12.06.2026

Was ist Ein Reihenhaus?

Ein modernes Wohngebäude zum Thema Was ist Ein Reihenhaus
Traditionelle Backsteinhäuser mit weißen Fenstern – Foto: tanyabarrow / Unsplash

Wer wissen möchte, was ein Reihenhaus ist, stößt schnell auf eine Bauform, die seit Jahrhunderten das Gesicht europäischer Städte prägt und bis heute zu den meistgebauten Wohngebäudetypen überhaupt zählt. Das Reihenhaus vereint die Vorteile des freistehenden Einfamilienhauses mit der Flächeneffizienz des verdichteten Städtebaus: Es bietet privates Wohnen auf eigenem Grund, teilt dabei aber mindestens zwei Gebäudewände mit den Nachbarn und fügt sich in eine lineare Abfolge gleichartiger oder ähnlicher Häuser ein. Diese scheinbar einfache Definition enthält eine erstaunliche Tiefe, denn das Reihenhaus ist zugleich Wohnform, städtebauliches Instrument, Ausdruck sozialer Reformideen und bautechnische Herausforderung.

  • Was ein Reihenhaus genau ist und wie es sich von verwandten Gebäudetypen abgrenzt
  • Welche Varianten es gibt: Mittelhaus, Eckhaus, Kettenhaus, Doppelhaus und ihre Unterschiede
  • Die historische Entwicklung vom mittelalterlichen Stadthaus bis zur modernen Reihenhaussiedlung
  • Wie ein Reihenhaus konstruktiv aufgebaut ist und welche bautechnischen Besonderheiten gelten
  • Welche planungsrechtlichen und baurechtlichen Rahmenbedingungen relevant sind
  • Welche städtebaulichen Qualitäten das Reihenhaus bietet und wo seine Grenzen liegen
  • Welche Vor- und Nachteile Bewohner und Planer kennen sollten
  • Wie das Reihenhaus im Kontext von Nachhaltigkeit, Nachverdichtung und zeitgenössischem Wohnungsbau einzuordnen ist

Was ist ein Reihenhaus: Definition, Abgrenzung und Typologien

Ein Reihenhaus ist ein Wohngebäude, das seitlich unmittelbar an mindestens ein weiteres Gebäude gleicher oder ähnlicher Art angebaut ist und gemeinsam mit diesen eine zusammenhängende Häuserzeile bildet. Die Reihung erfolgt in der Regel entlang einer Straße oder eines Erschließungsweges, wobei jede Einheit über einen eigenen Eingang, einen eigenen Keller oder eine eigene Bodenplatte sowie in den meisten Fällen über einen eigenen Garten verfügt. Das Reihenhaus ist damit klar vom Mehrfamilienhaus zu unterscheiden, in dem mehrere Wohneinheiten übereinander gestapelt werden und gemeinsame Treppenhäuser nutzen. Es unterscheidet sich ebenso vom freistehenden Einfamilienhaus, das auf allen vier Seiten von Freiflächen umgeben ist.

Innerhalb der Reihenhauszeile unterscheidet die Fachsprache zwischen dem Reihenmittelhaus und dem Reihenenendhaus, gelegentlich auch Reiheneckhaus genannt. Das Reihenmittelhaus ist beidseitig angebaut und hat damit zwei Gebäudetrennwände, sogenannte Brandwände oder Haustrennwände, zu den Nachbarn. Das Reihenendhaus schließt die Zeile ab, ist nur einseitig angebaut und hat auf der freien Seite eine Außenwand, was ihm mehr Belichtungsmöglichkeiten und eine größere Fassadenfläche verschafft. Dieser Unterschied hat erhebliche Konsequenzen für Belichtung, Wärmedämmung und Wohnqualität.

