Jede Leitung, die eine Brandschutzwand durchdringt, ist eine potenzielle Schwachstelle im Schutzsystem eines Gebäudes. BrandschutzBrandschutz: Der Brandschutz beinhaltet alle Maßnahmen und Vorkehrungen, die dazu dienen, Brände zu vermeiden, zu erkennen und zu bekämpfen. Hierzu gehören unter anderem der Einsatz von Brandmeldern, Rauchwarnern, Feuerlöschern und Brandschutzeinrichtungen wie Brandschutztüren oder Brandschutzverglasungen. AbschottungAbschottung: Eine Abschottung ist eine Sicherheitseinrichtung, die dazu dient, um den Durchtritt von Feuer oder Rauch zwischen verschiedenen baulichen Bereichen, wie z.B. Stockwerken, zu verhindern. bezeichnet die technische Maßnahme, genau diese Schwachstellen zu schließen: Sie stellt sicher, dass Feuer und Rauch nicht durch Öffnungen in feuerbeständigen Bauteilen von einem BrandabschnittBrandabschnitt: Ein Brandabschnitt ist ein Teil eines Gebäudes, der durch geeignete bauliche Maßnahmen begrenzt wird, um im Brandfall das Ausbreiten des Feuers zu verhindern oder zu verzögern. in den nächsten übertreten können. Das klingt nach einer Detailfrage, ist aber eine der folgenreichsten Entscheidungen im vorbeugenden Brandschutz, weil ein einziger vergessener oder falsch ausgeführter Abschottungspunkt das gesamte BrandschutzkonzeptBrandschutzkonzept: Ein Brandschutzkonzept beschreibt alle Maßnahmen, die zur Vorbeugung von Bränden und zur Sicherheit im Brandfall ergriffen werden. eines Gebäudes in Frage stellen kann.
- Was Brandschutz Abschottung bedeutet und warum sie im Gebäudeschutz unverzichtbar ist
- Welche Bauteile und Durchdringungsarten eine Abschottung erfordern
- Welche Abschottungssysteme es gibt und wie sie technisch funktionieren
- Welche normativen Grundlagen und Klassifizierungen die Anforderungen definieren
- Wie Abschottungen geplant, ausgeführt und dokumentiert werden müssen
- Welche typischen Fehler bei der Ausführung auftreten und wie sie vermieden werden
- Welche Rolle Abschottungen im Gesamtkonzept des vorbeugenden Brandschutzes spielen
- Wie Abschottungen geprüft, gewartet und im Bestand nachgerüstet werden
Was Brandschutz Abschottung bedeutet: Definition und Einordnung
Brandschutz Abschottung bezeichnet alle baulichen und technischen Maßnahmen, die verhindern, dass Feuer, heiße Gase und Rauch durch Öffnungen, FugenFugen: die Lücken oder Spalten zwischen Fliesen oder anderen Elementen. oder Leitungsdurchführungen in feuerbeständigen oder feuerhemmenden Bauteilen hindurchdringen. Das Ziel ist die Aufrechterhaltung der Feuerwiderstandsfähigkeit eines Bauteils an der Stelle, an der seine Integrität durch eine DurchdringungDurchdringung - Eine Durchdringung ist ein Element, das durch eine Konstruktion hindurchgeht, wie zum Beispiel ein Rohr oder eine Kabeldurchführung. unterbrochen wurde. Ohne Abschottung wäre jede Leitungsführung durch eine BrandwandBrandwand: Eine Brandwand ist eine speziell konstruierte Wand, die eine Ausbreitung von Feuer und Rauch zwischen verschiedenen Gebäudeteilen verhindert. gleichbedeutend mit einem Loch in dieser Wand, durch das sich ein BrandBrand: die Temperatur, bei der ein Material zu schmelzen oder zu brennen beginnt. ungehindert ausbreiten kann.
