02.07.2026

Architektur

Weingutarchitektur im Douro-Tal

Foto: Fernando Guerra via v2com
Foto: Fernando Guerra via v2com

Im UNESCO-geschützten Alto Douro Vinhateiro entstand mit der Quinta de Adorigo Winery ein Weingut, das Architektur, Landschaft und Weinproduktion zu einem ganzheitlichen Konzept verbindet. Das von Atelier Sérgio Rebeloentworfene Gebäude ist Teil eines familiengeführten Weintourismusprojekts, das künftig auch ein Hotel umfasst. Die Architektur reagiert sensibel auf die jahrhundertealte Kulturlandschaft des Douro-Tals und interpretiert traditionelle Bauweisen mit zeitgemäßen Konstruktionen und nachhaltigen Technologien neu.


Weingutarchitektur folgt der Topografie

Die Architektur entwickelt sich unmittelbar aus der Landschaft. Die geschwungenen, horizontalen Baukörper greifen die charakteristischen Terrassen und Zickzacklinien der Weinberge auf, ohne diese wörtlich zu kopieren. Stattdessen folgt das Gebäude den natürlichen Geländekonturen und bildet die Grundlage für einen effizienten Produktionsablauf.

Die einzelnen Gebäuderiegel sind terrassenförmig miteinander verbunden und bilden ein räumliches Kontinuum, das den natürlichen Höhenunterschied des Grundstücks nutzt. So entsteht eine Architektur, die sich harmonisch in die Kulturlandschaft einfügt und gleichzeitig optimale Arbeitsabläufe ermöglicht.


Schwerkraft ersetzt energieintensive Fördertechnik

Ein wesentliches Merkmal der Quinta de Adorigo Winery ist das traditionelle Schwerkraftprinzip der Weinproduktion, das im Douro-Gebiet seit Jahrhunderten angewendet wird.

Der Produktionsprozess verläuft stufenweise von oben nach unten. Die Trauben werden auf den oberen Ebenen verarbeitet und gelangen allein durch die natürliche Hanglage in die darunterliegenden Produktionsbereiche. Dadurch kann weitgehend auf mechanische Fördersysteme verzichtet werden, was sowohl den Energieverbrauch als auch die Belastung des Weins reduziert.

Die Architektur bildet diesen Produktionsprozess unmittelbar ab und macht ihn zu einem prägenden Element des Entwurfs.

Fernando Guerra via v2com
Fernando Guerra via v2com
Fernando Guerra via v2com
Fernando Guerra via v2com

Holzbau trifft regionale Materialien

Auch konstruktiv setzt das Projekt auf einen ressourcenschonenden Ansatz. Die Hallenstruktur besteht aus Brettschichtholzrahmen und CLT-Elementen, die von vorgefertigten GRC-Fassadenpaneelen umhüllt werden.

Die Bauteile wurden überwiegend im Norden Portugals gefertigt und über kurze Transportwege zur Baustelle gebracht. Dadurch konnten sowohl Emissionen als auch Verkehrsbelastungen während der Bauphase deutlich reduziert werden.

Naturstein aus Schiefer und Granit prägt die Außenanlagen sowie die massiven Stützwände im Inneren. Gemeinsam mit Holz und Sichtbeton entsteht eine Materialpalette, die sich an den Farben der umliegenden Landschaft orientiert und mit der Zeit bewusst altert.

Fernando Guerra via v2com
Fernando Guerra via v2com
Fernando Guerra via v2com
Fernando Guerra via v2com
Fernando Guerra via v2com
Fernando Guerra via v2com
Fernando Guerra via v2com

Nachhaltigkeit als integrales Planungskonzept

Die energetische Strategie der Quinta de Adorigo Winery kombiniert passive und aktive Systeme zu einem ganzheitlichen Konzept.

Der südliche Gebäudeteil liegt teilweise im Erdreich und nutzt die thermische Speichermasse des Bodens. Gleichzeitig orientiert sich die Hauptfassade nach Norden, wodurch direkte Sonneneinstrahlung auf die sensiblen Lagerbereiche weitgehend vermieden wird.

Dadurch können die idealen Temperaturen zwischen 14 und 16 Grad Celsius für die Weinlagerung nahezu ohne hohen technischen Energieeinsatz eingehalten werden – obwohl die Außentemperaturen im Jahresverlauf zwischen minus fünf und plus 45 Grad Celsius schwanken.

Ergänzt wird dieses Konzept durch:

  • Geothermie mit niedriger Enthalpie
  • lokale Stromerzeugung
  • zentrales Energiemanagement
  • Regenwassernutzung
  • Brunnenwasseraufbereitung
  • Wasserrecycling für Bewässerung, Reinigung und Brandschutz
  • wasserdurchlässige Wege und Freiflächen

Durch die Kombination dieser Maßnahmen konnten der Energiebedarf und die CO₂-Emissionen des Gebäudes erheblich reduziert werden.


Architektur für Wein, Landschaft und Tourismus

Neben der Produktion spielt der Weintourismus eine zentrale Rolle im Nutzungskonzept. Über den Haupteingang gelangen Besucher in ein Besucherzentrum mit Vinothek und Empfangsbereich.

Von dort führt der Rundgang zu einem Konferenzraum mit vollständig verglaster Außenwand sowie zu einer großzügigen Verkostungsgalerie. Diese eröffnet Ausblicke sowohl auf die Weinproduktion als auch auf die Weinberge und den Douro-Fluss.

Großzügige Terrassen verbinden die Innenräume mit der umgebenden Landschaft und schaffen Räume für Veranstaltungen, Weinproben und kulturelle Angebote.


Landschaft als Teil der Architektur

Auch die Freiraumplanung folgt einem ökologischen Ansatz. Heimische Pflanzenarten fördern die Biodiversität und schaffen Lebensräume für Insekten und Tiere, die das ökologische Gleichgewicht der Weinberge unterstützen.

Wege, Höfe und Aufenthaltsbereiche laden Besucher dazu ein, die Kulturlandschaft zu erleben. Architektur und Landschaft bilden dabei ein zusammenhängendes Gesamterlebnis, das den Charakter des UNESCO-Welterbes respektiert und stärkt.


Internationale Auszeichnungen bestätigen den Entwurfsansatz

Die Quinta de Adorigo Winery wurde bereits mit zahlreichen internationalen Architekturpreisen ausgezeichnet. Dazu zählen unter anderem der Architizer A+ Award, die Dezeen Awards sowie mehrere Auszeichnungen beim World Architecture Festival – unter anderem für den Einsatz von Holz und für Produktions- und Logistikbauten.

Die Ehrungen unterstreichen die Bedeutung des Projekts als beispielhafte Verbindung von nachhaltiger Architektur, regionaler Baukultur und moderner Weinproduktion.

Projektdaten im Überblick

  • Projekt: Quinta de Adorigo Winery
  • Standort: Tabuaço
  • Architektur: Atelier Sérgio Rebelo
  • Nutzung: Weingut und Hospitality
  • Grundstücksfläche: 24 Hektar
  • Bruttogeschossfläche: 1.100 m²
  • Status: Fertiggestellt
Nach oben scrollen