Innovativ und nachhaltig mit flexiblen Nutzungsmöglichkeiten präsentiert sich das sechsgeschossige Büro- und Verwaltungsgebäude, das den städtebaulichen Auftakt für den neu entstehenden Campus „University of Technology Nürnberg“ (UTN) bildet. „Cube One“ aus der Entwurfsfeder von a+r Architekten ist ein identitätsstiftendes Statement und ein Vorgeschmack auf das, was noch auf dem Campus entstehen wird.
Auf dem Gelände des ehemaligen Südbahnhofs, an der Brunecker Straße und in unmittelbarer Nähe zum neuen Wohngebiet Lichtenreuth, entsteht auf rund 37 Hektar der Universitätscampus der UTN. Der Neubau „Cube One“ orientiert sich am Masterplan des Architekturbüros Ferdinand Heide, um sich in die langfristige Campus-Entwicklung einzufügen und ermöglicht durch seine Positionierung eine schrittweise Erweiterung nach Westen sowie Raum für ein zusätzliches Gebäude im Osten. „Cube One“ bietet mit 4.270 m² Nutzfläche Platz für rund 120 Mitarbeitende.
Nachhaltige Vorfertigung
Architektonisch verbindet das sechsgeschossige Hybridgebäude im PassivhausstandardPassivhausstandard – Die Mindestanforderungen an Heizlast, Gesamtenergieverbrauch und Luftdichtheit gemäß dem Passivhaus-Standard. NachhaltigkeitNachhaltigkeit: die Fähigkeit, natürliche Ressourcen so zu nutzen, dass sie langfristig erhalten bleiben und keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt haben. Nachhaltigkeit in der Architektur – Gebäude, die die Umwelt schützen und gleichzeitig Ästhetik und Funktionalität bieten Nachhaltigkeit und Architektur sind zwei Begriffe, die heute mehr denn je miteinander verbunden… mit innovativem Design. Das Tragwerk kombiniert eine Holzkonstruktion mit einem stabilisierenden Kern aus Recyclingbeton. Photovoltaikmodule auf dem Dach und eine hocheffiziente LüftungsanlageLüftungsanlage: Eine Lüftungsanlage ist ein System, das dazu dient, eine geregelte Luftzirkulation in Gebäuden aufrechtzuerhalten, um die Luftqualität zu verbessern und Schimmelbildung sowie Feuchtigkeitsprobleme zu vermeiden. mit WärmerückgewinnungWärmerückgewinnung: Wärmerückgewinnung ist eine Technologie, die Abwärme aus verschiedenen Prozessen erfasst und diese Energie zur Heizung oder zum Warmwasserbereitung wiederverwendet. sowie die Holzfassade mit vorgelagerter BegrünungBegrünung: Die Begrünung von Dächern oder Fassaden mit Pflanzen und Gräsern hat sowohl ökologische als auch ästhetische Vorteile, da sie z.B. zu einer besseren Luftqualität beitragen und eine optisch ansprechende Gestaltung ermöglichen. runden das nachhaltige Konzept ab.
Das Projekt zeichnet sich durch einen hohen Vorfertigungsgrad aus, was eine besondere Herausforderung bei der Planung des Passivhauses als modulare Holzkonstruktion mit hohem Energiestandard darstellte. Um eine reibungslose Produktion in der Werkhalle zu ermöglichen, mussten alle Details und Übergänge frühzeitig und umfassend mit allen Fachbereichen wie BrandschutzBrandschutz: Der Brandschutz beinhaltet alle Maßnahmen und Vorkehrungen, die dazu dienen, Brände zu vermeiden, zu erkennen und zu bekämpfen. Hierzu gehören unter anderem der Einsatz von Brandmeldern, Rauchwarnern, Feuerlöschern und Brandschutzeinrichtungen wie Brandschutztüren oder Brandschutzverglasungen., Bauphysik oder Haustechnik abgestimmt werden. Die Decken und alle Außenwandelemente wurden mit eingebauten Fenstern, Fensterbänken sowie der hölzernen Fassadenschalung und allen erforderlichen Abdichtungsbahnen direkt auf die Baustelle geliefert und dort zeit- und kostensparend montiert.