Der Begriff Abschottung ist in der deutschen Fachsprache des Brandschutzes klar definiert und umfasst sowohl passive Systeme, die ohne äußere Energiezufuhr wirken, als auch aktive Elemente wie Brandschutzklappen, die durch Auslöser gesteuert werden. In der Praxis spricht man von Rohrabschottungen, Kabelabschottungen, Leitungsabschottungen und Fugendichtungen, je nachdem, welche Art von Durchdringung abgedichtet wird. All diese Varianten verfolgen dasselbe Prinzip: Die Feuerwiderstandsdauer des durchdrungenen Bauteils muss an der Durchdringungsstelle erhalten bleiben.
Im Kontext des vorbeugenden baulichen Brandschutzes ist die Abschottung Teil eines Gesamtkonzepts, das auf der Bildung von Brandabschnitten beruht. Ein Brandabschnitt ist ein definierter Gebäudebereich, der durch feuerbeständige Bauteile von angrenzenden Bereichen getrennt ist, sodass ein Brand für eine bestimmte Zeit auf diesen Bereich begrenzt bleibt. Die Feuerwiderstandsdauer dieser Bauteile, ausgedrückt in Minuten, bestimmt, wie lange Rettungs- und Löschmaßnahmen Zeit haben, bevor sich ein Brand ausbreitet. Jede Durchdringung, die nicht fachgerecht abgeschottet ist, setzt diese Zeitreserve außer Kraft.
Normative Grundlagen: Welche Regelwerke die Anforderungen definieren
Die Anforderungen an Brandschutz Abschottung sind in Deutschland auf mehreren Ebenen geregelt. Die MusterbauordnungMusterbauordnung: Die Musterbauordnung ist eine Vorlage für Bauvorschriften in Deutschland, die als Grundlage für die Bauordnungen der einzelnen Bundesländer dient. (MBO) und die Landesbauordnungen der einzelnen Bundesländer bilden die baurechtliche Grundlage. Sie schreiben vor, dass Öffnungen in Brandwänden und feuerbeständigen Bauteilen durch zugelassene Abschottungssysteme zu verschließen sind. Die konkrete technische Ausführung wird durch harmonisierte europäische Normen sowie nationale Normen und technische Regeln präzisiert.
Zentral ist die europäische Normenreihe ENEN steht für "Europäische Norm" und ist ein Standard für Produkte und Produkttests in Europa. 1366, die Prüfverfahren für verschiedene Arten von Abschottungssystemen festlegt. Die EN 1366-3 regelt die Prüfung von Rohrabschottungen, die EN 1366-4 die von Leitungsabschottungen, die EN 1366-9 die von Einzelrohrabschottungen für brennbare Rohre. Die Klassifizierung der geprüften Systeme erfolgt nach EN 13501-2, die Feuerwiderstandsklassen wie EI 30, EI 60, EI 90 oder EI 120 definiert. Das Kürzel E steht für Raumabschluss (Integrität), I für WärmedämmungWärmedämmung: Die Fähigkeit eines Materials oder Gebäudes, Wärme innerhalb oder außerhalb des Gebäudes zu halten oder zu blockieren. (Isolation). Ein System der Klasse EI 90 hält also mindestens 90 Minuten lang sowohl dem Durchbrennen als auch der Wärmeübertragung stand.
