Mit ihrem Modellkonzept eröffnet die Franz-Binder-Verbundschule in Neckarsulm neue Perspektiven für Schülerinnen und Schüler. Ihr Modell integriert landesweit zum ersten Mal die Bildungsgänge der Realschule, der Gemeinschaftsschule sowie der Werkrealschule zu einer umfassenden Bildungslandschaft unter einem Dach. Auf diese Weise macht sich die Verbundschule unabhängig von den aktuellen strukturellen und schulpolitischen Veränderungen bzw. kann flexibel darauf reagieren. Für ihre Schülerinnen und Schüler schafft sie darüber hinaus ein zukunftsorientiertes Lernangebot, das sich an deren Bedürfnissen orientiert.
Die architektonische Umsetzung der Verbundschule durch a+r Architekten folgt dem Prinzip der Cluster, die Lernbereiche in offenen, flexiblen Räumen organisieren und so die Interaktion und das gemeinschaftliche Lernen unterstützen. Das Lernen in den Clustern fördert die Bewegung und bewegtes Lernen hilft beim Stressabbau und schafft eine bessere Lernatmosphäre.
„In enger und intensiver Zusammenarbeit mit den Pädagoginnen und Pädagogen der Verbundschule,“ so betont Florian Gruner, Architekt und Geschäftsführer bei a+r „haben wir das Raumkonzept der Schule stetig verfeinert.“ Dieses Fingerspitzengefühl und Engagement des in Stuttgart und Tübingen ansässigen Architekturbüros ist bei dem Schulgebäude in jedem Raum spürbar. In der neuen Verbundschule, dem größten Bauprojekt Neckarsulms, wurden die beiden bestehenden Gemeinschaftsschulen aus Obereisesheim und Amorbach mit der örtlichen Werkrealschule vereint und um einen Realschulzweig ergänzt. Seit der Schulgründung im Jahr 2020 war die Schule räumlich auf Interimslösungen angewiesen. Deshalb ist der Schulneubau sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrkräfte ein großer Meilenstein, der ihrer Schulgemeinschaft von künftig etwa 850 Menschen ein Zuhause und eine eigene Identität gibt.
Schulcampus an der Sulm
Das Bauvolumen der neuen Schule gliedert sich in drei ineinander übergehende Gebäudeteile – das Mensagebäude mit Haupteingang, das Clusterhaus in der Mitte und die Sporthalle. Durch die versetzt angeordneten, in ihrer Höhe gestaffelten Baukörper wird eine optische Gliederung der großen Gebäudemasse erzeugt und es entsteht gleichzeitig eine Abfolge von drei räumlich klar definierten Außenbereichen. Der Schulcampus öffnet sich mit seinem zentralen Element des Pausenhofes auf dem stark abfallenden Gelände nach Norden hin zur Sulm, einem Nebenfluss des Neckars. So verbindet sich die Schule eng mit der umliegenden Landschaft. Die neue dreiteilige Sporthalle der Schule mit Platz für 400 Zuschauer wurde anstelle der alten, maroden Sulmturnhalle errichtet und grenzt nördlich an die bestehende Pichterichhalle mit direktem AnschlussAnschluss: Der Anschluss bezeichnet den Übergang zwischen zwei Bauteilen, z.B. zwischen Dach und Wand. an die Freisportanlage. Auf diese Weise wird die vorhandene Infrastruktur genutzt und durch die neue Sporthalle perfekt ergänzt, die auch außerschulischen Veranstaltungen offensteht.
