27.08.2026

Architektur

Reihenhaus auf Englisch: Merkmale, Grundriss und Beispiele

Ein modernes Wohngebäude zum Thema Reihenhaus auf Englisch
Traditionelle Ziegelsteinhäuser mit weißen Fenstern – eine klassische Reihung historischer Cottages. Foto: tanyabarrow / Unsplash

Das Reihenhaus gehört zu den folgenreichsten Wohnbautypen der europäischen Stadtgeschichte. Wer sich mit dem Reihenhaus auf Englisch beschäftigt, stößt auf eine Gebäudekategorie, die im angelsächsischen Raum nicht nur einen anderen Namen trägt, sondern eine eigenständige kulturelle, konstruktive und städtebauliche Identität entwickelt hat. Ob „terraced house“ in Großbritannien, „row house“ in Nordamerika oder „townhouse“ in modernen Neubauvierteln: Hinter diesen Begriffen verbirgt sich eine Bauform, die Verdichtung und Wohnqualität auf besondere Weise miteinander verbindet und deren Grundprinzipien bis heute die Stadtplanung weltweit prägen.

  • Was „terraced house“, „row house“ und „townhouse“ bedeuten und wie sie sich voneinander unterscheiden
  • Die historische Entwicklung des Reihenhauses in England, Amerika und im deutschsprachigen Raum
  • Typische Grundrisslösungen, Geschossigkeit und räumliche Organisation des Reihenhauses
  • Konstruktive Merkmale: Trennwände, Brandschutz, Erschließung und Außenraum
  • Städtebauliche Bedeutung und Dichte: Warum das Reihenhaus als Stadtbaustein funktioniert
  • Unterschiede zwischen britischen, amerikanischen und deutschen Reihenhaustypen
  • Relevante Normen, Planungsstandards und Begriffe im internationalen Vergleich
  • Aktuelle Relevanz des Reihenhauses in der zeitgenössischen Architektur und im nachhaltigen Wohnungsbau

Reihenhaus auf Englisch: Die wichtigsten Begriffe und ihre Bedeutung

Die Übersetzung des deutschen Begriffs „Reihenhaus“ ins Englische ist keine Einbahnstraße, denn je nach geografischem und kulturellem Kontext werden unterschiedliche Bezeichnungen verwendet, die zwar dieselbe Grundidee beschreiben, aber jeweils spezifische Konnotationen tragen. Der gebräuchlichste Begriff im britischen Englisch ist „terraced house“ (Plural: „terraced houses“). Er bezeichnet ein Wohngebäude, das seitlich unmittelbar an gleichartige Nachbarhäuser angebaut ist und so eine zusammenhängende Zeile bildet. Der Begriff leitet sich vom lateinischen „terra“ (Erde, Boden) ab und verweist ursprünglich auf die terrassenförmige Anlage von Häuserzeilen an Hanglagen oder auf erhöhten Plattformen, wie sie in den georgianischen Stadtvierteln Londons, Edinburghs oder Baths zu finden sind.

Im amerikanischen und kanadischen Englisch ist dagegen der Begriff „row house“ verbreitet, der die Reihung der Häuser direkt im Namen trägt. „Row“ bedeutet Reihe, und ein „row house“ ist buchstäblich ein Haus in einer Reihe gleichartiger Gebäude. Dieser Begriff ist in den Städten der amerikanischen Ostküste, insbesondere in Baltimore, Philadelphia, Washington D.C. und Boston, tief verwurzelt und beschreibt dort eine spezifische Wohnbautradition, die im 19. Jahrhundert die Arbeiter- und Mittelschichtviertel dieser Städte prägte. Daneben existiert der Begriff „townhouse“, der im modernen Sprachgebrauch sowohl in Großbritannien als auch in Nordamerika verwendet wird, jedoch häufig eine etwas gehobenere oder neuere Variante des Reihenhauses bezeichnet, oft mit eigenem Eingang, mehreren Vollgeschossen und einem kleinen privaten Außenbereich.

