Ein Türsturz ist weit mehr als ein horizontales Bauteil über einer Öffnung. Er ist das tragende Element, das verhindert, dass Mauerwerk, Beton oder Holzkonstruktion über Tür- und Fensteröffnungen in sich zusammenbricht. Wer den Begriff türsturz tragend wirklich versteht, begreift, wie Lasten in einem Gebäude fließen, warum Öffnungen im Mauerwerk eine konstruktive Antwort verlangen und weshalb ein scheinbar unscheinbares Bauteil über einer Kellertür über die StandsicherheitStandsicherheit: Die Fähigkeit von Gerüsten oder Schalungen, einem Sturz oder einer starken Belastung standzuhalten. des gesamten Wandabschnitts entscheiden kann.
- Was ein tragender Türsturz ist und wie er sich von nicht tragenden Varianten unterscheidet
- Welche physikalischen Kräfte auf einen Türsturz wirken und wie er sie ableitet
- Welche Materialien und Bauformen für tragende Türstürze eingesetzt werden
- Wie Türstürze in verschiedenen Wandkonstruktionen, von Mauerwerk bis StahlbetonStahlbeton: Ein Verbundwerkstoff aus Stahl und Beton, bei dem der Stahl als Zugbewehrung und der Beton als Druckbewehrung eingesetzt wird., ausgeführt werden
- Welche Normen und Bemessungsregeln für tragende Türstürze gelten
- Woran man einen tragenden Türsturz erkennt und wie er sich von einem BlendrahmenBlendrahmen: Der Blendrahmen bezeichnet den Rahmen um das Fenster oder die Tür, der optisch auf die Fassade abgestimmt ist. oder einer Verkleidung unterscheidet
- Welche typischen Fehler bei Einbau, UmbauUmbau ist ein Begriff, der sich auf die Veränderung oder Renovierung eines bestehenden Gebäudes oder Raums bezieht. und Sanierung auftreten
- Wie tragende Türstürze in historischen Gebäuden und im modernen Bauen gestaltet werden
Definition: Was ist ein tragender Türsturz?
Der Türsturz, in der Fachsprache auch als Türsturz oder Fenstersturz bezeichnet, ist ein horizontales Bauteil, das unmittelbar über einer Tür- oder Fensteröffnung in einer Wand angeordnet wird. Seine Aufgabe ist es, die Lasten aus dem darüber liegenden Wandbereich, der Decke oder weiterer Auflasten aufzunehmen und beidseitig in die angrenzenden Wandpfeiler, also die Leibungen, abzuleiten. Der Begriff türsturz tragend beschreibt dabei jene Ausführung, bei der das Bauteil tatsächlich statisch wirksam ist und Lasten überträgt, im Unterschied zu rein dekorativen Verkleidungen oder Blendrahmen, die keine Kräfte aufnehmen.
Die Notwendigkeit eines Türsturzes ergibt sich aus der Statik des Mauerwerks oder jedes anderen Wandsystems: Mauerwerk, Beton, Holzständer oder Lehmwände können Druckkräfte gut aufnehmen, sind aber nicht in der Lage, über einer Öffnung selbsttragend zu wirken, ohne dass ein Bauteil die Lasten überbrückt. Ohne Sturz würde das Mauerwerk über der Öffnung auseinanderfallen oder sich setzen. Der tragende Türsturz ist also keine optionale Ergänzung, sondern eine konstruktive Notwendigkeit, sobald eine Öffnung in einer lasttragenden Wand vorhanden ist.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen tragenden und nicht tragenden Wänden. In einer nicht tragenden Trennwand, die ausschließlich zur Raumaufteilung dient und keine Lasten aus Decken oder Dach aufnimmt, ist ein Sturz über einer Tür zwar oft trotzdem vorhanden, aber seine statische Anforderung ist gering. In einer tragenden Außen- oder Innenwand dagegen ist der türsturz tragend im vollen Sinne des Wortes: Er übernimmt Lasten, die ohne ihn die Öffnung zum Einsturz bringen würden.
Lastpfade und Tragwirkung: Wie ein Türsturz Kräfte ableitet
Um die Funktion eines tragenden Türsturzes zu verstehen, muss man den Lastpfad eines Gebäudes nachvollziehen. Lasten entstehen durch Eigengewicht der Bauteile (ständige Lasten) sowie durch Nutzung, Schnee und Wind (veränderliche Lasten). Diese Lasten wandern von oben nach unten: vom Dach über die Decken in die Wände und von dort in das Fundament. Trifft dieser vertikale Lastpfad auf eine Wandöffnung, muss die Last seitlich umgeleitet werden. Genau diese Umleitung leistet der türsturz tragend.
