Das Stadsteater in Malmö hat eine umfassende Renovierung durch die Architekten Haworth Tompkins und White Arkitekter erhalten. Nun öffnet sich das Gebäude für das Leben in der Stadt und bietet zugleich einen intimen Aufführungsraum mit viel kreativem Potenzial. Dabei zeigt es wieder die Spuren der ursprünglichen Gebäudenutzung als Zirkus.
Gemeinsam mit dem Team des Stadttheaters und der Stadtverwaltung von Malmö haben die Architekten von Haworth Tompkins dem Gebäude neues Leben eingehaucht. Es heißt das Publikum und die Bevölkerung nun besser willkommen. Der renovierte, flexible Zuschauerraum bietet viele Möglichkeiten für theatralische Kreativität, indem er die rohe EnergieEnergie: die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten oder Wärme zu erzeugen. der neuen architektonischen Elemente mit der historischen Hülle des ursprünglichen Zirkus-Amphitheaters verbindet. Ein neues Gebäude verknüpft den Zuschauerraum mit der Straße und überdeckt den bestehenden Innenhof zum Teil. So ist auch ein einladender Weg zwischen dem neuen Eingang an der Theaterstraße, dem Café und den Werkstätten sowie den renovierten Theaterfoyers entstanden. Insgesamt ist das Theater jetzt durchlässiger, zugänglicher und künstlerisch flexibler. Seit Februar 2024 ist es wieder geöffnet.
Versteckte Zirkusmerkmale
Das Stadttheater von Malmö befindet sich in einem schönen Gebäude aus rotem BacksteinBackstein: Backstein ist ein Baustoff, der durch das Brennen von Ton hergestellt wird. Er wird oft für die Errichtung von Mauerwerk und Fassaden verwendet und ist bekannt für seine Widerstandsfähigkeit und Ästhetik. und Granitsteinverkleidungen. Ursprünglich wurde es im Jahr 1898 nach einem Entwurf von Theodor Wahlin als Malmöer Hippodromen erbaut. Es stellt einen kompletten städtischen Block dar, mit dem Zirkus-Amphitheater als Herzstück. Dieses ist von einem schirmartigen, gewölbten Holzschalendach mit OberlichtOberlicht: Ein Oberlicht ist ein Fenster in der Decke, das Tageslicht in den Raum lässt. und Kuppel umgeben.
Der Bau wurde als „Kulturpalast des Volkes“ konzipiert und enthielt ursprünglich einen Festsaal, Billardzimmer, Salons und Unterkünfte für Zirkusartisten und Zirkustiere gleichermaßen. Ein Außenhof und ein Durchgang führen von den umliegenden Straßen aus durch zeremonielle Torbögen aus geschnitzten Granitskulpturen, die Zirkusumzüge darstellen.
In den 1920er Jahren wurde aus dem Zuschauerraum des Zirkus ein Theaterraum, der nach dem Zweiten Weltkrieg vorübergehend als Kirche diente. Im Jahr 1994 kam es zu einer kompletten Renovierung und zum UmbauUmbau ist ein Begriff, der sich auf die Veränderung oder Renovierung eines bestehenden Gebäudes oder Raums bezieht. in einen offenen Theaterraum, zu dem 2008 ein Proszenium hinzugefügt wurde. Dies war zwar technisch erfolgreich, verdeckte aber viele der ursprünglichen Zirkusmerkmale und bot wenig Flexibilität bei der Bestuhlung und der Bühnenkonfiguration. Zudem gab es keinen öffentlichen Eingang direkt an der zentralen Kalendegatan.
Theatralische Energie
Nach dem Entwurf von Haworth Tompkins ist das Malmöer Stadttheater Hippodromen nun wieder flexibler und zugänglicher. Es hat zum ersten Mal ein Foyer an der Kalendegatan und ist den ganzen Tag geöffnet, um viele verschiedene Veranstaltungen in den neu geschaffenen Räumen ausrichten zu können. Um diesen Eingang zu schaffen, wurde ein früheres Perückengeschäft zu einem ganztägig geöffneten Café mit Durchgang umgewandelt, sodass eine transparente Verbindung zwischen Theater und Straße vorhanden ist. Die ehemalige Theaterkasse ist heute ein der Öffentlichkeit zugewandtes Ateljé-Studio, in dem Workshops, aber auch Vorträge, Empfänge und Seminare stattfinden.