Für deutschsprachige Architekten, Planer und Bauherren, die im internationalen Kontext arbeiten, ist die Kenntnis dieser Begriffe unverzichtbar. „Terraced house“, „row house“ und „townhouse“ sind nicht synonym, auch wenn sie alle dem deutschen „Reihenhaus“ entsprechen können. Im professionellen Austausch mit britischen Planungsbehörden, amerikanischen Bauträgern oder bei der Lektüre englischsprachiger Fachliteratur kommt es auf die präzise Verwendung dieser Termini an. Ein weiterer verwandter Begriff ist „semi-detached house“ (kurz: „semi“), der das Doppelhaus bezeichnet, also zwei aneinandergebaute Häuser ohne weitere Nachbarn auf den anderen Seiten. Dieses Konzept entspricht dem deutschen „Doppelhaus“ und ist vom Reihenhaus abzugrenzen, auch wenn konstruktive Ähnlichkeiten bestehen.

Historische Entwicklung: Vom georgianischen Terrace zum modernen Townhouse

Die Geschichte des Reihenhauses auf Englisch beginnt nicht mit dem Industriezeitalter, auch wenn die Massenproduktion von Reihenhäusern untrennbar mit der Urbanisierung des 19. Jahrhunderts verbunden ist. Bereits im 17. und frühen 18. Jahrhundert entstanden in London großzügige Häuserzeilen als Teil planmäßiger Stadterweiterungen. Die „Georgian terraces“, benannt nach den Königen Georg I. bis Georg IV., die von 1714 bis 1830 regierten, sind das bekannteste Beispiel für diese frühe Reihenhaustradition. Plätze wie der Bedford Square in London oder der Royal Crescent in Bath zeigen, wie das Reihenhausprinzip zu einer Stadtbaukunst von höchstem Rang erhoben werden konnte: Einzelne Häuser wurden zu einer einheitlichen Fassade zusammengefasst, die den Eindruck eines Palastes oder eines monumentalen Stadtpalais erzeugte, während dahinter individuelle Wohneinheiten lagen.

Mit der Industriellen Revolution veränderte sich der Charakter des Reihenhauses grundlegend. Die rasch wachsenden Industriestädte Englands, darunter Manchester, Birmingham, Leeds und Liverpool, benötigten in kürzester Zeit Wohnraum für hunderttausende Arbeiter. Spekulationsbauherren errichteten in dieser Zeit dichte Zeilen kleiner, zweigeschossiger Backsteinhäuser, die als „back-to-back houses“ oder „through terraces“ bekannt wurden. „Back-to-back houses“ waren besonders enge Varianten, bei denen zwei Häuserzeilen Rücken an Rücken gebaut wurden, ohne Hinterhof und ohne Durchlüftung, was zu katastrophalen hygienischen Zuständen führte. Diese Gebäude sind heute in England weitgehend abgerissen oder saniert; einige Beispiele in Leeds stehen unter Denkmalschutz als Zeugnisse der Arbeiterwohnkultur des 19. Jahrhunderts.

In den Vereinigten Staaten entwickelte sich das „row house“ parallel und mit eigenen Charakteristika. Die Reihenhäuser Philadelphias, die bereits im 18. Jahrhundert entstanden, gelten als Vorläufer einer amerikanischen Wohnbautradition, die bis heute in vielen Städten lebendig ist. Die Baltimorer „rowhouses“ aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind für ihre charakteristischen Marmortreppen bekannt, die direkt auf den Bürgersteig führen. In Washington D.C. entstanden repräsentative Reihenhäuser in der Tradition der britischen Georgian terraces, die heute als begehrte Stadthäuser gelten. Diese amerikanischen Beispiele zeigen, wie das Reihenhaus auf Englisch als „row house“ eine eigenständige kulturelle Identität entwickelte, die weit über die bloße Wohnfunktion hinausgeht.