Der Sturz wirkt dabei wie ein Träger, der auf zwei Auflagern ruht, nämlich den Wandpfeilern rechts und links der Öffnung. Die Last aus dem Mauerwerk und den Decken über dem Sturz erzeugt Biegemomente und Querkräfte im Sturzbauteil. Das Biegemoment ist am größten in der Mitte der Öffnung und nimmt zu den Auflagern hin ab. Die Querkräfte sind umgekehrt an den Auflagern am größten. Daraus folgt, dass die Materialwahl und die Querschnittsgeometrie des Sturzes auf diese Kraftverteilung abgestimmt sein müssen.
Entscheidend ist die sogenannte Auflagerlänge: Der Sturz muss beidseitig ausreichend tief in das angrenzende Mauerwerk oder den angrenzenden Betonquerschnitt einbinden, damit die Kräfte sicher eingeleitet werden können. Zu geringe Auflagerlängen führen zu Kantenpressungen, Rissen oder im schlimmsten Fall zum Herausreißen des Sturzes aus seiner Verankerung. Normen wie die DIN ENEN steht für "Europäische Norm" und ist ein Standard für Produkte und Produkttests in Europa. 1996 (EurocodeEurocode: Der Eurocode ist eine normative Sammlung von europäischen Konstruktionsstandards für Bauprojekte. Er soll dabei helfen, eine einheitliche und sichere Bauweise zu garantieren. 6 für Mauerwerk) und die zugehörigen nationalen Anwendungsdokumente geben Mindestwerte für diese Auflagerlängen vor, die je nach Last und Material variieren.
Ein weiterer Aspekt der Tragwirkung ist die sogenannte Gewölbewirkung im Mauerwerk. Über einem Sturz bildet sich, wenn das Mauerwerk ausreichend hoch und beidseitig eingespannt ist, ein natürlicher Druckbogen aus. Dieser Druckbogen leitet einen Teil der Last direkt in die Wandpfeiler ab, ohne den Sturz zu belasten. Dieses Phänomen, in der Baustatik als Entlastungsbogen oder Druckgewölbe bezeichnet, reduziert die tatsächliche Belastung des Sturzes erheblich. In der Praxis wird diese Wirkung bei der BemessungBemessung: Die Berechnung von Bauteilen und Konstruktionen, um ihre Eignung und Sicherheit zu gewährleisten. berücksichtigt, darf aber nicht unkritisch vorausgesetzt werden, da sie von der Geometrie, dem Mörtelgefüge und dem Zustand des Mauerwerks abhängt.
Materialien und Bauformen: Von Naturstein bis Stahlbeton
Die Geschichte des tragenden Türsturzes ist zugleich eine Geschichte der Baumaterialien. In der Antike und im Mittelalter wurden Türstürze aus monolithischen Natursteinblöcken gefertigt, die als Flachsturz über die Öffnung gelegt wurden. Granit, Sandstein oder Kalkstein boten ausreichende DruckfestigkeitDruckfestigkeit: Die Druckfestigkeit eines Baustoffs gibt an, wie viel Druck er standhalten kann, bevor er bricht oder sich verformt., waren aber in ihrer Spannweite begrenzt, da Naturstein unter Biegezug leicht bricht. Deshalb wurden breite Öffnungen in historischen Steinbauten häufig mit Bögen überbrückt, die die Last in reinen Druck umwandeln und so die Zugproblematik umgehen.
Mit der Industrialisierung und der Verfügbarkeit von StahlStahl: Ein Werkstoff, der aufgrund seiner hohen Belastbarkeit und Stabilität oft bei Gerüstkonstruktionen eingesetzt wird. und Stahlbeton veränderte sich die Sturzkonstruktion grundlegend. Der Stahlbetonfertigsturz, heute die häufigste Form des türsturz tragend im Neubau, kombiniert die Druckfestigkeit des Betons mit der Zugfestigkeit des eingebetteten Bewehrungsstahls. Die BewehrungDas ist der Fachbegriff für den Einsatz von Stahlstäben zur Verstärkung von Beton- oder Mauerwerkskonstruktionen. liegt im Zugbereich des Trägers, also in der unteren ZoneIn der Architektur und Gebäudetechnik bezeichnet eine Zone einen Bereich innerhalb eines Gebäudes, der in Bezug auf Heizung, Klimatisierung oder Belüftung eine eigene Regelung benötigt. Zonen werden oft nach ihrer Nutzung, Größe oder Lage definiert, um eine maßgeschneiderte Versorgung mit Energie und Luft zu gewährleisten.... des Sturzes, und nimmt die Zugkräfte auf, die durch das Biegemoment entstehen. Stahlbetonfertigsturze werden industriell hergestellt, in genormten Abmessungen geliefert und können auf der Baustelle ohne aufwendige SchalungSchalung: Eine temporäre Form, die für den Guss von Beton oder anderen Baustoffen verwendet wird. eingebaut werden.