Die gläsernen „Schaufenster“ sind bestehen geblieben, sodass das Theater zum ersten Mal eine lebendige Straßenfront hat. Diese verdeutlicht die bürgerliche Rolle des Hippodroms im sozialen Gefüge von Malmö. Im Café sind unter anderem historische Fensterist eine Öffnung in der Wand eines Gebäudes, die Licht, Luft und Blick nach draußen ermöglicht. Es gibt verschiedene Arten von Fenstern, die sich in Größe, Form und Material unterscheiden können. Das Fenster ist ein wesentlicher Bestandteil der Gebäudearchitektur und hat sowohl funktionale als auch ästhetische Bedeutung. Es ist eine…, Fußböden, Gesimse und Balustraden erhalten geblieben. Eine Reihe von kleinen Räumen im ersten Stockbezeichnet den Rahmen, der insbesondere bei Türen und Fenstern um das bewegliche Element herum angebracht wird. Er dient zur stabilen Integration des beweglichen Teils in die Wand und ermöglicht es, die Türen oder Fenster zu öffnen und zu schließen. bietet Platz für kleine Gruppen und Partys. Und der Verbindungspavillon im Innenhof verknüpft die Eingangspassage mit dem Café, dem Ateljé und dem Theaterfoyer. Dieser Pavillon dient als Stadtplatz für das Theater. Mit seinen Dachbalken aus gesägtem HolzHolz: Ein natürlicher Werkstoff, der zur Herstellung von Schalungen und Gerüsten genutzt werden kann. Es wird oft für Bauvorhaben im Bereich des Holzbaus verwendet. und dem Stahlrahmen passt er sich der komplexen Geometrie der bestehenden Backsteinfassaden an.
Der Innenhof des Stadttheaters ist mit dem Foyer durch einen historischen „Cirkusstall“ verbunden. Dabei windet sich das Foyer in der Form eines Hufeisens um den Zuschauerraum. Ochsenblutrote Wände, zeltartige Holzdeckenbalken und kupferne Lampenschirme schaffen Atmosphäre und bieten auch über den Zuschauerraum hinaus eine theatralische EnergieEnergie: die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten oder Wärme zu erzeugen..
Von 400 auf 520 Zuschauer
Auch im Zuschauerraum des Hippodroms von Malmö haben die Architekten einige Änderungen vorgenommen. Unter Beibehaltung der historischen Hülle haben sie eine neue, hufeisenförmig angeordnete Sitzgeometrie geschaffen, die sich an die ursprüngliche Form des zwölfeckigen Zirkus anlehnt. Dies soll die Intimität des Publikums als auch die Zugänglichkeit zu den Sitzplätzen verbessern. Ebenso sind die Sichtlinien, die AkustikAkustik bezieht sich auf die Beschaffenheit eines Raumes in Bezug auf Schall und dessen Ausbreitung. In der Architektur wird die Akustik beispielsweise bei der Planung von Konzertsälen oder anderen Veranstaltungsräumen berücksichtigt, um eine optimale Klangqualität zu erreichen. und die Nähe des Publikums zur großzügigen Bühne optimiert.
Ein größenvariabler, vollständig demontierbarer Proszeniumsrahmen ermöglicht viel Flexibilität für Aufführungen auf der Endbühne, der Vorbühne oder der Promenade. Zwei Durchgänge durch die Sitzreihe verbinden direkt mit dem Foyer und bieten den Darstellern so weitere Möglichkeiten für den Zugang zum Publikum. Hinzu kommt eine neue, obere Balkonebene, die die Zuschauerkapazität erhöht und technische Optionen für die Installation von Licht- und Tonanlagen bietet.
Insgesamt haben die Erneuerungsarbeiten die Zuschauerkapazität in Malmös Stadttheater Hippodromen um über 100 Plätze von 400 auf bis zu 520 erhöht. Dank der aktualisierten Geometrie des Raums ist der ursprüngliche Zirkusgedanke wieder lesbar, was das Theater in seinem historischen Kontext verankert.
Die robusten architektonischen Details mit ihrer Palette aus rotem Baustahl, SperrholzSperrholz: Eine Art von Holzfaserplatte, die aus mehreren dünnen Schichten von Holzfurnier besteht, die in verschiedenen Winkeln angeordnet und miteinander verklebt sind., rauen Kiefernholzbalken und Holzlattenwänden respektieren zugleich die PatinaPatina bezeichnet die natürliche Alterung und Veränderung von Materialien und Oberflächen im Laufe der Zeit. Bei Gebäuden können beispielsweise Fassaden oder Dächer aufgrund von Umwelteinflüssen wie Regen, Sonne oder Staub eine charakteristische Patina ausbilden, die das Erscheinungsbild des Gebäudes prägt. und die Qualität der vorhandenen Oberflächen. Zurückgewonnene BaumwolleBaumwolle: Baumwolle ist ein Naturprodukt, das in der Architektur als Dämmmaterial verwendet wird. Sie zeichnet sich durch eine hohe ökologische Verträglichkeit aus. aus Denim-Kleidung dient als Akustikfilz und renovierte Betonböden, recycelte Gummiplatten und restauriertes Mauerwerk stärken den zirkulären Gedanken des Theaters. So gibt es einen „sichtbaren Barcode für das Handwerk des Theatermachens“ laut Haworth Tompkins.
Weiterlesen: In Taipei ist unter Leitung von OMA ein gewaltiges, spektakuläres Theatergebäude entstanden.