Verwandte, aber nicht identische Typen sind das Doppelhaus und das Kettenhaus. Das Doppelhaus besteht aus genau zwei aneinandergebauten Einheiten und bildet damit eine sehr kurze Reihe; es teilt eine einzige Trennwand. Das Kettenhaus hingegen ist eine Sonderform, bei der die einzelnen Häuser nicht direkt über die Seitenwände verbunden sind, sondern durch untergeordnete Bauteile wie Garagen, Carports oder niedrige Mauern miteinander verkettet werden. Jedes Kettenhaus hat damit formal umlaufend eigene Außenwände, ist aber räumlich eng mit den Nachbarhäusern verbunden. Diese Unterscheidung ist nicht nur typologischer Natur, sondern hat praktische Bedeutung für Schallschutz, Brandschutz und die rechtliche Eigenständigkeit der Parzellen.

Geschichte des Reihenhauses: Von der mittelalterlichen Stadtparzelle zur Reformsiedlung

Die Frage, was ein Reihenhaus historisch bedeutet, führt weit zurück in die europäische Stadtbaugeschichte. Das Prinzip des aneinandergebauten Stadthauses auf schmaler Parzelle ist so alt wie die mittelalterliche Stadt selbst. In den engen Straßenrastern mittelalterlicher Städte war Grund und Boden knapp; Häuser wurden deshalb mit möglichst schmalem Straßengiebel gebaut und in die Tiefe des Grundstücks entwickelt. Diese Parzellenstruktur, das sogenannte Gotische Parzellenraster, ist in vielen Altstädten bis heute ablesbar und stellt den historischen Vorläufer des modernen Reihenhauses dar.

Eine bewusste städtebauliche Konzeption des Reihenhauses als Wohnform für breite Bevölkerungsschichten entstand im 18. und frühen 19. Jahrhundert in England. Die Terraced Houses der britischen Städte, insbesondere in London, Bath und Edinburgh, sind frühe Beispiele einer systematischen Reihenhausbebauung, die sowohl für die Oberschicht als auch für die entstehende Arbeiterschicht entwickelt wurde. In Bath entstanden mit den Entwürfen von John Wood dem Älteren und John Wood dem Jüngeren großartige Ensembles wie der Royal Crescent und der Circus, in denen Reihenhäuser zu monumentalen Stadtfassaden zusammengefasst wurden. Hier war das Reihenhaus kein Kompromiss, sondern ein ästhetisches Programm.

Im deutschsprachigen Raum gewann das Reihenhaus als Wohnreformidee im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert an Bedeutung. Die Gartenstadtbewegung, die auf Ideen des britischen Stadtplaners Ebenezer Howard zurückgeht, propagierte das Reihenhaus als Alternative zur unhygienischen Mietskasernenstadt. In Deutschland entstanden in dieser Zeit Siedlungen wie die Gartenstadt Hellerau bei Dresden, in der Architekten wie Richard Riemerschmid und Heinrich Tessenow Reihenhäuser mit Gärten und großzügigen Grünflächen entwarfen. Das Reihenhaus wurde zum Symbol einer sozialen und hygienischen Wohnreform, die den Arbeitern Licht, Luft und ein Stück Erde zurückgeben wollte.

Die Weimarer Republik und die Architektur des Neuen Bauens brachten eine weitere Radikalisierung des Reihenhaustypus. In den Siedlungen Ernst Mays in Frankfurt am Main, Bruno Tauts in Berlin oder der Siedlung Törten in Dessau, die Walter Gropius entwarf, wurde das Reihenhaus zum Instrument rationalisierter Massenproduktion. Standardisierte Grundrisse, serielle Bauweise und industriell vorgefertigte Bauteile sollten bezahlbaren Wohnraum für die wachsende Stadtbevölkerung schaffen. Diese Siedlungen sind heute als UNESCO-Welterbe anerkannt und gelten als Meilensteine der Wohnbaugeschichte.

