Wohnhaus aus Beton in Basel

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Nur alle vier Jahre wird in der Schweiz der Architekturpreis Beton verliehen, daher ist das Ergebnis erwartungsgemäß bemerkenswert. Ende letzten Jahres erhielten ihn die Basler Architekten Buchner Bründler mit gleich zwei Projekten: einem Wohnhaus in Basel und einem Tessiner Ferienhaus.

Eine einläufige Treppe rechter Hand führt hinauf in die ersten zwei Geschosse. Man hat das Gefühl, einen Berg bei einsetzender Dämmerung zu besteigen, so schmal und steil sind die Stufen und so grazil das metallene Geländer, an dem man sich festhalten kann. Oben am Ende der Treppe scheint ein schwaches Licht, dessen fader Schein eine gekrümmte Wand beleuchtet. Mit dieser Krümmung wird die Bewegung umgelenkt, man steigt abermals ein paar Stufen hinauf und betritt die erste Wohnetage der oberen Haushälfte. Von da an präsentiert sich das Haus in einem völlig neuen Licht. Als erstes fällt die Großzügigkeit und Helligkeit hier oben auf. Das hätte man von außen nicht erwartet, denn die Parzelle ist nur sechs Meter breit und bietet wegen der angrenzenden Nachbarhäuser lediglich die Möglichkeit einer zweiseitigen Belichtung. Eigentlich wollten die Grundstücksbesitzer ihr Reihenhäuschen aus dem Jahr 1872 nur sanieren lassen. Doch da die Kosten dafür denen eines Neubaus gleich kamen, konnten die ortsansässigen Architekten Andreas Bründler und Daniel Buchner die Bewohner vom Mehrwert eines Neubaus überzeugen.

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Jeder Wohneinheit wird ein Außenbereich zugeordnet: Vom Erdgeschoss gelangt man in einen durch Betonmauern gefassten Hof, der kontemplativ anmutet; die obere Wohnung erhält Zugang zu einer Dachterrasse, von der aus man in das belebte Basler Matthäus-Quartier blicken kann. Eine Herausforderung stellte die Erschließung dar, denn jede Einheit sollte ihren eigenen straßenseitigen Zugang erhalten. Durch das Ineinandergreifen der Erschließung ist dies gelungen: Die untere Wohnung betritt man durch die große verglaste Schwenktür, die gleichzeitig das Fenster zur Straßenseite für den Wohnraum ist, und die obere Wohnung durch eine angrenzende Tür. Die einzelnen Etagen gliedern sich in zwei Bereiche: Treppenhaus und Aufzug in der „Funktionsschicht“ mit allen notwendigen Nebenräumen wie Bäder, Stauräume, Küche – sie dient auch der Aussteifung – sowie dem durchgesteckten Wohnraum.

Im Inneren dominiert der rohe Sichtbeton, der zusammen mit den großformatigen Fenstern aus Eichenholz dem Gebäude innen wie außen eine form- und materialbedingte Schlichtheit verleiht. Küchen und Bäder sind aus dem Betonkern der Erschließung subtraktiv „herausgeschalt“, so dass in dieser Funktionsschicht ein komplett gegossenes Innenleben aus Ortbeton entstanden ist. Hierin zeigt sich ein weiterer Ansatz des Büros: Der Beton bleibt auch in den Innenräumen sichtbar, und aus ihm wird gleich noch ein Teil der Einrichtung gegossen. Handwerklich roh belassen zeigt das Gebäude die plastischen Möglichkeiten des Betons auf und verweist auf dessen skulpturale Qualitäten. Die Vorzüge des Materials liegen für die Architekten auf der Hand: „Beton ist sehr vielfältig, er kann ganz unterschiedliche Maßstäbe ausdrücken. Durch die Verarbeitungsspuren erhält der Beton zudem eine ganz persönliche Ausstrahlung.“ Kiesnester, Kanten, Fugen, ausgebesserte Stellen gehören deshalb zum Bild des Hauses.

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Als angenehmer Kontrast zum grauen Beton wirken die Holzoberflächen der Einbauten, Türen und Fenster, die für den haptischen Gegenpart sorgen. Sie zeichnen sich vor allem durch die Abwesenheit von Details aus: Alles ist einfach, ja fast schon archaisch ausgeführt. Es geht um das direkte Berühren, Spüren und Verstehen eines jeden Materials. Dazu gehören keine überflüssigen Details, sondern etwa vertikal gefräste Griffe wie bei der Eingangstür, welche die Türen auf ihrer vollen Länge durchziehen. „Man nimmt das Haus in die Hand“, schwärmt Architekt Daniel Buchner. Es huldigt dem Rohen, Nicht-Perfekten. Komplettiert wird die Trilogie der Baumaterialien durch den rauen Stahl der Eingangstür, der sich auch beim Balkongeländer und dem kleinen Austritt im obersten Geschoss wieder findet.

Mehr dazu im Baumeister 2/2014

Fotos: Ruedi Walti