Ziegel oder Porenbeton besonders vielschichtig, weil beide Baustoffe sehr unterschiedliche hygrische Eigenschaften besitzen. Porenbeton ist ein ausgesprochen kapillaraktiver und diffusionsoffener Baustoff. Sein Wasserdampfdiffusionswiderstandsfaktor mu liegt je nach Rohdichte zwischen etwa 5 und 10, was bedeutet, dass Wasserdampf dieses Material relativ leicht durchdringen kann. Gleichzeitig kann Porenbeton durch sein feines Porensystem Feuchtigkeit kapillar aufnehmen und wieder abgeben. Diese Eigenschaft macht ihn feuchteregulierend, birgt aber auch Risiken: Porenbeton, der dauerhaft feucht wird, verliert Festigkeit und Wärmedämmvermögen erheblich. Daher ist Porenbeton zwingend vor direktem Schlagregen und aufsteigender Feuchte zu schützen, was durch geeignete Putzsysteme, Sockelabdichtungen und Dachüberständen sichergestellt wird.

Ziegel, insbesondere Hochlochziegel, weisen ebenfalls eine gewisse Diffusionsoffenheit auf, sind aber durch die keramische Sinterstruktur des Scherbens weniger kapillaraktiv als Porenbeton. Der mu-Wert von Ziegeln liegt je nach Produkt zwischen etwa 5 und 15. Die Lochgeometrie moderner Hochlochziegel ist so gestaltet, dass Konvektion durch die Löcher minimiert wird, was die effektive Wärmedämmwirkung erhöht, aber auch die Diffusionseigenschaften des Gesamtquerschnitts beeinflusst. Für den Wandaufbau bedeutet das: Beide Baustoffe erlauben diffusionsoffene Konstruktionen, die ohne Dampfbremse oder Dampfsperre auskommen, sofern der Wandaufbau insgesamt so gestaltet ist, dass keine Tauwasserakkumulation im Bauteilinneren entsteht.

Besondere Aufmerksamkeit verdient das Verhalten beider Baustoffe im Sockelbereich und bei der Abdichtung gegen Bodenfeuchte. Porenbeton ist aufgrund seiner Kapillaraktivität im erdberührenden Bereich ohne zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen nicht geeignet. Ziegel ist hier robuster, weil die keramische Matrix weniger kapillar saugt, aber auch Ziegelmauerwerk benötigt im Sockelbereich eine fachgerecht ausgeführte horizontale Abdichtung gegen aufsteigende Feuchte. Beide Baustoffe reagieren auf dauerhaft erhöhte Feuchtegehalte mit Festigkeitsverlusten und, im Fall von Porenbeton, mit einer deutlichen Verschlechterung der Wärmedämmeigenschaften.

Tragfähigkeit, Druckfestigkeit und konstruktiver Einsatz

Für die tragende Funktion im Mauerwerk ist die Druckfestigkeit des Mauersteins maßgebend, ergänzt durch die Festigkeit des Mörtels und die resultierende charakteristische Druckfestigkeit des Mauerwerks nach DIN EN 1996 (Eurocode 6). Ziegel werden in Festigkeitsklassen eingeteilt, die als Druckfestigkeitsklasse (DFK) bezeichnet werden und Werte von 4 bis 60 Newton pro Quadratmillimeter umfassen. Wärmedämmziegel mit sehr niedriger Rohdichte liegen typischerweise in den Klassen 4 bis 10, was für mehrgeschossige Wohngebäude in der Regel ausreicht. Vollziegel und Klinker erreichen deutlich höhere Festigkeiten und werden dort eingesetzt, wo besondere mechanische Beanspruchungen, etwa durch Stützen, Unterzüge oder Kellermauerwerk, auftreten.

