15.07.2026

Architektur Öffentlich Wohnen

Sozialer Wohnungsbau in Toronto

Das Wohnprojekt 1120 Ossington in Toronto zeigt, wie sozialer Wohnungsbau durch vorgefertigten Massivholzbau, Nachverdichtung und energieeffiziente Planung schneller und nachhaltiger umgesetzt werden kann. Foto: Liron Weissman

Mit 1120 Ossington realisiert mcCallumSather in Toronto ein Projekt, das neue Wege im sozialen Wohnungsbau aufzeigt. Der dreigeschossige Neubau schafft 25 dauerhaft mietpreisgebundene Wohnungen für Menschen, die von chronischer Wohnungslosigkeit betroffen waren, und demonstriert, wie sich Vorfertigung, Massivholzbau und innerstädtische Nachverdichtung effizient miteinander verbinden lassen.

Errichtet wurde das Gebäude auf einer bislang ungenutzten Teilfläche neben einer bestehenden Kirche, die bereits zuvor in unterstützten Wohnraum umgewandelt worden war. So konnte zusätzlicher Wohnraum entstehen, ohne weitere Flächen zu versiegeln oder neue Infrastruktur zu schaffen.


Sozialer Wohnungsbau auf engem Raum

Das Projekt nutzt eine innerstädtische Restfläche und zeigt, wie Nachverdichtung einen Beitrag zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums leisten kann. Der Neubau ergänzt den bestehenden Standort sinnvoll und erweitert das Angebot an dauerhaft bezahlbaren Wohnungen, ohne den städtischen Fußabdruck zu vergrößern.

Gerade in wachsenden Städten liefert dieser Ansatz wichtige Impulse für eine ressourcenschonende Stadtentwicklung.


Vorfertigung verkürzt die Bauzeit

Die Konstruktion basiert auf vorgefertigten dreilagigen CLT-Elementen aus regionalem Holz. Sämtliche Bauteile wurden digital gefertigt und anschließend auf der engen Baustelle montiert.

Der Rohbau einschließlich Gebäudehülle konnte innerhalb von nur 17 Tagen errichtet werden. Die hohe Präzision der Vorfertigung verkürzte die Bauzeit erheblich und reduzierte gleichzeitig Lärm, Baustellenverkehr und Beeinträchtigungen für das umliegende Quartier.

Liron Weissman
Liron Weissman
Liron Weissman
Liron Weissman
Liron Weissman

Energieeffizienz über dem Standard

Das Gebäude wurde so geplant, dass es die Anforderungen der kanadischen Rapid Housing Initiative deutlich übertrifft. Ein hochgedämmter Gebäudeaufbau, eine Bodenplatte nach Passivhausstandard sowie energieeffiziente Gebäudetechnik senken den Energieverbrauch dauerhaft.

Berechnungen zeigen eine Energieeinsparung von rund 40 Prozent gegenüber den Vorgaben des National Energy Code for Buildings. Ein Gebäudeautomationssystem überwacht den tatsächlichen Energieverbrauch im laufenden Betrieb.


Architektur schafft Gemeinschaft

Alle 25 Wohnungen verfügen über eine eigene Küchenzeile und ein privates Badezimmer. Ergänzend stehen gemeinschaftliche Innenräume für Beratungsangebote, soziale Programme und Begegnungen zur Verfügung.

Die Fassade wird durch Metallpaneele des Künstlers Leo Krukowski geprägt, deren Motive auf indigene Pflanzenarten und die natürliche Vegetation der Region Bezug nehmen.


Präzision durch digitale Planung

Da zahlreiche Bauteile bereits im Werk gefertigt wurden, verlagerte sich ein Großteil der Planungsentscheidungen in die Entwurfsphase. Diese hohe Präzision ermöglichte einen schnellen Bauablauf und eine effiziente Umsetzung selbst auf dem beengten Grundstück.

Gleichzeitig blieb das Projekt flexibel: Während der Bauphase wurde eine Innenwand geringfügig angepasst, um die vollständige Barrierefreiheit einer Wohnung sicherzustellen.


Modell für zukünftigen sozialen Wohnungsbau

1120 Ossington zeigt exemplarisch, wie sozialer Wohnungsbau schneller, nachhaltiger und ressourcenschonender realisiert werden kann. Die Kombination aus Massivholzbau, Vorfertigung und Nachverdichtung schafft nicht nur dringend benötigten Wohnraum, sondern liefert auch ein übertragbares Modell für urbane Wohnungsbauprojekte.

Projektdaten im Überblick

  • Projekt: 1120 Ossington
  • Standort: Toronto
  • Architektur: mcCallumSather
  • Nutzung: Unterstütztes Wohnen
  • Wohneinheiten: 25
  • Konstruktion: Vorgefertigter CLT-Massivholzbau
  • Fertigstellung: Dezember 2024
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