Eine VorhangfassadeVorhangfassade: Eine Außenhaut eines Gebäudes, die aus Vorhängen oder anderen textilen Bespannungen besteht. am Altbau ist weit mehr als eine ästhetische Entscheidung: Sie ist ein bauphysikalisch durchdachtes System, das eine neue, hinterlüftete Außenhaut vor die bestehende Gebäudestruktur stellt, ohne diese zu belasten oder zu durchdringen. Gerade bei der Sanierung historischer und älterer Gebäude bietet dieses Prinzip Möglichkeiten, die kein anderes Fassadensystem in gleicher Weise vereint: thermische Ertüchtigung, Feuchteregulierung, SchallschutzSchallschutz - Die Fähigkeit eines Gebäudes oder Raumes, Schall abzuschirmen und zu dämpfen. und gestalterische ErneuerungErneuerung: Die Erneuerung beschreibt in der Regel den Austausch von veralteten oder defekten Anlagen oder Bauteilen gegen neue. in einem einzigen konstruktiven Eingriff.
- Was eine Vorhangfassade am Altbau technisch bedeutet und wie sie sich von anderen Dämmsystemen unterscheidet
- Wie der Aufbau einer hinterlüfteten FassadeFassade: Die äußere Hülle eines Gebäudes, die als Witterungsschutz dient und das Erscheinungsbild des Gebäudes prägt. im Detail funktioniert und welche Schichten welche Aufgaben übernehmen
- Welche bauphysikalischen Vorteile die HinterlüftungHinterlüftung: Die Hinterlüftung bezeichnet einen Abstand zwischen der Fassade und der dahinterliegenden Dämmung oder Wand, um Feuchtigkeit und Schimmelbildung zu vermeiden. gegenüber dem WDVSWDVS: WDVS steht für "Wärmedämmverbundsystem". Es handelt sich hierbei um einen Baustoff, der zur Wärmedämmung von Gebäuden verwendet wird. bietet
- Welche Unterkonstruktionen, DämmstoffeDämmstoffe - Materialien, die das Gebäude vor thermischen Verlusten schützen und somit Energie sparen helfen. und Bekleidungsmaterialien für den Altbau geeignet sind
- Welche besonderen Herausforderungen bei der Anwendung am Bestandsgebäude entstehen
- Wie WärmebrückenWärmebrücken - Bereiche in der Gebäudehülle, an denen Wärme schneller verloren geht als an anderen Stellen., BrandschutzBrandschutz: Der Brandschutz beinhaltet alle Maßnahmen und Vorkehrungen, die dazu dienen, Brände zu vermeiden, zu erkennen und zu bekämpfen. Hierzu gehören unter anderem der Einsatz von Brandmeldern, Rauchwarnern, Feuerlöschern und Brandschutzeinrichtungen wie Brandschutztüren oder Brandschutzverglasungen. und Schallschutz bei der Planung berücksichtigt werden müssen
- Welche normativen Grundlagen und Regelwerke die Ausführung bestimmen
- Wie sich die Vorhangfassade in das Gesamtbild der Altbausanierung einfügt und wo ihre Grenzen liegen
Definition und Abgrenzung: Was ist eine Vorhangfassade am Altbau?
Der Begriff Vorhangfassade bezeichnet im deutschen Bauwesen eine nicht tragende Außenwandbekleidung, die vor die eigentliche Tragkonstruktion des Gebäudes gehängt wird, ohne selbst statische Lasten aus dem Gebäude zu übernehmen. Sie trägt lediglich ihr Eigengewicht sowie Wind- und Sogkräfte ab, die über eine UnterkonstruktionUnterkonstruktion: Das Gerüst oder die Struktur, auf der eine Oberfläche installiert wird. in die tragende Struktur eingeleitet werden. Am Altbau kommt dieses Prinzip in einer spezifischen Ausprägung zum Einsatz: als hinterlüftete FassadenbekleidungFassadenbekleidung: Die Fassadenbekleidung ist die äußere Schicht eines Gebäudes, die zur Verkleidung der Fassade verwendet wird., bei der zwischen der neuen äußeren Schale und der bestehenden Wand ein durchgehender, belüfteter Luftraum verbleibt. Dieser Luftraum ist das entscheidende Merkmal, das die Vorhangfassade von einem Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) grundlegend unterscheidet.
