15.03.2022

Architektur Öffentlich

Markthalle von Enrico Dusi Studio und Salottobuono

von Fabian Peters
Enrico Dusi Studio + Salottobuono

Enrico Dusi Studio + Salottobuono

Ein schweres Erdbeben richtete 2012 im norditalienischen Sant’Agostino verheerende Schäden an. Den Abschluss des Wiederaufbaus markiert die Markthalle von Enrico Dusi Studio und Salottobuono. Die Architekten schufen mit ihr einen neuen Gemeinschaftsort für die Gemeinde.

Am 20. März 2012 erschütterte ein schweres Erdbeben die Emilia-Romagna. Besonders betroffen war die Region um die Stadt Ferrara. Allein in der kleinen Gemeinde Sant’Agostino, knapp 20 Kilometer westlich von Ferrara, starben vier Menschen. Damit nicht genug: Die Kirche aus dem 18. Jahrhundert und das historische Rathaus wurden durch das Beben schwer beschädigt. Während die Kirche wieder instandgesetzt werden konnte, war das Rathaus so stark einsturzgefährdet, dass es gesprengt werden musste. Inzwischen ist ein Nachfolgebau an anderer Stelle entstanden. Auf der Fläche des alten Rathauses wurde dagegen in Zuge des Wiederausbaus eine neue Markthalle errichtet. Sie bildet nun nicht nur den Mittelpunkt des zentralen Platzes der Gemeinde, sondern übernimmt auch die Aufgabe eines gemeinschaftsstiftenden Treffpunkts.

 

Foto: Marco Cappelletti
Enrico Dusi Studio + Salottobuono
Foto: Marco Cappelletti
Foto: Marco Cappelletti

 

Entworfen haben Platz und Markthalle Enrico Dusi Studio aus Venedig und Salottobuono aus Mailand. Den großen Platz untergliedern die Architekten in zwei Zonen, die sie durch den Bodenbelag kenntlich machen. Die freie Fläche, auf der jeden Dienstagmorgen die Stände des Wochenmarkts aufgebaut werden, erhielt einen Belag aus großen quadratischen Bodenplatten in porphyrrot und grau. Sie wurden so verlegt, dass sie ein markantes Streifenmuster ergeben. Die andere Zone wurde dagegen ausschließlich mit roten Platten belegt. Dort wurden im Belag zudem zahlreiche kreisrunde Ausschnitte unterschiedlicher Größe ausgespart und mit Bäumen und Büschen bepflanzt. Bänke schaffen zwischen den Grüninseln Sitzgelegenheiten.

 

Foto: Giorgio de Vecchi / gerdastudio
Foto: Giorgio de Vecchi / gerdastudio

Enrico Dusi Studio und Salottobuono bauen ein Dach mit Loch

 

Die neue Markthalle von Sant’Agostino haben Enrico Dusi Studio und Salottobuono so auf dem Platz angeordnet, dass sie etwa je zur Hälfte in beiden Zonen liegt. Die Teilung in eine begrünte sowie eine unbegrünte Fläche setzt sich auch unterhalb des großen Schutzdaches fort. Die Architekten haben die Halle als eine offene Konstruktion aus runden Stahlstützen und einem Betondach entworfen. Das Flachdach misst 20 auf 25 Meter und wird durch kräftige Unterzüge ausgesteift. Sie teilen die Dachunterseite in rechteckige Felder auf. Die Unterzüge liegen auf 14 Pfeilern von je vier Metern Höhe auf. Das gesamte Bauwerk ist in hellen Grüntönen gehalten.

Markantestes Merkmal der neuen Markthalle ist jedoch der große runde Dachausschnitt, mit dem die Architekten die Form der Pflanzinseln im Bodenbelag aufgreifen. Die Öffnung macht es Enrico Dusi Studio und Salottobuono möglich, die Bepflanzung auch im Bereich der Markthalle fortzusetzen. Ein hoher Jungbaum ragt durch das Loch im Dach, kleinere Gehölze umstehen ihn. Eine ringförmige Bank umläuft die Grünzone und zeichnet dabei die Dachöffnung am Boden nach. Zugleich grenzt sie den bepflanzten Bereich vom Rest der Halle ab.

 

Foto: Marco Cappelletti
Foto: Marco Cappelletti

Ein Ort für viele Funktionen 

 

Enrico Dusi Studio und Salottobuono haben den neugestalteten Platz für eine Vielzahl von unterschiedlichen Funktionen entwickelt. Er bildet den Kirchplatz für die anstoßenden Sankt-Augustinus-Kirche, ist Freizeit- und Erholungsraum für die Stadtbewohnerinnen und -bewohner sowie Spielplatz für die Kinder. Er schafft ein kleines Wäldchen mitten im Zentrum. Und er ist als Markt natürlich Handelsplatz und Treffpunkt für Ort und Umland.

 

Enrico Dusi Studio + Salottobuono
Foto: Marco Cappelletti
Foto: Marco Cappelletti
Foto: Marco Cappelletti
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