13.08.2026

BESTSECRET Büro München: Zeitlose Ästhetik von HENN

BESTSECRET Büro München von HENN: Reduziertes Interior Design mit Sichtbeton, Holz und textilen Materialien schafft eine zeitlose Arbeitswelt für die digitale Luxusmarke. Foto: Mark Seelen | Seelen+ via v2com
BESTSECRET Büro München von HENN: Reduziertes Interior Design mit Sichtbeton, Holz und textilen Materialien schafft eine zeitlose Arbeitswelt für die digitale Luxusmarke. Foto: Mark Seelen | Seelen+ via v2com

Reduktion statt Repräsentationsgestus, Materialität statt dekorativer Überinszenierung: Für den Online-Luxusmodehändler BESTSECRET hat das Berliner Architekturbüro HENN ein neues Büro im Münchner Werksviertel entworfen. Auf 3.100 Quadratmetern entsteht eine Arbeitswelt, die die zurückhaltende Ästhetik der digitalen Marke in einen physischen Raum übersetzt – präzise, zeitlos und bewusst neutral.

Rund 125 Mitarbeitende finden hier einen Arbeitsplatz, der zugleich Rückzugsort, Kommunikationsfläche und Bühne für die Marke ist. Das Interior Design folgt dabei einer einfachen, aber anspruchsvollen Idee: Wenn BESTSECRET im digitalen Raum kuratierte Luxusmode präsentiert, soll auch seine Architektur einen zurückgenommenen Hintergrund schaffen, auf dem Qualität und Details wirken können.


Ein neuer Standort am Münchner Ostbahnhof

Das neue BESTSECRET Büro befindet sich am iCampus am Ostbahnhof, in einem siebengeschossigen Neubau des Architekturbüros LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei. Das Gebäude markiert den nördlichen Abschluss des neu entwickelten Areals und orientiert sich mit seiner städtebaulichen Ausrichtung zum Münchner Zentrum.

Eine urbane Achse eröffnet dabei einen weitreichenden Blick über das Werksviertel. Bei entsprechender Sicht reicht das Panorama bis zu den Alpen am Horizont.

Diese Offenheit nach außen wird zu einem wichtigen Bestandteil des Interior Designs von HENN. Transparenz, Sichtbeziehungen und der Wechsel zwischen offenen und konzentrierten Arbeitsbereichen prägen die sieben Geschosse.

Mark Seelen | Seelen+ via v2com
Mark Seelen | Seelen+ via v2com
Mark Seelen | Seelen+ via v2com
Mark Seelen | Seelen+ via v2com
Mark Seelen | Seelen+ via v2com
Mark Seelen | Seelen+ via v2com

Reduktion als Markensprache

BESTSECRET positioniert sich als exklusiver, digitaler Members-only-Club für Luxusmode. Das Interior von HENN nimmt diese Markenidentität auf, ohne sie plakativ zu illustrieren.

Stattdessen entsteht ein neutraler architektonischer Hintergrund aus warmem Grau an den Wänden, Sichtbetondecken und hellgrauen, fugenlosen Böden. Die zurückhaltende Farbpalette erzeugt eine Atmosphäre, die bewusst an die digitale Präsentationswelt des Unternehmens erinnert: Die Architektur drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern schafft Raum für Inhalte.

Spiegelnde und reflektierende Oberflächen lassen die Räume größer erscheinen. Großzügig eingesetzte Textilien stellen gleichzeitig einen subtilen Bezug zur Modewelt her.

Die Ästhetik ist damit weder kühl noch demonstrativ luxuriös. Sie lebt von der Spannung zwischen Zurückhaltung und Materialqualität.


Zwischen Sichtbeton und maßgefertigtem Holz

Eine besondere Rolle spielt das Zusammenspiel gegensätzlicher Materialien. Kühle Spiegeloberflächen treffen auf warmes Holz, robustes Metall auf weiche Textilien. Sichtbeton und verzinkte Metallflächen verleihen den Räumen einen industriellen Charakter, während individuell gefertigte Holzeinbauten eine wohnlichere Atmosphäre schaffen.

Entlang der Außenwände integrieren sich in die maßgefertigten Möbel Sitzbänke und Regale. Die Architektur wird dadurch selbst zum Möbelstück und verbindet Stauraum, Aufenthalt und Erschließung.

Gerade diese Gegensätze verleihen dem Büro seine klare Identität. Der Entwurf setzt nicht auf ein einheitliches Materialbild, sondern auf kontrollierte Kontraste.

Mark Seelen | Seelen+ via v2com
Mark Seelen | Seelen+ via v2com
Mark Seelen | Seelen+ via v2com
Mark Seelen | Seelen+ via v2com

Transparenz als räumliches Prinzip

Obwohl die einzelnen Geschosse entsprechend ihrer Nutzung unterschiedlich gestaltet sind, verbindet sie ein übergeordnetes Prinzip: Transparenz und Offenheit.

