10.02.2026

Architektur

Le Corbusier Y La Bauhaus: Merkmale, Geschichte und berühmte Beispiele

Ein charakteristisches Gebäude des jeweiligen Baustils zum Thema Le Corbusier Y La Bauhaus
Weißer Metallzaun auf grüner Rasenfläche – Foto: elimendeinagella / Unsplash

Le Corbusier und die Bauhaus-Bewegung gehören zu den prägendsten Kräften der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Beide stehen für den Versuch, Architektur, Gestaltung und Gesellschaft grundlegend neu zu denken: weg von historistischer Ornamentik, hin zu einer Formensprache, die aus Funktion, Material und industrieller Produktion hervorgeht. Wer die Merkmale, die Geschichte und die berühmten Bauten dieser Bewegungen kennt, versteht nicht nur, wie die Moderne entstand, sondern auch, warum sie bis heute die gebaute Umwelt prägt.

  • Was le corbusier y la bauhaus verbindet und was sie voneinander unterscheidet
  • Die historischen Wurzeln beider Bewegungen und ihre Entstehungskontexte
  • Die zentralen Gestaltungsprinzipien und architektonischen Merkmale im Detail
  • Welche Rolle Handwerk, Industrie und soziale Utopie in beiden Ansätzen spielten
  • Die wichtigsten Bauten und Projekte: von Dessau bis Chandigarh
  • Wie Lehrkonzepte und Persönlichkeiten die Bewegungen formten
  • Welche Kritik an beiden Ansätzen berechtigt ist und worin ihre Grenzen liegen
  • Wie das Erbe von Le Corbusier und der Bauhaus-Schule bis heute wirkt

Le Corbusier y la Bauhaus: Zwei Pole einer gemeinsamen Moderne

Le corbusier y la bauhaus sind keine synonymen Begriffe, auch wenn sie oft im selben Atemzug genannt werden. Sie bezeichnen einerseits das Werk und die Theorie eines einzelnen Architekten, Charles-Édouard Jeanneret-Gris, der sich selbst Le Corbusier nannte, und andererseits eine Schule, eine Institution, eine Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden, die zwischen 1919 und 1933 in Deutschland existierte. Was beide verbindet, ist eine gemeinsame Grundüberzeugung: dass die Architektur der Vergangenheit den Anforderungen der industriellen Gesellschaft nicht mehr gewachsen war und dass eine neue, rationale, auf Funktion und Konstruktion gegründete Gestaltung notwendig sei.

Diese Überzeugung war kein ästhetisches Programm allein. Sie war durchdrungen von sozialen Ambitionen. Sowohl Le Corbusier als auch die führenden Köpfe der Bauhaus-Schule glaubten, dass gute Gestaltung das Leben der Menschen verbessern könne, dass Wohnraum, Möbel, Alltagsgegenstände und Städte nach rationalen Prinzipien gestaltet werden sollten, um Würde und Effizienz zu verbinden. Diese soziale Dimension ist für das Verständnis beider Bewegungen unverzichtbar und erklärt, warum ihre Wirkung weit über die Architektur hinausging.

Gleichzeitig unterscheiden sich Le Corbusier und die Bauhaus-Bewegung in ihrer institutionellen Verfasstheit erheblich. Le Corbusier war ein Einzelkünstler und Theoretiker, der sein Büro in Paris führte, Manifeste schrieb und Projekte auf der ganzen Welt realisierte. Die Bauhaus-Schule dagegen war eine Lehreinrichtung mit wechselnden Direktoren, einem breiten Spektrum an Werkstätten und einer kollektiven Pädagogik. Diese Unterschiede in der Struktur spiegeln sich auch in den Ergebnissen wider.

Historische Wurzeln: Vom Werkbund zur Weimarer Avantgarde

Um le corbusier y la bauhaus historisch zu verorten, muss man weiter zurückgehen als bis zum Ersten Weltkrieg. Beide Bewegungen wurzeln in der Reaktion auf den Historismus des 19. Jahrhunderts, der Architektur und Kunstgewerbe mit Stilelementen aus Gotik, Renaissance und Barock überfrachtete, ohne diese Formen aus den Bedürfnissen der Zeit heraus zu entwickeln. Die Reformbewegungen um 1900, allen voran der Deutsche Werkbund, gegründet 1907, stellten die Frage, wie industrielle Produktion und künstlerische Qualität miteinander vereinbar seien. Der Werkbund brachte Architekten, Handwerker und Industrielle zusammen und legte damit das konzeptuelle Fundament, auf dem sowohl Le Corbusier als auch das Bauhaus aufbauten.

