In Morelia entstand mit The Architect House Morelia ein Wohnbau, der sich bewusst gegen architektonische Überhöhung stellt und stattdessen den „leeren Raum“ als zentrales Entwurfsprinzip begreift. Das Projekt von HW Studioreflektiert eine radikal reduzierte Architekturhaltung, die stark von japanischer Ästhetik, Zen-Philosophie und der Idee des Ma – der Bedeutung des Zwischenraums – geprägt ist.
Architektur als bewusste Leere
Im Zentrum des Entwurfs steht nicht das gebaute Objekt, sondern der nicht gebaute Raum. Der Innenhof wird zum eigentlichen Kern des Hauses – ein stiller Steingarten, der nicht dekorativ verstanden wird, sondern als strukturelles und atmosphärisches Zentrum.
Diese Haltung verschiebt die klassische Hierarchie von Architektur: Raum wird nicht durch Wände definiert, sondern durch das Verhältnis von Stille, LichtLicht: Licht bezeichnet elektromagnetische Strahlung im sichtbaren Bereich des Spektrums. In der Architektur wird Licht zur Beleuchtung von Räumen oder als Gestaltungselement eingesetzt. und Bewegung. Die Leere ist hier kein Mangel, sondern ein aktives architektonisches Element.
Kompakte Form, präzise Organisation
Von außen präsentiert sich das Gebäude als reduzierte, monolithische Volumetrie. Der Baukörper wirkt geschlossen, fast zurückhaltend im urbanen Kontext von Morelia. Erst im Inneren offenbart sich die räumliche Komplexität.
Die Organisation folgt einer klaren Trennung von Funktionen, die sich um den zentralen Hof gruppieren:
- ein doppelt hoher Küchen- und Essbereich
- ein kontemplatives Wohnzimmer mit steinernen Inseln
- ein minimalistischer Schlafraum im oberen Geschoss
Verbindende Flure werden bewusst vermieden. Die Bewegung durch das Haus wird zu einer Abfolge von Übergängen zwischen Offenheit und Intimität.
Der Hof als strukturelles Zentrum
Der zentraleZentrale: Eine Zentrale ist eine Einrichtung, die in der Sicherheitstechnik als Steuerungszentrum für verschiedene Alarmvorrichtungen fungiert. Sie empfängt und verarbeitet Signale von Überwachungseinrichtungen und löst bei Bedarf Alarm aus. Steingarten ist das eigentliche räumliche Rückgrat des Hauses. Inspiriert von japanischen Gartenanlagen – insbesondere der Ästhetik der Kyoto-Tempel – wird er nicht als Landschaft im klassischen Sinne verstanden, sondern als kompositorisches System aus Stein, LichtLicht: Licht bezeichnet elektromagnetische Strahlung im sichtbaren Bereich des Spektrums. In der Architektur wird Licht zur Beleuchtung von Räumen oder als Gestaltungselement eingesetzt. und Leere.
Zwei erhöhte Holzplattformen schweben über dem KiesbettKiesbett: Eine Schicht aus Kies oder grobem Sand, auf der z.B. Pflastersteine verlegt werden. Das Kiesbett sorgt für eine ebene Fläche und eine ausreichende Drainage. und schaffen Zonen der Ruhe und Wahrnehmung. Der Garten „organisiert“ das Haus nicht dekorativ, sondern räumlich und atmosphärisch: Alle Funktionen orientieren sich an diesem stillen Zentrum.
Materialität zwischen Reduktion und Bedeutung
Die Materialwahl folgt einer strengen Logik der Reduktion. Beton, HolzHolz: Ein natürlicher Werkstoff, der zur Herstellung von Schalungen und Gerüsten genutzt werden kann. Es wird oft für Bauvorhaben im Bereich des Holzbaus verwendet., Stein und Papier definieren die architektonische Sprache. Besonders prägend sind die Shoji-Elemente aus Reispapier, die LichtLicht: Licht bezeichnet elektromagnetische Strahlung im sichtbaren Bereich des Spektrums. In der Architektur wird Licht zur Beleuchtung von Räumen oder als Gestaltungselement eingesetzt. filtern und in eine weiche, zeitliche Dimension überführen.
Licht wird nicht als technisches Phänomen behandelt, sondern als atmosphärisches Material. SchattenSchatten: Eine dunkle oder abgedunkelte Fläche, die durch Abschattung oder Blockierung des Tageslichts entsteht. ist kein Gegensatz, sondern eine Erweiterung des Lichts.
Architektur ohne Schutzdistanz
Ein bewusst eingesetztes architektonisches Prinzip ist die Aufhebung konventioneller Schutzlogiken. Es gibt keine durchgängigen, geschlossenen Verbindungsgänge zwischen den Bereichen. Wer sich im Haus bewegt, tritt bewusst in Außenräume ein – auch bei Regen.
Diese Entscheidung transformiert die Beziehung zwischen Mensch, Raum und Umwelt. Architektur wird hier nicht als Trennung verstanden, sondern als direkte Erfahrung der Elemente.
Eingang als rituelle Bewegung
Bemerkenswert ist auch die räumliche Inszenierung des Zugangs. Der Eingang erfolgt nicht horizontal, sondern über eine absteigende Bewegung. Diese Geste verleiht dem Eintritt eine fast rituelle Qualität – vergleichbar mit dem Durchschreiten eines ToriiTorii: Ein Torii ist ein traditionelles japanisches Eingangstor, das oft aus Holz und mit kunstvoller Schnitzerei verziert ist. Auch im modernen Architekturdesign kann das Torii als dekoratives Element eingesetzt werden. im japanischen Kontext.
Die Architektur fordert damit eine Haltung: Reduktion von Ego, Aufmerksamkeit für Raum und Umgebung, ein bewusstes Ankommen.
Schlafraum als kontemplativer Abschluss
Im oberen Bereich liegt der Schlafraum als minimaler Rückzugsort. Ein einzelnes rundes Fensterist eine Öffnung in der Wand eines Gebäudes, die Licht, Luft und Blick nach draußen ermöglicht. Es gibt verschiedene Arten von Fenstern, die sich in Größe, Form und Material unterscheiden können. Das Fenster ist ein wesentlicher Bestandteil der Gebäudearchitektur und hat sowohl funktionale als auch ästhetische Bedeutung. Es ist eine… rahmt den Blick auf einen Baum im Innenhof. Dieser gezielte Blickausschnitt ersetzt Panorama durch Fokussierung.
Der Raum wird damit weniger als funktionale Einheit verstanden, sondern als Zustand der Wahrnehmung.
Ein Haus als architektonische Haltung
Mit einer Fläche von nur 95 m² und einem Budget von rund 82.000 USD zeigt The Architect House Morelia, dass architektonische Qualität nicht aus Größe oder Materialaufwand entsteht, sondern aus konzeptioneller Klarheit.
Das Projekt von HW Studio versteht sich als architektonische Selbstreflexion: ein Haus, das nicht nur bewohnt wird, sondern eine Haltung zum Wohnen formuliert.