Flexibel und ressourcenschonend
Die modulare Bauweise ermöglicht eine hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. In jedem Geschoss wurden einzelne Teambereiche zu zusammenhängenden Nutzungseinheiten mit einer Gesamtfläche von bis zu 200 m² geplant. Sie können bei Bedarf räumlich auch wieder verändert werden. Sanitäranlagen, Aufzug und Treppen sind im Erschließungskern aus Beton untergebracht. Zwei geschickt ineinander geschachtelte Treppenhäuser nutzen den Raum effizient und bieten getrennte, gleichwertige Wege ins Freie. Auf ein separates Fluchttreppenhaus konnte verzichtet werden.
Der Wechsel vom massiven Betonkern zur leichten Holzkonstruktion sorgt für eine klare Orientierung im Inneren: Der Beton ist in einem gedeckten, warmen Grauton gehalten und hebt sich so optisch von der hellen, weißen Holzkonstruktion ab. Die Kombination aus offenen Büros und flexiblen, geschlossenen Räumen ermöglicht durch verglaste Türensind eine Art von beweglichen Barrieren, die verwendet werden, um Räume und Bereiche voneinander zu trennen oder zu schützen. Sie bestehen in der Regel aus Holz, Metall, Glas oder Kunststoff und können in verschiedenen Größen, Formen und Stilen hergestellt werden. Als Türen bezeichnet man in der Architektur Bauteile, die Öffnungen… eine visuelle Interaktion auf den Etagen. Sozialräume mit Gemeinschaftsküchen an den Schmalseiten des Gebäudes fördern die Kommunikation und schaffen offene Begegnungszonen. Im obersten Geschoss bieten zwei Terrassen mit PergolaPergola: Eine Pergola ist eine Überdachung aus Holz oder Metall, die zur Beschattung von Terrassen oder Gärten genutzt wird. und ein großer Besprechungsraum Ausblicke auf den wachsenden Universitätscampus.
Begrünte Fassade par excellence
Die innere Struktur des Gebäudes wird nach außen in der Holzfassade sichtbar, die aus offenen und geschlossenen Bereichen besteht. Große Fensterist eine Öffnung in der Wand eines Gebäudes, die Licht, Luft und Blick nach draußen ermöglicht. Es gibt verschiedene Arten von Fenstern, die sich in Größe, Form und Material unterscheiden können. Das Fenster ist ein wesentlicher Bestandteil der Gebäudearchitektur und hat sowohl funktionale als auch ästhetische Bedeutung. Es ist eine… im Querformat sind geschossweise rhythmisch in regelmäßigen Reihen angeordnet. Die tragenden Stützen, die durch breitere Fassadenelemente optisch betont werden, unterstreichen das klare und gegliederte Erscheinungsbild der FassadeFassade: Die äußere Hülle eines Gebäudes, die als Witterungsschutz dient und das Erscheinungsbild des Gebäudes prägt..
Besonders hervorzuheben ist die fast 18 Meter hohe, an zwei Seiten frei auskragende Fassadenbegrünung. Hierfür wurde an der leichten Holzfassade mit modernster Technik und höchster Präzision ein stählernes Rankgerüst befestigt. Auch die Auswahl der Pflanzen war anspruchsvoll, denn weltweit gibt es nur wenige Arten, die ohne direkten Bodenkontakt diese Höhe erreichen. Die Fassadenbegrünung trägt nicht nur zur Kühlung und Lärmminderung im Sommer bei, sondern bindet auch FeinstaubFeinstaub: Kleine Partikel, die bei Bauarbeiten oder im Straßenverkehr freigesetzt werden und die Gesundheit beeinträchtigen können. und verbessert das Mikroklima.
