11.06.2026

Architektur Öffentlich

Hochgebirgsbau: TITLIS Tower in Engelberg

Hochgebirgsbau auf über 3.000 Metern Höhe: Der TITLIS Tower in Engelberg erweitert einen bestehenden Antennenturm um neue Aussichts-, Gastronomie- und Besucherbereiche.
Visual: Herzog & de Meuron
Hochgebirgsbau auf über 3.000 Metern Höhe: Der TITLIS Tower in Engelberg erweitert einen bestehenden Antennenturm um neue Aussichts-, Gastronomie- und Besucherbereiche.

Hochgebirgsbau auf 3.000 Metern: Der TITLIS Tower setzt neue Maßstäbe

Der Hochgebirgsbau zählt zu den anspruchsvollsten Disziplinen des Bauwesens. Extreme Wetterbedingungen, schwierige Logistik und hohe technische Anforderungen verlangen nach außergewöhnlichen Lösungen. Mit dem TITLIS Tower in Engelberg entsteht derzeit ein Projekt, das exemplarisch zeigt, wie bestehende Infrastruktur in eine zukunftsfähige Architektur transformiert werden kann.

Das Vorhaben wird für die TITLIS Bergbahnen, Hotels & Gastronomie realisiert und verbindet Telekommunikationsinfrastruktur, touristische Nutzung und hochkomplexe Ingenieurleistungen in einer der exponiertesten Lagen Europas. Die Fertigstellung ist für 2026 vorgesehen.


Vom Antennenturm zur alpinen Landmarke

Der Ursprung des Bauwerks reicht in die Mitte der 1980er-Jahre zurück. Damals wurde der Turm als Teil der Telekommunikationsinfrastruktur errichtet. Seine Lage auf über 3.000 Metern Höhe erforderte bereits damals eine außergewöhnlich robuste Konstruktion: Ein tief im Kalkstein verankerter Betonkern, ein massiver Sockel sowie eine präzise entwickelte Stahltragstruktur bilden bis heute das Rückgrat des Bauwerks.

Nach der Übernahme durch die TITLIS Bergbahnen wurden nicht mehr benötigte Antennenanlagen entfernt und die weiterhin erforderlichen Systeme auf Dachebene konzentriert. Dadurch entstand die Möglichkeit, die bestehende Struktur architektonisch weiterzuentwickeln und für Besucher zugänglich zu machen.

Das Planungskonzept sieht die Ergänzung des Turms um zwei horizontale Baukörper, vier vertikale Erschließungstürme sowie eine neue Aussichtsplattform vor. Aus einer reinen Infrastruktur entsteht damit ein multifunktionales Gebäude, das Technik, Erlebnis und Aufenthaltsqualität vereint.

Herzog & de Meuron
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Bestandsnutzung als konstruktives Leitmotiv

Aus bautechnischer Sicht liegt die besondere Qualität des Projekts in der konsequenten Weiterverwendung der vorhandenen Stahlstruktur. Statt eines Neubaus setzt das Konzept auf die Transformation eines bestehenden Tragwerks.

Die filigrane Stahlkonstruktion des Antennenturms bleibt prägendes Element der Architektur. Die neuen Bauteile greifen diese Materialität auf und entwickeln sie mit verzinktem Stahl und großflächigen Verglasungen weiter. Dank der außenliegenden Tragstruktur können die Innenräume der beiden neuen Volumen vollständig stützenfrei ausgeführt werden – ein erheblicher Vorteil für die spätere Nutzung.

Für die Planung wurden mehrere Mock-ups und 1:1-Studien durchgeführt. Dabei standen insbesondere die Materialwirkung der neuen Baukörper sowie die visuelle Qualität der Stahl-Glas-Konstruktionen im Fokus.


Bauen unter extremen klimatischen Bedingungen

Der TITLIS Tower verdeutlicht eindrucksvoll, welche Herausforderungen der moderne Hochgebirgsbau mit sich bringt. Die Baustelle befindet sich in einer Umgebung, die von starken Winden, hohen Schneelasten, rasch wechselnden Wetterlagen und eingeschränkter Sicht geprägt ist.

Die gesamte Bauabwicklung musste auf diese Rahmenbedingungen abgestimmt werden. Materialien werden überwiegend per Seilbahn oder Helikopter angeliefert. Bauabläufe müssen flexibel an Wetterfenster angepasst werden, während Schneeakkumulationen und extreme Temperaturschwankungen zusätzliche Anforderungen an Logistik und Montage stellen.

Gerade die Koordination der Gewerke erfordert unter solchen Bedingungen ein außergewöhnlich hohes Maß an Planungssicherheit. Entsprechend umfangreich ist das Netzwerk spezialisierter Fachplaner und Berater, das in das Projekt eingebunden wurde – von Schnee- und Lawinenexperten über Windanalytiker bis hin zu Bauphysik- und Nachhaltigkeitsspezialisten.

Herzog & de Meuron
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Erweiterter Sockel als funktionales Zentrum

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die Umgestaltung des bestehenden Betonsockels. Dieser wird erweitert und übernimmt künftig mehrere zentrale Funktionen.

Hier befinden sich der Besucherzugang, technische Betriebsflächen sowie eine Garage für Pistenfahrzeuge. Gleichzeitig entsteht eine neue Orientierungsebene, die den Zugang zum Turm organisiert und die Besucherströme effizient lenkt.

Besonders interessant ist die Einbindung eines bereits beim ursprünglichen Turmbau entstandenen Tunnels. Dieser verbindet den Turm mit der Bergstation und beherbergt zugleich technische Infrastruktur. Durch die Nutzung bestehender Strukturen werden zusätzliche Eingriffe in die sensible alpine Umgebung minimiert.


Architektur zwischen Technik und Erlebnis

Während die Konstruktion von technischer Präzision geprägt ist, verfolgt die Innenarchitektur einen bewusst atmosphärischen Ansatz. Herzstück ist eine offene Halle, die als Verteilerraum für die unterschiedlichen Nutzungen dient.

Neben einer Aussichtsplattform umfasst das Raumprogramm Gastronomie-, Retail- und Aufenthaltsflächen sowie Schließfächer für Besucher. Die Materialpalette orientiert sich an Farben und Texturen der alpinen Landschaft.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Restaurant. Eine vollständige Holzverkleidung schafft einen warmen und geschützten Innenraum – ein bewusst gesetzter Kontrast zur rauen Umgebung des Gipfels. Ergänzt wird das Konzept durch eigens entwickelte Möbel und maßgeschneiderte Lichtlösungen.


Interdisziplinäre Planung auf höchstem Niveau

Die architektonische Gesamtverantwortung liegt bei Herzog & de Meuron unter der Leitung von Jacques Herzog, Pierre de Meuron sowie Andreas Fries.

Das Projekt vereint die Expertise zahlreicher Fachplaner aus den Bereichen Tragwerksplanung, Gebäudetechnik, Fassadenplanung, Bauphysik, Geotechnik, Windanalyse, Nachhaltigkeit und Gastronomieplanung. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei


Projektdaten im Überblick

  • Standort: Engelberg
  • Projektzeitraum: 2017–2026
  • Gebäudehöhe: 75 Meter
  • Grundfläche: 660 m²
  • Geschosse: 11
  • Bruttogeschossfläche: 3.950 m²
  • Fassadenfläche: 5.020 m²
  • Bruttovolumen: 21.500 m³
  • Bauherrschaft: TITLIS Bergbahnen, Hotels & Gastronomie
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