20.02.2026

DAM Preis 2026

Das ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin von Peter Grundmann Architekten: Das Gewinnerprojekt des DAM Preis 2026 transformiert eine ehemalige Güterbahnhofshalle in einen offenen Ort für Kunst, Gemeinschaft und Urbanität. Foto: Yizhi Wang
Das ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin von Peter Grundmann Architekten: Das Gewinnerprojekt des DAM Preis 2026 transformiert eine ehemalige Güterbahnhofshalle in einen offenen Ort für Kunst, Gemeinschaft und Urbanität. Foto: Yizhi Wang

Der DAM Preis 2026 des Deutschen Architekturmuseums (DAM) steht erneut im Zeichen herausragender Architektur in Deutschland. Bereits seit 2007 würdigt der Preis jährlich bemerkenswerte Bauwerke, die durch Gestaltung, Innovation und gesellschaftliche Relevanz überzeugen. Im Jahr 2026 wird die Auszeichnung bereits zum zehnten Mal in enger Kooperation mit JUNG vergeben, einem Partner, der für zukunftsorientierte Gebäudetechnik und zeitloses Design steht.

Dieses Jahr ging der Preis an Peter Grundmann Architekten für das ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin. Neben dem Preisträger wurden 22 weitere Bauwerke aus Deutschland und zwei Projekte deutscher Architekten im Ausland besonders gewürdigt. Die Auswahl zeigt nicht nur architektonische Qualität, sondern auch die Bedeutung von Gemeinschaftsprojekten, Nachhaltigkeit und flexiblem Raumnutzen.


Preisträger 2026: ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin

Das ZK/U in Berlin-Moabit ist ein Paradebeispiel für die Umnutzung von Industriegebäuden zu einem lebendigen Treffpunkt. Die ehemalige Lagerhalle eines Güterbahnhofs wurde von Peter Grundmann Architekten in enger Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein KUNSTrePUBLIK e. V. umgebaut und erweitert.

Mit einem bescheidenen Budget und überdurchschnittlichem Eigenleistungseinsatz entstand eine architektonische Lösung, die Räume auf allen Ebenen – inklusive Gewölbekeller und Dachterrasse – flexibel nutzbar macht. Die Halle wurde durch eine leichte Stahl-Glas-Konstruktion umhüllt und ein zweites Geschoss hinzugefügt. Die alte Struktur blieb weitgehend erhalten, wobei neue Lasten sichtbar auf Stützen abgetragen wurden.

Jury-Mitglied Teresa Fankhänel betont die „subtile performative Ungehorsamkeit“ des Projekts. Das ZK/U zeigt, wie Architektur nicht nur ästhetische Standards erfüllen, sondern auch gesellschaftlich wirksam sein kann. Durch behutsame energetische Sanierung und offene Nutzungsmöglichkeiten wird das Gebäude zu einem Ort für Gemeinschaft, Kultur und Kreativität.

Die Jury lobte zudem die niedrigen Baukosten von etwa 2.000 Euro pro Quadratmeter, die durch Eigenarbeit und clevere Konstruktion erreicht wurden. Das ZK/U steht damit exemplarisch für Architektur, die Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und hohe gestalterische Qualität verbindet.

Yizhi Wang
Peter Grundmann Architekten ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
Yizhi Wang
Peter Grundmann Architekten ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
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Peter Grundmann Architekten ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
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Peter Grundmann Architekten ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
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Peter Grundmann Architekten ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
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Peter Grundmann Architekten ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
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Peter Grundmann Architekten ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
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Peter Grundmann Architekten ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin

Longlist: Rund 100 Bauwerke aus Deutschland und Ausland

Für die Longlist des DAM Preis 2026 wurden rund 100 Bauwerke nominiert, darunter acht Projekte deutscher Architekten im Ausland. Die Nominierung erfolgte durch umfassende Recherche eines Expertenbeirats, der aus namhaften Architekt:innen und Kurator:innen bestand, darunter Ursula Baus, Florian Fischer, Katja Knaus und Moritz Kölling.

Die Nominierungskriterien waren bewusst offen gehalten: Es gab keine Einschränkungen hinsichtlich Bautyp, Größe oder Budget. Die Bauwerke mussten zwischen Ende 2023 und Frühjahr 2025 fertiggestellt worden sein. Die Longlist wird seit 2017 geographisch sortiert im Architekturführer Deutschland veröffentlicht, sodass ein kontinuierliches digitales und gedrucktes Archiv bemerkenswerter deutscher Architektur entsteht.


Shortlist: 21 herausragende Projekte

Die Jury unter Vorsitz von Aline Hielscher wählte aus der Longlist 21 Projekte für die Shortlist aus. Zwei weitere Bauwerke deutscher Architekten im Ausland sowie die Sanierung und Erweiterung der Gründervilla JUNG kamen außer Konkurrenz hinzu.

Die Shortlist zeigt klare Trends der aktuellen Architektur:

  • Wohnungsbau im Wandel: Flexible Grundrisse für sich ändernde Lebensentwürfe

  • Kulturbauten als „Dritte Orte“: Nicht nur Solitäre, sondern Orte für Begegnung und Austausch

  • Holz- und Holzhybridbauten: Nachhaltige Materialien gewinnen weiter an Bedeutung

  • Sanierungen und Umbauten: Alte Gebäude werden neu belebt, Ortszentren revitalisiert


Die Finalisten im Detail

1. ARETZ DÜRR ARCHITEKTUR – Wohnen F // 9, Köln

In der Kölner Südstadt entstand ein modulares Wohngebäude auf einem ehemaligen Parkplatz. 32 vorgefertigte Holzmodule wurden in nur zehn Tagen montiert. Die Gebäude reagieren flexibel auf die städtebauliche Situation, bieten leichten, luftigen Wohnraum und teilweise Gartenflächen. Durch die modulare Bauweise konnte Bauzeit und Kosten reduziert werden, während der Wohnkomfort erhalten blieb.