Für die Verwendung in Deutschland müssen Abschottungssysteme entweder eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ)Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) ist ein Verfahren, bei dem bestimmte Bauprodukte geprüft und zugelassen werden, um ihre Eignung und Sicherheit im Bereich des baulichen Brandschutzes zu gewährleisten. des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) besitzen oder über eine europäische technische Bewertung (ETAEine Europäische Technische Bewertung (ETA) ist ein Gutachten, das die technischen Leistungsmerkmale eines Bauprodukts, z. B. eines Baustoffes oder einer Konstruktion, bewertet. Es stellt sicher, dass das Produkt den europäischen Normen und Anforderungen entspricht und somit in der gesamten EU vertrieben werden kann. Die Europäische Technische Bewertung (ETA) ist ein...) verfügen, die zur CE-KennzeichnungCE-Kennzeichnung: Die CE-Kennzeichnung ist ein europäisches Gütesiegel, das auf zahlreichen Produkten angebracht ist und besagt, dass das Produkt den Anforderungen der EU-Richtlinien entspricht und somit sicher und störungsfrei betrieben werden kann. berechtigt. Diese Zulassungen enthalten genaue Anwendungsbedingungen: Sie legen fest, für welche Wanddicken, Bauteilarten, Rohr- oder Kabeldurchmesser und Einbausituationen das System zugelassen ist. Eine Abschottung, die außerhalb dieser Anwendungsgrenzen eingebaut wird, gilt baurechtlich als nicht ausgeführt, selbst wenn sie physisch vorhanden ist.
Ergänzend zu den ProduktnormenProduktnormen - Normen, die Anforderungen an Produkte für den Bau formulieren und prüfen regeln technische Regeln wie die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR) die Anforderungen an Leitungsanlagen in Gebäuden, insbesondere an Führung, Abschottung und Brandschutzklappen. Die MLAR ist in den meisten Bundesländern als technische Baubestimmung eingeführt und damit verbindlich. Sie enthält detaillierte Vorgaben dazu, welche Leitungen in welchen Bereichen ohne Abschottung geführt werden dürfen und wann eine vollständige Abschottung erforderlich ist.
Abschottungssysteme im Überblick: Technik und Funktionsprinzipien
Die Vielfalt der verfügbaren Abschottungssysteme spiegelt die Vielfalt der Durchdringungssituationen wider. Grundsätzlich lassen sich passive Systeme, die durch intumeszierende Materialien oder Dämmschichtbildner wirken, von aktiven Systemen unterscheiden, die durch mechanische Auslösung schließen. In der Praxis kommen häufig Kombinationen beider Prinzipien zum Einsatz.
Rohrabschottungen für brennbare Rohre
Kunststoffrohre aus PolyethylenPolyethylen: Polyethylen ist ein thermoplastischer Kunststoff, der sich durch hohe Beständigkeit gegenüber Chemikalien und Witterungseinflüssen auszeichnet. In der Architektur findet Polyethylen zum Beispiel als Dämmstoff Verwendung. (PEPE - PE ist die Abkürzung für Polyethylen, ein thermoplastischer Kunststoff, der in vielen Anwendungen, einschließlich der Bauindustrie, verwendet wird.), PolypropylenPolypropylen: Polypropylen ist ein thermoplastischer Kunststoff, der sich durch hohe Stabilität und Widerstandsfähigkeit gegenüber Chemikalien auszeichnet. In der Architektur wird Polypropylen zum Beispiel bei der Herstellung von Lichtplatten oder Dämmstoffen eingesetzt. (PP) oder Polyvinylchlorid (PVC)Polyvinylchlorid (PVC) ist ein Kunststoff, der sich durch seine Witterungsbeständigkeit und hohe Chemikalienbeständigkeit auszeichnet. Er wird oft im Bauwesen eingesetzt, z.B. für Fensterprofile, Rohre und Dachbahnen. sind im Brandfall besonders kritisch, weil sie schmelzen und abbrennen, wodurch in der Wand ein offener Kanal entsteht. Rohrabschottungen für brennbare Rohre nutzen intumeszierende Materialien, also Stoffe, die sich bei Hitzeeinwirkung stark ausdehnen. Wenn das Rohr schmilzt, schließt das expandierende Material den entstehenden Hohlraum und verhindert den Durchtritt von Feuer und Rauch. Diese Systeme werden als Manschetten, Kissen oder als Einbettungsmasse in vorgefertigte Einbaugehäuse ausgeführt. Die Manschette wird außen um das Rohr an der Wanddurchdringung befestigt; das Kissen oder die Masse wird in die Öffnung eingebaut.