Beim WDVS wird die DämmschichtDämmschicht: Eine Dämmschicht wird unter einem Bodenbelag oder einer Wandverkleidung angebracht, um Wärme- oder Schallschutz zu gewährleisten. Sie kann aus verschiedenen Materialien wie beispielsweise Styropor, Mineralwolle oder Schaumstoff bestehen. direkt auf den UntergrundUntergrund: Der Untergrund bezieht sich auf die Fläche, auf der eine Baustruktur errichtet wird. Er kann aus verschiedenen Materialien wie Beton, Erde, Gestein oder Asphalt bestehen und muss oft vor der Errichtung entsprechend bearbeitet oder vorbereitet werden. geklebt und gedübelt, der Putz unmittelbar auf die DämmungDämmung: Materialien, die verwendet werden, um Wärme oder Schall in oder aus einer bestimmten Zone einer Konstruktion zu halten. aufgetragen. Es entsteht ein monolithisch wirkender Schichtaufbau ohne Luftspalt. Die Vorhangfassade dagegen gliedert sich in drei klar getrennte Funktionsebenen: die Dämmschicht, die an der bestehenden Wand befestigt wird, den Hinterlüftungsspalt und die äußere Bekleidungsebene aus Platten, Profilen oder anderen Elementen. Diese Trennung hat weitreichende bauphysikalische Konsequenzen, auf die im weiteren Verlauf ausführlich eingegangen wird. Im Fachjargon wird das System auch als vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF)Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF): Eine VHF ist eine Fassadenverkleidung, die aus einer äußeren Schale, einem Luftspalt und einer inneren Schale besteht, die vor der tragenden Konstruktion angebracht ist. Eine VHF hat den Vorteil, dass eine gute Wärmedämmung und Schallisolierung erreicht werden kann, während gleichzeitig Feuchtigkeit vermieden wird.... bezeichnet, ein Begriff, der in der Normung und in Fachpublikationen gleichermaßen gebräuchlich ist.
Am Altbau trifft diese Konstruktionsweise auf eine Bestandssituation, die von Neubauten grundlegend verschieden ist. Die vorhandene Wand kann aus Vollziegelmauerwerk, Naturstein, Fachwerk, Beton oder gemischten Materialien bestehen. Ihr Zustand, ihre Geometrie, ihre Tragfähigkeitbezieht sich auf die Fähigkeit eines Bauelements oder einer Struktur, die Lasten und Belastungen zu tragen, die auf sie wirken. Die Tragfähigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise der Materialqualität, Konstruktion und der Art der Belastung. und ihre hygrische Geschichte bestimmen, welche Unterkonstruktion gewählt werden kann und wie die Dämmschicht zu bemessen ist. Die Vorhangfassade am Altbau ist damit immer eine individuelle Planungsaufgabe, keine Standardlösung von der Stange.
Aufbau der Vorhangfassade: Schichten, Funktionen und Materialien
Der Aufbau einer Vorhangfassade am Altbau folgt einem klar gegliederten Schichtprinzip, das von innen nach außen gelesen werden kann. Die erste Ebene bildet die bestehende Außenwand des Altbaus, die in der Regel weder abgetragen noch grundlegend verändert wird. Sie bleibt tragendes Element und Untergrund für die BefestigungBefestigung: Die Befestigung beschreibt die Art und Weise, wie ein Bauteil an einem anderen befestigt wird. der Unterkonstruktion. Vor dieser Wand wird, mit einem definierten Abstand, die Dämmschicht angebracht, die in der Regel aus MineralwolleMineralwolle: Mineralwolle ist ein Dämmstoff, der aus Glasfasern oder Steinwolle hergestellt wird und in der Bauindustrie als Dämmstoff oder Teil von Baumaterialien wie Putz oder Wandverkleidungen eingesetzt wird., SteinwolleSteinwolle: Eine Art von Dämmstoff, der aus geschmolzenem Stein und anderen Rohstoffen hergestellt wird. Es ist feuerbeständig und hat eine hohe Schalldämmung. oder Glaswolle besteht. Diese Materialien sind diffusionsoffen, also dampfdurchlässig, was für die Funktion der Hinterlüftung eine wesentliche Voraussetzung ist.
