17.06.2026

Architektur Öffentlich

Landratsamt Landshut Neubau

Foto: Henrik Schipper
Foto: Henrik Schipper

Mit dem Neubau des Landratsamts Landshut ist am Ortsrand von Essenbach ein Verwaltungsgebäude entstanden, das weit über die klassische Behördenarchitektur hinausweist. Der von dasch zürn + partner entworfene Bau vereint funktionale Effizienz, nachhaltige Gebäudetechnik und eine bemerkenswerte räumliche Qualität zu einem zeitgemäßen öffentlichen Haus. Nach seinem Wettbewerbserfolg im Jahr 2019 wurde der Entwurf nun realisiert und setzt einen neuen architektonischen Akzent im Landkreis Landshut.


Ein Verwaltungszentrum in offener Landschaft

Der Standort am Rand der Marktgemeinde Essenbach bot den Planern ungewöhnlich große Freiheiten. Anders als in dicht gewachsenen Stadträumen musste sich das Gebäude nicht in eine bestehende Blockstruktur einfügen, sondern konnte als eigenständiger Baukörper entwickelt werden. Das Ergebnis ist ein frei geformter Verwaltungsbau, dessen Volumen sich sensibel in die offene Landschaft einbettet.

Gemeinsam mit der benachbarten Musikschule und der Veranstaltungshalle Eskara bildet das neue Landratsamt ein identitätsstiftendes Ensemble. Durch die zurückgesetzte Positionierung entlang der Altheimer Straße entsteht ein großzügiger Vorplatz, der dem Gebäude eine angemessene öffentliche Adresse verleiht und gleichzeitig als urbaner Auftakt des neuen Quartiers fungiert.

„Es war uns wichtig, dass das neue Landratsamt sich mit Geländemodellierungen in seine Umgebung einfügt und die Landschaft für Mitarbeiter und Besucher erlebbar wird“, erläutert Architekt Helmut Dasch.


Bürgerfreundlichkeit als Leitmotiv

Bereits im Wettbewerbsverfahren überzeugte der Entwurf durch seine hohe Aufenthaltsqualität und seine ausgeprägte Bürgerorientierung. Das Preisgericht hob insbesondere die Leichtigkeit der architektonischen Lösung hervor und empfahl dem Landkreis Landshut einstimmig die Beauftragung des Büros.

Herzstück des Gebäudes ist eine viergeschossige Eingangshalle, die über den zentralen Vorplatz erschlossen wird. Sie fungiert als räumliches Rückgrat des Hauses und verbindet sämtliche Nutzungsbereiche miteinander. Eine großzügige Haupttreppe schafft Orientierung und erleichtert die intuitive Erschließung der verschiedenen Ämter.

Die Organisation folgt konsequent den Anforderungen eines modernen Verwaltungsbetriebs. Die publikumsintensiven Bereiche befinden sich auf der Eingangsebene, während die Obergeschosse Büronutzungen aufnehmen. Sitzungssaal und Landratsbüro sind im obersten Geschoss untergebracht. Kantine, Küche und Terrasse öffnen sich im Hanggeschoss zu den parkartig gestalteten Außenanlagen.

Henrik Schipper
Bernhard Tränkle
Foto: Henrik Schipper
Foto: Henrik Schipper
Bernhard Tränkle

Flexibilität als Nachhaltigkeitsstrategie

Ein wesentlicher Aspekt der Planung war die langfristige Anpassungsfähigkeit des Gebäudes. Bereits die Wettbewerbsaufgabe forderte eine spätere Erweiterbarkeit um 25 Prozent der Nutzfläche ohne wesentliche Beeinträchtigung des laufenden Betriebs.

Die Architekten reagieren darauf mit einer konsequent rasterbasierten Struktur. Eine Stahlbeton-Skelettkonstruktion mit aussteifenden Kernen ermöglicht flexible Grundrisse und zukünftige Umnutzungen. Alle Büro- und Aufenthaltsräume sind entlang der Fassaden organisiert, während Sanitärbereiche, Teeküchen und Nebenräume als feste Kerne im Inneren angeordnet sind.

