Prager Funktionalismus

Prag war in den 1920er Jahren ein Zentrum funktionalistischer Architektur. Eine ganze Generation junger und talentierter Architekten machte aus den Städten Prag, Brno (Brünn) und Zlín eine Art architektonisches Labor. Die Bedeutung der funktionalistischen Architektur Prags reichte weit über die Grenzen der damaligen Tschechoslowakei hinaus.

Der Funktionalismus gewann in der Zwischenkriegszeit von der Mitte der 1920er Jahre bis zu Beginn des zweiten Weltkriegs an Ansehen. Im Unterschied zu Deutschland und der UdSSR wurde diese Entwicklung in der Tschechoslowakei nicht durch den Beginn eines totalitären Regimes unterbrochen. Nach dem kommunistischen Putsch von 1948 wurde er dann aber als dekadent und kapitalistisch bezeichnet. Und verboten – obwohl seine führenden Persönlichkeiten zur Linken gehörten.

Haupttheoretiker des Prager Funktionalismus war Karl Teige, der in Kontakt mit dem deutschen Bauhaus und Le Corbusier stand. Außerdem beeinflusste Adolf Loos’ Werk die Arbeiten der Architekten. Loos stammt gebürtig aus Brno, heute die zweitgrößte Stadt Tschechiens. Sein „Meisterwerk“, die Müller-Villa, gehört zu den Perlen der funktionalistischen Bauten in Prag. Und zu den Perlen der funktionalistischen Architektur weltweit. Diesen Projekten widmete sich die Ausstellung Prager Funktionalismus im letzten Jahr. Es ging um die Fragen, welche politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen die architektonische Entwicklung in Prag ermöglichten. Und wie im Vergleich die moderne Architektur in mitteleuropäischen Städten wie Wien und Berlin einzog.

Zur Ausstellung erschien der Katalog „Der Prager Funktionalismus. Tradition und zeitgenössische Anklänge“. Er ist englisch-deutsch und wurde von der Jaroslav Fragner Galerie in Prag vorbereitet – Jahr: 2012, ISBN 978-80-904484-4-5, mit Texten von Dan Merta, Zdenk Lukeš und Petr Kratochvíl

Fotos/Illustration 1: Byty, Kino Oko, J.Stockar-Bernkopf, J. Solc narodni technicke muzeum; 2: Osada Baba ustav dejin umeni avcr; 3: Navrh Pruceli Vily, Vit Obrtel ustav dejin umeni AVCR; 4: Stanice Metra Kolbenova, dum architekti Filip Slapal