Tokio, Andaz-Hotel

Den Blick über das Häusermeer Tokios kennt man aus dem Film „Lost in Translation“. Auch im Andaz- Hotel in den obersten Geschossen des zweit-höchsten Turms der Stadt ist die Aussicht Haupt
attraktion. Die Ausstattung setzt trotz der Inhaber, eine amerikanische Hotelkette, auf Lokalkolorit.

Die topografisch höchste Stelle Tokios, der Atago-Berg, misst exakt 26 Meter. Früher reichte diese Höhe, um bis zur „Tokyo Bay“ zu schauen – heute allerdings verstellen Hochhäuser den Blick von der Anhebung, auf der der Atago-Schrein seit 1603 Gläubige anlockt.

Zu den jüngsten Türmen in der Stadt gehört der „Toranomon Hills Tower“ von Nihon Sekkei Architects: 52 Stockwerke hoch reckt er sich in den Himmel, sein Grundriss erinnert an eine Raute mit teils gerundeten, teils abgeschrägten Ecken. Dreiecksförmig schmiegt sich auf 235 Metern Tokios höchstgelegene Hochzeitskapelle unter das abgeschrägte, ebenfalls dreieckige Dach.

Den Superlativ „höchstes Haus“ kann der Turm jedoch nicht für sich beanspruchen, denn der bereits 2007 fertig gestellte „Tokyo Midtown Tower“ überragt den Toranomon-Hills-Turm um 13 Meter. Statische oder baukonstruktive Probleme allerdings waren nicht der Grund für den ungebrochenen Höhenrekord: Das Hochhaus liegt vielmehr so nah am Kaiserlichen Palast, dass weitere Geschosse die Privatsphäre der Kaiserfamilie gestört hätten und nicht genehmigt wurden.

Doch auch ohne den Royals in die Gärten und Gemächer zu schauen, ist der Ausblick aus den oberen sechs Geschossen, in die das Hotel „Andaz Tokyo Toranomon Hills“ eingezogen ist, schwer zu übertreffen. Der New Yorker Designer Toni Chi und der aus Tokio stammende Innenarchitekt Shinichiro Ogata haben daher die mit mindestens 50 Quadratmetern für japanische Verhältnisse großen Hotelzimmer ganz auf die Aussicht fokussiert: Vom Bett, vom Sofa und vom Schreibtisch aus fällt der Blick durch die komplett verglaste Front hinunter auf die Stadt.

Doch es wäre schade, sich nicht auch die Räume anzuschauen; die Wände wurden mit gebrochen weißen, mit traditionellem Shoji-Papier bezogenen und mit dunklem Hokkaido-Walnussholz abgesetzten Wandtafeln verkleidet, Holzschiebewände sorgen sinnfällig und platzsparend für die Verwandlung des Flurs in eine Ankleide.

Auch in den Aufzügen, in der Lobby, im Spa und dem Restaurant wurden heimische Materialien und Zitate aus der japanischen Architektur- und Kunstgeschichte verwendet und zeitgemäß interpretiert. Denn die Boutique-Hotelmarke Andaz, die mit dem Andaz Tokyo das weltweit 12. und ihr erstes Haus in Japan eröffnet hat, legt Wert auf Authentizität: Während etwa Marcel Wanders das Andaz Amsterdam gestaltet hat, verspricht das Andaz Tokyo „japanische Erlebnisse“ für Gäste und Einheimische.

Die dem Begriff Authentizität per se innewohnenden, zwangsläufigen Brüche verträgt das ehrgeizige Konzept: Das aus tausenden Holzteilen zusammengepuzzelte so genannte Kumiko-Wandbild passt ebenso gut in die knapp sechs Meter hohe Hotellobby im 51. Stockwerk wie elektrisches Licht in den historischen Atago-Schrein.

Adresse

Andaz Tokyo
Toranomon Hills 3-20-16-2F Nishi-Azabu Minato-ku
Tokio 106-0031 Japan
Tel.+81 3 6830 1234, Fax.+81 3 6830 1211
www.andaztokyo.com