Die Unterkonstruktion, die Dämmschicht und Bekleidung miteinander verbindet und die Lasten in die tragende WandTragende Wand: Eine tragende Wand ist eine Wand, die das Gewicht des Gebäudes trägt. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Architektur und sorgt für Stabilität und Sicherheit des Bauwerks. einleitet, besteht üblicherweise aus Aluminium- oder Edelstahlprofilen. AluminiumAluminium: Aluminium ist ein leichtes, strapazierfähiges Metall, das in der Bauphysik oft für seine Wärmedämmungseigenschaften und Langlebigkeit verwendet wird. hat sich wegen seines günstigen Verhältnisses aus Gewicht, Korrosionsbeständigkeit und Verarbeitbarkeit als Standardmaterial durchgesetzt. Die Profile werden in vertikaler oder horizontaler Anordnung an der Bestandswand verankert, wobei die Befestigungspunkte so gewählt werden, dass sie tragfähige Bereiche des Mauerwerks oder Betons treffen. Zwischen Unterkonstruktion und Bestandswand werden thermisch trennende Elemente, sogenannte Thermotrenner oder Wärmedämmscheiben, eingesetzt, um Wärmebrücken an den Befestigungspunkten zu minimieren.
Der Hinterlüftungsspalt zwischen Dämmung und Bekleidung beträgt in der Regel mindestens zwei Zentimeter, in der Praxis häufig drei bis vier Zentimeter. Dieser Spalt ist unten und oben offen und ermöglicht eine natürliche Konvektionsströmung: Luft tritt unten ein, erwärmt sich im Spalt durch die SonneneinstrahlungSonneneinstrahlung: Die Menge der von der Sonne abgegebenen Energie in Form von elektromagnetischen Wellen, die auf die Erde treffen. auf die Bekleidung, steigt auf und tritt oben aus. Diese Luftbewegung transportiert Feuchtigkeit, die aus der Dämmschicht oder der Bestandswand diffundiert, zuverlässig nach außen ab. Damit wird verhindert, dass sich TauwasserTauwasser: Wasser, das sich durch Kondensation oder andere Ursachen auf einer kühlen Oberfläche bildet. innerhalb des Wandaufbaus ansammelt, ein Problem, das beim WDVS ohne sorgfältige Planung entstehen kann.
Die äußere Bekleidungsebene ist das gestalterisch sichtbare Element der Vorhangfassade. Hier stehen dem Planer zahlreiche Materialien zur Verfügung: Faserzementplatten, Keramik- und Steinzeugplatten, NatursteinplattenNatursteinplatten: Fliesen oder Platten, die aus natürlichen Gesteinen wie Marmor oder Granit hergestellt wurden. Sie zeichnen sich durch ihre Einzigartigkeit und natürliche Schönheit aus., Aluminiumverbundplatten, Holzschalung in verschiedenen Profilen, CortenstahlCortenstahl: Eine wetterfeste Stahllegierung, die für ihre charakteristische rostige Oberfläche bekannt ist. Cortenstahl wird oft für Fassaden oder Skulpturen verwendet., emailliertes GlasEmailliertes Glas: Ein Glas, dessen Oberfläche mit Emaille bedeckt wurde, um das Aussehen oder die Beständigkeit zu verbessern. oder Hochdrucklaminat (HPL). Jedes dieser Materialien hat spezifische Anforderungen an Befestigung, Fugenausbildung und WartungWartung: Die Wartung bezeichnet die regelmäßige Inspektion und Instandhaltung von technischen Geräten oder Systemen, um deren Funktionstüchtigkeit und Sicherheit zu gewährleisten.. Die FugenFugen: die Lücken oder Spalten zwischen Fliesen oder anderen Elementen. zwischen den Platten sind in der Regel offen oder mit Hinterfüllmaterial versehen, nicht geschlossen abgedichtet, da die Hinterlüftung eine gewisse Luftzirkulation erfordert und der Spalt kein druckdichtes System ist.
