Mit dem Neubau des Landratsamts Landshut ist am Ortsrand von Essenbach ein Verwaltungsgebäude entstanden, das weit über die klassische Behördenarchitektur hinausweist. Der von dasch zürn + partner entworfene Bau vereint funktionale EffizienzEffizienz: Ein Verhältnis zwischen der nützlich erzielten Leistung und der eingesetzten Energie oder dem eingesetzten Material., nachhaltige Gebäudetechnik und eine bemerkenswerte räumliche Qualität zu einem zeitgemäßen öffentlichen Haus. Nach seinem Wettbewerbserfolg im Jahr 2019 wurde der Entwurf nun realisiert und setzt einen neuen architektonischen Akzent im Landkreis Landshut.
Ein Verwaltungszentrum in offener Landschaft
Der Standort am Rand der Marktgemeinde Essenbach bot den Planern ungewöhnlich große Freiheiten. Anders als in dicht gewachsenen Stadträumen musste sich das Gebäude nicht in eine bestehende Blockstruktur einfügen, sondern konnte als eigenständiger Baukörper entwickelt werden. Das Ergebnis ist ein frei geformter Verwaltungsbau, dessen VolumenVolumen: Das Volumen beschreibt das Raummaß bzw. die Größe eines Körpers oder Behälters in Kubikmetern oder Litern. sich sensibel in die offene Landschaft einbettet.
Gemeinsam mit der benachbarten Musikschule und der Veranstaltungshalle Eskara bildet das neue Landratsamt ein identitätsstiftendes Ensemble. Durch die zurückgesetzte Positionierung entlang der Altheimer Straße entsteht ein großzügiger Vorplatz, der dem Gebäude eine angemessene öffentliche Adresse verleiht und gleichzeitig als urbaner Auftakt des neuen Quartiers fungiert.
„Es war uns wichtig, dass das neue Landratsamt sich mit Geländemodellierungen in seine Umgebung einfügt und die Landschaft für Mitarbeiter und Besucher erlebbar wird“, erläutert Architekt Helmut Dasch.
Bürgerfreundlichkeit als Leitmotiv
Bereits im Wettbewerbsverfahren überzeugte der Entwurf durch seine hohe Aufenthaltsqualität und seine ausgeprägte Bürgerorientierung. Das Preisgericht hob insbesondere die Leichtigkeit der architektonischen Lösung hervor und empfahl dem Landkreis Landshut einstimmig die Beauftragung des Büros.
Herzstück des Gebäudes ist eine viergeschossige Eingangshalle, die über den zentralen Vorplatz erschlossen wird. Sie fungiert als räumliches Rückgrat des Hauses und verbindet sämtliche Nutzungsbereiche miteinander. Eine großzügige Haupttreppe schafft Orientierung und erleichtert die intuitive Erschließung der verschiedenen Ämter.
Die Organisation folgt konsequent den Anforderungen eines modernen Verwaltungsbetriebs. Die publikumsintensiven Bereiche befinden sich auf der Eingangsebene, während die Obergeschosse Büronutzungen aufnehmen. Sitzungssaal und Landratsbüro sind im obersten Geschoss untergebracht. Kantine, Küche und Terrasse öffnen sich im Hanggeschoss zu den parkartig gestalteten Außenanlagen.
Flexibilität als Nachhaltigkeitsstrategie
Ein wesentlicher Aspekt der Planung war die langfristige Anpassungsfähigkeit des Gebäudes. Bereits die Wettbewerbsaufgabe forderte eine spätere Erweiterbarkeit um 25 Prozent der Nutzfläche ohne wesentliche Beeinträchtigung des laufenden Betriebs.
Die Architekten reagieren darauf mit einer konsequent rasterbasierten Struktur. Eine Stahlbeton-Skelettkonstruktion mit aussteifenden Kernen ermöglicht flexible Grundrisse und zukünftige Umnutzungen. Alle Büro- und Aufenthaltsräume sind entlang der FassadenFassaden sind die Außenwände von Gebäuden, die zur Straße hin sichtbar sind. organisiert, während Sanitärbereiche, Teeküchen und Nebenräume als feste Kerne im Inneren angeordnet sind.
