05.05.2014

Öffentlich

Volksdesign

von Maike Burk

„Viel Design für wenig Geld“ – so lautet das Konzept der Hotelkette „Motel One“. Und das Konzept geht auf. Warum? Zunächst einmal, weil Motel One wirklich ein klares Designstatement liefert. Man muss die Gestaltung mit dem prägnanten Türkis als Leitfarbe nicht mögen. Aber eine gestalterische Beliebigkeit kann man den inzwischen 47 Hotels sicher nicht unterstellen. Die so genannte Low Budget Design Kette ist in sämtlichen Städten Deutschlands vertreten – stets wiedererkennbar am von außen sichtbar platzierten Lounge-Sessel nebst künstlichem Kaminfeuer. Und das in den besten Lagen: Man logiert neben dem Dresdner Zwinger oder dem Düsseldorfer Hauptbahnhof. Zentral eben.

Die Quantität ist aber nur eine Seite der Erfolgsmedaille. Die andere hat mit Ehrlichkeit zu tun. Warum mit Ehrlichkeit? Weil die Hotelkette das Prinzip verfolgt, dass Design kein Preistreiber ist – sondern ein Ansatz zur Differenzierung. Und darauf steht der Deutsche: individuell sein. Dieses Gefühl gibt’s dann noch zu einem fairen – ja, ehrlichen – Preis.

Eine Differenzierung besteht natürlich vor allem zu anderen Hotels. Denn das Konzept, das der Unternehmer Dieter Müller schuf, war eine Revolution in der Hotellerie. Eine Symbiose aus Luxus und Budget-Unterkunft galt bis dato als unmöglich. Gelungen ist es trotzdem. Dafür wurde Müller gerade in Berlin mit dem ULI Leadership Award 2013 gekürt. Nur: Wie kann bei 10.700 Zimmern überhaupt ein Design-Anspruch erfüllt werden? Ganz einfach. Durch Optimierung. Klar, es handelt sich um durch-designte Hotelzimmer mit einem cleveren Aufbewahrungssystem und einer optimierten Raumnutzung. Aber eben nur um ein einziges Design, das auf alle Hotels angewendet wird. Design von der Stange sozusagen. Optimiert sind damit sicherlich auch die Arbeitsabläufe im Hotel – in den Zimmern stört kein Staubfänger – sauber gemacht ist schnell. Ein Telefon gibt es nicht. Der Business-Reisende von heute hat schließlich ein Smartphone. Auch eine Minibar findet man nicht in seinem Zimmer. Die Bar an der Lobby hat dafür 24 Stunden geöffnet.

Jetzt könnte man sich fragen, warum dieses (wie wir nun wissen) „optimierte Design“ mit den niedrigen Preisen gut funktioniert. Schließlich hört man aus der Marktforschung immer wieder, dass Kunden mit einem bestimmten Preis gute oder weniger gute Qualität assoziieren. Also übersetzt auf ein Hotel: Für eine gute Lage, ein designtes Zimmer und gute Materialien würde der marktgeforschte Besucher einen eher höheren Preis bezahlen. Und bei einem zu niedrigen Preis misstrauisch werden. Nicht bei Motel One. In gewisser Weise transzendiert Motel One die Signalwirkung von Preisen. 69 Euro für ein Zimmer sind nicht „billig“, sondern „sinnvoll“. Oder noch besser: „unaufgeregt“. Motel One ist quasi der VW Polo unter den Hotels.

Dieter Müller startete das Konzept Motel One 2000 übrigens als „ganz normales“ Budgethotel. Das Design kam erst fünf Jahre später dazu – als Nachzügler sozusagen. Die Preise blieben dabei niedrig. Ehrlich eben.

In Kooperation mit lightlive

Fotos: Motel One

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