Motive aus Licht und Glas

 

Wer gedacht hat, in Sachen ,Kunst von Gerhard Richter‘ gibt es keine Neuigkeiten mehr, der irrt: Seine aktuellen Glasskulpturen konfrontieren die Betrachter mit viel Transparenz – und erzeugen dennoch jede Menge Bilder.

Abb. 4 Richter
Gerhard Richter, Glasscheibe (Still aus Video). © Gerhard Richter.

 

Gerhard Richter (geb. 1932) gehört zu den Maler-Stars der Gegenwart. Galeristen und Sammler reißen sich um seine Bilder. Doch auch das Material Glas beschäftigt den Künstler – und das schon seit langem. 1967 schuf er seine erste Skulptur aus vier Glasscheiben als Antwort auf seine Begegnung mit dem Werk Marcel Duchamps und konfrontierte den Betrachter mit reiner Transparenz.

Abb. 1 Richter
Gerhard Richter, 12 Scheiben (Still aus Video). © Gerhard Richter.

 

Fragmentiertes Glas

Zehn Jahre später finden sich in seinem Oeuvre dann verspiegelte Flächen und monochrome Glasmalerei – seit der Jahrtausendwende auch stehende Konstruktionen aus seriellen transparenten Glasscheiben. „In den letzten Jahren begann Gerhard Richter, ganz einfache durchsichtige Gläser aufzuschichten, anzulegen und hintereinanderzustellen“, erklärt Dieter Schwarz, Direktor des Kunstmuseums Winterthur. „Der Effekt ist kompliziert. Auf den ersten Blick lässt sich kaum sagen, wie viele Gläser man eigentlich sieht. Alles wird fragmentiert, gebrochen und reflektiert. Die ineinander geschachtelten Gläser sind eine schöne Darstellung, wie Gerhard Richter denkt, ausgehandelt von Transparenz, Schein, Scheinbarkeit – und Täuschung.“

Abb. 2 Richter
Gerhard Richter, 7 Scheiben (Kartenhaus) (Still aus Video). © Gerhard Richter.
Abb. 3 Richter
Gerhard Richter, 7 Scheiben (Kartenhaus) (Still aus Video). © Gerhard Richter.

 

Stehende Scheibenbilder

2013/14 wurden diese großdimensionierten Glaskonstruktionen erstmals in einer Wanderschau in Winterthur und Dresden gezeigt. Dass sich der Künstler mit dieser Werkgruppe fundamental weiterentwickelt hat, erläutert Dr. Dietmar Elger, Leiter des Archivs Gerhard Richter von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. „Die ,Stehenden Scheibenbilder‘ lösen sich auf in einem Feld. Wie der Untertitel schon sagt, wie in einem Glashaus. Und die Scheiben sind noch einmal fragiler aneinanderlegt. Gerhard Richter gilt als der klassische Maler, weil fast sein gesamtes Werk aus Ölfarben auf Leinwand gemalt ist. Und auch hier ist es das Bild, das Gerhard Richter interessiert. Es sind die Motive, die sich in den Glasscheiben erzeugen: Reflexionen, Durchblicke und Spiegelungen, die sich überlagern.“ Bei Gerhard Richter muss es also nicht immer die Ölfarbe sein, auch wenn sie eigentlich sein traditionelles Medium ist.

Abb. 5 Richter
Gerhard Richter, Glasscheibe (Still aus Video). © Gerhard Richter.

 

Mehr über den Werkstoff Glas und dessen Anwendungsmöglichkeiten im Bereich Innenarchitektur oder Fassade kann man auf der internationalen Messe für den Werkstoff Glas glasstec in Düsseldorf erfahren. Dort präsentieren unter anderem Forschungsinstitute, Universitäten und Fachverbände, die im Bereich Glasfassaden-Entwicklung tätig sind, ihr Fachwissen. Auch die Hersteller sind vor Ort und führen in ihre Produktwelt ein.

Daneben werden im Rahmen der Sonderausstellung „glass art“  Kunstobjekte aus Glas gezeigt. Dort präsentieren international renommierte Galerien die Arbeiten verschiedener Künstler. Die ausgestellten Werke reichen von Glasgefäßen über skulpturale Objekte bis hin zu Glasmalerei.

Die glasstec 2018 findet vom 23. bis 26. Oktober 2018 auf dem Düsseldorfer Messegelände statt.