24.06.2026

Architektur Projekte

Regenerative Architektur in Saskatchewan

Foto: Lindsay Reid via v2com
Foto: Lindsay Reid via v2com

Die Frage, wie Architektur auf die Klimakrise reagieren kann, wird weltweit intensiv diskutiert. Das Muscowpetung Powwow Arbour in der kanadischen Provinz Saskatchewan liefert darauf eine bemerkenswerte Antwort. Das von Oxbow Architecture gemeinsam mit Richard Kroeker entwickelte Kulturgebäude wurde 2026 sowohl mit dem renommierten Architizer A+ Award als auch mit der Governor General’s Medal in Architecture ausgezeichnet.

Das Projekt auf dem Gebiet der Muscowpetung Saulteaux Nation zeigt, wie regenerative Architektur kulturelle Identität stärken und gleichzeitig messbare ökologische Vorteile schaffen kann.


Architektur als Ausdruck kultureller Identität

Im Zentrum des Entwurfs steht die Powwow-Tradition der Saulteaux-Gemeinschaft. Das Arbour dient als zentraler Veranstaltungsort für sommerliche Powwow-Zeremonien und wurde in enger Zusammenarbeit mit Ältesten, Gemeindemitgliedern und lokalen Wissensträgern entwickelt.

Die kreisförmige Grundform verweist auf die symbolische Bedeutung des Kreises in der Saulteaux-Kultur. Gleichzeitig erinnert die Konstruktion an traditionelle Versammlungs- und Wohnformen indigener Gemeinschaften.

Mit einer Fläche von rund 1.275 Quadratmetern bietet das Bauwerk Platz für bis zu 2.500 Zuschauer und 1.000 Tänzer. Es fungiert damit nicht nur als Veranstaltungsort, sondern als kulturelles Zentrum für Begegnung, Wissensvermittlung und Gemeinschaft.

Lindsay Reid via v2com
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Regenerative Architektur statt nachhaltiger Minimallösungen

Während viele nachhaltige Bauprojekte auf die Reduktion negativer Auswirkungen abzielen, verfolgt das Muscowpetung Powwow Arbour einen regenerativen Ansatz. Ziel war es nicht lediglich, Emissionen zu reduzieren, sondern aktiv ökologische Mehrwerte zu schaffen.

Das Projekt orientiert sich am Saulteaux-Prinzip des „Mino-pimatisiwin“, das sinngemäß mit „ein gutes Leben führen“ übersetzt werden kann. Daraus entstand ein Gebäude, das soziale, kulturelle und ökologische Aspekte als untrennbare Einheit versteht.

Die Architektur wird dabei Teil eines umfassenden Landschafts- und Klimakonzepts, das langfristig mehr CO₂ bindet, als durch Bau und Betrieb verursacht wird.


Holzbau mit minimalem CO₂-Fußabdruck

Eine zentrale Rolle spielt die konsequente Verwendung regionaler Rundhölzer. Die Tragkonstruktion wurde bewusst ohne aufwendig verarbeitete Holzprodukte entwickelt.

Eine Lebenszyklusanalyse begleitete sämtliche Planungsentscheidungen. Der Vergleich mit einer Stahlkonstruktion zeigte eine Reduktion der CO₂-Emissionen um 68 Prozent. Durch den Einsatz von Rundholz anstelle von Brettschichtholz konnten die grauen Emissionen zusätzlich um rund 20 Prozent je Bauteil gesenkt werden.

Die gewählte Dreibein-Geometrie der Stützen ermöglicht den Einsatz kleinerer Baumdurchmesser und reduziert damit den Bedarf an groß dimensionierten Hölzern. Gleichzeitig verkürzt die regionale Beschaffung die Transportwege erheblich.

Das Ergebnis ist ein Holzbau, der traditionelle Bauweisen mit modernen Nachhaltigkeitszielen verbindet.

Lindsay Reid via v2com
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Klimagerechtes Bauen ohne Gebäudetechnik

Besonders bemerkenswert ist der Verzicht auf klassische technische Gebäudesysteme. Das Arbour wurde als unbeheiztes und ungekühltes Kulturgebäude konzipiert.

Dieser Ansatz reagiert direkt auf die Herausforderungen des kohlenstoffintensiven Strommixes in Saskatchewan. Statt technische Anlagen einzusetzen, setzt das Projekt auf passive Klimastrategien.

Das kreisförmige Dach mit zentralem Oculus sorgt für natürliche Belichtung und Belüftung. Gleichzeitig bleibt die darunterliegende Fläche beschattet und nutzbar. Durch die offene Konstruktion entsteht ein angenehmes Mikroklima für die Nutzung während der Frühlings-, Sommer- und Herbstmonate.

Künstliche Beleuchtung wird tagsüber nicht benötigt, wodurch der Energiebedarf nahezu vollständig entfällt.


Landschaft und Architektur als Einheit

Ein wesentliches Element des Projekts ist die Wiederherstellung der ursprünglichen Prärie-Landschaft. Auf einer Fläche von mehr als sechs Hektar werden ehemalige landwirtschaftliche Nutzflächen in heimische, mehrjährige Vegetationsflächen umgewandelt.

Die ökologische Aufwertung leistet einen erheblichen Beitrag zur Kohlenstoffbindung. Prognosen gehen von einer jährlichen Speicherung von rund 12,3 Tonnen CO₂-Äquivalenten aus. Gleichzeitig werden durch die Aufgabe intensiver landwirtschaftlicher Nutzung weitere Emissionen vermieden.

Zusammengenommen soll das Projekt bereits bis 2031 klimaneutral werden und langfristig mehr Kohlenstoff speichern als verursachen.


Gemeinschaft als Grundlage des Entwurfs

Das Muscowpetung Powwow Arbour versteht Architektur nicht als isoliertes Objekt, sondern als gemeinschaftlichen Prozess. Lokale Arbeitskräfte waren aktiv in die Bauausführung eingebunden, wodurch regionale Wertschöpfung und Wissenstransfer gefördert wurden.

Die intensive Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft prägte sowohl die architektonische Gestaltung als auch die Materialwahl und Bauweise. Das Projekt demonstriert, wie partizipative Planungsprozesse zu Gebäuden führen können, die langfristig von ihren Nutzern getragen werden.


Internationale Anerkennung für ein wegweisendes Projekt

Die Auszeichnung mit dem Architizer A+ Award sowie der Governor General’s Medal in Architecture unterstreicht die internationale Bedeutung des Projekts. Es zeigt, dass traditionelle indigene Wissenssysteme wertvolle Antworten auf aktuelle Herausforderungen des Bauens liefern können.

Das Muscowpetung Powwow Arbour verbindet kulturelle Kontinuität, soziale Verantwortung und ökologische Regeneration in einem architektonischen Gesamtkonzept, das weit über Kanada hinaus Beachtung findet.

Projektdaten im Überblick

  • Projekt: Muscowpetung Powwow Arbour
  • Standort: Muscowpetung Saulteaux Nation
  • Architektur: Oxbow Architecture und Richard Kroeker
  • Fertigstellung: August 2025
  • Kapazität: 2.500 Zuschauer und 1.000 Tänzer
  • Dachfläche: 1.222 m²
  • Renaturierte Landschaftsfläche: 61.590 m²
  • Auszeichnungen: Architizer A+ Awards und Governor General’s Medal in Architecture
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