Bauphysikalische Vorteile der Vorhangfassade am Altbau
Der entscheidende bauphysikalische Vorzug der Vorhangfassade am Altbau liegt in der EntkopplungEntkopplung: die Trennung oder Entkopplung einer Oberfläche von einem Untergrund, um Spannungen oder Risse zu vermeiden. von Wärmeschutz und Feuchteschutz. Beim WDVS muss die Putzschicht gleichzeitig als Witterungsschutz, DampfbremseDampfbremse: Eine Dampfbremse ist eine Folie, die an der Innenseite von Wänden angebracht wird, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Wärmedämmung. und OberflächenschutzOberflächenschutz - Ein Oberflächenschutz ist eine Schicht, die in der Dachabdichtung verwendet wird, um die Oberfläche vor Beschädigungen durch Witterungseinflüsse zu schützen. fungieren, was bei falscher Dimensionierung zu Feuchtestau in der Dämmschicht führen kann. Die Vorhangfassade trennt diese Aufgaben konsequent: Die Bekleidung übernimmt den Witterungsschutz, der Hinterlüftungsspalt den Feuchteabtransport, die Dämmschicht den Wärmeschutz. Jede Schicht kann für ihre Funktion optimal dimensioniert werden, ohne Kompromisse eingehen zu müssen.
Für den Altbau ist dieser Vorteil besonders relevant, weil alte Mauerwerke häufig erhöhte Feuchtegehalte aufweisen, sei es durch aufsteigende Feuchte, Schlagregen, hygroskopische Salze oder frühere Schadensbilder. Ein WDVS, das auf solche Wände aufgebracht wird, kann die Austrocknung der Bestandswand behindern, weil die DampfdiffusionDampfdiffusion: Dampfdiffusion beschreibt den Prozess, bei dem Wasserdampf durch einen Baustoff diffundiert. Dies kann Auswirkungen auf die Feuchtigkeitsregulierung in Gebäuden haben. nach außen durch die Dämmschicht und den Putz stark verlangsamt wird. Die Vorhangfassade dagegen lässt die Bestandswand atmen: Feuchtigkeit, die aus dem Mauerwerk diffundiert, gelangt in den Hinterlüftungsspalt und wird dort abgeführt. Die Trocknungsreserve des Wandaufbaus bleibt erhalten, was bei der Sanierung historischer Substanz von erheblicher Bedeutung ist.
Thermisch bietet die Vorhangfassade am Altbau die Möglichkeit, erhebliche Dämmstärken ohne Einschränkung durch Putzdicken oder Klebeverbund zu realisieren. Während beim WDVS die Dämmstärke aus statischen und handwerklichen Gründen praktische Grenzen hat, kann die Unterkonstruktion der Vorhangfassade so dimensioniert werden, dass Dämmstärken von zwanzig Zentimetern und mehr problemlos untergebracht werden. Das ist für die Sanierung auf Effizienzhaus-Niveau, wie es das Gebäudeenergiegesetz (GEG) als Zielstandard definiert, oft entscheidend. Der sommerliche Wärmeschutz profitiert ebenfalls: Die Bekleidung reflektiert oder absorbiert SonnenstrahlungSonnenstrahlung: Die von der Sonne abgegebene elektromagnetische Strahlung, die von der Atmosphäre absorbiert oder reflektiert wird., bevor diese auf die Dämmschicht trifft, und die Hinterlüftung kühlt die Konstruktion durch den Luftstrom, was die Wärmeeinleitung ins Gebäudeinnere deutlich reduziert.