Konstruktiver Aufbau: Wie ein Reihenhaus gebaut ist

Der konstruktive Aufbau eines Reihenhauses folgt im Wesentlichen den Prinzipien des Einfamilienhausbaus, weist aber durch die Reihung spezifische Anforderungen auf, die in Planung und Ausführung besondere Sorgfalt erfordern. Die tragende Struktur besteht in der Regel aus Massivbauweise mit Stahlbetondecken und Mauerwerk aus Kalksandstein, Ziegel oder Porenbeton, oder aus Holzrahmenbau, der im zeitgenössischen Wohnungsbau stark an Bedeutung gewonnen hat. Beide Konstruktionsprinzipien sind für Reihenhäuser geeignet, stellen aber unterschiedliche Anforderungen an den Schallschutz zwischen den Einheiten.

Die Haustrennwand, also die gemeinsame Wand zwischen zwei aneinandergebauten Einheiten, ist das bautechnisch sensibelste Element des Reihenhauses. Sie muss gleichzeitig als Brandwand nach den Anforderungen der Landesbauordnungen ausgeführt werden, was in Deutschland in der Regel eine feuerbeständige Ausführung (Feuerwiderstandsklasse REI 90 oder höher) bedeutet. Gleichzeitig muss sie ausreichenden Schallschutz bieten, damit die Bewohner beider Einheiten nicht gegenseitig gestört werden. Die DIN 4109, die Norm für Schallschutz im Hochbau, definiert Mindestanforderungen für den Luft- und Trittschallschutz zwischen Reihenhäusern. In der Praxis wird die Haustrennwand häufig als zweischalige Konstruktion mit einem Trennfugenspalt ausgeführt, um akustische Brücken zu vermeiden.

Fundament und Bodenplatte werden bei Reihenhäusern häufig als gemeinsame Streifenfundamente entlang der Haustrennwände ausgeführt, was statische Vorteile bietet, aber eine sorgfältige Planung der Dehnungsfugen erfordert. Unterschiedliche Setzungsverhalten der einzelnen Einheiten, etwa bei unterschiedlichen Lasten oder unterschiedlichem Baufortschritt, können zu Rissen im Mauerwerk führen, wenn keine ausreichenden Trennfugen vorgesehen sind. Das Dach wird bei Reihenhäusern oft als Satteldach mit gemeinsamer Firstlinie ausgeführt, was die Dachentwässerung vereinfacht und ein einheitliches Erscheinungsbild erzeugt. Flachdächer und Pultdächer sind ebenfalls verbreitet, erfordern aber eine sorgfältige Abdichtung an den Anschlusspunkten zu den Nachbarhäusern.

Die Erschließung des Reihenhauses erfolgt in der Regel von der Straßenseite über einen Eingangsbereich, der direkt ins Erdgeschoss führt. Das Treppenhaus liegt meist im Inneren des Hauses, um die wertvollen Fassadenflächen für Wohnräume zu nutzen. Im Grundriss ergibt sich durch die schmale Parzellenbreite, die bei klassischen Reihenhäusern zwischen fünf und acht Metern liegt, eine charakteristische Raumabfolge: Vordere Räume zur Straße, hintere Räume zum Garten, verbunden durch einen Mittelflur oder ein offenes Treppenhaus. Diese Grundrisslogik ist seit Jahrhunderten erprobt und bietet trotz ihrer Kompaktheit eine klare funktionale Gliederung.

Planungsrecht und Baurechtliche Rahmenbedingungen für Reihenhäuser

Wer wissen möchte, was ein Reihenhaus im planungsrechtlichen Sinne ist, findet die relevanten Definitionen im deutschen Bauplanungsrecht, konkret in der Baunutzungsverordnung (BauNVO). Diese unterscheidet zwischen Einzelhäusern, Doppelhäusern und Hausgruppen. Das Reihenhaus fällt unter den Begriff der Hausgruppe, also einer Gruppe von mindestens drei aneinandergebauten Häusern. In einem Bebauungsplan kann die Gemeinde festsetzen, welche Hausform zulässig ist; die Festsetzung „Hausgruppe“ schreibt damit die Reihenhausbebauung verbindlich vor und schließt freistehende Einzelhäuser aus.