Verglaste Wände erzeugen auf den einzelnen Etagen ein kontinuierliches Raumgefühl. Zugleich ermöglichen sie Blickbeziehungen durch das Gebäude und lassen das Panorama über München Teil der Arbeitsumgebung werden.

Besonders bewusst inszeniert ist der Boardroom im Erdgeschoss. Er liegt zum Stadtzentrum und bleibt von außen sichtbar. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich die Lounge-Küche mit einem großen Gemeinschaftstisch – ein zentraler Treffpunkt für Mitarbeitende aus allen Etagen.

Damit wird die klassische Trennung zwischen repräsentativem Raum und informeller Begegnungszone bewusst aufgehoben.


Arbeitswelten zwischen Austausch und Konzentration

In den oberen Geschossen differenziert HENN die Arbeitsbereiche stärker nach ihren jeweiligen Anforderungen. Kommunikative Co-Working-Zonen stehen kontemplativen Think-Tank-Räumen gegenüber.

Bodentiefe Vorhänge ermöglichen eine flexible Unterteilung und erlauben es, die Räume je nach Situation kleinteiliger zu zonieren. Damit bleibt die Grundstruktur offen, ohne auf die Möglichkeit konzentrierten Arbeitens zu verzichten.

Auch die Positionierung der unterschiedlichen Räume folgt einer bewussten Logik: Die offenen, kommunikativen Bereiche orientieren sich zur lebendigen Stadtseite. Die Räume für konzentriertes Arbeiten liegen dagegen an der ruhigeren Seite des Gebäudes.

Die Architektur übersetzt damit unterschiedliche Arbeitsweisen direkt in die räumliche Organisation.


Ein Büro als physische Verlängerung der digitalen Marke

Die eigentliche Qualität des BESTSECRET Büros liegt in der Konsequenz, mit der HENN Markenidentität und Raumgestaltung miteinander verbindet. Luxus wird nicht über kostspielige Materialien oder repräsentative Gesten definiert, sondern über Präzision, Auswahl und Reduktion.

Das entspricht dem Selbstverständnis von BESTSECRET: Die Plattform kuratiert hochwertige Modemarken und stellt sie in einem kontrollierten digitalen Umfeld dar. Das Büro wird zu dessen physischem Pendant – ein neutraler Rahmen, in dem Material, Licht, Textur und ausgewählte Objekte die gleiche Rolle übernehmen wie Bildsprache und Produktpräsentation im digitalen Raum.

Die Möblierung unterstreicht diesen Ansatz. Zum Einsatz kommen unter anderem Entwürfe von B&B Italia, Carl Hansen, Fredericia, Hay, Ligne Roset, Magis, Muuto, Thonet, Vitra und Zeitraum. Leuchten von Herstellern wie Flos, Artek, Regent, Reggiani, Wästberg und XAL ergänzen das Interior.

Auch bei Vorhängen und Teppichen wird die textile Dimension präzise eingesetzt, unter anderem mit Produkten von Kvadrat und Tarkett.


Eine Arbeitswelt ohne modische Kurzlebigkeit

Bemerkenswert ist schließlich der Anspruch, eine zeitlose Atmosphäre zu schaffen. Gerade für ein Unternehmen aus der schnelllebigen Modebranche wäre ein spektakuläres, trendabhängiges Büro naheliegend. HENN entscheidet sich stattdessen für eine Architektur, die sich bewusst zurücknimmt.

Die Gestaltung basiert auf wenigen, sorgfältig abgestimmten Elementen: neutralen Farben, rohen Oberflächen, warmem Holz, Textilien, Glas und gezielt gesetztem Mobiliar.

So entsteht ein Büro, das die Marke repräsentiert, ohne selbst zum Produkt zu werden. Es ist Bühne und Hintergrund zugleich.


Architektur als Arbeitsinstrument

Das 2024 fertiggestellte BESTSECRET Büro am Münchner Ostbahnhof zeigt, wie Corporate Interior Design über reine Arbeitsplatzgestaltung hinausgehen kann. Auf sieben Geschossen verbindet HENN Lobby, Büros, Besprechungsräume, Lounge-Küche, Coffee Bars und Veranstaltungsflächen zu einer zusammenhängenden Arbeitswelt.

Die Architektur unterstützt dabei nicht nur Kommunikation und Konzentration, sondern formuliert ein räumliches Selbstbild des Unternehmens. Offenheit, kuratierte Materialität und visuelle Zurückhaltung werden zu den eigentlichen Gestaltungsmitteln.

Damit beweist das Projekt, dass ein zeitgemäßes Markenbüro nicht laut sein muss, um identitätsstiftend zu wirken. Gerade die Reduktion schafft jene Qualität, die langfristig Bestand haben kann – und macht das BESTSECRET Büro zu einem präzisen architektonischen Ausdruck einer digitalen Luxusmarke.

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