Schallschutztechnisch wirkt die Vorhangfassade durch ihre mehrschichtige, entkoppelte Konstruktion als wirksame Barriere gegen Außenlärm. Die Masse der Bekleidungsplatten, die Dämmschicht und der Luftspalt ergänzen sich in ihrer schalldämmenden Wirkung. Besonders in urbanen Lagen, wo Altbauten häufig an stark befahrenen Straßen stehen, ist dieser Aspekt ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt der Fassadensanierung.
Besondere Herausforderungen beim Altbau: Untergrund, Geometrie und Denkmalschutz
Die Anwendung der Vorhangfassade am Altbau stellt Planer und Ausführende vor spezifische Herausforderungen, die bei Neubauten in dieser Form nicht auftreten. Die erste und grundlegendste Herausforderung ist die Beurteilung des Untergrunds. Altes Mauerwerk kann in seiner Tragfähigkeit stark variieren: Mörtelgefüge kann ausgewaschen oder versalzen sein, Ziegelsteine können durch Frost-Tau-Wechsel geschwächt sein, und Putzschichten, die sich noch auf der Bestandswand befinden, sind häufig nicht als Untergrund für die Verankerung der Unterkonstruktion geeignet. Vor der Planung der Vorhangfassade ist deshalb eine sorgfältige Bestandsaufnahmeist ein Prozess, bei dem der Zustand eines vorhandenen Gebäudes oder einer vorhandenen Struktur dokumentiert wird. Dies kann zur Planung von Renovierungs- oder Sanierungsmaßnahmen oder zur Beurteilung des Wertes einer Immobilie dienen. erforderlich, die Auszugsversuche an repräsentativen Stellen einschließt, um die Tragfähigkeit der Dübelbefestigungen zu ermitteln.
Altbauten weisen selten die geometrische Präzision auf, die bei Neubauten selbstverständlich ist. Unebenheiten der Fassade, Vor- und Rücksprünge, Gesimse, Fensterbänke, Erker und Loggien erfordern eine individuell angepasste Unterkonstruktion, die diese Geometrie ausgleicht und trotzdem eine ebene Bekleidungsebene erzeugt. Gleichzeitig müssen Fenster- und Türlaibungen so behandelt werden, dass die Dämmebene möglichst weit nach außen geführt wird, um Wärmebrücken an den Laibungen zu minimieren. Diese Detailausbildung ist handwerklich anspruchsvoll und erfordert Erfahrung im Umgang mit Bestandsgebäuden.
Beim denkmalgeschützten Altbau kommen weitere Einschränkungen hinzu. Viele historische FassadenFassaden sind die Außenwände von Gebäuden, die zur Straße hin sichtbar sind. sind durch ihre Materialität, Gliederung und OberflächenstrukturOberflächenstruktur: Die Beschaffenheit der Oberfläche eines Materials, zum Beispiel glatt, rau oder strukturiert. schützenswert, sodass eine ÜberdeckungÜberdeckung - Überlappung von Dachschiefer in der Länge durch eine Vorhangfassade aus denkmalpflegerischer Sicht nicht genehmigungsfähig ist. In solchen Fällen müssen alternative Konzepte geprüft werden, etwa eine InnendämmungInnendämmung: Die Innendämmung ist eine Methode zur Dämmung von Gebäuden von innen. Dabei wird Dämmsubstanz auf die Innenwände aufgebracht. oder eine KerndämmungKerndämmung: Eine Kerndämmung ist eine Methode der Wärmedämmung, bei der Hohlräume im Mauerwerk des Gebäudes mit Dämmmaterialien gefüllt werden. bei zweischaligem Mauerwerk. Wo eine Vorhangfassade am denkmalgeschützten Altbau dennoch möglich ist, beispielsweise an Hoffassaden oder in Bereichen ohne schützenswerte Substanz, erfordert die Materialwahl der Bekleidung eine enge Abstimmung mit der zuständigen Denkmalbehörde. Keramische Oberflächen, Naturstein oder Holzschalungen können in bestimmten Kontexten akzeptiert werden, wenn sie sich in Maßstab und TexturTextur: Die Oberflächenbeschaffenheit eines Materials. in das Erscheinungsbild des Bestands einfügen.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Ausbildung der Sockelzone. Am Übergang zwischen Vorhangfassade und Erdreich oder Sockelbereich muss der Hinterlüftungsspalt so gestaltet werden, dass keine Feuchtigkeit, kein Schmutz und keine Kleintiere eindringen können, ohne die Luftzirkulation zu unterbinden. Hier kommen spezielle Lochbleche oder Insektenschutzgitter zum Einsatz, die den unteren Spaltabschluss bilden. Die Sockelzone ist gleichzeitig der Bereich, in dem Spritzwasser und aufsteigende Feuchte besonders intensiv wirken, weshalb die Materialwahl für Bekleidung und Dämmung hier besonders sorgfältig erfolgen muss.
