Nach mehr als 50 Jahren steht der Max-Planck-Campus Martinsried vor einer grundlegenden Transformation. h4a Gessert + Randecker Architekten erhält für die Neukonzeption den ZuschlagZuschlag bezeichnet das Gesteinskorn, das bei der Herstellung von Beton oder Mörtel verwendet wird und für dessen Festigkeit und Stabilität sorgt. und entwickelt einen offenen, grünen und vernetzten Forschungscampus mit 190.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche. Im Zentrum steht die Idee eines Science Parks, der Wissenschaft, Landschaft und Stadt enger miteinander verbindet.
Forschung braucht Räume, die Veränderung zulassen. Gerade in der Life-Science-Forschung, deren Fragestellungen sich mit hoher Geschwindigkeit entwickeln, sind Gebäude und Infrastrukturen gefordert, die nicht nur heutigen Anforderungen entsprechen, sondern auch künftige Entwicklungen aufnehmen können. Am Max-Planck-Campus Martinsried soll deshalb nicht lediglich der Gebäudebestand erneuert werden. Das gesamte Areal wird städtebaulich und landschaftlich neu geordnet.
Den zweiphasigen Planungswettbewerb 2025/2026 entschied h4a Gessert + Randecker Architekten mit einem zweiten Preis und dem anschließenden ZuschlagZuschlag bezeichnet das Gesteinskorn, das bei der Herstellung von Beton oder Mörtel verwendet wird und für dessen Festigkeit und Stabilität sorgt. für die Weiterentwicklung des Campus. Der Entwurf verfolgt eine klare räumliche Idee: Aus dem über Jahrzehnte gewachsenen Forschungsstandort soll ein offener, kommunikativer und stark durchgrünter Science Park entstehen.
An den beiden Instituten wird zu Biochemie und biologischer Intelligenz geforscht. Der Freistaat Bayern unterstützt das Leuchtturmprojekt im Südwesten Münchens mit bis zu 500 Millionen Euro. Die Neukonzeption soll damit nicht nur die baulichen Voraussetzungen für exzellente Forschung schaffen, sondern einen Standort stärken, der innerhalb des europäischen Life-Science-Netzwerks eine zentraleZentrale: Eine Zentrale ist eine Einrichtung, die in der Sicherheitstechnik als Steuerungszentrum für verschiedene Alarmvorrichtungen fungiert. Sie empfängt und verarbeitet Signale von Überwachungseinrichtungen und löst bei Bedarf Alarm aus. Rolle einnimmt.
Ein Campus als gemeinschaftlicher Stadtraum
Die zentraleZentrale: Eine Zentrale ist eine Einrichtung, die in der Sicherheitstechnik als Steuerungszentrum für verschiedene Alarmvorrichtungen fungiert. Sie empfängt und verarbeitet Signale von Überwachungseinrichtungen und löst bei Bedarf Alarm aus. städtebauliche Geste des Entwurfs ist eine neue Campusmitte. Sechs quadratische Gebäudecluster ergänzen den vorhandenen Bestand und werden bewusst locker in die Landschaft gesetzt. Zwischen ihnen entsteht ein zusammenhängender grüner Raum, der nicht als Restfläche zwischen den Gebäuden verstanden wird, sondern als identitätsstiftendes Zentrum des Campus.
Verbunden werden die einzelnen Institutscluster durch einen umlaufenden Loop. Die Magistrale übernimmt dabei weit mehr als eine Erschließungsfunktion: Sie wird zum kommunikativen Rückgrat des Forschungsgeländes. Entlang dieser Verbindung entstehen Treffpunkte und Subzentren, die Austausch, informelles Arbeiten und Begegnungen zwischen den verschiedenen Forschungseinheiten ermöglichen.
Sichtachsen durch die grüne Mitte verstärken die räumliche Verbindung. Die einzelnen Gebäude bleiben als eigenständige Nachbarschaften lesbar, sind zugleich aber Teil eines übergeordneten Ganzen.
Damit verschiebt sich das Verständnis des Campus: Weg von einer Ansammlung funktional spezialisierter Forschungsgebäude, hin zu einem zusammenhängenden urbanen Raum, in dem Wissenschaft auch über zufällige Begegnungen und informellen Austausch organisiert wird.
Das neue Herz des Forschungscampus
Eine besondere Rolle übernimmt das zentraleZentrale: Eine Zentrale ist eine Einrichtung, die in der Sicherheitstechnik als Steuerungszentrum für verschiedene Alarmvorrichtungen fungiert. Sie empfängt und verarbeitet Signale von Überwachungseinrichtungen und löst bei Bedarf Alarm aus. Hauptgebäude. Mit Eingangsfoyer, Mensa, Hörsälen, Bibliothek und Konferenzbereichen bildet es die neue Adresse des Campus.
