05.08.2026

Architektur Öffentlich

HEI Schools Mauritius setzt auf Adaptive Reuse

HEI Schools Mauritius zeigt, wie ein historisches Arbeiterlager durch Adaptive Reuse in einen klimagerechten Kindergarten verwandelt wurde. Das Projekt gewann den Architizer A+Award 2026. Foto: Eric Lee
HEI Schools Mauritius zeigt, wie ein historisches Arbeiterlager durch Adaptive Reuse in einen klimagerechten Kindergarten verwandelt wurde. Das Projekt gewann den Architizer A+Award 2026. Foto: Eric Lee

Das Projekt HEI Schools Mauritius von Architects Studio wurde bei den 14. Architizer A+Awards mit dem Popular Choice Award in der Kategorie Kindergarten ausgezeichnet. Die Kindertagesstätte im Norden von Mauritius verbindet Denkmalschutz, nachhaltige Architektur und ein modernes pädagogisches Konzept. Entstanden ist ein Bildungsort, der einen historischen Gebäudebestand bewahrt und zugleich neue Maßstäbe für klimaangepasste Bildungsarchitektur setzt.

Seit seiner Eröffnung im September 2025 ist HEI Schools Mauritius der erste finnische Kindergarten auf Mauritius. Das pädagogische Konzept orientiert sich an den Prinzipien der finnischen Frühförderung und setzt auf spielerisches Lernen, Eigenständigkeit und die enge Verbindung zwischen Innen- und Außenräumen.


Historisches Arbeiterlager wird zum Kindergarten

Der Kindergarten entstand auf dem Gelände des historischen Forbach Sugar Estate, einer Zuckerrohrplantage aus dem 19. Jahrhundert. Das Areal diente ursprünglich als Wohnlager für Arbeiterinnen und Arbeiter der Plantage und umfasst bis heute charakteristische Longère-Gebäude, Natursteinmauern, Innenhöfe, Gemeinschaftsküchen und Brunnen.

Anstatt den Bestand abzubrechen, entschieden sich die Architekten für einen konsequenten Adaptive-Reuse-Ansatz. Die vorhandene Bausubstanz blieb weitgehend erhalten und wurde gezielt um neue Baukörper ergänzt, die den Anforderungen einer zeitgemäßen Kindertagesstätte entsprechen.

Damit wird das Projekt zu einem Beispiel dafür, wie historische Orte durch neue Nutzungen langfristig erhalten und gleichzeitig gesellschaftlich neu aktiviert werden können.


Architektur für Lernen, Bewegung und Natur

Das Raumkonzept orientiert sich konsequent am pädagogischen Alltag der Kinder. Im Mittelpunkt der Anlage liegt ein großzügiger Garten, der als geschützter Freiraum das Herzstück des Campus bildet. Von hier aus erschließen sich Klassenräume, Veranden, Höfe und Spielbereiche, sodass Lernen nicht auf den Innenraum beschränkt bleibt.

Die restaurierten Natursteingebäude beherbergen Unterrichtsräume, Verwaltung und Gemeinschaftsbereiche. Ergänzt werden sie durch leichte Neubauten aus Holz und Glas, die zusätzliche Lernräume schaffen und gleichzeitig einen klaren architektonischen Kontrast zum historischen Bestand bilden.

Ein bestehender Großbaum am Eingang wurde bewusst in die Architektur integriert und unterstreicht die enge Verbindung zwischen Gebäude und Landschaft.

Eric Lee via v2com
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Historische Substanz trifft zeitgenössische Innenarchitektur

Auch im Innenraum bleibt die Geschichte des Ortes sichtbar. Freigelegte Natursteinwände, erhaltene Öffnungen und die charakteristische Struktur der Longère-Bauten prägen die Atmosphäre der Lernräume.

Die Innenarchitektur übersetzt diese Elemente in eine kindgerechte Gestaltung. Maßgefertigte Möbel, Einbauten und Wanddetails greifen Bögen, Proportionen und Materialien der historischen Architektur auf und schaffen Räume, die Orientierung, Geborgenheit und Eigenständigkeit fördern.

Großzügige Verglasungen sorgen für Tageslicht und stellen einen permanenten Bezug zwischen Innen- und Außenräumen her.


Klimagerechte Architektur mit passiven Strategien

Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil des Entwurfs. Das Projekt nutzt zahlreiche passive Klimastrategien, die bereits in der historischen Siedlung angelegt waren. Querlüftung, tiefe Dachüberstände, verschattete Wege und hochliegende Öffnungen reduzieren den Kühlbedarf und verbessern den thermischen Komfort im tropischen Klima von Mauritius.

Rund die Hälfte des Grundstücks bleibt unversiegelt und dient als Grünfläche für Biodiversität und Freiluftunterricht. Regenwassernutzung sowie regional verfügbare Materialien wie Naturstein, Holz, Kalkputz und Metall ergänzen das nachhaltige Gesamtkonzept.

Eric Lee via v2com
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Ein neuer öffentlicher Ort mit historischem Gedächtnis

Mit der Umnutzung erhält das ehemalige Arbeiterlager eine völlig neue gesellschaftliche Bedeutung. Wo einst das Arbeitsleben der Zuckerindustrie den Alltag bestimmte, ist heute ein Ort entstanden, der Bildung, Betreuung und gemeinschaftliches Lernen in den Mittelpunkt stellt.

Dabei wird die Geschichte des Ortes nicht verdrängt. Die erhaltenen Steinmauern, Innenhöfe und Longère-Strukturen bleiben Teil des täglichen Erlebens der Kinder und machen Architektur selbst zum Vermittler kultureller Erinnerung.


Architektur zwischen Bestand und Zukunft

Das in nur neun Monaten realisierte Projekt zeigt exemplarisch, wie Adaptive Reuse, klimagerechte Architektur und Bildungsbau miteinander verbunden werden können. HEI Schools Mauritius verbindet den sensiblen Umgang mit historischem Bestand mit zeitgemäßen Lernräumen und nachhaltigen Bauprinzipien.

Mit dem Gewinn des Architizer A+Awards 2026 unterstreicht das Projekt die internationale Relevanz einer Architektur, die nicht auf Abriss und Neubau setzt, sondern auf Transformation, kulturelle Kontinuität und klimaangepasste Gestaltung. Damit liefert HEI Schools Mauritius ein überzeugendes Beispiel für die Zukunft des Bildungsbaus – auf Mauritius und darüber hinaus.

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