Brandschutz und Normung: Was bei der Vorhangfassade am Altbau gilt
Der Brandschutz ist bei der Vorhangfassade am Altbau ein Thema, das in der Planung nicht unterschätzt werden darf. Der Hinterlüftungsspalt, der für die Feuchteabfuhr so vorteilhaft ist, stellt im Brandfall einen potenziellen KamineffektKamineffekt: Der Kamineffekt bezeichnet den natürlichen Luftaustausch, der durch den Unterschied im Luftdruck zwischen Innen- und Außenräumen entsteht. Durch den Kamineffekt findet ein stetiger Luftaustausch statt, der sich positiv auf das Raumklima auswirken kann. dar: Ein Feuer, das in den Spalt gelangt, kann sich durch den Auftrieb der Luft rasch über mehrere Geschosse ausbreiten. Die Landesbauordnungen der deutschen Bundesländer sowie die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TBsteht für "Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen". Diese Regeln und Richtlinien gelten in Deutschland für Bauherren, Planer, Architekten und Bauausführende und sollen sicherstellen, dass Bauprojekte den geltenden Bauregeln entsprechen.) regeln, welche Anforderungen an die Feuerwiderstandsfähigkeit und das BrandverhaltenBrandverhalten: Das Brandverhalten beschreibt die Reaktion von Materialien auf Feuer. Hierbei wird untersucht, wie leicht ein Material entzündbar ist, wie schnell es brennt, welche Rauchentwicklung entsteht und wie schnell sich das Feuer ausbreitet. der verwendeten Materialien gestellt werden.
Für Gebäude ab einer bestimmten Höhe, in Deutschland in der Regel ab einer Oberkante des Fußbodens des höchstgelegenen Aufenthaltsraums von mehr als dreizehn Metern, gelten erhöhte Anforderungen. Hier müssen Dämmstoffe und Bekleidungsmaterialien mindestens schwerentflammbar (BaustoffklasseBaustoffklasse: Ist eine Klassifizierung von Baustoffen, die je nach ihrer Brandverhalten, z.B. ihre Brennbarkeit oder Feuerwiderstandsfähigkeit, eingestuft werden. B1 nach DIN 4102 beziehungsweise Euroklasse C nach ENEN steht für "Europäische Norm" und ist ein Standard für Produkte und Produkttests in Europa. 13501) sein, und es sind horizontale Brandschürzen aus nicht brennbaren Materialien in den Hinterlüftungsspalt einzubauen, die eine vertikale Brandausbreitung unterbrechen. Bei Hochhäusern und SonderbautenSonderbauten: Sonderbauten sind Gebäude oder bauliche Anlagen, die aufgrund ihrer besonderen Nutzung oder Konstruktion besonderen Anforderungen an den Brandschutz und die Sicherheit unterliegen. Hierzu zählen unter anderem Krankenhäuser, Schulen, Flughäfen und Industrieanlagen. gelten noch strengere Anforderungen, die im Einzelfall mit der Baubehörde abzustimmen sind. Mineralwolle als Dämmstoff ist in diesem Zusammenhang vorteilhaft, da sie nicht brennbar (Euroklasse A1 oder A2) ist und damit die Brandschutzanforderungen in der Regel erfüllt.