Neben dem Stahlbetonfertigsturz gibt es weitere gebräuchliche Bauformen:
- Stahlsturz: Ein Stahlprofil (häufig ein Doppel-T-Träger oder ein U-Profil) wird über die Öffnung gelegt. Stahlstürze bieten hohe Tragfähigkeitbezieht sich auf die Fähigkeit eines Bauelements oder einer Struktur, die Lasten und Belastungen zu tragen, die auf sie wirken. Die Tragfähigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise der Materialqualität, Konstruktion und der Art der Belastung. bei geringer Bauhöhe, erfordern aber Korrosionsschutz und sind wärmetechnisch problematisch, da Stahl ein guter Wärmeleiter ist und WärmebrückenWärmebrücken - Bereiche in der Gebäudehülle, an denen Wärme schneller verloren geht als an anderen Stellen. erzeugt.
- Ziegelflachsturz: Aus speziellen Sturzziegeln und MörtelMörtel: Mörtel ist ein Gemisch aus Sand, Wasser, Zement und gegebenenfalls weiteren Zusatzstoffen. Er dient als Verbindungsmaterial beim Mauerwerksbau und sorgt für eine stabile und dauerhafte Verbindung der Steine oder Ziegel. zusammengesetzt, oft mit integrierter Stahlbewehrung. Wird bevorzugt eingesetzt, wenn die Wand aus Ziegelmauerwerk besteht und ein homogenes Erscheinungsbild gewünscht wird.
- Ortbetonierter Sturz: Auf der Baustelle mit Schalung hergestellt und mit Bewehrung versehen. Ermöglicht individuelle Abmessungen, ist aber aufwendiger als Fertigteile.
- Holzsturz: In Holzbauweise oder historischen Fachwerkgebäuden werden Stürze aus VollholzVollholz: Holz, das nicht durch Sägen oder Schneiden verarbeitet wurde. oder Brettschichtholz ausgeführt. HolzHolz: Ein natürlicher Werkstoff, der zur Herstellung von Schalungen und Gerüsten genutzt werden kann. Es wird oft für Bauvorhaben im Bereich des Holzbaus verwendet. hat gute Biege- und Zugeigenschaften, ist aber feuchteempfindlich und erfordert konstruktiven Holzschutz.
- Stahlbetonringbalken mit integriertem Sturz: In modernen Mauerwerkskonstruktionen wird der Sturz oft in den umlaufenden RingbalkenRingbalken: Der Ringbalken ist ein Bauteil, das in der Dachkonstruktion Verwendung findet. Er bildet den oberen Abschluss der Wand und dient als Auflage für die Dachsparren. integriert, der die Deckenlasten aufnimmt und gleichzeitig die Öffnung überbrückt.
Die Wahl des richtigen Sturztyps hängt von der Spannweite der Öffnung, der Höhe der einwirkenden Lasten, dem Wandmaterial, den wärmetechnischen Anforderungen und dem gestalterischen Anspruch ab. Bei großen Spannweiten oder hohen Lasten ist eine statische Berechnung durch einen Tragwerksplaner unerlässlich.
