Eingebettet in die weite Landschaft am Südostufer des Chiemsees, erscheint der neue Chiemgauhof als archetypischer Holzbau mit unbehandelten Lärchenholzfassaden. Beim Betreten des komplett vom Büro Matteo Thun & Partners realisierten Gebäudes wird schnell klar: Hier handelt es sich mitnichten um einen einfachen Gasthof.
Chiemgauhof – Architektur gewordenes Understatement
Denn das Fünf-Sterne-Plus-Hotel mit 28 Suiten ist nichts anderes als ein Architektur gewordenes Understatement. Erste Eindrücke davon erhalten die Gäste gleich in der Eingangshalle. Dort überlagert sich ein einfaches Fichtenholztragwerk mit dem sinnlichen Crossover aus Chiemgauer Tradition, zeitgenössischem Design und Anklängen japanischer Askese. Atmosphärisch prägend für den Raum mit Lobby und Rezeption ist die wohnliche Wärme der regionalen Materialien, allen voran Eichenholz und Brannenburger Nagelfluh. Ins Auge fallen auch einige kunstvolle Architektur- und Einrichtungsdetails: beispielsweise die elegant in die massiven Holzbrüstungen integrierten Handläufe der nach oben führenden Treppen oder die handgefertigten, filigran gemusterten Teppiche.
Ankunft, Check-in und kuratierte Innenwelten
Weiter geht die Entdeckungsreise auf der Seeseite des Hotels, wo bei einem Willkommens-Drink der angenehm informelle Check-in stattfindet. Auch hier finden die Gäste ein unaufdringliches, bis ins kleinste Detail kuratiertes Interior vor. Historische Möbelstücke sowie Gemälde des Mitgründers der Münchener Secession, Julius Exter, der an diesem Ort einst eine Malschule unterhielt, stehen neben von Matteo Thun eigens entworfenen Sofas. Hinzu kommt der neu interpretierte „Utrecht Chair“ von Gerrit Rietveld, dessen ruhige kubische Form dank eines ornamentalen Stoffbezugs von Pierre Frey ein ausdrucksstarkes Lokalkolorit erhielt. Oder die „Lakeside Bar“, die mit Oberflächen aus karbonisiertem HolzHolz: Ein natürlicher Werkstoff, der zur Herstellung von Schalungen und Gerüsten genutzt werden kann. Es wird oft für Bauvorhaben im Bereich des Holzbaus verwendet. eine urjapanische Art der Holzveredelung zelebriert.
Der Chiemsee als zentrales Raumerlebnis
Der eigentliche Star des Hotels ist freilich – stets präsent – nicht das Interior, sondern die unverrückbare, kontemplative Kraft des hinter alten Bäumen und einem Privatstrand fast bis zum Horizont reichenden Chiemsees. Salon, Bar, Restaurant, Spaist ein Ort der Entspannung und Erholung, der vor allem in der Wellness-Branche weit verbreitet ist. Der Begriff „Spa“ steht dabei für „Sanus per Aquam“ und bedeutet „Gesundheit durch Wasser“. Ein Spa kann verschiedene Einrichtungen umfassen, wie zum Beispiel Saunen, Whirlpools, Dampfbäder oder Massageräume. Es ist ein Ort der Ruhe…, Outdoor-Pool und das als Eventlocation oder für Yoga-Retreats nutzbare Bootshaus – sie alle sind mit raumhohen Verglasungen ebenso konsequent zum Wasser orientiert wie sämtliche der 38 bis 75 Quadratmeter großen Suiten.
Suiten zwischen Holz, Stein und Panorama
Prägend für die größtenteils im Obergeschoss situierten Suiten sind insbesondere die mit handwerklicher Sorgfalt gefertigten Eichenholzeinbaumöbel und der expressive Ceppo-Pompei-Naturstein im Bad, aber auch die großen Loggien – geschützte Refugien mit See- und Alpenpanorama. Teilweise verfügen die Bäder über Wannen aus Lärchenholz sowie über private Innen- oder Außensaunen. Lediglich vier der Suiten liegen mit vorgelagerten Privatgärten und quasi direktem Seezugang im Erdgeschoss.
Architektur, Zusammenarbeit und kulinarisches Konzept
Wesentlich für die Realisierung dieses zeitlosen Gebäudes war, dass Architekten und Bauherrschaft –Motel-One-Gründer Dieter Müller und Ursula Schelle-Müller – von Anfang an eng zusammenarbeiteten. Dieses Miteinander macht die Idee des sinnlichen Crossovers heute sowohl ästhetisch als auch kulinarisch absolut authentisch erlebbar. So genießen die Gäste der Lakeside Bar Sushi mit Fisch aus dem Chiemsee, während das Restaurant eine traditionelle und doch zeitgenössische Küche bietet, die an jene des Drei-Michelin-Sterne-Restaurants „es:senz“ im nahegelegenen Stammhaus „Das Achental“ angelehnt ist. Oft sind es jedoch schon die kleinen Dinge, die im Chiemgauhof ein wunderbares Wohlgefühl hervorrufen – etwa die kristallklaren, kantigen Eiswürfel im abendlichen Drink, in die dezent das Hotellogo eingeschmolzen ist.
Standort: Chiemgauhof, Julius-Exter-Promenade 21, Übersee am Chiemsee
Preise: ab 590 Euro pro Suite pro Nacht, mit Frühstück
Architektur: Matteo Thun & Partners, Mailand/München
Karola Gröger (Partner); Luca Magagni (Senior Architect)
Innenarchitektur: Eleonora Salsa (Interior Design Studio Associate Director); Michela Di Fini Nardo (Interior Designer); Beatrice Sacconi (Stylist)
Fertigstellung: 2025