Porenbeton wird nach Rohdichte- und Festigkeitsklassen klassifiziert. Die Festigkeitsklasse (PP) gibt die charakteristische Druckfestigkeit in Newton pro Quadratmillimeter an. Typische Wandbauplatten und Plansteine aus Porenbeton liegen in den Klassen PP2 bis PP6, wobei PP4 und PP6 für mehrgeschossige Gebäude gebräuchlich sind. Die Druckfestigkeit von Porenbeton ist im direkten Vergleich mit Ziegeln gleicher Rohdichte tendenziell geringer, was jedoch durch die homogene Struktur und die präzise Maßhaltigkeit der Plansteine teilweise kompensiert wird. Plansteine aus Porenbeton werden mit Dünnbettmörtel in Schichtdicken von ein bis drei Millimetern vermauert, was die Wärmebrückenwirkung der Fugen minimiert und die Mauerwerksqualität erhöht.

Ziegel werden je nach Produktsystem entweder mit Normalmörtel, Leichtmörtel oder ebenfalls mit Dünnbettmörtel verarbeitet. Hochlochziegel mit Nut-Feder-System erlauben das Vermauern ohne Stoßfugenvermörtelung, was die Verarbeitungsgeschwindigkeit erhöht und die Wärmebrückenwirkung der Stoßfugen reduziert. Für beide Baustoffe gilt: Die Qualität der Ausführung, insbesondere die Einhaltung der Lagerfugendicke und die vollflächige Vermörtelung, hat erheblichen Einfluss auf die resultierende Mauerwerksdruckfestigkeit und die Wärmedämmeigenschaften des Gesamtquerschnitts.

Schallschutz: Masse, Struktur und die Grenzen beider Baustoffe

Beim Schallschutz zeigt sich einer der deutlichsten Unterschiede zwischen Ziegel oder Porenbeton. Das Schalldämmmaß einer Wand hängt nach dem Massegesetz stark von der flächenbezogenen Masse ab: Schwere Wände dämmen Schall besser als leichte. Da Ziegel eine deutlich höhere Rohdichte als Porenbeton aufweist, erzielt Ziegelmauerwerk bei gleicher Wandstärke in der Regel ein höheres bewertetes Schalldämmmaß. Ein 24 Zentimeter dickes Ziegelmauerwerk mit Rohdichte 1000 kg/m³ erreicht ein bewertetes Schalldämmmaß von etwa 50 bis 52 Dezibel, während eine gleich dicke Porenbetonwand mit Rohdichte 400 kg/m³ auf etwa 42 bis 46 Dezibel kommt.

Für Wohnungstrennwände, die nach DIN 4109 ein bewertetes Schalldämmmaß von mindestens 53 Dezibel erfüllen müssen, ist Porenbeton in einschaliger Ausführung bei üblichen Wandstärken daher häufig nicht ausreichend. Hier werden entweder größere Wandstärken, höhere Rohdichteklassen oder zweischalige Konstruktionen erforderlich. Ziegel bietet in dieser Hinsicht mehr Spielraum, ohne dass die Wandstärke unverhältnismäßig zunehmen muss. Für Außenwände, bei denen der Schallschutz gegen Außenlärm im Vordergrund steht, ist die Situation ähnlich: Schwere Ziegelwände schützen besser vor tieffrequentem Verkehrslärm als leichte Porenbetonwände gleicher Stärke.

Es wäre jedoch falsch, Porenbeton pauschal als schallschutzschwach abzustempeln. In Gebäuden mit geringeren Schallschutzanforderungen, etwa in Einfamilienhäusern ohne Wohnungstrennwände, ist der Schallschutz durch Porenbeton in der Regel vollkommen ausreichend. Wer die Anforderungen der DIN 4109 kennt und die Wandkonstruktion entsprechend plant, kann mit beiden Baustoffen schallschutztaugliche Lösungen realisieren, wenn auch mit unterschiedlichem konstruktivem Aufwand.

Verarbeitung, Bearbeitung und Systemlösungen auf der Baustelle

Ein praktischer Vorteil des Porenbetons, der auf der Baustelle täglich spürbar ist, liegt in seiner einfachen Bearbeitbarkeit. Porenbeton lässt sich mit einer Handsäge, einer Bandsäge oder einem Winkelschleifer schneiden, bohren und fräsen. Schlitze für Leitungen, Aussparungen für Dosen und Formstücke für Stürze oder Ringanker lassen sich ohne schweres Werkzeug herstellen. Das spart Zeit und erleichtert die Koordination zwischen Rohbau und Haustechnik erheblich. Porenbeton-Plansteine sind zudem maßgenau gefertigt, was die Ausführungsqualität erhöht und den Putzaufwand reduziert.

