Die Dachbesetzer von Hongkong

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Diskriminierung und Geldmangel in Hongkong lassen ethnische Minderheiten in der Stadt zu einer Notlösung greifen: Sie bauen illegal Wohnungen auf die Hausdächer.

Manche sind aus Beton und Ziegeln, andere aus Holz, Blech und anderen windigen Materialien zusammengezimmert: In Hongkong gibt es Wohnungen auf den Hausdächern seit über einem halben Jahrhundert, und es wird sie höchstwahrscheinlich auch weiter geben. Sie übernehmen die wichtige Aufgabe, Geringverdiener und Migranten vom chinesischen Festland und Südostasien mit Unterkünften zu versorgen. Die Hausdächer spiegeln deutlich das Leben von Randgruppen in Hongkongs Gesellschaft wider.

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Schon vor 1997, als Hongkong an China zurückfiel, gab es eine große Anzahl Migranten, die dort ihren Wohnsitz hatte: Inder, Pakistanis, Filipinos und eine Gruppe von Nepalesen, die als Soldaten während des Britischen Kolonialregimes gedient hatten. Nach der Übergabe Hongkongs bekamen viele ethnische Minderheiten keine Aufenthaltsgenehmigung für Großbritannien und mussten in der Stadt bleiben, wo ihre Nachfahren die Staatsbürgerschaft erhielten. Doch da Hongkongs Bevölkerung zu 95 Prozent ursprünglich chinesisch ist, hatten die Minderheiten Schwierigkeiten, sich zu integrieren. Mit Ausnahme besser gestellter indischer und pakistanischer Geschäftsleute war die Mehrzahl der Migranten gezwungen, schlecht bezahlte Jobs anzunehmen.

In Anbetracht ihres relativ geringen Einkommens können sie es sich nicht leisten, normale private Wohnungen zu mieten. Außerdem pflegen die einheimischen Chinesen auch noch unterschwellig rassistische Ressentiments gegen sie. Das heißt, sie sind dazu gezwungen, entweder zellengroße Zimmer oder eben Wohnungen auf den Hausdächern zu mieten.

Mehr dazu im Baumeister 10/2013

Fotos: Stefan Canham