Walter Gropius, der Gründer des Bauhauses, hatte selbst im Büro von Peter Behrens gearbeitet, einem der einflussreichsten Architekten des frühen 20. Jahrhunderts, der für die AEG in Berlin eine vollständige Unternehmensidentität gestaltete, von der Fabrikhalle bis zur Glühbirne. Auch Le Corbusier war kurze Zeit in Behrens‘ Büro tätig. Diese gemeinsame Herkunft ist kein Zufall: Behrens‘ Büro war in jenen Jahren ein Knotenpunkt der europäischen Avantgarde, und die Erfahrung, Architektur als Teil eines umfassenden gestalterischen Systems zu denken, prägte beide nachhaltig.

Das Staatliche Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet, in einer politisch und wirtschaftlich turbulenten Zeit. Die Weimarer Republik suchte nach neuen kulturellen Ausdrucksformen, und Gropius formulierte im Gründungsmanifest eine Vision, die Handwerk und Kunst wieder zusammenführen wollte. Der Lehrplan kombinierte handwerkliche Ausbildung in Werkstätten mit einem Vorkurs, der grundlegende Gestaltungsprinzipien vermittelte. Dieser Vorkurs, zunächst von Johannes Itten, später von László Moholy-Nagy und Josef Albers geleitet, wurde zu einem der einflussreichsten pädagogischen Konzepte der Designgeschichte.

Le Corbusier hingegen entwickelte seine Theorie weitgehend autodidaktisch und durch intensive Reisen. Seine Studienreise nach Griechenland, in den Nahen Osten und nach Nordafrika zwischen 1910 und 1911, die er selbst als „Voyage d’Orient“ bezeichnete, hinterließ tiefe Spuren in seinem Denken. Die klare Geometrie mediterraner Architektur, die Wirkung von Licht auf einfache Formen, die Verbindung von Gebäude und Landschaft: all das floss in seine spätere Theorie ein. Gemeinsam mit dem Maler Amédée Ozenfant entwickelte er den Purismus, eine Bildsprache, die geometrische Grundformen als universale Ausdrucksmittel verstand.

Gestaltungsprinzipien und architektonische Merkmale im Vergleich

Le corbusier y la bauhaus teilen eine Reihe formaler Merkmale, die das Bild der klassischen Moderne geprägt haben: flache Dächer, weiße Putzfassaden, große Fensterflächen, der Verzicht auf Ornament, die Betonung horizontaler und vertikaler Linien. Doch hinter diesen äußerlichen Gemeinsamkeiten stehen unterschiedliche konzeptuelle Begründungen.

Le Corbusier formulierte seine Architekturtheorie in den „Fünf Punkten einer neuen Architektur“, die er 1927 zusammen mit seinem Cousin Pierre Jeanneret veröffentlichte. Diese fünf Punkte sind: erstens die Pilotis, also Stützen, die das Gebäude vom Boden abheben und den Erdgeschossbereich für Bewegung und Durchblick freigeben; zweitens der freie Grundriss, ermöglicht durch die Trennung von tragender Struktur und raumbildenden Wänden; drittens die freie Fassade, die ebenfalls nicht mehr tragend ist und frei gestaltet werden kann; viertens das Langfenster, das „Fenêtre en longueur“, das die Fassade horizontal durchzieht und gleichmäßiges Licht in die Räume bringt; und fünftens der Dachgarten, der das verlorene Grün des bebauten Grundstücks auf dem Dach zurückgewinnt. Diese Punkte sind nicht nur ästhetische Präferenzen, sie sind konstruktive Konsequenzen aus dem Einsatz des Stahlbetonskeletts.

Das Bauhaus entwickelte keine vergleichbar kompakte Formelsammlung für die Architektur, weil Architektur im Lehrplan erst spät, nach dem Umzug nach Dessau 1925 und unter der Leitung von Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe, eine zentrale Rolle spielte. Stärker als Le Corbusier betonte das Bauhaus die Einheit aller Gestaltungsdisziplinen: Architektur, Möbel, Textil, Grafik, Bühne und Fotografie wurden als Teile eines zusammenhängenden Gestaltungsfeldes verstanden. Der berühmte Satz aus dem Gründungsmanifest, „Das Endziel aller schöpferischen Tätigkeit ist der Bau“, formuliert diesen Anspruch, blieb aber in der frühen Phase eher programmatisch als praktisch realisiert.