Ziegel sind in der Bearbeitung anspruchsvoller. Das Trennen von Hochlochziegeln erfordert eine Steinkreissäge oder einen Winkelschleifer mit Diamantscheibe; Handschnitt ist kaum möglich. Schlitze für Leitungen werden üblicherweise mit einem Schlitzgerät gefräst. Dafür bietet Ziegel eine höhere Robustheit gegenüber mechanischen Beanspruchungen und Stößen, was bei der Rohbauphase und bei der späteren Nutzung von Vorteil sein kann. Moderne Ziegelsysteme umfassen ebenfalls ein breites Sortiment an Ergänzungssteinen, Halbsteinen, U-Steinen für Ringanker und Stürzen, sodass auch hier eine weitgehend systemische Verarbeitung möglich ist.

Beide Baustoffe werden von den führenden Herstellern als vollständige Systemlösungen angeboten, die aufeinander abgestimmte Steine, Mörtel, Putze und Ergänzungselemente umfassen. Die Einhaltung dieser Systemgrenzen ist nicht nur aus Gewährleistungsgründen wichtig, sondern auch bauphysikalisch: Ein Porenbeton-Planstein, der mit einem nicht abgestimmten Normalmörtel vermauert wird, verliert einen Teil seiner Wärmedämmvorteile durch die Wärmebrückenwirkung der dickeren Lagerfugen. Ebenso kann ein Wärmedämmziegel, der mit einem zu steifen Mörtel vermauert wird, durch Spannungsrisse in seiner Tragfähigkeit beeinträchtigt werden.

Typische Anwendungsfelder und die Frage des richtigen Einsatzes

In der deutschen Baupraxis hat sich eine gewisse regionale und typologische Präferenzverteilung herausgebildet. Porenbeton ist besonders im Einfamilienhausbau verbreitet, wo seine leichte Verarbeitbarkeit, sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im Wärmeschutz und die Möglichkeit zur Eigenleistung geschätzt werden. Ziegel dominiert traditionell im mehrgeschossigen Wohnungsbau, im Gewerbebau und überall dort, wo höhere Tragfähigkeiten, besserer Schallschutz oder eine robustere Oberfläche gefordert sind.

Für Keller und erdberührende Bauteile ist keiner der beiden Baustoffe in seiner Standardausführung optimal geeignet, wenn keine zusätzliche Abdichtung vorgesehen wird. Im Kellerbereich werden häufig Betonsteine oder wasserundurchlässiger Beton (WU-Beton) bevorzugt. Wenn Ziegel oder Porenbeton im Keller eingesetzt werden, ist eine fachgerechte Abdichtung gegen Bodenfeuchte und drückendes Wasser unabdingbar. Porenbeton ist hier besonders empfindlich und sollte im erdberührenden Bereich nur mit geeigneten Spezialprodukten und vollständiger Außenabdichtung verwendet werden.

Im Sichtmauerwerk, also bei Fassaden ohne Putz, ist Ziegel klar im Vorteil. Klinker und Verblendmauerwerk aus Ziegel sind witterungsbeständig, frostfest und wartungsarm. Porenbeton ist für unverputzte Außenflächen nicht geeignet, da seine offenporige Struktur Schlagregen aufnimmt und die Frostbeständigkeit unverputzter Porenbetonoberflächen begrenzt ist. Für verputzte Fassaden hingegen sind beide Baustoffe gleichermaßen geeignet, sofern ein abgestimmtes Putzsystem verwendet wird.

