30.04.2026

Architektur Öffentlich

Schulcampus Struenseestraße: Keramikfassade in Wellenform

Bildungsbauten
Schulcampus Struenseestraße in Hamburg: Keramische Wellenfassaden in Rot und Grün prägen die neue Campusarchitektur und setzen markante Akzente im städtebaulichen Kontext von Altona. Foto: David Matthiessen
Foto: David Matthiessen
Schulcampus Struenseestraße in Hamburg: Keramische Wellenfassaden in Rot und Grün prägen die neue Campusarchitektur und setzen markante Akzente im städtebaulichen Kontext von Altona. Foto: David Matthiessen

Mit dem neuen Schulcampus Struenseestraße ist in Hamburg eines der größten Schulbauprojekte der Stadt fertiggestellt worden. Der Entwurf der ARGE Rohdecan Architekten und QUERFELDEINS entwickelt einen klar strukturierten Campus für zwei Gymnasien, eine Ganztagsgrundschule sowie umfangreiche Sportanlagen.

Architektonisch steht das Projekt für eine präzise verzahnte Campusstruktur, die städtebauliche Einbindung, funktionale Organisation und materialbasierte Fassadenarchitektur konsequent miteinander verbindet.


Campus als städtebauliches Gefüge

Der rund 2,85 Hektar große Schulcampus ist nicht als isolierter Großbau konzipiert, sondern als vielschichtiges Ensemble. Mehrere Baukörper bilden eine räumliche Abfolge, die Außenräume, Wege und Funktionsbereiche klar strukturiert.

Die Gebäude reagieren auf den urbanen Kontext von Altona und schaffen neue Übergänge zwischen Schulnutzung und öffentlichem Stadtraum. Plätze, Grünzonen und Sportflächen sind integraler Bestandteil der Gesamtkomposition.

Foto: David Matthiessen

Architektur zwischen Klarheit und Rhythmus

Die Schulgebäude folgen einer klaren typologischen Ordnung. Der Hauptbau der Gymnasien ist als gestaffelter viergeschossiger Baukörper mit versetzten Flügeln organisiert. Eine zentrale Aula bildet den räumlichen Mittelpunkt.

Sichtbeton definiert die konstruktive Logik der Baukörper und bildet einen ruhigen Rahmen für die Fassadenstruktur. Fensterbänder und geschlossene Flächen erzeugen eine horizontale Gliederung, die die Dimension des Ensembles lesbar macht.


Keramikfassade als prägendes Gestaltungselement

Das zentrale architektonische Motiv ist die keramische Fassadenhaut. Konkave Keramikplatten und Baguette-Elemente der Serie MOEDING Keramikfassaden erzeugen eine durchgängige Wellenstruktur entlang der Gebäuderiegel.

Diese Fassadenlösung transformiert die Gebäudeoberfläche in ein rhythmisches Relief. Licht und Schatten modellieren die Oberfläche dynamisch und verleihen dem ansonsten klar strukturierten Baukörper eine starke visuelle Tiefe.


Farbe als räumliches System

Die Farbgestaltung ist integraler Bestandteil der architektonischen Konzeption. Rot und Grün dienen als komplementäres System, das den Campus strukturiert und Orientierung schafft.

Während die Gymnasialbauten in rot- und grünglasierter Keramik ausgeführt sind, markieren graue Elemente die Gebäudeecken. Die transluzente Glasur lässt den keramischen Scherben sichtbar bleiben und betont den materialhaften Charakter der Fassade.


Konstruktion und technische Umsetzung

Die keramischen Fassadenelemente basieren auf einem modifizierten System der Serie LONGOTON®. Aufgrund der komplexen Geometrie der Wellenstruktur wurde eine projektspezifische Befestigungslösung entwickelt, die eine präzise Montage auf standardisierten Unterkonstruktionen ermöglicht.

Diese technische Anpassung war Voraussetzung für die Realisierung der durchlaufenden Fassadenbewegung über große Gebäudelängen hinweg.


Raumwirkung und Materialkontrast

Im Inneren des Campus dominieren Sichtbeton, Holz und mineralische Oberflächen. Die reduzierte Materialpalette steht im bewussten Kontrast zur expressiven Außenhaut.

Die Innenräume sind funktional klar organisiert und auf flexible Nutzung ausgelegt. Gleichzeitig entstehen durch Sichtbezüge zwischen den Bereichen offene räumliche Zusammenhänge.

Der Schulcampus Struenseestraße zeigt, wie Bildungsarchitektur durch Material, Farbe und Struktur zu einem präzise komponierten städtebaulichen System werden kann. Die keramische Fassadenstruktur ist dabei nicht dekoratives Element, sondern integraler Bestandteil der architektonischen Ordnung und Identität des Campus.

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