21.04.2015

Gewerbe

Wann sind Hochhäuser zu teuer ?

von Alexander Gutzmer

Das Thema der Baukosten beschäftigt Architekten bei Projekten jeder Größe. Insofern hat es etwas Tröstliches als auch Beängstigendes, wenn man liest, wie gerade bei vielen Großprojekten die Kosten aus dem Ruder laufen und die Öffentlichkeit sich dafür einen Schuldigen sucht – nicht nur, aber immer häufiger auch auf Seiten der Architektenschaft.

In absoluten Zahlen ist allerdings auch klar: Der gemeine deutsche Wohnbau etwa spielt in einer Liga jenseits der ganz großen Geldverschlinger. Die opulent beworbenen und oft mit einer eigenen Marke versehenen Megabauten in den Finanzzentren der Welt sind es, die in Sachen Baukosten jedes gewohnte Maß sprengen. Eine aktuelle Studie der Analysefirma Emporis belegt jetzt, welches die teuersten Hochhäuser der Welt sind.

Auf Platz eins liegt, wie zu erwarten, der gerade fertiggestellte Turm „One World Trade Center“ in New York. Grund dafür dürften nicht zuletzt die immensen Sicherheitsanforderungen sein. Im Interview mit dem Baumeister (nachzulesen auf www.baumeister.de) hat der verantwortliche Architekt diese Anforderungen für uns noch einmal spezifiziert. Sicherheit kostet eben. Mit 
3,9 Milliarden Dollar ist der SOM-Bau mehr als doppelt so teuer wie die beiden nächstteuersten Gebäude: das Luxushotel „The Palazzo“ in Las Vegas (2007 fertig gestellt, 1,9 Milliarden Dollar) und Renzo Pianos Londoner Wolkenkratzer „The Shard“ (2013, auch 
1,9 Milliarden).

Elbphilharmonie achtteuerster Bau

Deutschland spielt in der Liste eine eher untergeordnete Rolle. Unter den ausführenden Architekturbüros findet sich kein deutsches. Büros wie SOM, Renzo Piano oder Kohn Pedersen Fox dominieren, neben einigen asiatischen Vertretern.

Auf Platz acht folgt aber dann doch ein deutscher Bau – einer, den man eigentlich gar nicht als Hochhaus im Blick hat: die Hamburger Elbphilharmonie. Sie entspricht der angelegten Definition von Hochhaus (mehr als 100 Meter hoch). Allerdings dürften sich Herzog & de Meuron in dem Umfeld der Untersuchung eher unwohl fühlen. Die Elbphilharmonie ist der einzige Kulturbau der Liste. Außerdem waren hier eben die hohen Kosten ursprünglich nicht geplant. Die Forscher von Emporis schreiben: „Einige Gebäude werden bereits kostenintensiv geplant, um beispielsweise den modernsten Umweltstandards zu entsprechen. Andere Projekte hingegen werden durch unvorhergesehene Ereignisse und Verzögerungen während der Bauphase immer kostenintensiver.“ Das trifft auf den Hamburger Fall unstreitig zu.

Interessant: Der höchste Turm der Gegenwart, das Burj Khalifa in Dubai, wurde vergleichsweise kostengünstig fertiggestellt (1,5 Milliarden Dollar). Kritiker werden hier zurecht den Effekt schlecht behandelter Arbeiter aus Indien oder anderen armen asiatischen Ländern vermuten. Spannend zu untersuchen wäre aber, ob es daneben noch andere Faktoren gibt, die das Planen in arabischen Ländern leichter machen.

Was ist der Preis von Feng Shui?

Der erste chinesische Superlativ-Bau folgt übrigens gemeinsam mit dem Burj Khalifa von SOM auf Rang fünf: das Hotelmonster „Sheration Huzhou Hot Spring Resort“ in Huzhou. Hier war es wohl die exzentrische Ringform, die architektonisch umständlich zu realisieren war und damit teuer, obwohl das Gebäude vergleichsweise „klein“ daher kommt.

Noch davor auf Rang vier rangiert das „Taipeh 101“ in Taiwan (1,76 Milliarden Dollar, 2004). Die Analysten schreiben: „Das ausgefallene Design basiert auf der chinesischen Glückszahl acht und wurde vollständig nach den Lehren des Feng Shui ausgerichtet.“ Ob das allerdings preistreibend wirkte, ist doch eher zu bezweifeln.

Überraschend übrigens: Nur fünf der zehn teuersten Hochbauten der Welt wurden nach 2010 fertig gestellt. Es scheint so, als sei die ganz große Gigantomanie auch in den schnell wachsenden Metropolen Asiens eher am Abflauen. Auch Schanghai und Taipeh haben eben inzwischen einen soliden Grundstock an Bürogebäuden. Andererseits dürfte eine auch dort steigende Sensibilität für ökologische Lösungen eher preissteigernd wirken. Das „CapitaGreen“ in Singapur von Toyo Ito weist diesbezüglich womöglich den Weg. Seine Fassade wird von Pflanzen überwuchert.

Dies ist aber auch ein Zeichen dafür, dass man bisher noch oft auf den ökologischen Showeffekt und nicht auf echte Nachhaltigkeit setzt. Aber genau das dürfte sich in Zukunft ändern. Denn Städte wie Peking haben ja bereits heute ein riesiges Problem mit ihrem Klima. Und mehr Klimaschutz in der Architektur kostet nun mal.

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