Wärmebrücken, Dämmung und der türsturz tragend im energetischen Kontext
Ein tragender Türsturz ist nicht nur ein statisches, sondern auch ein bauphysikalisches Problem. Stahl- und Betonbauteile leiten Wärme deutlich besser als Mauerwerk oder WärmedämmungWärmedämmung: Die Fähigkeit eines Materials oder Gebäudes, Wärme innerhalb oder außerhalb des Gebäudes zu halten oder zu blockieren.. Ein Stahlbetonfertigsturz in einer Außenwand bildet deshalb eine ausgeprägte WärmebrückeWärmebrücke: Eine Wärmebrücke ist ein Bereich im Bauteil, bei dem die Wärmedämmung unzureichend ist. Dadurch kann es zu Wärmeverlusten und Feuchtigkeitsschäden kommen., also eine Stelle, an der der Wärmestrom lokal erhöht ist und die Innenwandoberfläche entsprechend abkühlt. Diese Abkühlung kann, wie in der Bauphysik bekannt, dazu führen, dass die Oberflächentemperatur unter die TaupunkttemperaturTaupunkttemperatur - Die Temperatur, bei der Kondensation auftritt. der Raumluft sinkt, was KondensationKondensation: Kondensation ist der Übergang von einem gasförmigen in einen flüssigen Zustand und tritt zum Beispiel auf, wenn Heißdampf abkühlt und Wassertröpfchen entstehen. und in der Folge Schimmelbildung begünstigt.
Moderne Sturzsysteme berücksichtigen diesen Zusammenhang konstruktiv. Sogenannte gedämmte Fertigsturze oder Thermosturze integrieren eine DämmschichtDämmschicht: Eine Dämmschicht wird unter einem Bodenbelag oder einer Wandverkleidung angebracht, um Wärme- oder Schallschutz zu gewährleisten. Sie kann aus verschiedenen Materialien wie beispielsweise Styropor, Mineralwolle oder Schaumstoff bestehen. auf der Außenseite des Betonquerschnitts, um den WärmedurchgangWärmedurchgang - Der Wärmedurchgang beschreibt, wie viel Wärme durch ein Material hindurchgeht und somit ein Wärmeverlust oder Wärmegewinn entsteht. zu reduzieren. Alternativ wird der Sturz mit einer vorgesetzten Wärmedämmung versehen, die im Rahmen des Wärmedämmverbundsystems (WDVSWDVS: WDVS steht für "Wärmedämmverbundsystem". Es handelt sich hierbei um einen Baustoff, der zur Wärmedämmung von Gebäuden verwendet wird.) angebracht wird. In Passivhäusern und Niedrigstenergiegebäuden ist die wärmetechnische Optimierung des Sturzes ebenso wichtig wie seine statische Bemessung, da selbst kleine Wärmebrücken den HeizwärmebedarfHeizwärmebedarf - Energiebedarf, der nötig ist, um einen Raum innerhalb einer bestimmten Zeit auf eine bestimmte Temperatur zu heizen. messbar erhöhen und das Risiko von Oberflächenkondensation steigern.
Die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz, insbesondere der Temperaturfaktor fRsi an Wärmebrücken, sind in der DIN 4108 geregelt. Für Sturzbereiche bedeutet das in der Praxis, dass die Innenwandoberfläche auch bei ungünstigen Außenbedingungen nicht unter einen definierten Grenzwert abkühlen darf. Planer, die türsturz tragend und wärmetechnisch korrekt dimensionieren, müssen beide Anforderungen gleichzeitig erfüllen, was eine enge Abstimmung zwischen Tragwerksplanung und Bauphysik erfordert.
Normen, Bemessung und handwerkliche Ausführung
Die Bemessung eines tragenden Türsturzes folgt in Deutschland den Regelwerken des EurocodesEurocodes: Die Eurocodes sind europaweit einheitliche Normen für die Bemessung von Bauteilen in der Bauindustrie.. Für Mauerwerk gilt der Eurocode 6 (DIN EN 1996) mit dem nationalen Anhang, für Stahlbeton der Eurocode 2 (DIN EN 1992). Für einfache, standardisierte Situationen, also geringe Spannweiten, normale Wohngebäude und genormte Fertigsturze, stellen die Hersteller Bemessungstabellen zur Verfügung, die den Einbau ohne individuelle statische Berechnung erlauben, sofern die angegebenen Randbedingungen eingehalten werden. Bei größeren Spannweiten, ungewöhnlichen Lasten oder besonderen Wandkonstruktionen ist die Berechnung durch einen zugelassenen Tragwerksplaner Pflicht.
Handwerklich sind bei der Ausführung eines türsturz tragend mehrere Punkte zu beachten. Die Auflagerlänge muss auf jeder Seite mindestens den in den Produktdatenblättern oder Normen angegebenen Mindestwert erreichen, typischerweise zwischen zehn und fünfzehn Zentimetern, bei größeren Lasten auch mehr. Der Sturz muss vollflächig und gleichmäßig auf dem Mauerwerk aufliegen; punktuelle Lasteinleitung durch Unebenheiten kann zu Kantenpressungen und Rissen führen. Beim Einbau von Fertigsturzen ist auf die korrekte Lage der Bewehrung zu achten: Der Sturz muss mit der richtigen Seite nach unten eingebaut werden, da die Bewehrung im Zugbereich, also unten, liegen muss.
