Wer ein Gebäude in Betrieb nimmt, übernimmt Verantwortung für mehr als Ästhetik und Funktion. Die Übereinstimmungsbestätigung BrandschutzBrandschutz: Der Brandschutz beinhaltet alle Maßnahmen und Vorkehrungen, die dazu dienen, Brände zu vermeiden, zu erkennen und zu bekämpfen. Hierzu gehören unter anderem der Einsatz von Brandmeldern, Rauchwarnern, Feuerlöschern und Brandschutzeinrichtungen wie Brandschutztüren oder Brandschutzverglasungen. ist das rechtliche und technische Instrument, mit dem nachgewiesen wird, dass die eingebauten Bauprodukte und Bausysteme tatsächlich den Anforderungen entsprechen, die Planung und Genehmigung vorausgesetzt haben. Sie steht am Schnittpunkt von Produktrecht, Bauordnungsrecht und bautechnischer Prüfpraxis und ist für Architekten, Fachplaner und Bauherren gleichermaßen bindend wie folgenreich.
- Was die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz rechtlich und technisch bedeutet
- Welche Rechtsgrundlagen und Normen das Instrument definieren und regeln
- Wie das Verfahren der Übereinstimmungsbestätigung in der Praxis abläuft
- Welche Bauprodukte und Bausysteme betroffen sind und warum
- Welche Rolle Überwachungszeichen, Prüfzeugnisse und Verwendbarkeitsnachweise spielen
- Wer die Bestätigung ausstellt, wer sie prüft und wer die Verantwortung trägt
- Welche typischen Fehler in der Praxis auftreten und wie sie sich vermeiden lassen
- Wie sich die Übereinstimmungsbestätigung in das Gesamtsystem des baulichen Brandschutzes einordnet
Definition und rechtliche Grundlage: Was die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz ist
Die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz ist eine schriftliche Erklärung, mit der bestätigt wird, dass ein BauproduktBauprodukt: Ein Produkt, das in Bauwerken oder Gebäuden verwendet wird. oder ein Bausystem mit den Anforderungen übereinstimmt, die für seine Verwendung im Brandschutz maßgeblich sind. Diese Anforderungen können sich aus einer allgemeinen bauaufsichtlichen ZulassungZulassung - Eine behördliche Genehmigung für den Einsatz eines Produkts oder einer Technologie in einem bestimmten Bereich. (abZ), einem allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnis (abP), einer europäischen technischen Bewertung (ETAEine Europäische Technische Bewertung (ETA) ist ein Gutachten, das die technischen Leistungsmerkmale eines Bauprodukts, z. B. eines Baustoffes oder einer Konstruktion, bewertet. Es stellt sicher, dass das Produkt den europäischen Normen und Anforderungen entspricht und somit in der gesamten EU vertrieben werden kann. Die Europäische Technische Bewertung (ETA) ist ein...) oder aus einer Zustimmung im Einzelfall (ZiE)Zustimmung im Einzelfall (ZiE) - Eine behördliche Genehmigung für eine spezielle Konstruktion oder Installation, die nicht den normalen Baustandards entspricht. ergeben. Die Bestätigung ist kein Marketingdokument und kein freiwilliger Nachweis, sondern ein bauordnungsrechtlich verlangtes Instrument, das den Übergang von der abstrakten Produkteigenschaft zur konkreten Verwendung am Bau dokumentiert.
Die rechtliche Grundlage liegt in den Landesbauordnungen der deutschen Bundesländer, die sich in wesentlichen Teilen an der MusterbauordnungMusterbauordnung: Die Musterbauordnung ist eine Vorlage für Bauvorschriften in Deutschland, die als Grundlage für die Bauordnungen der einzelnen Bundesländer dient. (MBO) orientieren. Die MBO unterscheidet zwischen geregelten und nicht geregelten Bauprodukten. Geregelte Bauprodukte entsprechen einer technischen Baubestimmung oder einer harmonisierten europäischen Norm und dürfen ohne weiteren Nachweis verwendet werden, sofern sie das Übereinstimmungszeichen (Ü-ZeichenÜ-Zeichen - Ein Zertifikat für elektrische Bauprodukte, das bestätigt, dass sie den europäischen Normen entsprechen.) tragen. Nicht geregelte Bauprodukte benötigen einen gesonderten Verwendbarkeitsnachweis, der durch die genannten Instrumente erbracht wird. Für Bauprodukte mit brandschutztechnischer Relevanz gilt dabei ein erhöhtes Anforderungsniveau, weil Versagen im Brandfall unmittelbar lebensbedrohlich sein kann.