Das zugrunde liegende Rastermaß von 1,25 Metern bestimmt nicht nur die Raumstruktur, sondern auch Akustikdecken, Beleuchtung und Trennwandsysteme. Dadurch bleibt das Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg anpassungsfähig – ein entscheidender Faktor für nachhaltiges BauenNachhaltiges Bauen bezeichnet eine Bauweise, die ökologische, soziale und ökonomische Aspekte bei der Planung, Errichtung und Nutzung von Gebäuden berücksichtigt. Ziel ist es, die Umwelt zu schonen, Ressourcen zu sparen und die Lebensqualität der Bewohner und Nutzer zu verbessern. im öffentlichen Sektor.
Materialität zwischen Regionalität und Präzision
Die architektonische Identität des Neubaus wird maßgeblich durch seine FassadeFassade: Die äußere Hülle eines Gebäudes, die als Witterungsschutz dient und das Erscheinungsbild des Gebäudes prägt. geprägt. Umlaufende horizontale Bändersind die Metallarmaturen, die Türen am Rahmen befestigen und ermöglichen, dass sie geöffnet und geschlossen werden. Bänder können aus verschiedenen Materialien wie Stahl oder Edelstahl hergestellt werden und können eine horizontale oder vertikale Position haben. Bänder sind wichtig für die Stabilität von Türen und deren Funktionalität…. aus Glas- und Keramikelementen strukturieren den Baukörper und verleihen ihm eine prägnante horizontale Gliederung.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Verwendung keramischer Fassadenelemente aus Ton. Als regional verwurzelter Baustoff verbindet das Material NachhaltigkeitNachhaltigkeit: die Fähigkeit, natürliche Ressourcen so zu nutzen, dass sie langfristig erhalten bleiben und keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt haben. Nachhaltigkeit in der Architektur – Gebäude, die die Umwelt schützen und gleichzeitig Ästhetik und Funktionalität bieten Nachhaltigkeit und Architektur sind zwei Begriffe, die heute mehr denn je miteinander verbunden… mit einer differenzierten architektonischen Wirkung. Unterschiedliche Plattenformate und reliefartige Oberflächen erzeugen ein lebendiges Spiel aus LichtLicht: Licht bezeichnet elektromagnetische Strahlung im sichtbaren Bereich des Spektrums. In der Architektur wird Licht zur Beleuchtung von Räumen oder als Gestaltungselement eingesetzt. und SchattenSchatten: Eine dunkle oder abgedunkelte Fläche, die durch Abschattung oder Blockierung des Tageslichts entsteht..
Im Inneren bestimmen HolzHolz: Ein natürlicher Werkstoff, der zur Herstellung von Schalungen und Gerüsten genutzt werden kann. Es wird oft für Bauvorhaben im Bereich des Holzbaus verwendet., GlasGlas ist ein transparentes, sprödes Material, das durch Erhitzen von Sand, Kalk und anderen Inhaltsstoffen hergestellt wird. Es wird oft in der Architektur verwendet, um Fenster, Türen, Duschen und andere dekorative Elemente zu kreieren. Glas ist langlebig, stark und vielseitig, und kann in verschiedenen Farben und Texturen hergestellt werden…. und SichtbetonSichtbeton: Ein Beton, der von außen sichtbar bleibt und dessen Oberfläche eine ästhetische Wirkung erzielt. die Atmosphäre. Vor allem Weißtanne kommt als regional verfügbares Material vielfältig zum Einsatz – von Akustikdecken über Systemtrennwände bis hin zu Einbaumöbeln. Die sichtbaren Betonbauteile machen zugleich das konstruktive Prinzip des Hauses ablesbar und verleihen den Räumen eine robuste, authentische Anmutung.
Vier begrünte Innenhöfe sorgen zusätzlich für TageslichtTageslicht: Natürliches Licht, das während des Tages durch die Fenster oder Oberlichter in ein Gebäude strömt. in den tieferen Gebäudebereichen und schaffen hochwertige Arbeitsumgebungen für die rund 600 Mitarbeitenden.
KfW-40-Standard und innovative Energietechnik
Besonders bemerkenswert ist das energetische Konzept des Neubaus. Während ursprünglich eine Ausführung im KfW-55-Standard vorgesehen war, erreicht das Gebäude nun den deutlich anspruchsvolleren KfW-40-Standard.