Die normative Grundlage für die Planung und Ausführung von Vorhangfassaden bildet in Deutschland die DIN 18516, die in mehreren Teilen die Anforderungen an hinterlüftete Außenwandbekleidungen regelt. Sie behandelt unter anderem die BemessungBemessung: Die Berechnung von Bauteilen und Konstruktionen, um ihre Eignung und Sicherheit zu gewährleisten. der Unterkonstruktion, die Anforderungen an Befestigungsmittel, die Mindestmaße des Hinterlüftungsspalts und die Anforderungen an die verwendeten Materialien. Ergänzend gelten die allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) beziehungsweise die Europäischen Technischen Bewertungen (ETAEine Europäische Technische Bewertung (ETA) ist ein Gutachten, das die technischen Leistungsmerkmale eines Bauprodukts, z. B. eines Baustoffes oder einer Konstruktion, bewertet. Es stellt sicher, dass das Produkt den europäischen Normen und Anforderungen entspricht und somit in der gesamten EU vertrieben werden kann. Die Europäische Technische Bewertung (ETA) ist ein...) für spezifische Systemkomponenten, die von den Herstellern der Unterkonstruktionen und Bekleidungsmaterialien eingeholt werden. Planer sollten stets prüfen, ob die gewählten Systemkomponenten über entsprechende Nachweise verfügen und ob diese für die konkrete Anwendung am Altbau gültig sind.
Gestaltung und Materialwahl: Ästhetische Möglichkeiten der Vorhangfassade
Die Vorhangfassade am Altbau bietet gestalterisch eine Bandbreite, die kaum ein anderes Sanierungssystem erreicht. Die Entkopplung von Tragstruktur und Außenhaut erlaubt es, die neue Fassade vollständig unabhängig von der Geometrie der Bestandswand zu gestalten. Planer können Vor- und Rücksprünge, Farbwechsel, Materialkontraste und Texturwechsel einsetzen, ohne auf die Logik des Untergrunds Rücksicht nehmen zu müssen. Das eröffnet Möglichkeiten zur gestalterischen Neuinterpretation von Altbauten, die mit einem Putzauftrag nicht erreichbar wären.
Faserzementplatten gehören zu den am häufigsten eingesetzten Bekleidungsmaterialien, weil sie leicht, witterungsbeständig, in vielen FarbenFarben: Verschiedene Empfindungen, die durch Licht unterschiedlicher Wellenlänge erzeugt werden. und Oberflächen erhältlich und vergleichsweise kostengünstig sind. Keramische Platten aus Feinsteinzeug bieten eine hohe Beständigkeit gegen UV-StrahlungUV-Strahlung: Elektromagnetische Strahlung mit einer Wellenlänge zwischen 100 und 400 Nanometern, die von der Sonne ausgesendet wird., Frost und mechanische Beanspruchung und sind in ihrer Optik von Naturstein kaum zu unterscheiden. Natursteinplatten selbst, etwa aus Granit, Kalkstein oder SchieferSchiefer - metamorpher Gesteinstyp mit spaltbarer Struktur, der als Dacheindeckung oder Fassadenbekleidung verwendet wird, verleihen der Fassade eine materielle Tiefe und Haptik, die kein anderes Material reproduzieren kann, erfordern aber eine sorgfältige statische Bemessung der Unterkonstruktion wegen ihres höheren Eigengewichts. Holzschalungen, ob unbehandelt oder mit LasurLasur: Eine farblose oder farbige Beschichtung, die das Holz vor Feuchtigkeit und UV-Strahlung schützt. versehen, verbinden ökologische Aspekte mit einer warmen Ästhetik, erfordern aber ein durchdachtes Wartungskonzept, da HolzHolz: Ein natürlicher Werkstoff, der zur Herstellung von Schalungen und Gerüsten genutzt werden kann. Es wird oft für Bauvorhaben im Bereich des Holzbaus verwendet. als organisches Material regelmäßiger PflegePflege: Die Reinigung und Wartung von Böden, Wänden oder anderen Oberflächen, um ihre Lebensdauer und Optik zu erhalten. bedarf.