Das Ü-Zeichen, das auf geregelten Bauprodukten angebracht wird, ist das sichtbare Symbol der Übereinstimmungsbestätigung. Es signalisiert, dass der Hersteller erklärt, sein Produkt entspreche den maßgeblichen technischen Regeln. Für Bauprodukte, die nicht durch harmonisierte europäische Normen erfasst sind, aber brandschutztechnische Aufgaben übernehmen, ist die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz der zentraleZentrale: Eine Zentrale ist eine Einrichtung, die in der Sicherheitstechnik als Steuerungszentrum für verschiedene Alarmvorrichtungen fungiert. Sie empfängt und verarbeitet Signale von Überwachungseinrichtungen und löst bei Bedarf Alarm aus. Nachweis, der die Lücke zwischen Produktzulassung und Einbau schließt. Ohne sie fehlt der formale Nachweis, dass das verwendete Produkt tatsächlich das ist, was die Genehmigung vorausgesetzt hat.
Das System der Verwendbarkeitsnachweise: Zulassungen, Prüfzeugnisse und Normen
Um die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz richtig einordnen zu können, muss man das System der Verwendbarkeitsnachweise verstehen, in das sie eingebettet ist. Dieses System hat mehrere Ebenen, die je nach Produktart und Anwendungsfall unterschiedlich greifen. An der Basis stehen harmonisierte europäische Normen (hEN), die im Rahmen der BauproduktenverordnungBauproduktenverordnung: Eine EU-Verordnung, die Anforderungen an Bauprodukte hinsichtlich Sicherheit, Gesundheit und Umwelt festlegt. (EU-Verordnung Nr. 305/2011, kurz BauPVO) erlassen werden. Produkte, die einer solchen Norm entsprechen, tragen die CE-KennzeichnungCE-Kennzeichnung: Die CE-Kennzeichnung ist ein europäisches Gütesiegel, das auf zahlreichen Produkten angebracht ist und besagt, dass das Produkt den Anforderungen der EU-Richtlinien entspricht und somit sicher und störungsfrei betrieben werden kann., die jedoch keine Verwendungsfreigabe im nationalen Recht darstellt, sondern lediglich die Leistungseigenschaften deklariert.
Für Produkte ohne harmonisierte Norm oder für Anwendungen, die über den Geltungsbereich einer Norm hinausgehen, greifen die nationalen Instrumente. Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ)Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) ist ein Verfahren, bei dem bestimmte Bauprodukte geprüft und zugelassen werden, um ihre Eignung und Sicherheit im Bereich des baulichen Brandschutzes zu gewährleisten. wird vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin erteilt und beschreibt die zulässigen Verwendungsbedingungen eines Produkts vollständig. Das allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis (abP) ist ein vereinfachtes Instrument für Produkte, deren Verwendbarkeit durch Prüfung nachgewiesen werden kann, ohne dass eine vollständige Zulassung erforderlich ist. Beide Dokumente enthalten präzise Angaben zu Einbaubedingungen, Verarbeitungsvorschriften und Wartungsanforderungen, die für die spätere Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz unmittelbar relevant sind.
Seit der Novellierung des Bauproduktenrechts hat das DIBt die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung schrittweise durch die allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) und das allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis durch das allgemeine Bauartprüfzeugnis (aBPZ) ergänzt beziehungsweise ersetzt. Diese Begriffe beziehen sich nicht mehr nur auf das Produkt selbst, sondern auf die BauartBauart: Eine spezielle Ausführung oder Konstruktion von Architekturelementen., also den Verbund aus Produkt, Einbausituation und Ausführungsregel. Für den Brandschutz ist diese Unterscheidung bedeutsam: Ein Brandschutzsystem wie eine Kabeldurchführung oder eine Brandschutzklappe funktioniert nur dann wie geprüft, wenn alle Komponenten und der Einbau exakt den Vorgaben des Verwendbarkeitsnachweises entsprechen. Die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz ist das Dokument, das genau dies für das konkrete Bauvorhaben bestätigt.