Markenzeichen für die künftige Hochschule
Das UTN-Gebäude setzt nicht nur architektonische, sondern auch ökologische Maßstäbe, indem es nachhaltiges BauenNachhaltiges Bauen bezeichnet eine Bauweise, die ökologische, soziale und ökonomische Aspekte bei der Planung, Errichtung und Nutzung von Gebäuden berücksichtigt. Ziel ist es, die Umwelt zu schonen, Ressourcen zu sparen und die Lebensqualität der Bewohner und Nutzer zu verbessern. und innovative Nutzungskonzepte vereint – und damit die Grundlage für die künftige Entwicklung des Campus schafft. „Unser Entwurf zielt darauf ab, eine ausgewogene Lösung für komplexe Anforderungen wie Städtebau, Raumprogramm, Funktionalität, Flächeneffizienz und Ökologie zu schaffen – und das in Form eines wirtschaftlichen, nachhaltigen und zukunftsorientierten Low-Tech-Gebäudes“, betonen die Architekten.
Das Gebäude soll als „markantes Markenzeichen“ der künftigen Hochschule in Nürnberg wahrgenommen werden. Dass dieses Ziel bereits erreicht ist, bestätigt Matthias Franz, Bereichsleiter des Staatlichen Bauamts Erlangen-Nürnberg: „Cube One ist wie ein Schaufenster der zukünftigen Campus-Architektur der UTN: nachhaltig, ressourcenschonend, flexibel und elegant.“
Daten und Fakten
Projekt: Verfügungsgebäude der University of Technology Nürnberg (UTN)
Bauherr: Staatliches Bauamt Erlangen-Nürnberg
Generalübernehmer: Gustav Epple Bauunternehmung GmbH, www.gustav-epple.de
Architektur: a+r Architekten, Stuttgart/Tübingen, www.aplusr.de
Tragwerk: Furche Geiger Zimmermann, Wendlingen, www.fuzi-tragwerke.de
Holzbau: Rubner Holzbau GmbH, Augsburg, www.rubner.com
HLS: TEPMA Engineering GmbH, Borken, www.tepma.de
ELT: SE Engineering GmbH, Vilshofen a. d. Donau, www.se-engineering.org
Außenanlagen: adlerolesch GmbH, Nürnberg, www.adlerolesch.de
Brandschutz: Kuhn Decker GmbH & Co. KG: Sindelfingen, www.kuhndecker.de
Bauphysik: GN Bauphysik Finkenberger + Kollegen Ingenieurgesellschaft, www.gn-bauphysik.de
Vermesser: Ingenieurbüro Anton Herbst GmbH, Nürnberg, www.vermessung-herbst.com
Projektsteuerung: ERNST² Architekten, München, www.ernst2-architekten.de
Bauzeit: 10/2022 – 04/2024
Fertigstellung: 04/2024
BGF: 5.073 m²
BRI: 19.467 m³
Nutzfläche: 4.270 m²
Energiestandard: Passivhausstandard PHPP
Fotos: Max Leitner
Über a+r Architekten
a+r Architekten stehen für eine solide, umweltverträgliche und zukunftsorientierte Architektur mit einer überzeugenden Expertise im Bereich des nachhaltigen Bauens – auch im Bestand. Das 1985 von Prof. Gerd Ackermann und Prof. Hellmut Raff gegründete Büro mit Standorten in Stuttgart und Tübingen zählt rund 130 Mitarbeiter und steht heute unter der Leitung von Oliver Braun, Florian Gruner und Alexander Lange. Vorwiegend bauen a+r Architekten für öffentliche Auftraggeber, Industrie und Gewerbe, für kommunale Wohnbauunternehmen sowie für soziale Einrichtungen. Das Büro konzentriert sich auf eine angemessene, ökologische, funktionale und daraus resultierend innovative Bauweise und wurde dafür mit renommierten Preisen ausgezeichnet.