Im deutschsprachigen Raum verlief die Geschichte des Reihenhauses anders, obwohl die Grundform dieselbe ist. Der Begriff „Reihenhaus“ etablierte sich hier vor allem im Kontext der Reformwohnungsbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. Siedlungen wie die Weißenhofsiedlung in Stuttgart (1927) oder die Siedlungen des Neuen Frankfurt zeigten das Reihenhaus als Instrument einer sozialen und gestalterischen Erneuerung des Wohnens. Diese Tradition unterscheidet sich von der angelsächsischen Praxis durch einen stärkeren Bezug zu Gartenstadt-Ideen und zur Forderung nach Licht, Luft und Grün für jede Wohneinheit.

Grundriss und räumliche Organisation: Wie das Reihenhaus funktioniert

Der Grundriss eines Reihenhauses, ob „terraced house“, „row house“ oder „townhouse“, folgt einer inneren Logik, die durch die schmale, tiefe Parzelle bestimmt wird. Die typische Grundstücksbreite eines britischen viktorianischen Reihenhauses liegt zwischen vier und sieben Metern, die Tiefe dagegen bei zwölf bis zwanzig Metern oder mehr. Diese Proportionen erzwingen eine bestimmte Raumfolge: Vom Eingang an der Straßenfront erschließt sich das Haus entweder über einen seitlichen Flur, der alle Räume verbindet, oder über eine zentrale Treppe, die die Geschosse miteinander verbindet. In britischen Reihenhäusern des 19. Jahrhunderts war der seitliche Flur mit angrenzenden Empfangs- und Wohnräumen zur Straße hin und Küche sowie Nebenräumen zum Garten hin die Standardlösung.

Die vertikale Gliederung ist ein weiteres Merkmal des Reihenhauses auf Englisch. Während das deutsche Reihenhaus oft zwei Vollgeschosse mit ausgebautem Dachgeschoss aufweist, sind britische „terraced houses“ häufig zwei bis vier Vollgeschosse hoch, je nach Epoche und sozialem Status der Bewohner. Georgianische Stadthäuser in London können fünf Geschosse erreichen: Keller (für Küche und Dienstboten), Erdgeschoss (Empfangsräume), erstes Obergeschoss (Hauptwohnräume, oft als „piano nobile“ bezeichnet), zweites Obergeschoss (Schlafräume) und Dachgeschoss (Kinderzimmer oder Dienstbotenräume). Diese vertikale Schichtung der Nutzungen ist ein charakteristisches Merkmal des englischen Stadthauses und unterscheidet es deutlich vom flächig organisierten deutschen Reihenhaus.

Amerikanische „row houses“ zeigen eine ähnliche Tiefenentwicklung, sind aber in der Regel zwei bis drei Geschosse hoch. Charakteristisch ist der direkte Zugang von der Straße über eine Freitreppe, die sogenannte „stoop“ (aus dem Niederländischen „stoep“), die in Städten wie New York, Baltimore und Philadelphia das Straßenbild prägt. Der Grundriss amerikanischer Reihenhäuser ist oft etwas breiter als der britische Typ und erlaubt eine großzügigere Raumaufteilung. Moderne „townhouses“ in zeitgenössischen Wohnquartieren beider Länder tendieren zu offenen Grundrissen im Erdgeschoss mit fließendem Übergang zwischen Küche, Essen und Wohnen, während die Schlafräume in den Obergeschossen angeordnet sind.

Ein wichtiges konstruktives Element ist die gemeinsame Trennwand zwischen zwei benachbarten Reihenhäusern, im Englischen als „party wall“ bezeichnet. Diese Wand ist rechtlich und bauphysikalisch ein Sonderfall: Sie gehört beiden Nachbarn gemeinsam und unterliegt in Großbritannien dem „Party Wall Act“ von 1996, einem Gesetz, das die Rechte und Pflichten beider Parteien bei Baumaßnahmen an dieser Wand regelt. Die „party wall“ muss Brandschutzanforderungen erfüllen, Schallschutz gewährleisten und strukturell stabil sein. In historischen Backsteinbauten übernimmt sie häufig auch tragende Funktionen, da die Deckenkonstruktionen auf ihr aufliegen.