2. ETAL. – Das robuste Haus, München

Das Mehrgenerationenhaus Görzer Straße 128 verbindet Neubau und kooperative Planung. Bewohner:innen wurden früh in den Planungsprozess eingebunden, wodurch Räume flexibel nutzbar sind und Gemeinschaft gefördert wird. Die Holzschalung und Fensterbänder sorgen für Lebendigkeit, während nachhaltige Materialien und Bauweisen den ökologischen Anspruch erfüllen.

3. HILD UND K ARCHITEKTEN – Übernachtungsschutz mit medizinischer Einrichtung, München

Die Stadt München bietet seit 2013 Übernachtungsplätze für Obdachlose. Das neue Gebäude integriert medizinische Versorgung, Tagestreff und sichere Unterbringung. Die Planung legt großen Wert auf räumliche Flexibilität und Würde der Bewohner:innen. Fertigteilbauweise kombiniert mit Holzrahmenkonstruktion sorgt für schnelle Bauzeit, Robustheit und funktionale Gestaltung.

4. PETER GRUNDMANN ARCHITEKTEN – ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin

Als Preisträger hebt sich das ZK/U durch innovative Nutzung und behutsame Erweiterung hervor. Die Jury lobte die Architektur als „Hülle und Raum“, die sich flexibel den Anforderungen der Nutzenden anpasst. Das Projekt ist ein Vorbild für nachhaltige, sozial integrierte Architektur mit hohem ästhetischem Anspruch.

5. PPAG ARCHITECTS – Doppelschule Allee der Kosmonauten, Berlin

Die fünfgeschossige Schule kombiniert Gymnasium und Sekundarstufe. Das Konzept der Compartmentschule schafft stabile Lerngemeinschaften und flexible Lernräume. Holzrahmenkonstruktion mit Aluminiumfassade sorgt für eine moderne und lichte Atmosphäre. Neben der schulischen Nutzung stehen Sporthallen, Musikräume und Schulgarten auch der Nachbarschaft offen.


Deutsche Architektur im Ausland

Auch Projekte deutscher Architekten im Ausland wurden gewürdigt:

  • Peter Haimerl . Architektur & Studio Clemens Bauder, Linz: Luftiger Pavilion am Mariendom mit Café und barrierefreier Zugänglichkeit.

  • behet bondzio lin architekten, Seoul: W-Mission Headquarters, ein multifunktionaler Bau mit Cafés, Pop-up Stores, Büros und Wohnen.

Diese Projekte zeigen, dass deutsche Architektur international erfolgreich ist und lokale Gegebenheiten innovativ interpretiert.


Trends und Entwicklungen

Der DAM Preis 2026 verdeutlicht zentrale Trends der aktuellen deutschen Architektur:

  • Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung: Holz- und Holzhybridbauten nehmen zu.

  • Flexible Nutzung: Gebäude sollen sich wandelnden Bedürfnissen anpassen.

  • Revitalisierung von Bestandsgebäuden: Alte Industriebauten oder Ortszentren werden neu belebt.

  • „Dritte Orte“: Kultur- und Gemeinschaftsräume erhalten wachsende Bedeutung.

Die Jury betont, dass Architektur mehr sein sollte als Gestaltung – sie kann Gemeinschaft stiften, soziale Integration fördern und die urbane Qualität erhöhen.


Begleitprogramm und Publikationen

Die Finalisten werden im Deutschen Architektur Jahrbuch 2026 und im Architekturführer Deutschland 2026vorgestellt. Beide Publikationen bieten umfassende Informationen zu Bauprojekten, Architekt:innen und gestalterischen Konzepten. Ausstellungsführungen im Rahmen der DAM-Ausstellung finden regelmäßig samstags und sonntags statt, um die Öffentlichkeit direkt einzubeziehen.


Architektur als gesellschaftlicher Impuls

Der DAM Preis 2026 beweist erneut, dass Architektur weit über Ästhetik hinaus Wirkung entfaltet. Projekte wie das ZK/U in Berlin zeigen, wie Umnutzung, flexible Räume und nachhaltige Materialien Städte bereichern und Gemeinschaft fördern können. Die Shortlist und Longlist der 23 besten Bauten spiegeln Vielfalt, Innovation und gesellschaftliches Engagement wider.

Die Auszeichnung unterstreicht: Moderne Architektur muss nicht spektakulär sein, um beeindruckend zu wirken. Sie kann subtil, ökonomisch, nachhaltig und vor allem gesellschaftlich relevant sein. Deutsche Architekt:innen setzen hier Maßstäbe – national und international.

Für Architekt:innen, Bauherren und Stadtplaner:innen liefert der DAM Preis 2026 Inspiration, wie Architektur funktional, ästhetisch und sozial sinnvoll gestaltet werden kann.

Wer tiefer in die architektonischen, konstruktiven und konzeptionellen Details des Preisträgerprojekts eintauchen möchte, findet eine umfassende Dokumentation in der Baumeister Dezemberausgabe.

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