Die Energieversorgung basiert auf einem integralen System aus Eisspeicher, SolarthermieSolarthermie: Die Nutzung der Energie des Sonnenlichts zur Erzeugung von Wärmeenergie und elektrischer Energie. und PhotovoltaikPhotovoltaik: Die Photovoltaik bezeichnet die Umwandlung von Sonnenenergie in elektrische Energie durch Solarzellen. In der Architektur kann Photovoltaik zur Stromversorgung von Gebäuden genutzt werden.. Ergänzt wird dieses Konzept durch eine extensive DachbegrünungDachbegrünung: Eine Dachbegrünung ist eine Art der Dachgestaltung, bei der Pflanzen und Gräser auf dem Dach gepflanzt werden. Sie trägt u.a. zur verbesserten Wärmedämmung und Luftqualität bei und ist auch optisch ansprechend., die zur Regenwasserretention beiträgt und das Mikroklima verbessert.
Die großflächigen Dachbereiche wurden konsequent für die regenerative Energiegewinnung genutzt. Photovoltaikmodule und Solarthermieanlagen erzeugen EnergieEnergie: die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten oder Wärme zu erzeugen. direkt am Standort und reduzieren den PrimärenergiebedarfPrimärenergiebedarf – Der Energiebedarf, der direkt in Form von Primärenergie bereitgestellt wird, um ein Gebäude mit Heizung, Kühlung und Beleuchtung zu versorgen. nachhaltig. Zusammen mit der hochwärmedämmenden DreifachverglasungDreifachverglasung: Dieses Fachmagazin beschäftigt sich mit der Wärmeisolierung von Gebäuden durch den Einsatz von Dreifachverglasung anstelle von herkömmlichen Fensterkonstruktionen. Es untersucht die Vorteile und Nachteile dieser Technologie und ihre Auswirkungen auf die Energieeffizienz von Gebäuden., außenliegendem SonnenschutzSonnenschutz: Der Sonnenschutz bezieht sich auf alle Maßnahmen, die ergriffen werden, um Überhitzung durch direkte Sonneneinstrahlung zu verhindern. und einer konsequent optimierten GebäudehülleGebäudehülle: die äußere Hülle eines Gebäudes, die aus Dach, Wänden und Fenstern besteht und als Barriere gegen Wärme oder Kälte dient. Die Gebäudehülle ist im Wesentlichen die äußere Umhüllung eines Gebäudes, die es vor Witterungseinflüssen und Umwelteinflüssen schützt. Jedes Gebäude verfügt über eine Gebäudehülle, die aus vielen verschiedenen Teilen besteht…. entsteht ein Verwaltungsbau, der den Anforderungen zukünftiger öffentlicher Gebäude bereits heute gerecht wird.
Architektur für den öffentlichen Raum von morgen
Mit einer Bruttogrundfläche von rund 24.150 Quadratmetern und einem Bruttorauminhalt von knapp 104.000 Kubikmetern zählt das neue Landratsamt zu den bedeutenden öffentlichen Neubauten Bayerns der vergangenen Jahre.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie zeitgenössische Verwaltungsarchitektur heute gedacht werden kann: offen, flexibel, nachhaltig und bürgernah. Statt repräsentativer Monumentalität setzt der Entwurf von dasch zürn + partner auf Orientierung, Aufenthaltsqualität und langfristige Anpassungsfähigkeit. In Essenbach ist damit ein Verwaltungszentrum entstanden, das nicht nur funktionale Anforderungen erfüllt, sondern auch einen überzeugenden Beitrag zur Weiterentwicklung öffentlicher Baukultur leistet.
Projektdaten
Projekt: Neubau Landratsamt Landshut
Standort: Essenbach, Bayern
Bauherr: Kommunalunternehmen Lakubau
Architektur: dasch zürn + partner, Stuttgart | München
Fertigstellung: 2025
Bruttogrundfläche: 24.150 m²
Bruttorauminhalt: 103.900 m³
Wettbewerb: 2019, 1. Preis
Energiestandard: KfW 40