Konstruktive Merkmale: Materialien, Brandschutz und Erschließung

Das britische „terraced house“ ist in seiner historischen Ausprägung fast ausnahmslos in Mauerwerk aus gebrannten Ziegeln errichtet. Die Backsteinbauweise ist so eng mit dem englischen Reihenhaus verbunden, dass sie zu einem kulturellen Erkennungszeichen geworden ist. Regionale Unterschiede im Ziegelton, von den roten Ziegeln Londons über die gelben „London stocks“ bis zu den dunklen Ziegeln Nordenglands, prägen die Identität ganzer Stadtteile. Die Außenwände historischer Reihenhäuser sind in der Regel zweischalig ausgeführt, mit einer äußeren Sichtmauerwerksschale und einer inneren tragenden Schale, dazwischen ein Luftspalt. Diese Konstruktion, im Englischen als „cavity wall“ bekannt, wurde im frühen 20. Jahrhundert eingeführt, um Feuchtedurchschlag zu verhindern.

Der Brandschutz ist bei Reihenhäusern eine besondere Herausforderung, weil die enge Bebauung eine schnelle Ausbreitung von Feuer begünstigt. Historische Stadtbrände, darunter der Große Brand von London im Jahr 1666, haben die Entwicklung von Bauvorschriften für Reihenhäuser maßgeblich beeinflusst. Die „party wall“ als massive Brandwand zwischen den Einheiten ist eine direkte Konsequenz dieser Erfahrungen. In modernen Planungsstandards, sowohl in Großbritannien (Building Regulations) als auch in den USA (International Building Code, IBC), sind detaillierte Anforderungen an die Feuerwiderstandsdauer von Trennwänden, Decken und Dachkonstruktionen in Reihenhäusern festgelegt.

Die Erschließung des Reihenhauses von der Straße her ist ein städtebaulich bedeutsames Thema. In der britischen Tradition führt der Haupteingang direkt von der Straße oder über einen kleinen Vorgarten ins Haus. Der Hintergarten, im Englischen „back garden“ oder „rear garden“, ist der private Außenraum und durch eine Mauer oder einen Zaun von der Nachbarschaft abgegrenzt. Viele britische Reihenhauszeilen verfügen über eine rückwärtige Erschließungsgasse, die „back lane“ oder „back alley“, die ursprünglich für die Müllentsorgung und die Anlieferung von Kohle diente und heute häufig als Zugang zu nachträglich errichteten Garagen oder Fahrradabstellplätzen genutzt wird. Diese Gassen sind ein charakteristisches Element britischer Wohnquartiere und haben keine direkte Entsprechung in der deutschen Reihenhaussiedlung.

Städtebauliche Bedeutung: Dichte, Straßenraum und Quartiersbild

Das Reihenhaus ist als Stadtbaustein deshalb so wirkungsvoll, weil es eine hohe Wohndichte mit einer menschlichen Maßstäblichkeit verbindet. Eine Zeile von zwanzig Reihenhäusern auf einem Straßenblock erzeugt eine klare Raumkante, definiert den Straßenraum und schafft gleichzeitig für jede Wohneinheit einen privaten Außenbereich. Diese Qualitäten haben das „terraced house“ und das „row house“ zu bevorzugten Instrumenten des urbanen Wohnungsbaus gemacht, lange bevor der Begriff „Urbanismus“ in der Planungssprache auftauchte.

Die Dichte, die mit Reihenhäusern erreichbar ist, liegt je nach Grundstücksgröße und Geschossigkeit zwischen 50 und 120 Wohneinheiten pro Hektar. Damit liegt das Reihenhaus zwischen dem freistehenden Einfamilienhaus (sehr geringe Dichte) und dem Mehrfamilienhaus oder Geschosswohnungsbau (hohe Dichte). Diese mittlere Dichte ist städtebaulich besonders wertvoll, weil sie die Voraussetzungen für funktionierende Nahversorgung, kurze Wege und lebendige Straßen schafft, ohne die Anonymität und den Maßstabsverlust großer Wohnblöcke zu erzeugen. Stadtplaner und Architekten wie Leon Krier oder Andres Duany, der Mitbegründer des New Urbanism in den USA, haben das Reihenhaus als Grundbaustein einer menschengerechten Stadtstruktur propagiert.

