05.05.2015

Event

Hörrohr mit Aussicht

von Sabine Schneider

Nüchtern betrachtet handelt es sich um einen hölzernen Korridor, der etwa in der Mitte abknickt und sich zu einer Seite weitet. An der breiten Stelle blickt man mit etwas Abstand auf ein wandgroßes, blasses Schwarzweißfoto. Poetischere Gemüter werden allerdings schon von weitem von einem leisen, wummernden Ton angezogen, der im Inneren dieses Gangs wie im Bauch eines Streichinstruments vibriert. Beim Gehen durch den dunklen Tunnel addiert sich dieser Ton mit dem unhörbaren Takt, den das Licht vorgibt, das durch die senkrechten schwarzen Latten fällt. Am Tunnelende erscheint die zarte Landschaft gleißend hell, der Ton lauter.

Der ghanaisch-britische Architekt David Adjaye wird im Münchner Haus der Kunst mit einer großen Ausstellung geehrt, und sein Kunstobjekt „Horizon“, das hier zu sehen ist, steht gleich im ersten Saal. Das zarte Foto am Ende (nicht im Bild) zeigt den See Genezareth. Die Klanglandschaft stammt von seinem Bruder Peter Adjaye, einem Musiker. Der Architekt variiert die Holzkonstruktion und das Thema des Horizonts bereits seit 2005: Damals entstand gemeinsam mit Olafur Elíasson der Pavillon „Your Black Horizon“ für die 51. Biennale in Venedig – ein viel beachetetes Zusammenspiel von Architektur und Kunst. Die Adjaye-Ausstellung läuft noch bis Ende Mai.

David Adjane

30.01 – 31.05.2015
Haus der Kunst, München
Prinzegentenstraße 1, 80538 München
Tel.+49 89 21127 113 Fax.+49 89 21127 157
mail@hausderkunst.de

Mehr dazu im Baumeister 5/2015

 

 

 

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