Architektonisch markiert der Bau den Mittelpunkt der Anlage. Seine Präsenz soll Orientierung schaffen und zugleich einen Ort formulieren, an dem die verschiedenen Nutzergruppen des Campus zusammenkommen. Von hier aus öffnet sich der Freiraum nach Süden und bindet zwei bestehende Kreuzgebäude in die neue Gesamtkomposition ein.
Die Bestandsbauten werden damit nicht zum Hindernis für die Neuentwicklung, sondern als Teil einer größeren räumlichen Ordnung verstanden. Neue und bestehende Strukturen sollen sich ergänzen und durch angepasste Nutzungskonzepte langfristig miteinander funktionieren.
Laborarchitektur für eine Forschung im Wandel
Auch auf der Ebene der Institutsgebäude setzt der Entwurf auf Flexibilität. Die Baukörper orientieren sich zur Campusmitte und folgen einem generischen Laborprinzip.
Mehrere sogenannte Science-Units werden auf einer Ebene um ein begrüntes Atrium angeordnet. Ergänzt werden sie durch Bürobereiche und kommunikative Treffpunkte entlang des Loops. Die Struktur verbindet damit hochspezialisierte Forschungsflächen mit Bereichen für Austausch und Zusammenarbeit.
Das Atrium übernimmt dabei eine doppelte Funktion. Es bringt TageslichtTageslicht: Natürliches Licht, das während des Tages durch die Fenster oder Oberlichter in ein Gebäude strömt. und Grün in die Tiefe der Gebäude und schafft gleichzeitig visuelle Beziehungen zwischen den verschiedenen Arbeitsbereichen. TransparenzTransparenz: Transparenz beschreibt die Durchsichtigkeit von Materialien wie Glas. Eine hohe Transparenz bedeutet, dass das Material für sichtbares Licht durchlässig ist. wird zum räumlichen Instrument: Blicke führen in die AtrienAtrien: Atrien sind Innenhöfe oder Lichthöfe in Gebäuden. Sie dienen der Belüftung und Beleuchtung des Innenraums und können auch dekorative Zwecke erfüllen., über die grüne Campusmitte und in die benachbarten Forschungscluster.
Entscheidend ist die Möglichkeit, die Einheiten langfristig neu zu organisieren. Die modulare Gebäudestruktur soll unterschiedliche Forschungsnutzungen aufnehmen können, ohne dass dafür jeweils grundlegende bauliche Veränderungen erforderlich werden.
Landschaft als Forschungsinfrastruktur
Die eigentliche Besonderheit des Konzepts liegt jedoch vielleicht weniger in den Gebäuden als in ihrer Einbettung. Ein Landschaftspark soll die Institutscluster miteinander verweben und den Campus stärker mit seiner Umgebung verbinden.
Die grüne Mitte wird zum Aufenthaltsraum. Grüninseln, Wasserflächen und Findlinge strukturieren den Freiraum und schaffen unterschiedliche Orte für Begegnung und Rückzug. Zahlreiche Bäume sorgen für VerschattungVerschattung: Verschattung bezieht sich auf den gezielten Einsatz von Schatten, um direkte Sonneneinstrahlung zu reduzieren und eine Überwärmung von Gebäuden zu vermeiden. Dies kann durch den Einsatz von Sonnenschutzsystemen wie Markisen oder Jalousien erreicht werden. und unterstützen durch VerdunstungVerdunstung: Bei der Verdunstung verdampft eine Flüssigkeit und entzieht dabei Wärmeenergie aus ihrer Umgebung. Dieser Effekt kann z.B. für die Klimatisierung von Räumen oder zur Abkühlung von Getränken genutzt werden. und Ventilation ein angenehmes Mikroklima.
Gleichzeitig wird die VersiegelungVersiegelung – Ein Dichtmittel, das verwendet wird, um Dichtungen zwischen Materialien herzustellen. reduziert. Ein dichtes Wegenetz verbindet die inneren Bereiche mit den Randzonen des Campus und knüpft an das bestehende Wegenetz des Haderner Forstes und des umliegenden Campus Martinsried an.
Landschaftsplanung wird damit nicht als dekorative Ergänzung der Architektur verstanden. Sie übernimmt zentraleZentrale: Eine Zentrale ist eine Einrichtung, die in der Sicherheitstechnik als Steuerungszentrum für verschiedene Alarmvorrichtungen fungiert. Sie empfängt und verarbeitet Signale von Überwachungseinrichtungen und löst bei Bedarf Alarm aus. Funktionen für Klima, Biodiversität, Mobilität und Aufenthaltsqualität.
Ein Campus ohne Verkehr im Inneren
Auch die Mobilität soll sich grundlegend verändern. Im Inneren des Areals soll der Campus künftig verkehrsfrei bleiben. Der motorisierte Verkehr wird unmittelbar in einen zentralen Mobilitätshub geführt.
Für Fuß- und Radverkehr entsteht dagegen ein attraktiveres, engmaschigeres Wegenetz. Sharing-Angebote, Fahrräder und Roller ergänzen die internen Mobilitätsangebote.
