Mit der Casa della Mobilità Bozen gewinnt Park den internationalen Wettbewerb für den neuen Hauptsitz der Südtiroler Transportstrukturen STA. Der Entwurf führt Verwaltung, Mobilität und öffentlichen Raum an einer städtebaulich sensiblen Schnittstelle zwischen Innenstadt und Bahnhof zusammen. Eine sichtbare Holztragstruktur, eine von alpinen SchindelnSchindeln: Schichtartige Bedachungsmaterialien, die aus Holz, Kunststoff oder anderen Materialien bestehen. inspirierte Photovoltaikfassade und ein neuer öffentlicher Platz machen aus dem Bürohaus dabei mehr als eine neue Verwaltungsadresse: Es soll selbst Teil der Mobilitätsinfrastruktur werden.
Casa della Mobilità Bozen als neuer Stadtbaustein
Mobilität prägt Städte nicht nur durch Straßen, Gleise und Bahnhöfe. Sie schafft Übergänge, bestimmt Bewegungsräume und beeinflusst, wie öffentliche Institutionen im urbanen Gefüge sichtbar werden. Genau an dieser Schnittstelle setzt Park mit seinem Siegerentwurf für die Casa della Mobilità in Bozen an.
Der Neubau soll künftig das Ressort für Infrastruktur und Mobilität, die Abteilung Mobilität sowie die STA – Strutture Trasporto Alto Adige S.p.A. unter einem Dach vereinen. Sein Standort zwischen Stadtzentrum und Bahnhof macht das Gebäude dabei zu einem wichtigen Vermittler zwischen institutioneller Nutzung und öffentlichem Stadtraum.
Ausgangspunkt ist der Ersatz eines Bestandsgebäudes, das den heutigen funktionalen und strukturellen Anforderungen nicht mehr entspricht. Park begreift diese Notwendigkeit jedoch nicht als bloßen Austausch von Baumasse. Der Neubau wird vielmehr zum Anlass, das Verhältnis zwischen Mobilität, öffentlichem Raum und Stadt an dieser Stelle neu zu ordnen.
Ein kompakter Baukörper reagiert auf seine Umgebung
Das Grundstück ist von unterschiedlichen Maßstäben, Verkehrsströmen und Infrastrukturen geprägt. Der Entwurf antwortet darauf mit einem kompakten VolumenVolumen: Das Volumen beschreibt das Raummaß bzw. die Größe eines Körpers oder Behälters in Kubikmetern oder Litern., das sich nach oben sukzessive verjüngt. Damit reagiert der Baukörper auf seine heterogene Umgebung und soll zugleich die Auswirkungen seiner Masse auf die angrenzende Wohnbebauung reduzieren.
Entlang der Via Raiffeisen weicht das Gebäude von der Grundstücksgrenze zurück. Der dadurch entstehende Freiraum wird nicht als Restfläche behandelt, sondern als neuer öffentlicher Platz. Der Fußgängerbereich erweitert sich bis zum Eingang der Casa della Mobilità und schafft einen räumlichen Übergang zwischen Gebäude und Stadt.
Damit verschiebt sich die klassische Grenze zwischen Verwaltungsbau und öffentlichem Raum. Die neue STA-Zentrale soll nicht als abgeschlossene Institution auftreten, sondern über ihren Vorbereich in das urbane Wegenetz eingebunden werden. Gerade für ein Gebäude, das sich der Organisation von Mobilität widmet, wird der Zugang selbst zum Teil des architektonischen Konzepts.
Holztragwerk als sichtbare Konstruktion
Eine wesentliche Rolle spielt der Holzbau. Eine tragende Holzkonstruktion war bereits Bestandteil der Wettbewerbsvorgaben. Park macht daraus jedoch nicht nur eine konstruktive, sondern auch eine architektonische Entscheidung: Das Holztragwerk bleibt in den Innenräumen sichtbar.
Stützen, Träger und konstruktive Ordnung sollen damit den Charakter der Arbeitsräume prägen. Die Konstruktion verschwindet nicht hinter Verkleidungen, sondern wird Teil der alltäglichen Wahrnehmung des Gebäudes. Tragwerk und räumlicher Ausdruck fallen zusammen.
Dieser Ansatz ist für den Entwurf insgesamt charakteristisch. Architektur, Konstruktion und Umweltstrategie werden nicht als voneinander getrennte Planungsebenen behandelt. Vielmehr sollen sie sich gegenseitig bedingen – von der Struktur der Arbeitsplätze über das Fassadenraster bis zur Energieproduktion.
Alpine Schindel trifft Photovoltaik
Besonders deutlich wird diese Verbindung an der FassadeFassade: Die äußere Hülle eines Gebäudes, die als Witterungsschutz dient und das Erscheinungsbild des Gebäudes prägt. der Casa della Mobilità Bozen. Regelmäßig angeordnete Aluminiumelemente leiten sich aus dem modularen Raster der Büroorganisation ab. Gleichzeitig interpretiert ihre Gestaltung die traditionelle alpine Schindel in einer zeitgenössischen Formensprache neu.