Die Fassade des Reihenhauses zur Straße hin ist ein öffentliches Gesicht, das über die Qualität des gesamten Straßenraums mitentscheidet. Georgianische und viktorianische Reihenhäuser in britischen Städten zeigen, wie eine konsequente Gestaltungsregel, einheitliche Traufhöhe, wiederkehrende Fensterformate, einheitliches Material, dennoch individuelle Variationen zulässt und einen Straßenraum von hoher Qualität erzeugt. Diese Prinzipien sind in der zeitgenössischen Architektur wieder aktuell: Viele Neubauprojekte in europäischen und amerikanischen Städten greifen bewusst auf die Typologie des Reihenhauses zurück, um Quartiere mit Identität und Maßstab zu schaffen.

Unterschiede im internationalen Vergleich: Britisch, amerikanisch, deutsch

Ein direkter Vergleich der Reihenhaustypen in verschiedenen Ländern zeigt sowohl gemeinsame Grundprinzipien als auch erhebliche Unterschiede in Konstruktion, Grundriss, Materialität und kultureller Bedeutung. Das britische „terraced house“ ist in seiner historischen Form eng mit der Backsteinbauweise, dem zweischaligen Mauerwerk und einer vertikalen Raumorganisation über mehrere Geschosse verbunden. Es steht direkt an der Straße oder hinter einem kleinen Vorgarten, hat einen Hintergarten und ist in der Regel Teil einer langen, einheitlich gestalteten Zeile. Die Instandhaltung und Sanierung dieser Häuser ist in Großbritannien ein bedeutender Wirtschaftszweig, da ein großer Teil des britischen Wohnungsbestandes aus Reihenhäusern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts besteht.

Das amerikanische „row house“ unterscheidet sich durch seine oft breitere Parzelle, die charakteristische Freitreppe zur Straße und eine stärker ausgeprägte regionale Varianz. Während Baltimorer Reihenhäuser für ihre Marmortreppen und ihre homogene Backsteinästhetik bekannt sind, zeigen Reihenhäuser in San Francisco, die dort als „Painted Ladies“ oder „Victorian houses“ bezeichnet werden, eine ganz andere Materialität und Ornamentik aus Holz und farbig gefassten Fassaden. Diese regionale Vielfalt ist ein Merkmal des amerikanischen „row house“, das im britischen Kontext weniger ausgeprägt ist.

Das deutsche Reihenhaus der Nachkriegszeit und der Siedlungsbewegung unterscheidet sich von beiden angelsächsischen Typen durch eine stärkere Orientierung zum Garten hin, eine geringere Geschossigkeit (meist zwei Vollgeschosse mit Dachgeschoss), eine größere Grundstückstiefe und eine weniger enge Beziehung zum Straßenraum. Der Vorgarten ist im deutschen Reihenhaus oft größer und die Garage oder der Stellplatz ein integraler Bestandteil des Grundstücks. Diese Unterschiede spiegeln unterschiedliche Wohnideale wider: Während das britische „terraced house“ die Stadt als Lebensraum akzeptiert und den Straßenraum aktiv mitgestaltet, tendiert das deutsche Reihenhaus der Nachkriegszeit eher zu einer Abkehr von der Straße und einer Orientierung zum privaten Grünraum.

Das Reihenhaus in der zeitgenössischen Architektur

Die Rückkehr des Reihenhauses als ernstzunehmende Entwurfsaufgabe in der zeitgenössischen Architektur ist kein Zufall. Angesichts steigender Grundstückspreise in Städten, wachsender Nachfrage nach individuellem Wohnen mit eigenem Eingang und Außenbereich sowie der Notwendigkeit, städtische Dichte zu erhöhen, ohne auf Wohnqualität zu verzichten, bietet das Reihenhaus eine überzeugende Antwort. Projekte wie die Borneo-Sporenburg-Siedlung in Amsterdam, die in den 1990er Jahren von Adriaan Geuze und dem Büro West 8 geplant wurde, zeigen, wie das Reihenhaus als „row house“ auf extrem schmalen Parzellen von nur fünf bis sechs Metern Breite zu hoher Dichte und gleichzeitig großer gestalterischer Vielfalt führen kann.

