29.07.2026

Architektur Wohnen

Paysage Habité: Mehr Haus im Mehrfamilienhaus

Paysage Habité von Hérault Arnod Architectures verbindet die Qualitäten eines Einfamilienhauses mit zeitgemäßem Geschosswohnungsbau und schafft in Rueil-Malmaison neuen Wohnraum mit hoher Aufenthaltsqualität. Foto: Florian Bouziges via v2com
Paysage Habité von Hérault Arnod Architectures verbindet die Qualitäten eines Einfamilienhauses mit zeitgemäßem Geschosswohnungsbau und schafft in Rueil-Malmaison neuen Wohnraum mit hoher Aufenthaltsqualität. Foto: Florian Bouziges via v2com

Mit Paysage Habité – Résidence Harmonie realisiert das französische Büro Hérault Arnod Architectures ein Wohnprojekt, das den Geschosswohnungsbau neu interpretiert. In Rueil-Malmaison, westlich von Paris, entstand ein Ensemble mit 92 Wohnungen, das zentrale Qualitäten des Einfamilienhauses – Privatheit, Freiraum und unmittelbaren Naturbezug – auf den kollektiven Wohnungsbau überträgt. Das Projekt versteht sich als Antwort auf die Frage, wie urbane Verdichtung und hohe Wohnqualität miteinander vereinbar sein können.


Paysage Habité verbindet Stadt, Gemeinschaft und Landschaft

Das Wohnensemble entstand auf einem ehemaligen Industriestandort, der einst der Waffen- und später der Automobilproduktion diente. Heute markiert das Grundstück den Übergang zwischen dem Entwicklungsgebiet ZAC de l’Arsenal und der gewachsenen Wohnbebauung von Rueil-Malmaison.

Statt einen monolithischen Baukörper zu errichten, entwickelten die Architekt einen ringförmigen Gebäudekomplex, der einen großzügigen Gemeinschaftsgarten umschließt. Die Gebäudehöhe reagiert sensibel auf die Nachbarschaft und staffelt sich zu den angrenzenden Wohnstraßen hin ab. Dadurch entsteht ein harmonischer Übergang zwischen neuer Stadtentwicklung und bestehendem Quartier.


Wohnen mit den Qualitäten eines Hauses

Der Entwurf basiert auf einer einfachen Beobachtung: Die Mehrheit der Französinnen und Franzosen würde lieber in einem Haus als in einer Wohnung leben. Paysage Habité greift diesen Wunsch auf und überträgt typische Eigenschaften eines Einfamilienhauses in den mehrgeschossigen Wohnungsbau.

Alle Wohnungen verfügen über zwei Fassadenorientierungen und profitieren dadurch von natürlicher Querlüftung sowie unterschiedlichen Blickbeziehungen. Balkone oder Terrassen erweitern den Wohnraum nach außen, während der begrünte Innenhof als gemeinschaftlicher Freiraum dient.

Bemerkenswert sind die durchdachten Details: Statt klassischer Kellerabteile erhielt jede Wohnung einen eigenen, mit Holz verkleideten Stauraum direkt auf der Terrasse. Diese Elemente schaffen zusätzlichen Stauraum und fungieren gleichzeitig als Sichtschutz zwischen den Wohnungen.

Florian Bouziges via v2com
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Soziale Vielfalt als architektonisches Prinzip

Paysage Habité vereint Sozialwohnungen, gefördertes Eigentum und frei finanzierte Wohnungen in einem gemeinsamen Gebäude. Zwar besitzt jede Wohnform einen eigenen Erschließungskern, architektonisch bleiben diese Unterschiede jedoch bewusst unsichtbar.

Alle Bewohner gelangen über denselben großzügigen Eingangsbereich in das Ensemble. Dieser öffnet sich zu einem gemeinschaftlichen Garten mit Wasserbecken, das Regenwasser von den Dachflächen sammelt und das Mikroklima verbessert. Ein Gemeinschaftsraum mit eigenem Zugang zur Straße schafft darüber hinaus einen Treffpunkt für Bewohnerund Nachbarschaft.


Nachhaltige Mobilität mitgedacht

Auch die Mobilität wurde integraler Bestandteil des Entwurfs. Großzügige Aufzüge ermöglichen den Transport von Fahrrädern bis auf die Wohnetagen. Dort befinden sich geschützte Fahrradplattformen mit Lademöglichkeiten für E-Bikes.

Hinter rankenden Pflanzen verborgen, erscheinen diese Fahrradstationen als begrünte Türme und verbinden funktionale Infrastruktur mit einem hohen gestalterischen Anspruch.

Florian Bouziges via v2com
Florian Bouziges via v2com
Florian Bouziges via v2com
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Materialität mit architektonischer Präzision

Die Architektur lebt von einer reduzierten, präzise ausgearbeiteten Materialität. Vorgefertigte Betonelemente in einem hellen Sandton prägen die Fassaden. Eine eigens entwickelte Chevron-Struktur verleiht den Oberflächen Tiefe und Plastizität und setzt sich in den Metallgeländern der Balkone konsequent fort.

Anstatt den wirtschaftlichen Baustoff zu kaschieren, machen die Architekt ihn zum gestalterischen Leitmotiv des Projekts. So entsteht eine eigenständige architektonische Identität mit vergleichsweise einfachen Mitteln.

Hérault Arnod Architectures via v2com
Hérault Arnod Architectures via v2com

Paysage Habité als Modell für zeitgemäßes Wohnen

Mit Paysage Habité zeigt Hérault Arnod Architectures, wie sich hohe bauliche Dichte mit Wohnqualität, sozialer Durchmischung und nachhaltiger Infrastruktur verbinden lässt. Gemeinschaftsgarten, begrünte Dachterrassen, Regenwassermanagement und fahrradfreundliche Erschließung greifen zu einem ganzheitlichen Wohnkonzept ineinander.

Das Projekt macht deutlich, dass zeitgemäßer Wohnungsbau nicht allein über Effizienz und Flächenausnutzung definiert werden sollte. Entscheidend ist vielmehr die Qualität des alltäglichen Lebens – durch Architektur, die Privatheit, Gemeinschaft und den Bezug zur Landschaft gleichermaßen in den Mittelpunkt stellt.

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