Häufige Missverständnisse bei der Wahl zwischen Ziegel und Porenbeton

Ein verbreitetes Missverständnis lautet, Porenbeton sei grundsätzlich weniger dauerhaft als Ziegel. Das ist so nicht korrekt. Porenbeton, der vor Feuchte geschützt und fachgerecht verarbeitet wird, ist ein langlebiger Baustoff mit einer nachgewiesenen Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten. Gebäude aus Porenbeton aus den frühen Nachkriegsjahrzehnten stehen heute noch und belegen die prinzipielle Dauerhaftigkeit des Materials. Probleme entstehen fast ausschließlich dort, wo Porenbeton dauerhafter Feuchte ausgesetzt wird, also bei fehlender Abdichtung, mangelhaftem Putz oder unzureichendem Dachüberstand.

Umgekehrt wird Ziegel manchmal als universell überlegen dargestellt, was ebenfalls vereinfacht ist. Wärmedämmziegel mit sehr niedriger Rohdichte sind zwar hervorragende Wärmedämmer, aber empfindlicher gegenüber mechanischen Beanspruchungen als dichte Vollziegel. Dübel und Befestigungen in Hochlochziegeln erfordern spezielle Hohlraumdübel, da die Lochgeometrie die Verwendung normaler Spreizdübel einschränkt. Wer schwere Lasten an Wärmedämmziegeln befestigen will, muss das bei der Planung berücksichtigen.

Ein weiteres Missverständnis betrifft den Vergleich der Wärmeleitfähigkeitswerte. Hersteller bewerben ihre Produkte gelegentlich mit Bemessungswerten, die unter Idealbedingungen ermittelt wurden. In der Praxis hängt der tatsächliche Wärmedurchgangswiderstand einer Wand von der Ausführungsqualität, der Feuchte im Mauerwerk und der Qualität der Verfugung ab. Ein Porenbeton mit lambda von 0,08 W/(m·K) und ein Wärmedämmziegel mit demselben Wert liefern in der Theorie identische Ergebnisse; ob das in der Praxis auch so ist, hängt von der Sorgfalt der Verarbeitung ab.

Ziegel oder Porenbeton: Eine Entscheidung mit Kontext

Die Frage nach Ziegel oder Porenbeton lässt sich nicht mit einer pauschalen Empfehlung beantworten, weil sie von Gebäudetyp, Nutzung, Standort, Schallschutzanforderungen, Verarbeitungskontext und nicht zuletzt von den Präferenzen des ausführenden Handwerks abhängt. Beide Baustoffe sind ausgereifte, normativ abgesicherte und in der Praxis bewährte Systeme. Wer einschaliges Mauerwerk mit gutem Wärmeschutz, leichter Verarbeitbarkeit und niedrigem Gewicht sucht, findet im Porenbeton eine überzeugende Lösung. Wer höhere Tragfähigkeiten, besseren Schallschutz, größere Wärmeträgheit oder die Möglichkeit zum Sichtmauerwerk benötigt, wird zum Ziegel greifen.

Bauphysikalisch gesehen ergänzen sich beide Baustoffe eher, als dass sie sich ausschließen. Es ist keine Seltenheit, dass in einem Gebäude Ziegel für Außenwände und Porenbeton für nichttragende Innenwände verwendet wird, oder dass Porenbeton im Einfamilienhausbau die Außenwand bildet, während Ziegelmauerwerk die Kelleraußenwände übernimmt. Solche Kombinationen sind technisch problemlos möglich, sofern die unterschiedlichen Verformungsverhalten und Feuchtedehnungen bei den Anschlussdetails berücksichtigt werden.

Architekten und Planer, die beide Baustoffe in ihrer Tiefe kennen, haben einen echten Vorteil: Sie können die Entscheidung begründet treffen, Ausschreibungen präzise formulieren und Ausführungsfehler frühzeitig erkennen. Die Wahl des Wandbaustoffs ist keine Nebensache, sie prägt das thermische, akustische und hygrische Verhalten eines Gebäudes über seine gesamte Nutzungsdauer. Wer diese Entscheidung auf Basis von Kennwerten, Systemkenntnis und Ausführungserfahrung trifft, legt damit einen Grundstein, der sich über Jahrzehnte auszahlt.

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