Die Abstandsflächenregelungen der Landesbauordnungen spielen beim Reihenhaus eine besondere Rolle. Da die Haustrennwände unmittelbar an der Grundstücksgrenze errichtet werden, entfallen die sonst üblichen Abstandsflächen zu diesen Seiten. Dies ist nur möglich, weil beide Nachbarn ihr Einverständnis durch die gemeinsame Bebauung erklären oder weil der Bebauungsplan diese Bauweise ausdrücklich festsetzt. Zur Straße und zum Garten hin gelten die üblichen Abstandsflächenregelungen, die je nach Bundesland unterschiedlich ausgestaltet sind. Für Anbauten, Aufstockungen oder Dachausbauten an bestehenden Reihenhäusern ist stets zu prüfen, ob die geplante Maßnahme mit den Festsetzungen des Bebauungsplans und den Abstandsflächenvorschriften vereinbar ist.

Eigentumsrechtlich kann ein Reihenhaus auf verschiedene Weisen organisiert sein. Die häufigste Form ist das Volleigentum an Haus und Grundstück, wobei jede Einheit auf einem eigenen Grundstück steht und der Eigentümer das Haus vollständig besitzt. Daneben gibt es Reihenhäuser im Wohnungseigentum nach dem Wohnungseigentumsgesetz (WEG), bei denen das Grundstück gemeinschaftliches Eigentum aller Einheiten ist und die einzelnen Häuser als Sondereigentum ausgewiesen sind. Diese Konstruktion ist komplexer in der Verwaltung, ermöglicht aber die Realisierung von Reihenhaussiedlungen auf einem einzigen, nicht parzelliertem Grundstück.

Städtebauliche Qualitäten und Grenzen des Reihenhauses

Das Reihenhaus ist ein städtebaulich außerordentlich effizientes Instrument. Durch die beidseitige Anbauung entfallen die seitlichen Abstandsflächen, was eine deutlich höhere Ausnutzung des Baulandes erlaubt als beim freistehenden Einfamilienhaus. Gleichzeitig bleibt die Bebauungsdichte moderat im Vergleich zum Geschosswohnungsbau, was eine menschliche Maßstäblichkeit und eine enge Beziehung zwischen Wohnen und Außenraum ermöglicht. Stadtplaner schätzen das Reihenhaus deshalb als Baustein der Nachverdichtung: Es erlaubt, mehr Wohneinheiten auf einer gegebenen Fläche unterzubringen, ohne auf die Qualitäten des privaten Wohnens mit Garten verzichten zu müssen.

Die städtebauliche Wirkung einer Reihenhauszeile hängt stark von der Gestaltung der Fassaden und der Freiräume ab. Monotone Reihungen identischer Häuser ohne gestalterische Differenzierung können zu einer Eintönigkeit führen, die den Bewohnern und dem Stadtbild schadet. Gelungene Reihenhaussiedlungen arbeiten deshalb mit subtilen Variationen in Fassadengestaltung, Dachform, Vorgarten und Eingangsbereich, die Individualität signalisieren, ohne die Einheit des Ensembles zu zerstören. Die Siedlungen der Zwischenkriegszeit, aber auch zeitgenössische Projekte wie die Siedlung Vauban in Freiburg im Breisgau, zeigen, wie diese Balance gelingen kann.