Wer stellt die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz aus und wer trägt Verantwortung?
Die Frage der Verantwortung ist im Brandschutz besonders heikel, weil Mängel im Ernstfall irreversible Konsequenzen haben. Die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz kann je nach Produkt und Anforderungsniveau auf zwei Wegen ausgestellt werden: durch den Hersteller selbst oder durch eine anerkannte Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle (PÜZ-Stelle). Welcher Weg gilt, legt der jeweilige Verwendbarkeitsnachweis fest. Bei einfacheren Produkten mit geringerem Gefährdungspotenzial genügt die Herstellererklärung; bei sicherheitsrelevanten Bauprodukten mit hohem Brandschutzanspruch ist eine Fremdüberwachung durch eine akkreditierte Stelle vorgeschrieben.
Der Hersteller, der eine Übereinstimmungsbestätigung ausstellt, erklärt damit rechtsverbindlich, dass sein Produkt den Anforderungen des Verwendbarkeitsnachweises entspricht. Diese Erklärung setzt eine werkseigene Produktionskontrolle (WPK)Werkseigene Produktionskontrolle (WPK) - Eine Qualitätskontrollmethode, die in der Fertigung eingesetzt wird, um sicherzustellen, dass die Produkte den vorgegebenen Standards entsprechen. voraus, also ein internes Qualitätsmanagementsystem, das die gleichbleibende Herstellungsqualität sicherstellt. Die WPK ist kein informelles Instrument, sondern ein normativ geforderter Bestandteil des Konformitätsnachweises. Bei Produkten mit Fremdüberwachung wird die WPK durch regelmäßige Audits der PÜZ-Stelle ergänzt, die das Recht zur Vergabe des Übereinstimmungszeichens von der fortlaufenden Erfüllung der Anforderungen abhängig macht.
Auf der Baustelle trägt der ausführende Unternehmer die Verantwortung dafür, dass nur Produkte mit gültiger Übereinstimmungsbestätigung eingebaut werden und dass der Einbau den Vorgaben des Verwendbarkeitsnachweises entspricht. Der Architekt oder Fachplaner ist verpflichtet, die Übereinstimmungsbestätigungen zu fordern, zu prüfen und zu dokumentieren. Die Bauaufsichtsbehörde kann im Rahmen der Bauüberwachung die Vorlage dieser Dokumente verlangen. In der Praxis zeigt sich, dass die Dokumentationskette häufig lückenhaft ist, weil die Bedeutung der Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz auf der Baustelle unterschätzt wird und der Druck des Bauablaufs die sorgfältige Ablage von Nachweisen verdrängt.
Die Rolle des Brandschutzplaners und des Sachverständigen
In Gebäuden der GebäudeklassenGebäudeklassen: Gebäude werden in unterschiedliche Klassen eingeteilt, je nach Nutzung und Größe. 4 und 5 sowie in SonderbautenSonderbauten: Sonderbauten sind Gebäude oder bauliche Anlagen, die aufgrund ihrer besonderen Nutzung oder Konstruktion besonderen Anforderungen an den Brandschutz und die Sicherheit unterliegen. Hierzu zählen unter anderem Krankenhäuser, Schulen, Flughäfen und Industrieanlagen. ist in vielen Bundesländern die Beteiligung eines qualifizierten Brandschutzplaners oder eines anerkannten Sachverständigen für Brandschutz vorgeschrieben. Dieser Sachverständige prüft nicht nur das BrandschutzkonzeptBrandschutzkonzept: Ein Brandschutzkonzept beschreibt alle Maßnahmen, die zur Vorbeugung von Bränden und zur Sicherheit im Brandfall ergriffen werden. in der Planungsphase, sondern begleitet auch die Ausführung und bestätigt am Ende, dass das realisierte Gebäude dem genehmigten Brandschutzkonzept entspricht. Die Übereinstimmungsbestätigungen der eingebauten Brandschutzprodukte sind dabei ein wesentlicher Bestandteil seiner Prüfgrundlage. Ohne vollständige Nachweisdokumentation kann der Sachverständige seine Abschlussbescheinigung nicht erteilen, was die Nutzungsaufnahme des Gebäudes blockiert.