Mies van der Rohe, der dritte und letzte Direktor des Bauhauses, brachte eine radikale Reduktion in die Architektur, die sich von Le Corbusiers Ansatz nochmals unterschied. Wo Le Corbusier plastisch und skulptural dachte, Gebäude als „Spiel der unter dem Licht versammelten Baukörper“ verstand, suchte Mies nach der absoluten Klarheit des konstruktiven Prinzips. Sein Diktum „Less is more“ beschreibt eine Haltung, die Struktur und Raum in eine fast meditative Einfachheit führt. Das Verhältnis zwischen Le Corbusier und den Bauhaus-Direktoren war respektvoll, aber nicht ohne Konkurrenz: Sie bewegten sich im selben intellektuellen Feld, vertraten aber unterschiedliche Positionen innerhalb der Moderne.

Berühmte Bauten: Von der Villa Savoye bis zum Bauhausgebäude

Die Villa Savoye in Poissy bei Paris, entworfen von Le Corbusier und Pierre Jeanneret und zwischen 1928 und 1931 errichtet, gilt als eines der ikonischsten Gebäude des 20. Jahrhunderts. Sie verkörpert alle fünf Punkte der neuen Architektur in exemplarischer Weise: Das Gebäude schwebt auf schlanken Pilotis über dem Grundstück, der Grundriss ist frei organisiert, die Fassade ist unabhängig von der Tragstruktur, Langfenster ziehen sich um das gesamte Gebäude, und auf dem Dach liegt ein begrünter Garten mit einer Rampe, die die Ebenen verbindet. Die Villa ist kein Wohnhaus im konventionellen Sinne, sie ist ein gebautes Manifest, eine Demonstration des Möglichen.

Das Bauhausgebäude in Dessau, entworfen von Walter Gropius und 1926 fertiggestellt, ist das architektonische Hauptwerk der Schule. Der Komplex vereint Werkstätten, Ateliers, eine Bühne, Verwaltung und ein Wohnheim für Studierende in einem asymmetrischen, aus funktionalen Anforderungen entwickelten Ensemble. Die berühmte Glasfassade der Werkstätten, eine Vorhangfassade aus Stahl und Glas, die die Ecken des Gebäudes frei umrundet, war für ihre Zeit eine konstruktive und gestalterische Sensation. Das Gebäude zeigt, dass Architektur aus dem Programm heraus entsteht, nicht aus einem vorher festgelegten Bild.

Unter den weiteren Hauptwerken Le Corbusiers ragt die Unité d’Habitation in Marseille heraus, ein Wohnblock für rund 1600 Menschen, der zwischen 1947 und 1952 realisiert wurde. Hier versuchte Le Corbusier, eine vollständige urbane Gemeinschaft in einem einzigen Gebäude zu versammeln: Wohnungen, Geschäfte, eine Schule, ein Hotel und eine Sportanlage auf dem Dach. Das Gebäude steht auf massiven Pilotis, die Wohneinheiten sind als Duplexwohnungen organisiert, und die Fassaden zeigen farbige Einbauten in den Loggien. Die Unité ist ein Schlüsselwerk des Brutalismus, jener Strömung, die Sichtbeton als ehrliches Material feiert.

Die Wallfahrtskapelle Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp, fertiggestellt 1955, markiert eine überraschende Wende im Werk Le Corbusiers. Die geschwungene, skulpturale Form, die dicken Mauern mit unregelmäßig gesetzten Fenstern, die expressive Dachform: all das scheint den rationalen Prinzipien der frühen Moderne zu widersprechen. Ronchamp zeigt, dass Le Corbusier kein Dogmatiker war, sondern ein Architekt, der seine eigenen Prinzipien immer wieder in Frage stellte. Das Gebäude ist bis heute eines der meistbesuchten Architekturpilgerziele der Welt.

Aus dem Bauhaus-Umfeld sind neben dem Dessauer Hauptgebäude die Meisterhäuser zu nennen, ebenfalls von Gropius entworfen, in denen die Lehrer der Schule wohnten. Diese Doppelhäuser und Einzelhäuser demonstrieren die Prinzipien des Neuen Bauens im Wohnmaßstab: kubische Baukörper, flache Dächer, große Fensterflächen, klare Raumorganisation. Ludwig Mies van der Rohe realisierte mit dem Deutschen Pavillon für die Weltausstellung in Barcelona 1929 ein Werk, das die Grenzen zwischen Innen und Außen, zwischen Wand und Raum, auf radikale Weise auflöste. Der Pavillon wurde nach der Ausstellung abgerissen und in den 1980er Jahren rekonstruiert; er gilt als eines der reinsten Beispiele des „Internationalen Stils“.