Zu den städtebaulichen Grenzen des Reihenhauses gehört seine Abhängigkeit von einer linearen Erschließungsstruktur. Reihenhäuser funktionieren gut entlang von Straßen und Wegen, lassen sich aber schwerer in unregelmäßige Grundstücksgeometrien oder topografisch anspruchsvolles Gelände einfügen. Auf stark geneigtem Terrain erfordern Reihenhäuser aufwendige Terrassierungen oder Splitlevellösungen, die die Konstruktionskosten erhöhen. Auch die Belichtung der Reihenmittelhäuser ist eine planerische Herausforderung: Bei tiefen Parzellen und hohen Gebäuden können die hinteren Räume des Erdgeschosses nur unzureichend mit Tageslicht versorgt werden, was eine sorgfältige Grundrissplanung mit Lichthöfen, Oberlichtern oder offenen Raumstrukturen erfordert.

Vor- und Nachteile des Reihenhauses im Überblick

Das Reihenhaus bietet seinen Bewohnern eine Kombination aus privatem Wohnen und urbaner Dichte, die viele andere Wohnformen nicht erreichen. Der eigene Garten, der direkte Zugang von der Wohnung ins Freie ohne Treppenhäuser oder Aufzüge, die klare Eigentumsstruktur und die Möglichkeit, das Haus individuell zu gestalten und umzubauen, sind Qualitäten, die das Reihenhaus für Familien besonders attraktiv machen. Die Betriebskosten sind durch die gemeinsamen Trennwände geringer als beim freistehenden Haus, weil die Wärmeverluste über die Außenflächen reduziert sind. Reihenmittelhäuser profitieren dabei am stärksten von diesem Effekt, da sie nur zwei statt vier Außenwände haben.

Auf der anderen Seite stehen die Einschränkungen durch die Nachbarschaft. Schallübertragung durch die Haustrennwand ist ein häufig genanntes Problem, das bei unzureichend ausgeführten Trennwänden die Wohnqualität erheblich mindern kann. Trittschall aus dem Obergeschoss des Nachbarn, Musik, Gespräche und Geräusche aus dem Garten sind in schlecht schallisolierten Reihenhäusern alltägliche Belastungen. Hinzu kommt die eingeschränkte Flexibilität bei Umbauten: Änderungen an der Haustrennwand, am Dach oder an der Fassade erfordern häufig die Zustimmung der Nachbarn und müssen mit den Vorgaben des Bebauungsplans vereinbar sein. Wer ein Reihenhaus kauft oder baut, erwirbt damit nicht nur ein Gebäude, sondern tritt in eine dauerhafte Nachbarschaftsbeziehung ein, die rechtliche und praktische Konsequenzen hat.

Energetisch ist das Reihenhaus eine günstige Wohnform. Durch die reduzierten Außenflächen und die thermische Masse der gemeinsamen Trennwände sind die Heizwärmeverluste pro Quadratmeter Wohnfläche deutlich geringer als beim freistehenden Einfamilienhaus. Reihenmittelhäuser erreichen bei gleicher Dämmqualität der Außenbauteile einen erheblich niedrigeren Heizenergiebedarf. Dieser Vorteil wird in der Energiebilanzierung nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) durch die Berechnung des spezifischen Transmissionswärmeverlusts berücksichtigt, der das Verhältnis von wärmeübertragender Hüllfläche zum beheizten Volumen beschreibt. Je kleiner dieses Verhältnis, desto günstiger die Energiebilanz, und Reihenmittelhäuser schneiden hier strukturell besser ab als freistehende Häuser.

Das Reihenhaus im zeitgenössischen Wohnungsbau: Nachverdichtung, Nachhaltigkeit und neue Typologien

Die Frage, was ein Reihenhaus im zeitgenössischen Kontext leisten kann, wird in der aktuellen Wohnbaudiskussion neu verhandelt. Angesichts knapper Baugrundstücke in Ballungsräumen, steigender Baukosten und wachsender Anforderungen an Klimaschutz und Ressourceneffizienz erlebt das Reihenhaus eine Renaissance als Instrument der Nachverdichtung. Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften entdecken die Reihenhaussiedlung als Möglichkeit, Einfamilienhausquartiere mit niedrigen Dichten behutsam zu verdichten, ohne den Charakter der Bebauung grundlegend zu verändern.