Kabel- und Leitungsabschottungen
Elektrische Kabel und Datenleitungen brennen nicht so schnell wie Kunststoffrohre, können aber Feuer und vor allem Rauch über ihre Oberflächen und durch Kabelkanäle weiterleiten. Kabelabschottungen dichten die gesamte Öffnung in der Wand oder Decke ab, durch die ein Kabelpaket oder ein Kabelkanal geführt wird. Typische Systeme sind Steinwollekissen oder -blöcke, die in die Öffnung eingestopft werden, Schaumabschottungen aus intumeszierendem Schaum, der in die Öffnung eingespritzt oder eingebracht wird, sowie vorgefertigte Systemabschottungen mit definierten Einbaumaßen. Entscheidend ist, dass die Abschottung die gesamte Querschnittsfläche der Öffnung lückenlos ausfüllt und dass die Kabel selbst nicht als WärmebrückeWärmebrücke: Eine Wärmebrücke ist ein Bereich im Bauteil, bei dem die Wärmedämmung unzureichend ist. Dadurch kann es zu Wärmeverlusten und Feuchtigkeitsschäden kommen. wirken, durch die Hitze übertragen wird.
Abschottungen für Metallrohre und Installationsschächte
Metallrohre aus StahlStahl: Ein Werkstoff, der aufgrund seiner hohen Belastbarkeit und Stabilität oft bei Gerüstkonstruktionen eingesetzt wird. oder KupferKupfer: Kupfer wird in der Fassadentechnik oft als Material für Dachrinnen, Abdeckungen und Verkleidungen eingesetzt. Es ist robust, langlebig und witterungsbeständig. schmelzen im Brandfall nicht, leiten aber Wärme sehr gut und können auf der Rückseite der Wand Temperaturen erzeugen, die entzündliche Materialien in Brand setzen. Für Metallrohre werden deshalb Abschottungssysteme eingesetzt, die den Ringspalt zwischen Rohr und Wandöffnung abdichten und gleichzeitig die Wärmeübertragung begrenzen. Installationsschächte, die mehrere Geschosse verbinden, stellen eine besondere Herausforderung dar, weil sie als Kaminzug wirken und Feuer und Rauch sehr schnell vertikal verbreiten können. Hier sind Schachtabschottungen erforderlich, die den Schacht in jedem Geschoss unterteilen.
Fugendichtungen und Wanddurchführungen
Neben Leitungsdurchdringungen müssen auch Fugen zwischen Bauteilen abgedichtet werden, zum Beispiel DehnungsfugenDehnungsfugen: spezielle Fugen, die bei der Verbindung oder zwischen Bauteilen verwendet werden, um die Ausdehnung und Kontraktion im Zusammenhang mit Änderungen der Temperatur oder Feuchtigkeit zu ermöglichen., Anschlussfugen zwischen Wand und Decke oder Fugen zwischen vorgefertigten Elementen. Fugendichtungssysteme bestehen aus intumeszierenden Bändern, Streifen oder Massen, die in die FugeFuge: Eine Fuge ist ein Spalt zwischen zwei Bauelementen oder Schichten in der Gebäudekonstruktion, der oft mit Dichtstoffen oder Mörtel gefüllt wird. eingebracht werden und sich im Brandfall ausdehnen. Auch hier gilt: Das System muss für die konkrete Fugengeometrie und Bauteilkombination zugelassen sein.
Planung, Ausführung und Dokumentation: Worauf es in der Praxis ankommt
Brandschutz Abschottung beginnt nicht auf der Baustelle, sondern am Zeichentisch. Eine sorgfältige Planung identifiziert alle Stellen, an denen Leitungen feuerbeständige Bauteile durchdringen, und legt für jede Stelle das geeignete Abschottungssystem fest. Dieser Schritt erfordert die enge Abstimmung zwischen Architekt, Fachplanern für Elektro, Heizung, Lüftung und Sanitär sowie dem Brandschutzplaner. In der Praxis entstehen viele Abschottungsprobleme, weil Leitungsführungen im Planungsprozess geändert werden, ohne dass die Brandschutzplanung entsprechend angepasst wird.