Typische Brandschutzprodukte und ihre Übereinstimmungsanforderungen
Die Bandbreite der Bauprodukte, für die eine Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz erforderlich ist, reicht von Baustoffen über Bauteile bis hin zu komplexen Systemen. Zu den häufigsten Produktgruppen gehören Brandschutzklappen in raumlufttechnischen Anlagen, Kabeldurchführungen und Rohrabschottungen in Decken und Wänden, Brandschutztüren und -tore, BrandschutzverglasungenBrandschutzverglasungen: Verglasungen, die speziell für den Einsatz in Brandschutzwänden oder Türen entwickelt wurden und bestimmte Anforderungen an die Feuerbeständigkeit erfüllen., Brandschutzbeschichtungen (sogenannte reaktive Brandschutzsysteme, die im Brandfall aufschäumen und dämmen), Brandschutzputze und -platten sowie DämmstoffeDämmstoffe - Materialien, die das Gebäude vor thermischen Verlusten schützen und somit Energie sparen helfen. mit brandschutztechnischer Klassifizierung.
Jede dieser Produktgruppen hat spezifische Anforderungen an den Verwendbarkeitsnachweis und die Art der Übereinstimmungsbestätigung. Eine Brandschutzklappe etwa muss nicht nur das richtige Produkt sein, sie muss auch in der richtigen Wandkonstruktion, mit den richtigen Befestigungsmitteln und mit der richtigen Ansteuerung eingebaut sein, um die geprüfte FeuerwiderstandsklasseFeuerwiderstandsklasse: Eine Bewertung der Feuerbeständigkeit von Bauprodukten. zu erreichen. Abweichungen von den Einbauvorschriften des Verwendbarkeitsnachweises, auch wenn sie bautechnisch plausibel erscheinen, heben die Gültigkeit der Übereinstimmungsbestätigung auf. Dieses Prinzip der systemischen Konformität ist vielen Handwerkern auf der Baustelle nicht ausreichend bekannt und führt zu einem der häufigsten Fehler im baulichen Brandschutz.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen reaktive Brandschutzsysteme, also BeschichtungenBeschichtungen beziehen sich auf Schichten von Material, die auf eine Oberfläche aufgetragen werden. Beschichtungen können zum Schutz oder zur Veredelung von Oberflächen wie Wänden, Böden oder Dächern verwendet werden. auf Stahltragwerken, die im Brandfall durch Aufschäumen eine isolierende Schicht bilden und so die kritische Erwärmung des Stahls verzögern. Diese Systeme sind in ihrer Wirksamkeit stark von der Schichtdicke, dem UntergrundUntergrund: Der Untergrund bezieht sich auf die Fläche, auf der eine Baustruktur errichtet wird. Er kann aus verschiedenen Materialien wie Beton, Erde, Gestein oder Asphalt bestehen und muss oft vor der Errichtung entsprechend bearbeitet oder vorbereitet werden., der Verarbeitung und den Umgebungsbedingungen abhängig. Die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz für solche Systeme setzt eine lückenlose Dokumentation der Schichtdicke durch Messprotokolle voraus, die vom Verarbeiter zu erstellen und vom Auftraggeber zu archivieren sind. Fehlen diese Protokolle, ist die Übereinstimmungsbestätigung formal nicht haltbar, selbst wenn das Produkt korrekt aufgetragen wurde.
Häufige Fehler in der Praxis und wie sie sich vermeiden lassen
Die Praxis zeigt ein wiederkehrendes Muster von Fehlern, die sich in drei Kategorien einteilen lassen: Dokumentationslücken, Produktverwechslungen und Einbaufehler. Dokumentationslücken entstehen, wenn Übereinstimmungsbestätigungen zwar vorliegen, aber nicht systematisch gesammelt, geordnet und dem Bauherrn übergeben werden. Für die spätere Nutzung, InstandhaltungInstandhaltung: Die Instandhaltung umfasst alle Maßnahmen zur Pflege und Wartung von technischen Anlagen, um deren Funktionsfähigkeit und Sicherheit zu gewährleisten. und eventuelle Umbauten ist die vollständige Brandschutzdokumentation unverzichtbar. Fehlt sie, muss im Zweifelsfall eine aufwendige Bestandsaufnahmeist ein Prozess, bei dem der Zustand eines vorhandenen Gebäudes oder einer vorhandenen Struktur dokumentiert wird. Dies kann zur Planung von Renovierungs- oder Sanierungsmaßnahmen oder zur Beurteilung des Wertes einer Immobilie dienen. durch Sachverständige erfolgen, die teuer ist und selten vollständige Sicherheit schafft.
