05.08.2026

Architektur Hotel

Herzog & de Meuron gestalten L’Aria im Mandarin Oriental Lago di Como

Herzog & de Meuron gestalten das Restaurant L'Aria im Mandarin Oriental Lago di Como mit einer sensiblen Erweiterung des Bestands. Veranda, Terrasse und Gewächshaus schaffen neue Räume für ganzjähriges Hospitality Design am Comer See.Foto: © Robert Rieger
Herzog & de Meuron gestalten das Restaurant L'Aria im Mandarin Oriental Lago di Como mit einer sensiblen Erweiterung des Bestands. Veranda, Terrasse und Gewächshaus schaffen neue Räume für ganzjähriges Hospitality Design am Comer See.Foto: © Robert Rieger

Herzog & de Meuron entwickeln das L'Aria im Mandarin Oriental Lago di Como weiter

Mit dem Restaurant L’Aria setzen Herzog & de Meuron ihre architektonische Weiterentwicklung des Mandarin Oriental Lago di Como fort. Nach dem Floating Pool & Spa, dem Nami Café sowie der Neugestaltung von Bar und Bistro in der historischen Villa Roccabruna widmet sich das Basler Büro nun dem Fine-Dining-Restaurant des Luxushotels. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie hochwertige Restaurantarchitektur den Bestand respektiert und durch gezielte Eingriffe funktional wie atmosphärisch aufwertet.

Anstelle eines vollständigen Neubaus entschieden sich die Architekten bewusst für eine Transformation des bestehenden Pavillons. Damit folgt das Projekt einer Haltung, die in der zeitgenössischen Architektur zunehmend an Bedeutung gewinnt: Bestehende Gebäude werden nicht ersetzt, sondern intelligent weiterentwickelt.


Restaurantarchitektur zwischen Garten, See und Bestand

Herzstück der Umgestaltung ist die Erweiterung des Pavillons um eine rund fünf Meter tiefe Veranda. Sie verbindet Restaurant, Terrasse und Garten zu einer fließenden Raumfolge und eröffnet neue Nutzungsmöglichkeiten über alle Jahreszeiten hinweg. Holzgerahmte Faltfenster ermöglichen es, den Bereich je nach Wetter vollständig zu öffnen oder zu schließen.

Dadurch entstehen flexible Räume für Frühstück, Lunch, Dinner oder Aperitivo – stets mit direktem Bezug zum Comer See. Die Intervention ist vergleichsweise klein, verändert jedoch die räumliche Qualität des gesamten Ensembles grundlegend.

© Robert Rieger
© Robert Rieger
© Robert Rieger
© Robert Rieger
© Robert Rieger
© Robert Rieger
© Robert Rieger
© Robert Rieger
© Robert Rieger

Das Restaurant L'Aria interpretiert die italienische Bar neu

Im Zentrum des Restaurants befindet sich eine großzügige Bar aus Calacatta-Oro-Marmor. Sie fungiert als räumlicher Anker und verändert ihre Funktion im Tagesverlauf. Morgens dient sie als Buffet mit klassischen italienischen Frühstücksspezialitäten wie Cornetti und Biscotti, während sie sich am Abend zur Bühne für Aperitivo oder ausgewählte Omakase-Abende entwickelt.

Über der Theke erzeugen Leuchten aus gegossenem Glas ein warmes Lichtspiel, das den Raum je nach Tageszeit unterschiedlich inszeniert. Ergänzt wird das Konzept durch eigens entworfene Barhocker, die sich vollständig unter die Theke schieben lassen und so Teil der architektonischen Gestaltung werden.


Regionale Materialien prägen das Hospitality Design

Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist die konsequente Zusammenarbeit mit regionalen Handwerksbetrieben. Sämtliche Materialien wurden speziell für das Restaurant entwickelt oder individuell gefertigt.

Der Boden aus Palladiana-Terrazzo mit Botticino- und Bianco-Perlino-Marmor nimmt Bezug auf die historischen Villen am Comer See. Roséfarbene Stoffpaneele mit floralen Stickereien, die gemeinsam mit Rubelli entstanden, greifen die Gartenlandschaft auf und verleihen dem Innenraum eine weiche Materialität.

Besonders prägnant ist die Decke aus gegossenen Glasfliesen. Dahinter schimmerndes Messing erzeugt je nach Lichteinfall wechselnde Reflexionen – von sattem Gold bis zu transparenten, wasserähnlichen Farbtönen. Hochglanzpoliertes Nussbaumholz knüpft zugleich an die historische Ausstattung der Villa Roccabruna an.

© Herzog & de Meuron
© Herzog & de Meuron
© Herzog & de Meuron
© Herzog & de Meuron
© Herzog & de Meuron
© Herzog & de Meuron

Gewächshaus und Terrasse erweitern das Raumkonzept

Auch das bestehende Gewächshaus wurde sensibel weiterentwickelt. Neue Gitterelemente dienen als Sonnenschutz und zitieren gleichzeitig die Rankstrukturen botanischer Gärten. Ihre geometrischen Schatten setzen sich als grafisches Muster im Bodenbelag aus Verde-Alpi- und Botticino-Marmor fort.

Grün lackierte Möbel nehmen die Farbigkeit der Stahlkonstruktion auf, während verspiegelte Einbauten die Vegetation reflektieren und den Raum optisch vergrößern. Rot lackierte Stühle setzen gezielte Akzente und erinnern an Blüten innerhalb der üppigen Pflanzenwelt.

Gemeinsam mit der großzügigen Terrasse eröffnet das Gewächshaus vielfältige Nutzungsszenarien – vom Frühstück bis zu exklusiven Veranstaltungen mit Blick über den Park und den Comer See.


Herzog & de Meuron setzen auf Kontinuität statt Inszenierung

Alle Bereiche des Restaurants sind direkt über den Garten erreichbar und eng mit der Landschaft des Resorts verknüpft. Ein unterirdischer Verbindungsgang führt bei schlechtem Wetter von der Villa Roccabruna in den Pavillon und endet in einem holzverkleideten Weinkeller mit begehbaren Weinschränken und Verkostungsnischen.

Mit L’Aria demonstrieren Herzog & de Meuron, wie sich hochwertige Restaurantarchitektur und Hospitality Designdurch präzise Eingriffe weiterentwickeln lassen. Statt spektakulärer Gesten entsteht eine Architektur der Kontinuität, die regionale Materialien, handwerkliche Qualität und flexible Nutzungsmöglichkeiten verbindet. Das Restaurant fügt sich selbstverständlich in das historische Ensemble des Mandarin Oriental Lago di Como ein und stärkt dessen architektonische Identität nachhaltig.

Vorheriger Artikel

Nächster Artikel

das könnte Ihnen auch gefallen

Nach oben scrollen