Die Referenz bleibt dabei nicht auf das Bildhafte beschränkt. In die Fassade integrierte Photovoltaikelemente machen die GebäudehülleGebäudehülle: die äußere Hülle eines Gebäudes, die aus Dach, Wänden und Fenstern besteht und als Barriere gegen Wärme oder Kälte dient. Die Gebäudehülle ist im Wesentlichen die äußere Umhüllung eines Gebäudes, die es vor Witterungseinflüssen und Umwelteinflüssen schützt. Jedes Gebäude verfügt über eine Gebäudehülle, die aus vielen verschiedenen Teilen besteht…. zu einem aktiven Bestandteil des Energiekonzepts. Was zunächst wie eine Neuinterpretation regionaler Bautradition erscheint, übernimmt damit zugleich eine technische Aufgabe.
Gerade diese Überlagerung ist bemerkenswert: Die Fassade soll Identität stiften, die innere Organisation nach außen abbilden und gleichzeitig EnergieEnergie: die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten oder Wärme zu erzeugen. erzeugen. Regionale Referenz und technologische Leistungsfähigkeit werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern in einem Bauteil zusammengeführt.
Casa della Mobilità Bozen produziert Energie
Die Umweltstrategie reicht jedoch über die Photovoltaikfassade hinaus. Bereits die kompakte Gebäudeform soll dazu beitragen, die energetische Leistungsfähigkeit der Hülle zu optimieren. Effiziente Gebäudetechnik und die integrierte Energieproduktion sollen den EnergiebedarfEnergiebedarf: die Menge an Energie, die benötigt wird, um eine bestimmte Funktion oder Aktivität auszuführen. im Betrieb weiter reduzieren.
Ein besonders interessanter Aspekt des Wettbewerbsentwurfs betrifft mögliche Energieüberschüsse: Diese könnten der angrenzenden Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs zur Verfügung gestellt werden. Das Gebäude wäre damit nicht nur Sitz jener Institutionen, die Mobilität organisieren, sondern könnte selbst energetisch mit der Verkehrsinfrastruktur verbunden werden.
Diese Idee erweitert den Begriff des nachhaltigen Bürohauses. EnergieEnergie: die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten oder Wärme zu erzeugen. wird nicht ausschließlich innerhalb der eigenen Grundstücks- oder Gebäudegrenzen gedacht. Vielmehr erscheint die Casa della Mobilità als Teil eines größeren infrastrukturellen Systems, in dem Produktion, Verbrauch und Mobilität miteinander verknüpft werden können.
Klimastrategie beginnt im öffentlichen Raum
Auch die Freiraumplanung ist Teil dieses Ansatzes. Ein großer Teil der bestehenden VegetationVegetation: Pflanzen oder Gräser, die auf dem Dach wachsen. soll erhalten und durch Neupflanzungen ergänzt werden. Wasserdurchlässige Oberflächen sollen wiederum die Resilienz der öffentlichen Räume erhöhen.
Damit beschränkt sich die ökologische Strategie nicht auf technische Kennwerte des Gebäudes. Sie schließt den Stadtraum ein und verbindet Fragen des Mikroklimas, der VersiegelungVersiegelung – Ein Dichtmittel, das verwendet wird, um Dichtungen zwischen Materialien herzustellen. und der Vegetation mit der Gestaltung des neuen Platzes.
Die Zurücknahme des Baukörpers an der Via Raiffeisen gewinnt vor diesem Hintergrund eine doppelte Bedeutung: Sie schafft einerseits einen neuen öffentlichen Raum und wird andererseits Bestandteil einer klimaorientierten Freiraumstrategie.
Ein Bürohaus als urbane Infrastruktur
Der vielleicht entscheidende Gedanke des Entwurfs liegt jedoch in seinem Verständnis von Typologie. Die Casa della Mobilità soll kein Verwaltungsgebäude sein, das lediglich Institutionen der Mobilität beherbergt. Park interpretiert das Bürohaus selbst als urbane Infrastruktur.
Darin laufen die unterschiedlichen Ebenen des Projekts zusammen: Der neue Platz verknüpft Gebäude und Fußgängernetz. Die sichtbare Holzstruktur verbindet Konstruktion und räumliche Identität. Die FassadeFassade: Die äußere Hülle eines Gebäudes, die als Witterungsschutz dient und das Erscheinungsbild des Gebäudes prägt. übersetzt eine alpine Bautradition in ein technisches System zur Energiegewinnung. Und mögliche Energieüberschüsse könnten wiederum der benachbarten Verkehrsinfrastruktur zugutekommen.
So entsteht ein Entwurf, bei dem Mobilität nicht über formale Gesten symbolisiert werden muss. Sie wird vielmehr zum Organisationsprinzip der Architektur – als Bewegung von Menschen, als Austausch zwischen Institution und Stadt und schließlich auch als Fluss von Ressourcen und EnergieEnergie: die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten oder Wärme zu erzeugen..
Mit der Casa della Mobilità Bozen formuliert Park damit einen Verwaltungsbau, dessen Anspruch über den eigenen Baukörper hinausreicht. An der Schnittstelle von Bahnhof und Innenstadt soll eine Architektur entstehen, die öffentliche Räume erweitert, konstruktive Logik sichtbar macht und Energieproduktion in ihre gestalterische Identität integriert. Das Haus der Mobilität wird so selbst zu einem Stück Infrastruktur – und zum möglichen Impuls für die weitere Transformation seines urbanen Umfelds.
