Mit Paysage Habité – Résidence Harmonie realisiert das französische Büro Hérault Arnod Architectures ein Wohnprojekt, das den Geschosswohnungsbau neu interpretiert. In Rueil-Malmaison, westlich von Paris, entstand ein Ensemble mit 92 Wohnungen, das zentraleZentrale: Eine Zentrale ist eine Einrichtung, die in der Sicherheitstechnik als Steuerungszentrum für verschiedene Alarmvorrichtungen fungiert. Sie empfängt und verarbeitet Signale von Überwachungseinrichtungen und löst bei Bedarf Alarm aus. Qualitäten des Einfamilienhauses – Privatheit, Freiraum und unmittelbaren Naturbezug – auf den kollektiven Wohnungsbau überträgt. Das Projekt versteht sich als Antwort auf die Frage, wie urbane Verdichtung und hohe Wohnqualität miteinander vereinbar sein können.
Paysage Habité verbindet Stadt, Gemeinschaft und Landschaft
Das Wohnensemble entstand auf einem ehemaligen Industriestandort, der einst der Waffen- und später der Automobilproduktion diente. Heute markiert das Grundstück den Übergang zwischen dem Entwicklungsgebiet ZAC de l’Arsenal und der gewachsenen Wohnbebauung von Rueil-Malmaison.
Statt einen monolithischen Baukörper zu errichten, entwickelten die Architekt einen ringförmigen Gebäudekomplex, der einen großzügigen Gemeinschaftsgarten umschließt. Die Gebäudehöhe reagiert sensibel auf die Nachbarschaft und staffelt sich zu den angrenzenden Wohnstraßen hin ab. Dadurch entsteht ein harmonischer Übergang zwischen neuer Stadtentwicklung und bestehendem Quartier.
Wohnen mit den Qualitäten eines Hauses
Der Entwurf basiert auf einer einfachen Beobachtung: Die Mehrheit der Französinnen und Franzosen würde lieber in einem Haus als in einer Wohnung leben. Paysage Habité greift diesen Wunsch auf und überträgt typische Eigenschaften eines Einfamilienhauses in den mehrgeschossigen Wohnungsbau.
Alle Wohnungen verfügen über zwei Fassadenorientierungen und profitieren dadurch von natürlicher QuerlüftungQuerlüftung: Die Querlüftung ist ein Verfahren zur Belüftung von Räumen. Dabei werden Fenster auf gegenüberliegenden Seiten des Raumes geöffnet, um Frischluft durch den Raum zu führen und verbrauchte Luft abzuführen. sowie unterschiedlichen Blickbeziehungen. Balkone oder Terrassen erweitern den Wohnraum nach außen, während der begrünte Innenhof als gemeinschaftlicher Freiraum dient.
Bemerkenswert sind die durchdachten Details: Statt klassischer Kellerabteile erhielt jede Wohnung einen eigenen, mit HolzHolz: Ein natürlicher Werkstoff, der zur Herstellung von Schalungen und Gerüsten genutzt werden kann. Es wird oft für Bauvorhaben im Bereich des Holzbaus verwendet. verkleideten Stauraum direkt auf der Terrasse. Diese Elemente schaffen zusätzlichen Stauraum und fungieren gleichzeitig als Sichtschutz zwischen den Wohnungen.
Soziale Vielfalt als architektonisches Prinzip
Paysage Habité vereint Sozialwohnungen, gefördertes Eigentum und frei finanzierte Wohnungen in einem gemeinsamen Gebäude. Zwar besitzt jede Wohnform einen eigenen Erschließungskern, architektonisch bleiben diese Unterschiede jedoch bewusst unsichtbar.
Alle Bewohner gelangen über denselben großzügigen Eingangsbereich in das Ensemble. Dieser öffnet sich zu einem gemeinschaftlichen Garten mit Wasserbecken, das RegenwasserRegenwasser: Regenwasser ist Wasser, das vom Dach eines Gebäudes oder von anderen Oberflächen gesammelt und zur Bewässerung oder als Brauchwasser genutzt wird. von den Dachflächen sammelt und das Mikroklima verbessert. Ein Gemeinschaftsraum mit eigenem Zugang zur Straße schafft darüber hinaus einen Treffpunkt für Bewohnerund Nachbarschaft.
Nachhaltige Mobilität mitgedacht
Auch die Mobilität wurde integraler Bestandteil des Entwurfs. Großzügige Aufzüge ermöglichen den Transport von Fahrrädern bis auf die Wohnetagen. Dort befinden sich geschützte Fahrradplattformen mit Lademöglichkeiten für E-Bikes.
Hinter rankenden Pflanzen verborgen, erscheinen diese Fahrradstationen als begrünte Türme und verbinden funktionale Infrastruktur mit einem hohen gestalterischen Anspruch.
Materialität mit architektonischer Präzision
Die Architektur lebt von einer reduzierten, präzise ausgearbeiteten Materialität. Vorgefertigte Betonelemente in einem hellen Sandton prägen die FassadenFassaden sind die Außenwände von Gebäuden, die zur Straße hin sichtbar sind.. Eine eigens entwickelte Chevron-Struktur verleiht den Oberflächen Tiefe und Plastizität und setzt sich in den Metallgeländern der Balkone konsequent fort.
Anstatt den wirtschaftlichen Baustoff zu kaschieren, machen die Architekt ihn zum gestalterischen Leitmotiv des Projekts. So entsteht eine eigenständige architektonische Identität mit vergleichsweise einfachen Mitteln.
Paysage Habité als Modell für zeitgemäßes Wohnen
Mit Paysage Habité zeigt Hérault Arnod Architectures, wie sich hohe bauliche Dichte mit Wohnqualität, sozialer Durchmischung und nachhaltiger Infrastruktur verbinden lässt. Gemeinschaftsgarten, begrünte Dachterrassen, Regenwassermanagement und fahrradfreundliche Erschließung greifen zu einem ganzheitlichen Wohnkonzept ineinander.
Das Projekt macht deutlich, dass zeitgemäßer Wohnungsbau nicht allein über EffizienzEffizienz: Ein Verhältnis zwischen der nützlich erzielten Leistung und der eingesetzten Energie oder dem eingesetzten Material. und Flächenausnutzung definiert werden sollte. Entscheidend ist vielmehr die Qualität des alltäglichen Lebens – durch Architektur, die Privatheit, Gemeinschaft und den Bezug zur Landschaft gleichermaßen in den Mittelpunkt stellt.