Produktverwechslungen passieren, wenn auf der Baustelle ein ähnliches, aber nicht identisches Produkt eingebaut wird, weil das ursprünglich geplante kurzfristig nicht lieferbar ist. Jede Produktänderung im Brandschutzbereich erfordert eine erneute Prüfung, ob der neue Verwendbarkeitsnachweis für die konkrete Einbausituation gilt und ob die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz für das Ersatzprodukt vorliegt. Dieser Prüfschritt wird im Baustellenalltag häufig übersprungen, weil er Zeit kostet und die Dringlichkeit des Problems nicht unmittelbar sichtbar ist.
Einbaufehler sind die folgenreichste KategorieKategorie: Die Kategorie beschreibt die Gefahrenklasse von Stoffen und Materialien, z.B. entzündbare Flüssigkeiten, Gas oder Staub, und hat Einfluss auf die Brandschutzanforderungen.. Sie entstehen, wenn die Einbauvorschriften des Verwendbarkeitsnachweises nicht eingehalten werden, sei es aus Unkenntnis, aus handwerklicher Vereinfachung oder weil die Vorschriften im Dokument schwer verständlich formuliert sind. Typische Einbaufehler bei Kabeldurchführungen sind falsche Füllmaterialien, unzureichende BefestigungBefestigung: Die Befestigung beschreibt die Art und Weise, wie ein Bauteil an einem anderen befestigt wird. oder das Mischen von Produkten verschiedener Hersteller, die nicht gemeinsam geprüft wurden. Bei Brandschutztüren sind häufige Fehler falsch eingestellte TürschließerTürschließer: Ein Türschließer ist ein technisches Gerät, das eine Tür automatisch schließt, nachdem sie geöffnet wurde. Er kommt besonders im Brandschutz zum Einsatz, um z. B. Brandschutztüren automatisch zu schließen., fehlende oder falsch montierte Dichtungen sowie nachträgliche Veränderungen an Rahmen oder Blatt, die die Zulassung erlöschen lassen.
Zur Vermeidung dieser Fehler empfiehlt sich ein strukturiertes Brandschutzmanagement auf der Baustelle, das folgende Elemente umfasst:
- Frühzeitige Festlegung aller brandschutztechnisch relevanten Produkte in der Ausschreibung mit expliziter Anforderung der Übereinstimmungsbestätigung
- Einrichtung einer zentralen Dokumentenmappe für alle Brandschutznachweise auf der Baustelle
- Einweisung der ausführenden Gewerke in die spezifischen Einbauvorschriften der verwendeten Produkte
- Stichprobenhafte Kontrolle der Einbausituationen durch den Bauleiter oder Brandschutzplaner während der Ausführung
- Vollständige Übergabe der Dokumentation an den Bauherrn als Teil der Gebäudedokumentation
Die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz im europäischen Kontext
Das deutsche System der Übereinstimmungsbestätigung existiert nicht isoliert, sondern steht in einem Spannungsverhältnis zur europäischen Bauproduktenverordnung. Die BauPVO regelt die CE-Kennzeichnung von Bauprodukten und schafft einen einheitlichen europäischen Markt für diese Produkte. Sie regelt jedoch ausdrücklich nicht die Verwendung der Produkte im nationalen Baurecht. Das bedeutet: Ein Produkt mit CE-Kennzeichnung und deklarierter Brandschutzleistung darf in Deutschland nicht ohne weiteres eingebaut werden, wenn für die konkrete Verwendung eine nationale Zulassung oder ein Verwendbarkeitsnachweis erforderlich ist.