Im britischen Kontext hat das Programm „Build to Rent“ und die Debatte um die Wohnungskrise in Städten wie London, Manchester und Bristol das Interesse an neuen Formen des „terraced house“ und „townhouse“ wiederbelebt. Architekturbüros wie Alison Brooks Architects oder Haworth Tompkins haben mit ihren Reihenhausentwürfen gezeigt, dass die Typologie des „terraced house“ zeitgemäß interpretiert werden kann, ohne ihre städtebaulichen Qualitäten zu verlieren. Themen wie Barrierefreiheit, Energieeffizienz, flexible Grundrisse und die Integration von Fahrradabstellplätzen und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge stellen neue Anforderungen an den Grundriss und die Konstruktion des modernen Reihenhauses.

Nachhaltigkeit ist ein weiteres Feld, auf dem das Reihenhaus seine strukturellen Vorteile ausspielen kann. Die gemeinsamen Trennwände reduzieren die Außenfläche pro Wohneinheit und damit den Wärmeverlust erheblich im Vergleich zum freistehenden Einfamilienhaus. Berechnungen zeigen, dass ein Mittelreihenhaus, also ein Haus ohne Giebelwände zur Außenluft, bei gleicher Grundfläche deutlich weniger Heizenergie benötigt als ein freistehendes Haus. Diese thermische Effizienz ist ein Argument, das in der Debatte um energetische Standards und Klimaschutz im Wohnungsbau zunehmend an Gewicht gewinnt.

Das Reihenhaus als bleibender Stadtbaustein

Das Reihenhaus auf Englisch, ob „terraced house“, „row house“ oder „townhouse“, ist mehr als eine Wohnform. Es ist ein Stadtbaustein, der über Jahrhunderte hinweg bewiesen hat, dass er Dichte und Individualität, öffentlichen Raum und privaten Rückzug, Wirtschaftlichkeit und Wohnqualität in einer Typologie vereinen kann. Die Vielfalt seiner historischen Ausprägungen, von den georgianischen Terraces Londons über die Backsteinzeilen Baltimores bis zu den Holzhäusern San Franciscos, zeigt die Anpassungsfähigkeit dieses Prinzips an unterschiedliche Klimata, Kulturen und Bautraditionen.

Für Architekten und Stadtplaner, die im internationalen Kontext arbeiten, ist die präzise Kenntnis der englischsprachigen Terminologie, also die sichere Unterscheidung zwischen „terraced house“, „row house“, „townhouse“ und „semi-detached house“, eine Grundvoraussetzung für professionelle Kommunikation. Dahinter steckt aber mehr als Sprachkompetenz: Wer die Typologien kennt, versteht die städtebaulichen und konstruktiven Logiken, die hinter diesen Begriffen stehen, und kann sie für eigene Entwürfe fruchtbar machen.

Die konstruktiven Grundprinzipien des Reihenhauses, die schmale tiefe Parzelle, die gemeinsame Trennwand, die vertikale Erschließung, der private Außenbereich, sind zeitlos. Sie stellen Planern Aufgaben, die handwerkliches Können und räumliches Denken gleichermaßen fordern: Wie wird Tageslicht in die Tiefe des Grundrisses gebracht? Wie werden Schall und Brandschutz an der „party wall“ gelöst? Wie entsteht trotz enger Bebauung ein Gefühl von Privatheit und Großzügigkeit? Diese Fragen sind im 18. Jahrhundert dieselben gewesen wie heute, und die besten Antworten darauf finden sich in den Reihenhäusern, die gebaut wurden, um zu bleiben.

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