Für jede Abschottungsstelle muss das gewählte System innerhalb seiner Zulassungsgrenzen liegen. Das bedeutet: Die Wanddicke, der Bauteiltyp (Beton, Mauerwerk, Gipskarton), der Rohrdurchmesser oder die Kabelquerschnittsfläche, der Ringspalt zwischen Rohr und Öffnung sowie die Einbautiefe müssen den Angaben in der ZulassungZulassung - Eine behördliche Genehmigung für den Einsatz eines Produkts oder einer Technologie in einem bestimmten Bereich. oder dem Prüfzeugnis entsprechen. Schon eine geringfügige Abweichung, etwa ein größerer Ringspalt als zugelassen, kann die Wirksamkeit des Systems in Frage stellen und erfordert entweder eine Anpassung oder eine gesonderte Beurteilung durch einen Sachverständigen.
Die Dokumentation ausgeführter Abschottungen ist baurechtlich und versicherungstechnisch unverzichtbar. Für jede Abschottungsstelle sollte ein Abschottungsprotokoll angelegt werden, das den Einbauort, das verwendete System mit Zulassungsnummer, die eingebauten Materialien, den ausführenden Betrieb und das Einbaudatum festhält. Viele Bauherren und Betreiber unterschätzen diesen Aspekt, bis im Schadensfall oder bei einer Begehung durch die Bauaufsicht oder den Versicherer Nachweise gefordert werden. Ohne Dokumentation ist eine nachträgliche Überprüfung kaum möglich, weil viele Abschottungen nach dem Einbau verputzt oder verkleidet werden und nicht mehr sichtbar sind.
Auf der Baustelle selbst ist die Koordination der Gewerke entscheidend. Abschottungen werden häufig von den Installateuren eingebaut, die auch die Leitungen verlegen. Diese Fachleute müssen für die Anforderungen der Brandschutz Abschottung geschult sein und die Zulassungsdokumente der verwendeten Systeme kennen. Fehler entstehen oft aus Unkenntnis: Ein Installateur, der ein Rohr durch eine Wand führt und den Ringspalt mit handelsüblichem Bauschaum auffüllt, glaubt möglicherweise, eine ausreichende AbdichtungAbdichtung: eine Schutzschicht auf einer Fläche, um das Eindringen von Feuchtigkeit oder Schmutz zu verhindern. hergestellt zu haben. Bauschaum ohne intumeszierende Eigenschaften ist jedoch keine Brandschutzabschottung und erfüllt die Anforderungen nicht.
Typische Fehler und wie sie vermieden werden
Der häufigste Fehler bei der Brandschutz Abschottung ist die Verwendung ungeeigneter Materialien. Normaler Mineralwolle-Stopfstoff, Bauschaum ohne Brandschutzeigenschaften oder SilikonSilikon - Ein elastisches Polymer, das auf Silizium- und Sauerstoffatomen basiert, das vor allem als Dichtungsmaterial und Klebstoff verwendet wird. ohne intumeszierende Zusätze sind keine Abschottungsmaterialien, auch wenn sie optisch eine Öffnung schließen. Nur Produkte mit einer gültigen Zulassung für den spezifischen Anwendungsfall erfüllen die Anforderungen. Dieser Fehler ist auf Baustellen erschreckend verbreitet, weil das Bewusstsein für die Unterschiede zwischen einer dichten und einer brandschutzgerechten Abdichtung fehlt.
Ein weiterer typischer Fehler ist die nachträgliche Veränderung abgeschotteter Durchdringungen. Wenn nach dem Einbau einer Abschottung weitere Kabel durch dieselbe Öffnung geführt werden, ist die ursprüngliche Abschottung in der Regel nicht mehr gültig, weil sie für eine bestimmte Anzahl und Art von Kabeln zugelassen war. Jede Änderung an einer Durchdringung erfordert eine neue Abschottung oder zumindest die Überprüfung, ob die bestehende Abschottung die veränderte Situation noch abdeckt. In der Praxis des Gebäudebetriebs werden solche Änderungen häufig ohne Rücksprache mit dem Brandschutzplaner vorgenommen.
