In St. Moritz ist Architektur niemals bloß gebauter Raum. Sie ist Haltung, Geste und Resonanzkörper einer Landschaft, die seit Jahrhunderten Maßstab, Mythos und Inspiration zugleich ist. Schneebedeckte Hänge, dichte Nadelwälder und das changierende LichtLicht: Licht bezeichnet elektromagnetische Strahlung im sichtbaren Bereich des Spektrums. In der Architektur wird Licht zur Beleuchtung von Räumen oder als Gestaltungselement eingesetzt. des Hochgebirges verweben sich hier zu einem kulturellen Kontinuum, in dem das Bauen stets im Dialog mit der Natur steht. Das Projekt . lacum respira verkörpert diesen Dialog in seiner reinsten Form: als stilles, hölzernes Landmark am Ufer des Sees, das nicht spricht, sondern zuhört.
Ein Ort, der Architektur fordert – nicht fordert zu dominieren
Das Seeufer von St. Moritz ist ein Juwel alpiner Kulturlandschaft. Terrassierte Hänge tragen Spuren jahrhundertealter Winterfeste, sportlicher Rituale und kontemplativer Momente. Wer hier baut, begegnet nicht einer leeren Fläche, sondern einem Gedächtnisraum. Die zentraleZentrale: Eine Zentrale ist eine Einrichtung, die in der Sicherheitstechnik als Steuerungszentrum für verschiedene Alarmvorrichtungen fungiert. Sie empfängt und verarbeitet Signale von Überwachungseinrichtungen und löst bei Bedarf Alarm aus. Herausforderung des Projekts bestand daher darin, mit größter Sensibilität vorzugehen – eine Architektur zu entwickeln, die sich nicht über den Ort erhebt, sondern sich in ihn einschreibt. . lacum respira nähert sich dem See wie ein Atemzug: ruhig, rhythmisch, selbstverständlich. Das Gebäude versteht sich nicht als Objekt, sondern als Fortsetzung der Landschaftslinien. Es nimmt die sanften Kurven des Reliefs auf, wiederholt sie in geneigten Silhouetten und lässt so den Eindruck entstehen, die Architektur sei organisch aus dem Boden gewachsen. Kein lauter Akzent, sondern ein leiser Gleichklang mit Bergen, Wasser und Himmel.
Architektur und Kontext: Die zeitgenössische Lesart der Engadiner Tradition
Ein zentrales Werkzeug im Entwurfsprozess war die intensive Auseinandersetzung mit der traditionellen Schweizer Baukultur. Die Engadiner Holzarchitektur zeichnet sich durch Zurückhaltung, handwerkliche Präzision und eine tiefe Verbundenheit mit der Natur aus. Ziel war es jedoch nicht, historische Formen zu reproduzieren, sondern ihre Prinzipien in eine zeitgenössische Sprache zu übersetzen.
So entsteht eine Architektur, die aus der Landschaft geboren ist: aus der Sprache der Berge und Ebenen, aus den Linien des Sees, aus dem Spannungsfeld von HolzHolz: Ein natürlicher Werkstoff, der zur Herstellung von Schalungen und Gerüsten genutzt werden kann. Es wird oft für Bauvorhaben im Bereich des Holzbaus verwendet. und Schnee, LichtLicht: Licht bezeichnet elektromagnetische Strahlung im sichtbaren Bereich des Spektrums. In der Architektur wird Licht zur Beleuchtung von Räumen oder als Gestaltungselement eingesetzt. und SchattenSchatten: Eine dunkle oder abgedunkelte Fläche, die durch Abschattung oder Blockierung des Tageslichts entsteht.. Die Gebäude folgen keiner ikonischen Geste, sondern einem poetischen Prinzip. Sie betonen den Ort, indem sie ihm Raum lassen – eine Haltung, die in Zeiten spektakulärer Architektur selten geworden ist und gerade deshalb so wertvoll erscheint.
Raum als fließende Erfahrung: Struktur und Nutzung
Der Komplex ist als flexibles System konzipiert, das ganzjährig genutzt werden kann. Innen- und Außenräume gehen ineinander über, Grenzen lösen sich auf. Funktional gliedert sich das Ensemble in vier Hauptbereiche:
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Parkplatz
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Servicebereich mit Restaurant
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Spa-Komplex
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Pier mit multifunktionalem Konferenzraum und begehbaren Dachflächen
Die Organisation folgt keinem starren Raster, sondern einer räumlichen Dramaturgie. Großzügige Verglasungen holen LichtLicht: Licht bezeichnet elektromagnetische Strahlung im sichtbaren Bereich des Spektrums. In der Architektur wird Licht zur Beleuchtung von Räumen oder als Gestaltungselement eingesetzt. und Landschaft ins Innere, während die klare Grundrissstruktur die Wahrnehmung schärft. Der offene, fast theatralische Restaurantraum steht im bewussten Kontrast zu den intimen, geschützten Spa-Bereichen. Transparente Konferenzflächen münden in schmale Stegpassagen, die schließlich auf eine offene Bühne vor der Kulisse der Berge führen.
Der Pier übernimmt dabei eine besondere Rolle. Er ist nicht nur funktionales Element, sondern Symbol: ein Übergang zwischen Stadt und See, ein verbindender „Hals“ zwischen Körper und Kopf, zwischen gebauter Struktur und freier Natur.
