Gute Nachbarschaft

Wenige Architekten können von sich sagen, dass sie in den von ihnen gebauten Räumen arbeiten und leben. David Chipperfield gehört zu jener raren Spezies. Im Fall des britischen Architekten kann man fast von einem kleinen Königreich sprechen. Neben Standorten in London, Mailand und Schanghai gibt es auch ein Büro in Berlin.

David Chipperfields Hauptquartier in Berlin

Die Umgebung könnte kaum heterogener sein: Plattenbauten, Altbauten, dazwischen ein paar kapriziös-modernistische Wohnbauten für das gentrifizierte Berlin – alles eingebettet in den berühmten Berliner Blockrand. Die Straßen sind eng, der Rosenthaler Platz gleich um die Ecke. Und inmitten des Ganzen: das Hauptquartier von David Chipperfield.

Dort hat der britische Architekt in der Joachimstraße eine ehemalige Klavierfabrik umgebaut. Zusätzlich dazu hat er auch den Hinterhof neu gegliedert und mehrere Betonquader platziert, wo die Infrastruktur des Büros untergebracht ist: Verwaltung, PR-Abteilung, die Visualisierer, die Computer-Fachleute. Auch die einzelnen Direktoren haben ihre Büros in den Quadern, die teilweise an die Fabrik andocken, während der Großteil des Teams im Bestandsbau sitzt.

Zur Straßenseite hin wird der Block durch einen weiteren Betonquader geschlossen. Hier wohnt Chipperfield, wenn er in Berlin ist. Im Erdgeschoss seines Wohnhauses ist ein Showroom untergebracht, in dem vor allem die Design-Entwürfe des Büros ausgestellt werden. Zusätzlich finden hier auch Events statt.

Eine Kantine aus Beton

Die einzelnen Quader sind in ihrer Materialität und der architektonischen Sprache miteinander verbunden: Sichtbeton innen und außen, hohe Decken und große Fenster, die vereinzelt die Geschlossenheit der Gebäude aufbrechen – gleichzeitig aber auch ihre Monumentalität unterstreichen.

Zentrales Element des Ensembles ist eine zweigeschossige Kantine. In ihr stehen große Tische und Holzbänke, die Chipperfield selbst entworfen hat. Sie werden mittlerweile von der deutschen Möbelfirma e15 in Serie produziert.

Geht man mittags dort essen, trifft man nicht nur die Architekten des Büros, sondern auch die Nachbarschaft oder zumindest Teile davon. Designer, Grafiker, andere Architekten – vor allem bei Kreativschaffenden ist die Kantine beliebt. Im Sommer sitzt man zusammen auf Bierbänken im Innenhof, tauscht sich aus, lernt sich kennen.

Obwohl das Gebäude von außen geschlossen wirkt, fast abweisend, ist es ein kommunikativer Ort, an dem man spürt, dass hier einer zu Gange war, der gerne Leute zusammenbringt.

In einer BBC-Dokumentation über den britischen Architekten gibt es eine Szene, in der Chipperfield in seinem Haus in Spanien für Gäste kocht. Seine Frau sagt dort im selben Film, dass er vielleicht auch gerne Koch geworden wäre. In Berlin kann man das anschaulich erfahren.

Fotos: Ute Zscharnt