10.07.2025

Architektur Öffentlich

Erweiterung und Sanierung des Rathaus Brühl

Kultur Sanieren
Die Erweiterung des denkmalgeschützten Rathauses in Brühl fügt sich mit klarer Kubatur und sandfarbenem Ziegel harmonisch in das Altstadtgefüge ein. Foto: Taufik Kenan

Das Kölner Architekturbüro JSWD hat mit der Erweiterung und Sanierung des denkmalgeschützten Rathauses in Brühl ein Projekt für den sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz realisiert. Nach einem Realisierungswettbewerb von 2017 wurde das Gebäude im November 2023 in Betrieb genommen. Die Gesamtbruttogeschossfläche beträgt circa 5.200 Quadratmeter und umfasst neben der Rathaus-Erweiterung eine integrierte Stadtbibliothek sowie die Neugestaltung des angrenzenden Janshofs als Stadtplatz.


Städtebauliche Konzeption

Die Herausforderung bestand darin, den bestehenden Anbau aus den 1960er Jahren zu ersetzen und gleichzeitig eine zeitgemäße Erweiterung zu schaffen, die sowohl dem denkmalgeschützten Altbau gerecht wird als auch neue städtebauliche Akzente setzt. Während die historische Hauptfassade des Rathauses zum Marktplatz orientiert ist, entwickelt die Erweiterung ihre Präsenz in Richtung Steinweg und insbesondere zum Janshof.

Der Entwurf greift die differenzierten Stadträume der Brühler Altstadt auf, indem er die drei Eingangssituationen – Markt, Steinweg und Janshof – im Erdgeschoss miteinander verbindet. Diese Strategie schafft eine funktionale und räumliche Verknüpfung zwischen historischem Bestand und zeitgenössischer Ergänzung.

Das Rathaus in Brühl, renoviert von JSWD Architekten. © Franco Casaccia / JSWD
Die Verbindung des erneuerten Rathauses und der neuen Bibliothek. Foto: Taufik Kenan

Architektonische Konzeption

Der Neubau interpretiert die Kubatur des Denkmals neu und entwickelt daraus ein eigenständiges Gebäudevolumen aus drei ineinander verzahnten Baukörpern. Die giebelständige Ansicht des gestaffelten Kopfbaus reflektiert dabei die altstädtischen Proportionen und fügt sich harmonisch in das bestehende Stadtgefüge ein.

Besonders bemerkenswert ist die materialgerechte Umsetzung der Fassadengestaltung. Der sandfarben geschlämmte Ziegel verleiht dem Bau nicht nur eine gute Lesbarkeit, sondern differenziert auch funktional zwischen den verschiedenen Nutzungsbereichen. Große Einschnitte markieren die Eingänge, Lochfassaden kennzeichnen die Büroetagen, während Filtermauerwerk die Bibliotheksbereiche abschirmt. Der helle Ziegel bekleidet konsequent auch die Dachflächen und verstärkt damit die kubische Wirkung des Neubaus.


Funktionale Organisation

Die funktionale Gliederung des Gebäudes folgt einem durchdachten Konzept, das den unterschiedlichen Besucherfrequenzen und Öffnungszeiten Rechnung trägt. Alle Räume – vom Trauzimmer über das Servicezentrum bis hin zum Multifunktionssaal und der Bibliothek – sind so angeordnet, dass sie autark erschlossen werden können. Diese Flexibilität ermöglicht sowohl eine effiziente Betriebsführung als auch Synergieeffekte durch die Verknüpfung unterschiedlicher Funktionen.

Das neue Foyer mit seiner großzügigen, mit Echtholz furnierten Theke fungiert als zentrale Anlaufstelle und vereint die Funktionen Bürgerservice und Touristikinformation. Ein metallener Netzvorhang ermöglicht die Schließung außerhalb der Betriebszeiten.

Foto: Christa Lachenmaier
© Franco Casaccia / JSWD
© Franco Casaccia / JSWD

Bibliothekskonzept

Die Stadtbibliothek ist themenbezogen auf mehrere Geschosse verteilt und berücksichtigt dabei unterschiedliche akustische Anforderungen und räumliche Bezüge. Im ersten Obergeschoss befindet sich die zentrale Informationstheke, während die Kinderbibliothek im Untergeschoss durch begehbare, farbig gestaltete Einbaumöbel und einen natürlich belichteten Lesehof charakterisiert wird. Diese differenzierte räumliche Gliederung schafft spezifische Atmosphären für verschiedene Nutzergruppen.


Nachhaltigkeit und Energiekonzept

Das Projekt zeichnet sich durch hohe energetische Standards aus, wobei maximale Altbausubstanz erhalten wurde. Die Energie- und Wärmeversorgung erfolgt über ein Blockheizkraftwerk. Dreifach verglaste Fenster, eine hohe Tageslichtausbeute, außenliegender Sonnenschutz und Betonteilaktivierung garantieren einen verringerten Energiebedarf. Diese Maßnahmen demonstrieren, wie zeitgemäße Energieeffizienz auch bei denkmalgeschützten Bauten realisiert werden kann.

Foto: Jens Kirchner
© Franco Casaccia / JSWD
Foto: Christa Lachenmaier
© Franco Casaccia / JSWD

Freiraumgestaltung Janshof

Die Transformation des ehemaligen Parkplatzes am Janshof zu einem attraktiven Stadtraum stellt einen wesentlichen Baustein der Brühler Innenstadtentwicklung dar. Der durchgängige, barrierefreie Pflasterbelag und die Reduktion auf wenige Gestaltungsmittel schaffen Übersicht und Transparenz innerhalb der heterogenen Randbebauung.

Das Konzept des „Shared Space“ hebt die Trennung zwischen Fahrverkehr und Fußgängern auf und führt zu einer deutlichen Reduzierung der Fahrgeschwindigkeiten. Die nördliche, dem Rathaus zugewandte Platzseite bleibt autofrei und eignet sich für Außengastronomie, während im Süden zwanzig Stellplätze im Schatten eines Baumhains angeordnet sind.

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