Elegante Holzfassade
Auffallend ist die ruhige, graphitsilbern lasierte FassadeFassade: Die äußere Hülle eines Gebäudes, die als Witterungsschutz dient und das Erscheinungsbild des Gebäudes prägt. aus gehobelter nordischer Fichte mit klar ablesbaren Stockwerken und vertikalen schmalen Holzbrettern, die sich an der Außenfassade mit breiteren Brettern abwechseln. Innerhalb des strengen Rasters lassen zahlreiche schlanke Fensterist eine Öffnung in der Wand eines Gebäudes, die Licht, Luft und Blick nach draußen ermöglicht. Es gibt verschiedene Arten von Fenstern, die sich in Größe, Form und Material unterscheiden können. Das Fenster ist ein wesentlicher Bestandteil der Gebäudearchitektur und hat sowohl funktionale als auch ästhetische Bedeutung. Es ist eine… viel TageslichtTageslicht: Natürliches Licht, das während des Tages durch die Fenster oder Oberlichter in ein Gebäude strömt. in die Innenräume. Die Profile der Holz-Aluminium-FensterHolz-Aluminium-Fenster: Fenster mit einer Kombination aus Holz und Aluminium. sind, ebenso wie die mit Trapezblech verkleidete Fassade der Innenhöfe des Cluster- und des Mensagebäudes, auf die Farbe der Außenfassade abgestimmt. Elegant in die Außenfassade eingearbeitet sind die Auslässe der LüftungsanlageLüftungsanlage: Eine Lüftungsanlage ist ein System, das dazu dient, eine geregelte Luftzirkulation in Gebäuden aufrechtzuerhalten, um die Luftqualität zu verbessern und Schimmelbildung sowie Feuchtigkeitsprobleme zu vermeiden. in den Unterrichtsräumen. Sie führen in Größe und Position die Fensterreihen fort und sind lediglich durch die lamellenartig verschmälerten Holzbretter der Fassade zu erahnen. Unterbrochen wird das Raster der Holzfassade durch den akzentuierten Sichtbetonrahmen des Haupteingangs sowie das Sockelgeschoss aus SichtbetonSichtbeton: Ein Beton, der von außen sichtbar bleibt und dessen Oberfläche eine ästhetische Wirkung erzielt. und durch den gerahmten Blick in den Dachgarten des Mensagebäudes.
Mensagebäude – das Herz der Schule
Das Mensagebäude verbindet mit seinem zweigeschossigen Foyer den Haupteingang auf der Vorplatzebene mit der Mensa im Sockelgeschoss und dem angrenzenden Pausenhof. Eine großzügige Sitzstufenanlage als Herz der Schule und zentralem Aufenthaltsbereich dient der fest installierten Bühne in der Mensa bei Veranstaltungen als erweitertes Auditorium. Die großflächige Wandmalerei der Künstlerin Patricia London Ante Paris „Das Fliegende Foyer“ ist eine gekonnte Reflektion des Raumes und verleiht ihm durch bunte skulpturale Objekte eine dynamische Bewegtheit. Ein direkter Ausgang führt von der Mensa aus ins Freie, sodass die Schülerinnen und Schüler bei gutem Wetter draußen essen können. Zudem ist die Mensa bei externen Veranstaltungen eigenständig über den Pausenhof zugänglich.
Neben der Mensa sind in diesem Gebäudeteil auch der Musikraum, die Schulleitung, der Konferenzraum sowie die Bibliothek und die Lüftungszentrale im Erdgeschoss untergebracht. Im Obergeschoss befinden sich weitere naturwissenschaftliche Fach- und Differenzierungsräume sowie die beiden Kunsträume mit direktem Zugang zur nutzbaren Dachterrasse.
Das Clustergebäude – flexibles Lernen in offenen Raumstrukturen
a+r Architekten haben in enger Abstimmung mit den Pädagoginnen und Pädagogen der Franz-Binder-Verbundschule das Konzept der Cluster-Schule und der Lernlandschaften realisiert. Dieses setzt auf eine offene Raumstruktur, die flexible Nutzungsmöglichkeiten für eine individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen schafft. Insbesondere an einer Verbundschule sind diese Differenzierungsmöglichkeiten im Lern- und Lehralltag von essentieller Bedeutung. Im Clustergebäude sind je zwei Cluster, das heißt zwei Jahrgangsstufen, pro Geschoss verortet, wobei die Lernräume jeweils L-förmig an der Außenfassade entlanglaufen und sich das dazugehörige Lernatelier zum Lichthof hin öffnet. Eingestellte Coachingräume unterteilen die Lernbereiche und schaffen differenzierte Orte zum individuellen Lernen. Wie zum Beispiel die mit hölzernen Sitzstufen ausgestatteten Räume am Eingang jedes Clusters, die für Treffs, Diskussionen oder das Üben von Präsentationen genutzt werden können.
Eine „Schulstraße“ durchzieht das Clustergebäude entlang des Innenhofes, erschließt die verschiedenen Clusterbereiche und gewährt Einblicke in die Lernateliers. Die Klassen fünf und sechs befinden sich im Erdgeschoss, während die Jahrgänge sieben und acht im zweiten Stockbezeichnet den Rahmen, der insbesondere bei Türen und Fenstern um das bewegliche Element herum angebracht wird. Er dient zur stabilen Integration des beweglichen Teils in die Wand und ermöglicht es, die Türen oder Fenster zu öffnen und zu schließen. untergebracht sind und die neunten und zehnten Klassen im obersten Stockwerk lernen.