Das zugrunde liegende Rastermaß von 1,25 Metern bestimmt nicht nur die Raumstruktur, sondern auch Akustikdecken, Beleuchtung und Trennwandsysteme. Dadurch bleibt das Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg anpassungsfähig – ein entscheidender Faktor für nachhaltiges Bauen im öffentlichen Sektor.

Bernhard Tränkle
Henrik Schipper
Henrik Schipper
Henrik Schipper
Henrik Schipper
Henrik Schipper

Materialität zwischen Regionalität und Präzision

Die architektonische Identität des Neubaus wird maßgeblich durch seine Fassade geprägt. Umlaufende horizontale Bänder aus Glas- und Keramikelementen strukturieren den Baukörper und verleihen ihm eine prägnante horizontale Gliederung.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Verwendung keramischer Fassadenelemente aus Ton. Als regional verwurzelter Baustoff verbindet das Material Nachhaltigkeit mit einer differenzierten architektonischen Wirkung. Unterschiedliche Plattenformate und reliefartige Oberflächen erzeugen ein lebendiges Spiel aus Licht und Schatten.

Im Inneren bestimmen Holz, Glas und Sichtbeton die Atmosphäre. Vor allem Weißtanne kommt als regional verfügbares Material vielfältig zum Einsatz – von Akustikdecken über Systemtrennwände bis hin zu Einbaumöbeln. Die sichtbaren Betonbauteile machen zugleich das konstruktive Prinzip des Hauses ablesbar und verleihen den Räumen eine robuste, authentische Anmutung.

Vier begrünte Innenhöfe sorgen zusätzlich für Tageslicht in den tieferen Gebäudebereichen und schaffen hochwertige Arbeitsumgebungen für die rund 600 Mitarbeitenden.


KfW-40-Standard und innovative Energietechnik

Besonders bemerkenswert ist das energetische Konzept des Neubaus. Während ursprünglich eine Ausführung im KfW-55-Standard vorgesehen war, erreicht das Gebäude nun den deutlich anspruchsvolleren KfW-40-Standard.

Die Energieversorgung basiert auf einem integralen System aus Eisspeicher, Solarthermie und Photovoltaik. Ergänzt wird dieses Konzept durch eine extensive Dachbegrünung, die zur Regenwasserretention beiträgt und das Mikroklima verbessert.

Die großflächigen Dachbereiche wurden konsequent für die regenerative Energiegewinnung genutzt. Photovoltaikmodule und Solarthermieanlagen erzeugen Energie direkt am Standort und reduzieren den Primärenergiebedarf nachhaltig. Zusammen mit der hochwärmedämmenden Dreifachverglasung, außenliegendem Sonnenschutz und einer konsequent optimierten Gebäudehülle entsteht ein Verwaltungsbau, der den Anforderungen zukünftiger öffentlicher Gebäude bereits heute gerecht wird.


Architektur für den öffentlichen Raum von morgen

Mit einer Bruttogrundfläche von rund 24.150 Quadratmetern und einem Bruttorauminhalt von knapp 104.000 Kubikmetern zählt das neue Landratsamt zu den bedeutenden öffentlichen Neubauten Bayerns der vergangenen Jahre.

Das Projekt zeigt exemplarisch, wie zeitgenössische Verwaltungsarchitektur heute gedacht werden kann: offen, flexibel, nachhaltig und bürgernah. Statt repräsentativer Monumentalität setzt der Entwurf von dasch zürn + partner auf Orientierung, Aufenthaltsqualität und langfristige Anpassungsfähigkeit. In Essenbach ist damit ein Verwaltungszentrum entstanden, das nicht nur funktionale Anforderungen erfüllt, sondern auch einen überzeugenden Beitrag zur Weiterentwicklung öffentlicher Baukultur leistet.

Projektdaten

Projekt: Neubau Landratsamt Landshut
Standort: Essenbach, Bayern
Bauherr: Kommunalunternehmen Lakubau
Architektur: dasch zürn + partner, Stuttgart | München
Fertigstellung: 2025
Bruttogrundfläche: 24.150 m²
Bruttorauminhalt: 103.900 m³
Wettbewerb: 2019, 1. Preis
Energiestandard: KfW 40

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