Schützendes Gitterwerk

Wieder einmal hat eine Frau den Auftrag für den temporären Serpentine-Pavillon in London gewonnen. Als jüngste und zweite Architektin nach Zaha Hadid baute ihn dieses Jahr die Mexikanerin Frida Escobedo.

Den Pavillon gibt es in jedem Jahr seit 2000. Auswahlkriterium ist, dass die Architekten noch nicht in Großbritannien gebaut haben. Dennoch waren es lange die großen „Starchitects“, die den Auftrag erhielten, und erst in den letzten Jahren kamen in England unbekanntere Namen dazu wie 2017 Francis Kéré.

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Visualisierung: Frida Escobedo.

Frida Escobedo ist 1979 in Mexiko-Stadt geboren, studierte in Mexiko und Harvard. 2006 gründete sie ihr Büro. Mit „La celosia“ – das bedeutet Fenstergitter auf Spanisch und ist auch ein typisch mexikanisches Bauelement – beschäftigt sie sich schon seit ihrem letzten Projekt: eine Galerie, Künstlerwohnung und Werkstatt im ehemaligen Haus des Malers David Alfaro Siqueiros in Cuernavaca, einer mexikanischen Kleinstadt. Ursprünglich von den Mauren nach Spanien gebracht, schützt das hölzerne Gitter vor der grellen Mittagssonne und lässt sie gefiltert durch, so dass ihre Lichtpunkte im Laufe des Tages durch den Raum wandern. Außerdem dienen die Gitter der Ventilation.

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Foto: Iain Aitchison.
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Foto: Iain Aitchison.

Für ihren Entwurf des Serpentine-Pavillon wandelte sie das Celosia-Thema ab: Sie stapelte dunkle Dachplatten aus Beton für die durchlässigen Wände aufeinander. „Die Materialien sind sehr einfach“, erklärt Frida Escobedo. „Das machen wir oft so: Wir kennen uns darin aus, mit einfachen Materialien und einfachen Geometrien in komplexer Weise zu arbeiten. Die Betonplatten sind verwoben wie ein Wandteppich, in einem Muster, das durchlässig wird, wenn Licht durchscheint.“ Die aufgefädelten, simplen Platten bekommen in der Wiederholung auf diese Weise ihre eigene Poesie – Welle, Linie, Licht und Schatten wechseln sich ab.

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Foto: Norbert Tukaj.
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Foto: Iwan Baan.

Von außen sieht man nicht viel mehr als eine transluzente Scheune. Die Form des Pavillons bezieht sich auf zwei Achsen: das Galeriegebäude gegenüber und quer dazu der Meridian von Greenwich. „Der Pavillon ist als eine Art Kompass konzipiert. Man ortet sich nicht nur geografisch, sondern auch in einem erweiterten sozialen Raum“, sagt Escobedo.

Das Licht, das durch die grauen Platten gefiltert und reflektiert wird, wirkt im Inneren zunächst etwas düster. Umso wichtiger werden die glänzenden Elemente: eine spiegelnde, gewölbte Metalldecke und der flache Teich: Nicht viel mehr als ein Zentimeter Wasser steht in ihm, aber es ist genug, um den Himmel in das Gebäude hineinzuholen. Als die Architektin ohne Schuhe hineinsteigt, ist man an Mies van der Rohes Barcelona Pavillon mit seinem Wasserbecken erinnert.

 

Der Serpentine-Pavillon steht in den Kensington Gardens bis 7. Oktober. In diesem Park ist außerdem derzeit eine schwimmende, rote Halbpyramide, die „Mastaba“ von Christo zu sehen. Mehr Informationen dazu finden Sie unter www.serpentinegalleries.org.