Goldener Hybrid

Die wahren Imperien in Mailand gehören der Modeindustrie. Inzwischen binden die Firmen auch große internationale Architekten an ihre Namen: OMA an Prada, Tadao Ando an Armani und David Chipperfield an Valentino. Ganz vorne dabei: Prada. Mit Herzog & de Meuron sowie Rem Koolhaas/OMA konnte das Mailänder Label gleich zwei Pritzker-Preisträger für seine „Epicenter” getauften Riesengeschäfte in Tokio, New York und Los Angeles verpflichten. Mit dem niederländischen Büro besteht noch eine engere Verbindung: Seit 15 Jahren gestaltet AMO – das nichtbauende Schwesterbüro des Office for Metropolitan Architecture (OMA) – die Sets, Einladungskarten und Grafiken für sämtliche Prada- und Miu-Miu-Modenschauen. Es betreut auch die Ausstellungen der Kunststiftung Fondazione Prada, die 1993 gegründet wurde und nach dem Palazzo Ca’Corner della Regina in Venedig nun in Mailand einen zweiten, dauerhaften Sitz gefunden hat.

Der Unterschied zum barocken Stadtpalast am Canal Grande könnte kaum größer sein. Während die Kunst in Venedig in prachtvollen Sälen inszeniert wird, werden in Mailand weitaus asketischere Töne angeschlagen. Allein schon von außen macht das 19.000 Quadratmeter große Areal einer früheren Gin-Brennerei kaum etwas her. Ein paar schmucklose Flachbauten reihen sich an das überwucherte Gleisbett des Mailänder S-Bahnrings. Eine Prestige-Adresse sieht anders aus. Doch genau darin bestand für Rem Koolhaas der Reiz des Projekts: Er mochte den spröden Charme, der auch nach dem Umbau so weit wie möglich erhalten bleiben sollte.

Der Clou des Entwurfs liegt genau an dieser Stelle: Er verbindet Gebäudetypologien aus der Büro- und Geschäftswelt mit den Raumprogrammen der Kunst. Dieser Umstand gilt neben dem Turm auch für die zentrale Galerie, die an die gläserne Lobby eines New Yorker Wolkenkratzers aus den fünfziger und sechziger Jahren denken lässt. Kunst und Business sind so auf entwaffnend ehrliche Weise miteinander verwoben, was von der spannenden Eröffnungsausstellung „Serial Classic“ gedanklich weitergetragen wird.

Fotos: Roland Halbe

Mehr dazu im Baumeister 7/2015