Materialität als kulturelles Statement
Die Materialwahl folgt konsequent dem Geist des Ortes. Die gesamte Architektur des Komplexes besteht aus lokal gewonnenem HolzHolz: Ein natürlicher Werkstoff, der zur Herstellung von Schalungen und Gerüsten genutzt werden kann. Es wird oft für Bauvorhaben im Bereich des Holzbaus verwendet.. Die tragenden Strukturen werden aus verleimtem Eschenholz gefertigt, dessen FestigkeitDieser Begriff bezieht sich auf die Fähigkeit eines Materials oder einer Konstruktion, Belastungen und Kräften standzuhalten, ohne zu versagen oder zu brechen. Die Festigkeit wird in der Regel durch Prüfverfahren ermittelt und ist ein wichtiger Faktor bei der Materialauswahl und Konstruktion. und thermische EigenschaftenThermische Eigenschaften: Die thermischen Eigenschaften von Fenstern oder anderen Bauelementen beschreiben deren Fähigkeit, Wärme zu speichern oder Wärme abzustrahlen. Hierbei spielen Faktoren wie Dämmung, Wärmedurchgang oder auch die Beschichtung der Oberflächen eine wichtige Rolle. optimal genutzt werden. Lärche prägt den Pier und die Stützen – robust, wetterbeständig und von natürlicher Eleganz. Als bewusster Gegenpol zu den organischen Formen dient ein massives Betonfundament, das dem Ensemble Erdung und Dauerhaftigkeit verleiht.
Die natürlichen Farbtöne und Texturen des Holzes lassen die Gebäude nahezu mit der Landschaft verschmelzen. Behandelt mit natürlichen Ölen und umweltfreundlichen Schutzmitteln, widersteht das Material Feuchtigkeit und UV-StrahlungUV-Strahlung: Elektromagnetische Strahlung mit einer Wellenlänge zwischen 100 und 400 Nanometern, die von der Sonne ausgesendet wird., ohne seine haptische Qualität zu verlieren. NachhaltigkeitNachhaltigkeit: die Fähigkeit, natürliche Ressourcen so zu nutzen, dass sie langfristig erhalten bleiben und keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt haben. Nachhaltigkeit in der Architektur – Gebäude, die die Umwelt schützen und gleichzeitig Ästhetik und Funktionalität bieten Nachhaltigkeit und Architektur sind zwei Begriffe, die heute mehr denn je miteinander verbunden… wird hier nicht als technisches Add-on verstanden, sondern als integraler Bestandteil der architektonischen Idee.
Nachhaltigkeit durch Einfachheit und Intelligenz
Das Energiekonzept setzt auf passive Strategien: maximale Nutzung von TageslichtTageslicht: Natürliches Licht, das während des Tages durch die Fenster oder Oberlichter in ein Gebäude strömt., QuerlüftungQuerlüftung: Die Querlüftung ist ein Verfahren zur Belüftung von Räumen. Dabei werden Fenster auf gegenüberliegenden Seiten des Raumes geöffnet, um Frischluft durch den Raum zu führen und verbrauchte Luft abzuführen. und eine kompakte Bauweise reduzieren den EnergiebedarfEnergiebedarf: die Menge an Energie, die benötigt wird, um eine bestimmte Funktion oder Aktivität auszuführen. erheblich. Die Architektur arbeitet mit dem Klima, nicht gegen es. So entsteht Komfort durch räumliche Qualität statt durch technische Überfrachtung – ein Ansatz, der sowohl ökologisch als auch kulturell überzeugt.
In dieser Konsequenz wird . lacum respira zu mehr als einem Gebäudeensemble. Es ist ein leises Manifest für eine Baukultur, die Verantwortung übernimmt: gegenüber der Umwelt, dem Ort und den Menschen, die ihn nutzen.
Die Handschrift von .ket bureau
Hinter dem Projekt steht das internationale Architekturbüro .ket, gegründet 2020 von Karen Bilian und Tigran Danielian. Mit Standorten in Moskau und Jerewan arbeitet das Büro weltweit an Projekten aus den Bereichen Wohn- und Kulturbauten, Stadtplanung, Innenarchitektur, Ausstellungsdesign und Konzeptkunst. Der Ansatz von .ket entzieht sich bewusst stilistischen Dogmen. Stattdessen steht die Identität des Ortes im Mittelpunkt – getragen von analytischer Tiefe, Respekt vor Tradition und dem Anspruch auf Eigenständigkeit.
Diese Haltung spiegelt sich auch in den zahlreichen internationalen Auszeichnungen wider, darunter Erfolge bei den DNA Paris Design Awards, den BLT Design Awards und Finalplatzierungen bei den Golden Trezzini Awards. . lacum respirafügt sich nahtlos in dieses Portfolio ein und zeigt eindrucksvoll, wie zeitgenössische Architektur im alpinen Raum aussehen kann.
Architektur als Atemzug der Landschaft
Holzarchitektur in St. Moritz erreicht mit . lacum respira eine neue poetische Qualität. Das Projekt ist kein lautes Statement, sondern eine stille Präsenz. Es hört zu, antwortet und verschwindet beinahe im eigenen Kontext. Hier wird Architektur zur Geste des Respekts – zur Form, die den Atem des Sees und der Berge aufnimmt und in Raum übersetzt.
