Istanbul, Hotel Sumahan on the Water

Anisgeruch erfüllte noch bis in die 20er Jahre den Istanbuler Ortsteil Çengelköy. Angeblich war er so streng, dass sich Passanten nur mit Parfum getränkten Tüchern vor der Nase dort aufhielten. Heute duften die teuren Parfums der Hotelgäste des Sumahan on the Water. Sumahan ist ein Kunstwort und setzt sich aus den Begriffen suma und han zusammen. Suma ist ein Feigenbrand und soll an die industrielle Nutzung der ehemaligen Schnapsfarbrik erinnern. Han hießen osmanische Herbergen.

Die Architektin und Erbin Nedret Butler entwarf zusammen mit ihrem Ehemann und Kollegen Mark Butler aus dem historischen Fabrikgelände ein Hotel, das 2005 eröffnet wurde. Schon in der Lobby lockt der Ausblick auf die Meeresenge zwischen Europa und Asien den Besucher ans Fenster. Tagsüber kreuzen sich dort am Bosporus die Wege unzähliger Kreuzfahrtschiffe und Frachter, nachts funkelt die Hängebrücke wie Pailletten am Kleid einer Zirkus­­artistin. Jeder Gast kann vom eigenen Zimmer aus solche Bilder betrachten, da die Architekten alle Räume zum Wasser hin ausgerichtet haben.

Türkische Ruhe

Das Gebäude besteht insgesamt aus fünf Bauabschnitten. Davon wurden drei renoviert, die anderen beiden re­kons­­­-truiert. Schwarze Fachwerkträger aus Stahl sowie die Kappengewöbe aus Stahlprofilen und Ziegeln prägen den indus­tri­ellen Charakter aller Bauabschnitte. Innen dominieren na­türliche Farben. Weiß und Grau lehnen sich an die erhal­tenen Steinwände des historischen Baus an, Schwarz erzeugt Kontraste. Der Exot unter den verwendeten Farben ist Türkis. Es erinnert einerseits an das traditionelle türkische Keramikhandwerk, andererseits korrespondiert dieser Farbton mit dem Wasser. Die meisten Materialien stammen aus der Türkei. Das sind in den Bädern Marmara Marmor, im Ha­mam türkisfarbene Iznik-Keramik oder die gewebten Teppiche – die Kelims. Statt traditioneller Muster zeichnen sich diese durch großflächige Geometrien aus.

Laut und hektisch ist die Metropole Istanbul. Trotzdem ist es im Hotel Sumahan on the Water überraschend ruhig. Nur beim Frühstück raschelt gelegentlich ein Croissantbrösel auf dem Tischtuch. Offenbar behält der Werbeslogan des Hotels recht, der auf jedem Türschild steht: „Ich genieße den Bos­­­porus, bitte nicht stören.” Der Spruch könnte ergänzt werden mit „außer, Sie duften nach Anis”.

Adresse

Sumahan on the Water
Kuleli Caddesi No: 51
Çengelköy, 34684 Istanbul – Türkei
www.sumahan.com