Gleichzeitig rückt der Campus räumlich näher an die neue U-Bahnlinie. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr schafft eine neue Verbindung zu den nördlich gelegenen Forschungseinrichtungen und stärkt die Einbindung des Standorts in die Münchner Wissenschaftslandschaft.
Im Nordwesten sind zudem Gästehäuser für externe Wissenschaftler, ein Kindergarten sowie Erweiterungsflächen für benachbarte Institutionen und die Gemeinde vorgesehen. Damit erhält der Campus Funktionen, die über die eigentliche Forschungsarbeit hinausreichen.
Klimaneutralität als planerisches Prinzip
Die Nachhaltigkeitsstrategie ist integraler Bestandteil der Neukonzeption. Ziel ist ein klimaneutraler Campus, der hohe Aufenthaltsqualität mit energieeffizienten Gebäuden und einer robusten Freiraumplanung verbindet.
Vorgesehen sind erneuerbare Energien, ein Low-Tech-Ansatz und eine kompakte Bauweise nach Passivhaus- beziehungsweise Effizienzhaus-Standard. Hinzu kommen Strategien des Urban Mining und der Wiederverwendung vorhandener Ressourcen.
Im Freiraum orientiert sich das Konzept am Prinzip der Schwammstadt. RegenwasserRegenwasser: Regenwasser ist Wasser, das vom Dach eines Gebäudes oder von anderen Oberflächen gesammelt und zur Bewässerung oder als Brauchwasser genutzt wird. soll möglichst vor Ort aufgenommen und gespeichert werden. Gleichzeitig unterstützen VegetationVegetation: Pflanzen oder Gräser, die auf dem Dach wachsen. und Wasserflächen die Klimaanpassung und schaffen neue Lebensräume.
Biodiversität wird dabei nicht als nachträgliche ökologische Ergänzung verstanden. Sie wird zu einem strukturellen Bestandteil der Campusplanung.
Vom Forschungsstandort zum Science Park
Mit der Neukonzeption verbindet sich ein grundlegender Wandel des Campusverständnisses. Der Max-Planck-Campus Martinsried soll nicht länger primär als abgeschlossener Forschungsstandort funktionieren, sondern als vernetzter Science Park.
Architektur, Landschaft und Infrastruktur werden dafür zu einem gemeinsamen System. Die Gebäude bieten flexible Arbeitsumgebungen, die Freiräume schaffen Orte der Begegnung, und der Loop verbindet die unterschiedlichen Nachbarschaften miteinander.
Das Konzept reagiert damit auf eine Entwicklung, die Forschungseinrichtungen weltweit beschäftigt: Wissenschaft entsteht zunehmend an den Schnittstellen unterschiedlicher Disziplinen. Räume müssen deshalb nicht nur hochspezialisierte Arbeitsabläufe ermöglichen, sondern auch Kommunikation und Wissenstransfer fördern.
Am Max-Planck-Campus Martinsried wird diese Idee räumlich übersetzt.
190.000 Quadratmeter für die Zukunft der Forschung
Mit rund 190.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche besitzt das Projekt eine erhebliche städtebauliche Dimension. Gleichzeitig liegt seine Qualität in der bewussten Kleinteiligkeit der neuen Cluster. Statt eines monolithischen Forschungsbaus entsteht ein Gefüge aus Institutsgebäuden, Landschaftsräumen und gemeinschaftlichen Einrichtungen.
Damit wird der Campus zu einem Stück Stadt – mit Wegen, Plätzen, Nachbarschaften und öffentlichen beziehungsweise gemeinschaftlich nutzbaren Bereichen.
Die Aufgabe von h4a besteht folglich nicht allein darin, neue Forschungsflächen zu entwerfen. Gefragt ist ein räumliches System, das über Jahrzehnte funktionieren und sich zugleich verändern kann.
Genau darin liegt die architektonische Herausforderung des Projekts: Ein Forschungscampus für die Zukunft muss nicht nur neue Wissenschaft ermöglichen. Er muss selbst wandelbar sein.
Projektdaten
Projekt: Neukonzeption Max-Planck-Campus Martinsried
Bauherr: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V.
Standort: Am Klopfersitz, Martinsried, Gemeinde Planegg
Architektur: h4a Gessert + Randecker Architekten
Verfasser Wettbewerb: Martin Gessert, Albrecht Randecker
Wettbewerb: Zweiphasiger Planungswettbewerb 2025/2026, 2. Preis und Zuschlag
BGF: 190.000 m²
Landschaftsplanung: Glück Landschaftsarchitektur GmbH, Stuttgart
Tragwerksplanung: Boll und Partner für Tragwerke, Stuttgart
Stadtplanung: Pesch Partner Architektur Stadtplanung GmbH, Dortmund
HKLS: Krebs Ingenieure GmbH, Ditzingen
Elektro- und Fördertechnik: Raible + Partner GmbH & Co. KG, Reutlingen