Während der Bauphase, solange das Mauerwerk über dem Sturz noch nicht vollständig erhärtet und die Gewölbewirkung noch nicht ausgebildet ist, muss der Sturz gegebenenfalls durch Lehrgerüste oder Abstützungen gesichert werden. Frisch eingebaute Stürze dürfen nicht durch vorzeitige Belastung, etwa durch das Aufmauern zu schnell, überlastet werden. Diese Frischbetonphase ist in der Praxis ein häufiger Fehlerquell, besonders auf Baustellen mit hohem Termindruck.
Türstürze in historischen Gebäuden: Erkennen, Beurteilen, Erhalten
In historischen Gebäuden begegnet man einer großen Vielfalt von Sturzkonstruktionen, die den jeweiligen Materialien und handwerklichen Möglichkeiten ihrer Entstehungszeit entsprechen. Romanische und gotische Kirchenbauten lösen das Problem der Öffnungsüberbrückung durch Rundbogen und SpitzbogenSpitzbogen: Der Spitzbogen ist ein Bogen, bei dem der Scheitelpunkt höher liegt als die Stützpunkte. Er wurde in der Gotik und der Romanik verwendet und verleiht dem Bauwerk ein besonders imposantes Aussehen., die die Last in reinen Druck umwandeln und keine Zugkräfte im Sturzbauteil erzeugen. Bürgerliche Stadtarchitektur des 18. und 19. Jahrhunderts verwendet häufig Flachsturze aus Naturstein oder gemauerte Entlastungsbögen, die über einem hölzernen oder steinernen Flachsturz angeordnet sind und die Last in den Bogen umleiten.
Fachwerkgebäude bilden eine eigene KategorieKategorie: Die Kategorie beschreibt die Gefahrenklasse von Stoffen und Materialien, z.B. entzündbare Flüssigkeiten, Gas oder Staub, und hat Einfluss auf die Brandschutzanforderungen.: Hier übernimmt das Holzriegelwerk die Funktion des Sturzes. Der RiegelEin Riegel ist ein Verschlussmechanismus, der verwendet wird, um Türen und Fenster sicher zu verschließen. über der Türöffnung ist das tragende Element, das die Lasten aus dem Gefach und dem darüber liegenden Rähm aufnimmt. Schäden an solchen Holzsturzen, etwa durch FäulnisFäulnis: Fäulnis ist ein biologischer Prozess, bei dem Holz von Pilzen oder Bakterien zersetzt wird. Betroffene Stellen werden weich, verfärben sich und können zu Instabilität führen., Insektenbefall oder Verformung, sind in der Sanierungspraxis häufig anzutreffen und erfordern eine sorgfältige Beurteilung, ob eine Ertüchtigung oder ein Ersatz notwendig ist.
Bei der Sanierung historischer Gebäude ist besondere Vorsicht geboten, wenn Öffnungen verändert oder neue Öffnungen in bestehende Wände gebrochen werden sollen. Vor jedem Eingriff in eine möglicherweise tragende WandTragende Wand: Eine tragende Wand ist eine Wand, die das Gewicht des Gebäudes trägt. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Architektur und sorgt für Stabilität und Sicherheit des Bauwerks. muss die Statik des Bestands analysiert werden. Das Öffnen einer Wand ohne vorherige Sicherung des darüber liegenden Mauerwerks kann zum unkontrollierten Ausbrechen von Steinen oder zum Setzen der Wand führen. Fachleute sichern den Bereich deshalb mit Hilfskonstruktionen, bevor der eigentliche Sturz eingebaut wird. Dieser Arbeitsschritt, in der Praxis als „Unterfahren“ oder „Fangen“ bezeichnet, ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben im Bestandsumbau.
Häufige Fehler und Missverständnisse beim tragenden Türsturz
Ein verbreitetes Missverständnis betrifft die Frage, wann überhaupt ein tragender Sturz erforderlich ist. Manche Bauherren und Handwerker gehen davon aus, dass in Trennwänden oder leichten Ständerwänden kein Sturz nötig sei. Das ist nicht grundsätzlich falsch, aber gefährlich vereinfacht: Auch eine scheinbar leichte Ständerwand kann Lasten aus darüber liegenden Decken oder Dachkonstruktionen aufnehmen, wenn sie als Aussteifungselement oder als Auflager für Unterzüge dient. Ohne vorherige statische Prüfung lässt sich diese Frage nicht sicher beantworten.