Bei der Materialwahl für den Altbau sollte neben der Ästhetik auch die Dauerhaftigkeit im Verhältnis zum Wartungsaufwand betrachtet werden. Eine Vorhangfassade ist zwar grundsätzlich leichter instand zu setzen als ein Putzfassadensystem, weil einzelne Bekleidungselemente ausgetauscht werden können, ohne die gesamte Fassade zu berühren. Dennoch sollte die Lebensdauer der gewählten Materialien mit dem Sanierungszyklus des Gebäudes abgestimmt sein. KeramikKeramik: Ein synthetisches Material, das aus Ton, Feldspat und anderen Stoffen besteht und bei hohen Temperaturen gebrannt wird. Die Keramik wird für verschiedene Zwecke verwendet, zum Beispiel als Fliesen oder Geschirr. und Naturstein haben Lebensdauern von mehreren Jahrzehnten, während bestimmte Kunststoff- oder Holzprodukte deutlich früher eine Erneuerung erfordern können.
Die Vorhangfassade im Kontext der Altbausanierung
Die Vorhangfassade am Altbau ist kein Universalrezept, aber sie ist in vielen Sanierungssituationen die bauphysikalisch überzeugendste und gestalterisch flexibelste Lösung. Ihr Prinzip, die Trennung von Wärmeschutz, Feuchteabfuhr und Witterungsschutz in klar definierten Schichten, entspricht einem tiefen Verständnis der physikalischen Prozesse, die an einer Außenwand ablaufen. Gerade am Altbau, wo die Bestandswand häufig eine komplexe Feuchtegeschichte mitbringt und wo geometrische Unregelmäßigkeiten die Regel sind, bietet dieses System eine Robustheit, die monolithische Systeme nicht erreichen.
Die Entscheidung für eine Vorhangfassade am Altbau sollte immer auf einer fundierten Bestandsanalyse beruhen. Tragfähigkeit des Untergrunds, hygrischer Zustand der Bestandswand, Brandschutzanforderungen, denkmalpflegerische Auflagen und das gewünschte gestalterische Ergebnis sind Parameter, die gemeinsam betrachtet werden müssen. Ein Planer, der diese Wechselwirkungen versteht und in der Detailausbildung konsequent umsetzt, schafft eine Fassade, die das Gebäude für Jahrzehnte schützt, seinen EnergiebedarfEnergiebedarf: die Menge an Energie, die benötigt wird, um eine bestimmte Funktion oder Aktivität auszuführen. deutlich reduziert und ihm ein neues, überzeugendes Gesicht gibt. Die Vorhangfassade am Altbau ist in diesem Sinne kein Eingriff, der die Geschichte des Gebäudes auslöscht, sondern einer, der sie mit einer neuen Schicht weitererzählt.
Für Architekten, Planer und Bauherren, die sich mit der Sanierung von Bestandsgebäuden befassen, lohnt es sich, die Vorhangfassade nicht als teure Sonderlösung zu betrachten, sondern als ein System, dessen Mehrkosten gegenüber dem WDVS durch geringere Folgekosten, höhere Dauerhaftigkeit und bessere bauphysikalische Sicherheit in vielen Fällen gerechtfertigt sind. Die Investition in eine sorgfältig geplante und ausgeführte vorgehängte hinterlüftete FassadeVorgehängte hinterlüftete Fassade: Bei einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade wird die Fassadenbekleidung nicht direkt auf die Gebäudekonstruktion montiert, sondern auf eine spezielle Unterkonstruktion. Zwischen Unterkonstruktion und Fassadenbekleidung entsteht ein Hohlraum, der für eine ausreichende Belüftung sorgt. zahlt sich über den Lebenszyklus des Gebäudes aus, und das ist letztlich der Maßstab, an dem jede Sanierungsentscheidung gemessen werden sollte.