Dieser Dualismus führt in der Praxis zu Verwirrung. Hersteller aus anderen EU-Staaten, die ihre Produkte mit CE-Kennzeichnung und Leistungserklärung liefern, sind oft überrascht, dass für den deutschen Markt zusätzliche Nachweise erforderlich sind. Umgekehrt müssen deutsche Planer und Bauherren bei importierten Produkten sorgfältig prüfen, ob die CE-Kennzeichnung für die geplante Verwendung ausreicht oder ob ein nationaler Verwendbarkeitsnachweis und damit eine Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz nach deutschem Recht erforderlich ist. Das DIBt und die Landesbauaufsichtsbehörden haben hierzu Orientierungshilfen veröffentlicht, die jedoch regelmäßig aktualisiert werden müssen, weil das europäische Normenwerk sich fortentwickelt.
Europäische technische Bewertungen (ETA), die vom DIBt oder einer anderen zugelassenen Technischen Bewertungsstelle ausgestellt werden, können in bestimmten Fällen als Verwendbarkeitsnachweis im deutschen Recht anerkannt werden. Für Brandschutzprodukte ist dies jedoch an enge Voraussetzungen geknüpft, weil die europäischen Klassifizierungsnormen (insbesondere die Normenreihe ENEN steht für "Europäische Norm" und ist ein Standard für Produkte und Produkttests in Europa. 13501) zwar Prüfverfahren und Klassifizierungen harmonisieren, die nationalen Anforderungen an Feuerwiderstandsklassen und Einbaubedingungen aber weiterhin im nationalen Recht verankert sind. Die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz bleibt damit ein genuin nationales Instrument, auch wenn die Produkte, auf die sie sich bezieht, europäisch geprüft und klassifiziert sein können.
Einordnung: Warum die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz mehr ist als Bürokratie
Es wäre ein Fehler, die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz als bloße Verwaltungsanforderung zu betrachten, die man mit möglichst wenig Aufwand erfüllt. Sie ist das Scharnier zwischen dem abstrakten Nachweis der Produkteigenschaften und der konkreten Sicherheit im Gebäude. Ein Brandschutzsystem, das im Labor die geforderte Feuerwiderstandsklasse erreicht hat, schützt im Ernstfall nur dann, wenn es auch am Bau korrekt eingebaut und dokumentiert wurde. Die Übereinstimmungsbestätigung ist der formale Beweis, dass dieser Übergang geglückt ist.
Für Architekten und Fachplaner bedeutet dies eine doppelte Verantwortung: Sie müssen nicht nur die richtigen Produkte planen, sondern auch sicherstellen, dass die Ausführung und Dokumentation den Anforderungen entsprechen. Diese Verantwortung endet nicht mit der Übergabe des Gebäudes, denn nachträgliche Änderungen an brandschutztechnisch relevanten Bauteilen, etwa der Austausch einer BrandschutztürBrandschutztür: Eine Brandschutztür ist eine Tür, die aufgrund ihrer Konstruktion die Ausbreitung von Feuer und Rauch innerhalb eines Gebäudes verhindert oder zumindest verzögert. Sie muss bestimmten Normen und Brandschutzklassen entsprechen und in der Regel mit einer selbstschließenden Vorrichtung sowie Dichtungen ausgestattet sein. oder die Nachinstallation von Leitungen durch geprüfte Abschottungen, erfordern erneut gültige Übereinstimmungsbestätigungen. Wer dies versäumt, setzt nicht nur die Betriebsgenehmigung des Gebäudes aufs Spiel, sondern trägt im Schadensfall eine erhebliche Haftung.
Das Thema gewinnt durch die zunehmende Komplexität moderner Gebäude und die wachsende Dichte technischer Installationen an Bedeutung. Gebäude mit intensiver Haustechnik, mit Rechenzentren, mit Labors oder mit besonderen Nutzungsanforderungen haben eine Vielzahl von Durchdringungen, Abschottungen und brandschutztechnischen Systemen, für die jeweils eigene Nachweise zu führen sind. Die Übereinstimmungsbestätigung Brandschutz ist in diesem Kontext kein Einzeldokument, sondern ein strukturiertes Nachweissystem, das die gesamte Lebensdauer des Gebäudes begleiten muss. Wer dieses System von Anfang an konsequent aufbaut, schafft nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern auch die Grundlage für ein dauerhaft funktionierendes Brandschutzniveau, das seinen Namen verdient.