Ein weiterer häufiger Fehler ist der Einbau eines zu schwachen oder zu kurzen Sturzes. Fertigsturze werden in verschiedenen Tragfähigkeitsklassen angeboten, und die Auswahl muss auf die tatsächliche Belastung abgestimmt sein. Ein Sturz, der für eine eingeschossige Belastung bemessen ist, versagt unter den Lasten eines mehrgeschossigen Gebäudes. Risse im Mauerwerk über Türöffnungen, die sich diagonal von den oberen Ecken der Öffnung nach oben ziehen, sind ein klassisches Zeichen für einen überlasteten oder zu schwach dimensionierten Sturz.
Schließlich wird die Bedeutung der Auflagerfläche unterschätzt. Ein Sturz, der zwar die richtige Tragfähigkeit hat, aber auf zu wenig Mauerwerk aufliegt, kann durch Kantenpressung das Mauerwerk unter dem Auflager zerdrücken. Besonders bei weichen Mauerziegeln oder Porenbetonsteinen, die eine geringere Druckfestigkeit als VollziegelVollziegel: Der Vollziegel ist ein massiver Ziegel, der aus Ton gebrannt wird. Er ist besonders stabil und widerstandsfähig und wird oft bei der modernen Architektur verwendet. haben, muss die Auflagerpressung explizit nachgewiesen werden. Hersteller von Fertigsturzen geben in ihren technischen Unterlagen Mindestwerte für die Auflagerlänge und die zulässige Auflagerpressung an, die verbindlich einzuhalten sind.
Der tragende Türsturz als konstruktives Grundprinzip
Der türsturz tragend ist eines jener Bauteile, die in ihrer Schlichtheit ein fundamentales Prinzip des Bauens verkörpern: Lasten müssen immer einen Weg finden, und wo ein Weg unterbrochen wird, muss ein anderer geschaffen werden. Die Öffnung in der Wand unterbricht den vertikalen Lastpfad; der Sturz stellt ihn wieder her, indem er die Last seitlich umleitet. Dieses Prinzip ist in allen Baukulturen und allen Epochen zu finden, von den Steinportalen ägyptischer Tempel über die Rundbogenarkaden römischer Aquädukte bis zum vorgefertigten Stahlbetonfertigsturz im heutigen Wohnungsbau.
Was sich verändert hat, sind die Materialien, die Präzision der Bemessung und die Anforderungen, die über die reine Tragfähigkeit hinausgehen. Wärmedämmung, SchallschutzSchallschutz - Die Fähigkeit eines Gebäudes oder Raumes, Schall abzuschirmen und zu dämpfen., BrandschutzBrandschutz: Der Brandschutz beinhaltet alle Maßnahmen und Vorkehrungen, die dazu dienen, Brände zu vermeiden, zu erkennen und zu bekämpfen. Hierzu gehören unter anderem der Einsatz von Brandmeldern, Rauchwarnern, Feuerlöschern und Brandschutzeinrichtungen wie Brandschutztüren oder Brandschutzverglasungen. und Dauerhaftigkeit sind heute gleichrangige Anforderungen neben der Statik. Ein moderner Sturz muss all diesen Anforderungen gleichzeitig genügen, was die Planung und Ausführung deutlich komplexer macht als es das unscheinbare Bauteil vermuten lässt.
Wer ein Gebäude plant, umbaut oder saniert, kommt am tragenden Türsturz nicht vorbei. Das Wissen um seine Funktion, seine Materialien, seine Bemessungsgrundlagen und seine bauphysikalischen Konsequenzen ist kein Spezialwissen für Statiker allein, sondern gehört zum Grundverständnis jedes Architekten, Baumeisters und informierten Bauherren. Denn ein Bauteil, das im fertigen Gebäude vollständig verborgen ist, entscheidet im Verborgenen über Sicherheit, EnergieeffizienzEnergieeffizienz: Dieses Fachmagazin beschäftigt sich mit der Energieeffizienz von Gebäuden und Infrastrukturen. Es untersucht die verschiedenen Methoden zur Steigerung der Energieeffizienz und ihre Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft. und Dauerhaftigkeit der gesamten Konstruktion.