Auch die falsche Einbautiefe ist ein verbreitetes Problem. Viele Abschottungssysteme, insbesondere Manschetten für Kunststoffrohre, müssen bündig mit der Wandoberfläche oder in einem definierten Abstand zur Wandmitte eingebaut werden. Wird die Manschette zu weit außen oder zu weit innen positioniert, kann das intumeszierende Material im Brandfall nicht wirksam in den entstehenden Hohlraum expandieren. Die Einbauanleitung des Herstellers, die Bestandteil der Zulassung ist, muss deshalb strikt eingehalten werden.
Schließlich werden Abschottungen in Decken häufig vernachlässigt. Während Wanddurchdringungen im Sichtbereich liegen und bei Begehungen auffallen, sind Deckendurchdringungen oft in abgehängten Decken verborgen. Gerade in Bürogebäuden, Krankenhäusern und Schulen, wo zahlreiche Leitungen horizontal und vertikal geführt werden, entstehen hier systematische Lücken im Brandschutzkonzept, die erst bei einer umfassenden Brandschutzbegehung oder im Schadensfall sichtbar werden.
Abschottung im Bestand: Nachrüstung, Prüfung und Wartung
Im Gebäudebestand ist die Situation oft komplexer als im Neubau. Ältere Gebäude wurden nach anderen normativen Anforderungen errichtet, und viele Abschottungen entsprechen nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Gleichzeitig wurden im Laufe der Nutzung häufig Leitungen ergänzt, umverlegt oder ersetzt, ohne dass die Abschottungen angepasst wurden. Eine systematische Bestandsaufnahmeist ein Prozess, bei dem der Zustand eines vorhandenen Gebäudes oder einer vorhandenen Struktur dokumentiert wird. Dies kann zur Planung von Renovierungs- oder Sanierungsmaßnahmen oder zur Beurteilung des Wertes einer Immobilie dienen. aller Durchdringungen in feuerbeständigen Bauteilen ist deshalb der erste Schritt bei der Sanierung des Brandschutzes in bestehenden Gebäuden.
Die Nachrüstungbezieht sich auf die Installation oder Anpassung eines Bauteils, Systems oder Geräts in ein bestehendes Gebäude oder eine bestehende Struktur, um dessen Leistung, Effizienz, Sicherheit oder Komfort zu verbessern. von Abschottungen im Bestand ist technisch möglich, erfordert aber eine sorgfältige Planung. Bestehende Leitungen können nicht einfach mit einer Manschette versehen werden, wenn der Ringspalt nicht den Zulassungsanforderungen entspricht oder wenn die Wandöffnung zu groß ist. In solchen Fällen muss die Öffnung zunächst auf das erforderliche Maß verkleinert werden, bevor das Abschottungssystem eingebaut wird. Für besonders schwierige Situationen bieten manche Hersteller Systemlösungen an, die speziell für Bestandssituationen entwickelt wurden und größere ToleranzenToleranzen - zulässige Abweichungen von bestimmten Maßen oder Eigenschaften bei Bauteilen oder Konstruktionen erlauben.