Soziale Utopie, Kritik und die Grenzen der Moderne

Le corbusier y la bauhaus teilten die Überzeugung, dass Architektur gesellschaftliche Verhältnisse verbessern könne. Diese Überzeugung war für ihre Zeit mutig und produktiv, hatte aber auch problematische Seiten. Le Corbusiers Stadtplanungsvisionen, allen voran der „Plan Voisin“ von 1925, der vorsah, weite Teile des historischen Pariser Zentrums durch Hochhaustürme in einem Parklandschaft zu ersetzen, zeigen eine Hybris, die den Menschen als abstraktes Wesen behandelt, nicht als historisch verwurzeltes Individuum. Diese Haltung hatte reale Konsequenzen: Der Typus des Großwohnblocks, der sich auf Le Corbusiers Ideen berief, wurde in den Nachkriegsjahrzehnten weltweit gebaut und scheiterte in vielen Fällen als soziales Modell.

Die Bauhaus-Schule war intern keineswegs so harmonisch, wie ihre Außenwirkung suggeriert. Es gab Konflikte zwischen handwerklicher und industrieller Orientierung, zwischen expressiver und rationaler Gestaltung, zwischen politischen Lagern. Hannes Meyer, der zweite Direktor, vertrat einen dezidiert marxistischen Ansatz und betonte die kollektive, funktionale Dimension der Gestaltung; er wurde 1930 unter politischem Druck entlassen. Mies van der Rohe versuchte, die Schule durch politische Zurückhaltung zu retten, scheiterte aber: Das Bauhaus wurde 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen. Viele Lehrende emigrierten in die USA, nach Israel und in andere Länder und trugen die Ideen der Schule in die Welt.

Die Kritik an beiden Bewegungen, die seit den 1960er Jahren zunehmend laut wurde, richtete sich gegen die Kälte und Menschenfeindlichkeit mancher Realisierungen, gegen die Ignoranz gegenüber gewachsenen urbanen Strukturen und gegen den Universalitätsanspruch, der kulturelle Unterschiede nivellierte. Diese Kritik ist berechtigt, trifft aber weniger die Originale als ihre schlechten Nachahmungen. Die Villa Savoye und das Bauhausgebäude sind keine kalten Maschinen; sie sind präzise, sorgfältig durchdachte Räume, die auf ihre Nutzer und ihre Umgebung reagieren. Die Fehler lagen häufig in der unkritischen Massenanwendung von Prinzipien, die für spezifische Kontexte entwickelt worden waren.

Das Erbe: Wie Le Corbusier und das Bauhaus bis heute wirken

Das Erbe von le corbusier y la bauhaus ist allgegenwärtig, auch wenn es nicht immer als solches erkannt wird. Die Grundrissfreiheit des Skelettbaus, die Trennung von Tragstruktur und Fassade, der Flachdachbau, die Integration von Grünflächen in die Gebäudestruktur: all das sind heute selbstverständliche Elemente des Planens und Bauens, die ohne die konzeptuelle Pionierarbeit beider Bewegungen nicht denkbar wären. Das Bauhaus-Designerbe lebt in Produkten, Schriften und Lehrplänen weiter; die Grundsätze des Vorkurses, also die Auseinandersetzung mit Farbe, Form, Material und Raum als eigenständige Gestaltungsgrundlagen, sind in nahezu allen Designausbildungen der Welt präsent.

Le Corbusiers Spätwerk, besonders der Komplex von Chandigarh in Indien, der in den 1950er Jahren als neue Hauptstadt des Punjab entworfen wurde, zeigt eine andere Dimension seines Erbes: die Architektur als Instrument der Staatsbildung, als Symbol des Aufbruchs in die Moderne für eine postkoloniale Gesellschaft. Die Regierungsgebäude von Chandigarh, der Justizpalast, das Parlament, das Sekretariat, sind massive, skulpturale Betonbauten, die eine eigene Sprache sprechen und bis heute als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt sind. Auch das Bauhausgebäude in Dessau und die Meisterhäuser gehören seit 1996 zum UNESCO-Welterbe.

Die Auseinandersetzung mit le corbusier y la bauhaus ist keine historische Pflichtübung. Sie ist eine Schule des Sehens und Denkens, die zeigt, wie Architektur entsteht, wenn sie aus Prinzipien heraus entwickelt wird, wenn Konstruktion, Funktion und Gestalt als Einheit begriffen werden. Wer diese Bewegungen kennt, versteht nicht nur die Moderne, sondern auch die Reaktionen auf sie: den Postmodernismus, den Regionalismus, den Brutalismus, die Dekonstruktion. Alle diese Strömungen definieren sich in Bezug auf das, was Le Corbusier und das Bauhaus gesetzt haben. Das ist die eigentliche Bedeutung ihres Erbes: nicht Denkmalschutz, sondern lebendiger Bezugspunkt für jede ernsthafte Auseinandersetzung mit Architektur.

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