Zeitgenössische Architekten experimentieren mit neuen Varianten des klassischen Reihenhaustypus. Mehrgeschossige Reihenhäuser, die drei oder vier Vollgeschosse erreichen und damit die Wohnfläche pro Grundstück erheblich steigern, sind in verdichteten Innenstadtlagen eine verbreitete Antwort auf den Flächenmangel. Sogenannte gestapelte Reihenhäuser oder Maisonettehäuser kombinieren die Raumqualitäten des Reihenhauses mit einer vertikalen Schichtung, die an den Geschosswohnungsbau heranreicht, ohne dessen anonymen Charakter anzunehmen. Urbane Reihenhäuser mit Dachterrassen statt Gärten, mit integrierten Mobilitätslösungen und gemeinschaftlich genutzten Freiräumen sind Typologien, die in europäischen Städten erprobt werden.

Im Holzbau hat das Reihenhaus besondere Aktualität gewonnen. Holzrahmenbau und Brettsperrholzkonstruktionen erlauben eine schnelle, ressourcenschonende und weitgehend vorgefertigte Errichtung von Reihenhäusern, die hohe energetische Standards erfüllen und gleichzeitig eine angenehme Wohnqualität bieten. Die Herausforderungen des Holzrahmenbaus beim Schallschutz zwischen den Einheiten sind lösbar, erfordern aber eine konsequente Entkopplung der Konstruktionen an den Trennwänden und sorgfältig geplante Anschlussdetails. Zertifizierungssysteme wie das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) oder internationale Standards wie DGNB und LEED bewerten Reihenhäuser in Holzbauweise häufig sehr positiv, weil die Kombination aus geringer Hüllfläche, nachwachsendem Baustoff und kompakter Bebauungsstruktur viele Nachhaltigkeitskriterien gleichzeitig erfüllt.

Das Reihenhaus als dauerhafte städtebauliche Antwort

Wer verstehen möchte, was ein Reihenhaus ist, erkennt am Ende eine Bauform von bemerkenswerter Beständigkeit. Sie hat sich über Jahrhunderte in den unterschiedlichsten kulturellen, sozialen und technischen Kontexten bewährt, weil sie eine grundlegende menschliche Anforderung erfüllt: das Bedürfnis nach einem eigenen, klar abgegrenzten Zuhause mit Bezug zur Erde, eingebettet in eine Gemeinschaft von Nachbarn. Diese Balance zwischen Privatheit und Urbanität ist keine zufällige Eigenschaft, sondern das strukturelle Prinzip des Reihenhauses.

Die bautechnischen Anforderungen, die das Reihenhaus an Schallschutz, Brandschutz und Energieeffizienz stellt, sind lösbar und in der Praxis gut beherrschbar, wenn Planung und Ausführung sorgfältig erfolgen. Die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen bieten ausreichend Spielraum für gestalterische Vielfalt innerhalb der Reihung. Und die städtebaulichen Qualitäten des Reihenhauses, seine Flächeneffizienz, seine Maßstäblichkeit und seine Fähigkeit, lebendige Straßenräume zu erzeugen, machen es zu einem Baustein, der in der Diskussion um nachhaltige Stadtentwicklung nicht fehlen darf.

Architekten und Stadtplaner, die das Reihenhaus als bloßen Kompromiss zwischen Einfamilienhaus und Geschosswohnungsbau betrachten, unterschätzen sein Potenzial. Die besten Reihenhaussiedlungen der Geschichte zeigen, dass diese Bauform zu architektonischer Qualität und städtebaulicher Würde fähig ist, wenn sie mit Sorgfalt, Kenntnis und gestalterischem Anspruch entwickelt wird. Das Reihenhaus ist kein Notbehelf, sondern eine eigenständige Wohnform mit eigener Logik, eigener Geschichte und einer Zukunft, die in verdichteten, ressourcenbewussten Städten noch längst nicht ausgeschöpft ist.

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