Effiziente Energieversorgung
Durch die besonders hochwertige Ausführung der konstruktiven Details und die effiziente WärmerückgewinnungWärmerückgewinnung: Wärmerückgewinnung ist eine Technologie, die Abwärme aus verschiedenen Prozessen erfasst und diese Energie zur Heizung oder zum Warmwasserbereitung wiederverwendet. der Lüftung liegt der PrimärenergiebedarfPrimärenergiebedarf – Der Energiebedarf, der direkt in Form von Primärenergie bereitgestellt wird, um ein Gebäude mit Heizung, Kühlung und Beleuchtung zu versorgen. des Schulgebäudes und der Sporthalle bei unter 65% des Soll-Wertes. Über die Photovoltaikanlage auf der Dachfläche des Clusterhauses ist der gesamte Strombedarf des Mensa- und des Clustergebäudes sichergestellt. Beheizt werden die Räumlichkeiten der Schule über FernwärmeFernwärme: Dieses Fachmagazin behandelt die Technologie der Fernwärme, einer Methode zur Erzeugung von Wärme durch zentralisierte Anlagen und Verteilung durch ein Netzwerk. Es untersucht die verschiedenen Arten von Fernwärmeanlagen und ihre Vor- und Nachteile.. Die Sporthalle wird sowohl mit Strom als auch mit NahwärmeNahwärme: Nahwärme ist eine Methode der Wärmeversorgung, bei der Wärme von einer dezentralen Einheit, wie zum Beispiel einem Kraftwerk, zu einem Gebäude geleitet wird. des städtischen Biomasseheizkraftwerks versorgt. Aufgrund dieser umfassenden Maßnahmen erfüllt die Verbundschule die hohen Anforderungen der DGNB-Zertifizierung in Gold und des NBBW (Nachhaltiges BauenNachhaltiges Bauen bezeichnet eine Bauweise, die ökologische, soziale und ökonomische Aspekte bei der Planung, Errichtung und Nutzung von Gebäuden berücksichtigt. Ziel ist es, die Umwelt zu schonen, Ressourcen zu sparen und die Lebensqualität der Bewohner und Nutzer zu verbessern. Baden-Württemberg).
„Es ist großartig, was da entstanden ist in Neckarsulm“, resümiert Schulleiterin Antje David. „Die Räume laden zum Lernen ein und unterstützen Bewegung sowie aktive Teilhabe. Das Gebäude spiegelt wunderbar unsere Offenheit für zeitgemäße Lernkonzepte.“
Daten und Fakten
Projekt: Franz-Binder-Verbundschule
Bauherr: Stadt Neckarsulm, Hochbauamt
Architektur: a+r Architekten, Stuttgart/Tübingen, www.aplusr.de
Bauzeit: Mai 2022 bis Februar 2024
Außenanlagen: Gänßle + Hehr Landschaftsarchitekten, Esslingen, www.gaenssle-hehr.de
Tragwerksplanung: matrix ingenieure, Stuttgart, www.matrix-ingenieure.de
BGF: 14.950 m²
BRI: 69.000 m³
Nutzfläche: 9.238 m²
Zertifizierungen: DGNB Gold, NBBW
Energiestandard: Jahres-Primärenergiebedarf unterschreitet EnEVEnEV: Dieses Fachmagazin befasst sich mit der Energieeinsparverordnung (EnEV) als Instrument zur Regulierung des Energiebedarfs von Gebäuden in Deutschland. Es untersucht die Regulierung und Umsetzung der EnEV und ihre Auswirkungen auf die Energieeffizienz von Gebäuden. um 35 %
Energieversorgungskonzept: Sporthalle städtisches BHKW, Schule Fernwärme und Photovoltaikanlage
Fotos: Max Leitner
Über a+r Architekten
a+r Architekten stehen für eine solide, umweltverträgliche und zukunftsorientierte Architektur mit einer überzeugenden Expertise im Bereich des nachhaltigen Bauens – auch im Bestand. Das 1985 von Prof. Gerd Ackermann und Prof. Hellmut Raff gegründete Büro mit Standorten in Stuttgart und Tübingen zählt rund 130 Mitarbeiter und steht heute unter der Leitung von Oliver Braun, Florian Gruner und Alexander Lange. Vorwiegend bauen a+r Architekten für öffentliche Auftraggeber, Industrie und Gewerbe, für kommunale Wohnbauunternehmen sowie für soziale Einrichtungen. Das Büro konzentriert sich auf eine angemessene, ökologische, funktionale und daraus resultierend innovative Bauweise und wurde dafür mit renommierten Preisen ausgezeichnet.