Abschottungen sind keine wartungsfreien Einbauten. Intumeszierende Materialien können im Laufe der Zeit austrocknen, schrumpfenSchrumpfen: Schrumpfen ist ein natürlicher Prozess, bei dem Beton während des Aushärtens schrumpft und sich dadurch leicht verkleinert. Wenn das Schrumpfen nicht kontrolliert wird, kann es Risse im Beton verursachen. oder durch mechanische Einwirkungen beschädigt werden. Brandschutzklappen müssen regelmäßig auf ihre Funktion geprüft werden, weil ein Klappenblatt, das durch KorrosionKorrosion - Der Prozess der Zersetzung eines Material durch Oxidation oder Chemikalien. oder Ablagerungen blockiert ist, im Brandfall nicht schließt. Die Betreiberpflichten für BrandschutzeinrichtungenBrandschutzeinrichtungen: Brandschutzeinrichtungen sind bauliche oder technische Maßnahmen, die dazu dienen, Feuer und Rauch innerhalb eines Gebäudes einzudämmen und somit Schäden zu verhindern oder zu minimieren. Beispiele hierfür sind Brandschutztüren, -fenster, -schotts und Brandschutzverglasungen. sind in den Landesbauordnungen und in der Muster-Betriebsstättenverordnung geregelt. Für sicherheitstechnische Anlagen schreiben viele Bundesländer regelmäßige Sachverständigenprüfungen vor. Wer als Gebäudebetreiber diese Pflichten vernachlässigt, trägt im Schadensfall eine erhebliche Haftung.
Brandschutz Abschottung als unverzichtbarer Bestandteil des Gesamtkonzepts
Brandschutz Abschottung ist keine isolierte technische Maßnahme, sondern ein integraler Bestandteil des vorbeugenden baulichen Brandschutzes. Sie setzt voraus, dass das Gebäude in Brandabschnitte gegliedert ist, dass die trennenden Bauteile die erforderliche Feuerwiderstandsdauer aufweisen und dass alle Durchdringungen dieser Bauteile konsequent abgeschottet sind. Fehlt eines dieser Elemente, verliert das gesamte Konzept seine Wirksamkeit. Eine perfekt ausgeführte Abschottung in einer Wand, die selbst nicht die erforderliche Feuerwiderstandsdauer aufweist, nützt wenig. Umgekehrt schützt eine feuerbeständige Wand mit einer einzigen unabgeschotteten Durchdringung den Brandabschnitt nicht zuverlässig.
Die Bedeutung der Abschottung wächst mit der Komplexität der Gebäudetechnik. Moderne Gebäude sind von einem dichten Netz aus Elektroleitungen, Datenkabeln, Heizungs- und Sanitärrohren, Lüftungskanälen und Sprinkleranlagen durchzogen. Jede dieser Leitungen, die eine Brandschutzwand oder eine feuerbeständige Decke durchdringt, ist eine potenzielle Schwachstelle. Die Herausforderung für Planer besteht darin, die Leitungsführung so zu koordinieren, dass die Anzahl der Durchdringungen minimiert wird und alle verbleibenden Durchdringungen mit geeigneten Systemen abgeschottet werden. Eine frühzeitige Abstimmung aller Fachplaner unter Einbeziehung des Brandschutzplaners ist dafür die Grundvoraussetzung.
Für Architekten bedeutet die konsequente Berücksichtigung der Brandschutz Abschottung in der Planung nicht nur die Erfüllung baurechtlicher Pflichten, sondern auch eine Verantwortung gegenüber den Nutzern des Gebäudes. Ein Brandschutzkonzept, das auf dem Papier schlüssig ist, aber in der Ausführung durch mangelhaft abgeschottete Durchdringungen unterlaufen wird, schützt niemanden. Die Qualität der Abschottung ist deshalb ein Maßstab für die Qualität des gesamten Brandschutzkonzepts, und sie verdient dieselbe Sorgfalt wie die Planung der Tragstruktur oder der GebäudehülleGebäudehülle: die äußere Hülle eines Gebäudes, die aus Dach, Wänden und Fenstern besteht und als Barriere gegen Wärme oder Kälte dient. Die Gebäudehülle ist im Wesentlichen die äußere Umhüllung eines Gebäudes, die es vor Witterungseinflüssen und Umwelteinflüssen schützt. Jedes Gebäude verfügt über eine Gebäudehülle, die aus vielen verschiedenen Teilen besteht..... Wer Abschottung als lästige Detailpflicht betrachtet, hat das Wesen des vorbeugenden Brandschutzes nicht verstanden.
