Biennale (IV): Spiegel

Architekturbiennale_Venedig_Arsenale_Baumeister

Rem Koolhaas widmet in seinem Biennale-Konzept eine ganze lange Werfthalle auf dem Arsenale-Gelände nur Italien.Wer jetzt allerdings glaubt, dass daraus eine Hommage an den Gastgeber geworden ist, wird herb enttäuscht: Koolhaas meint, „Italien ist zwar unglaublich reich an Kunstschätzen wie kein anderes Land der Erde, hat eine lange, bedeutende Geschichte, bleibt aber heute weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.“ Diese „Italien-Schelte“ wird aber in der Ausstellung nicht von ihm, sondern von 40 ausgewaehlten italienienischen Architekten inszeniert, denen Koolhaas Gelegenheit gab, über ihr Land nachzudenken.

„Monditalia“ zeigt von der Eingangstür bis zum Ausgang die dunkle Seite Italiens: gutsituierte, gutbürgerliche Mafia-Wohnviertel gleich am Anfang, Smog-Bilder aus Rom, die architektonisch erbärmlichen Versuche, den Erdbebenopfern von L’Aquila ein Zuhause zu geben, grandiose Betonschalenarchitektur von Nervi aus den 1960ern, die verfällt, zerknitterte Wahlplakate mit einem grinsenden Berlusconi – kurz, ein krasses Gegenbild zu der strahlenden Dolce Vita-Soap Opera-Welt mit langbeinigen Blondinen und gegelten Selbstdarstellern, die tagtäglich das italienische Fernsehen sendet.

Monditalia_Biennale_Rem_Koolhaas_Baumeister

Der Mailänder Stefano Boeri etwa, Architekt der grünen Türme von Mailand (Baumeister 10/2013), fasst seine Enttäuschung mit seinem Heimatland so zusammen: Für die Biennale „habe ich beschlossen, meinen jüngsten und sichtbarsten beruflichen Fehler zu zeigen und zur Diskussion zu stellen: eine Wohnsiedlung, entworfen für die G8-Konferenz auf Sardinien, die nie stattgefunden hat. Die Siedlung steht nun völlig verlassen als Ruine da … Ich habe darüber nachgedacht, wie selten über solche Fiaskos diskutiert wird, wie sie totgeschwiegen werden und wie dadurch die Chance verpasst wird, aus solchen Erfahrungen zu lernen.“

Natürlich tritt man betroffen aus den dunklen Hallen wieder zurück in Venedigs warme Sonne, sieht die grüne glitzernde Lagune, die zarte Silhouette der Stadt mit Kirchen und Kuppeln, und denkt: So schlimm ist Italien ja auch wieder nicht.

Die Berichterstattung des Baumeisters von der Biennale wird unterstützt von FSB.