Barcelona, Hotel Mandarin

Die Architekten Carlos Ferrater und Juan Trias de Bes haben in der katalanischen Hauptstadt ein ehemaliges Bankgebäude im Art-Déco-Stil zu einem modernem Hotel umgebaut. Offenbar dachten die Manager, bei Ferrater, dem Platzhirsch unter Barcelonas Architekten, könne man nicht viel falsch machen. Für eine renommierte Hotelkette wie das Mandarin gilt das gleichsam als Gütesiegel.

Als ich vor einiger Zeit auf Barcelonas legendärem Passeig de Gràcia nach angebrochener Dunkelheit das Hotel Mandarin aufsuchte, ließen mich die Gedanken nicht los, was Carlos Ferrater mit dem ehrwürdigen Art-Déco-Gebäude wohl angestellt haben mag. Einige Publikationen hatten sich begeistert über den Charme des neuesten Designer-Hotels geäußert. Doch welche Überraschung: Dort, wo sich die Hausnummer des Hotels befinden musste, erstreckte sich ein endloser Bretterzaun. Davor parkte ein Mannschaftswagen der Polizei; das Szenario hatte etwas von kriegerischer Bunkeratmosphäre. Aha, der Ausnahmezustand war wohlbegründet, denn ganz Barcelona befand sich wieder einmal im Generalstreik. Erst als der Sturm vorbei und der Zaun abmontiert war, konnte man den Umbau zum Hotel richtig würdigen. Zweifellos hat man mit Carlos Ferrater und Juan Trias de Bes Architekten gewinnen können, die mit viel räumlichem Gespür den Altbau transformierten. Sie entschieden sich zu einem radikalen Eingriff, denn sie trieben eine Zugangsrampe durch das neungeschossige Gebäude und durchquerten dabei den Lichthof, um den sich jetzt die Hotelzimmer gruppieren. Wer den Kolonnadengang emporsteigt, könnte meinen, er betrete das Allerheiligste eines Tempels. Ferrater hat jedenfalls verstanden, wie man einem profanen Gebäude Aura einflößt. Die Spannung hält sich bis zum Foyer, das in floralen Teppichmotiven, golden eloxierten Aluminiumgittern leuchtet und den Blick hinunter zum Restaurant lenkt, dem heimlichen Zentrum des Hotels. Es befindet sich zwar im Untergeschoss, strahlt aber, durch üppiges Oberlicht, eine wohltuende Atmosphäre aus. Die Designerin Patricia Urquiola hat diese hoteleigene Schatztruhe zu einem Blickfang gestaltet, mit viel Stoff und orientalischen Motiven. Das Mandarin Oriental setzt hier ganz auf Weltoffenheit, und so umschwirren einen ständig charmante Kellnerinnen aus aller Herren Länder, die den Gästen ihre Wünsche von den Augen ablesen.

Wer Freiluftatmosphäre bevorzugt, sucht auf dem Dach des einstigen Banktrakts das Terrassen-Café auf, das den Blick hinauf zur Hotelfassade gestattet, die mit bronzefarbenen Aluminiumprofilen verkleidet wurden. Die Aussicht auf graue Hinterhofwände ist nicht sonderlich berauschend, aber man versteht auf dieser Plattform ganz gut, wie Ferrater Terrasse, Hotelgeschosse und das durch Oberlicht abgetrennte Restaurant miteinander verzahnte. Und was ist die gelungenste Überraschung im Mandarin? Ich denke, es ist nicht der zweifellos grandiose Ausblick von der Dachterrasse, nicht das leicht überstilisierte Restaurant, nicht die orientalischen Blumenmuster in Hotelhalle und Zimmern. Nein, es ist das Schwimmbad, das Ferrater wie eine unterirdische „caja mágica“, wie einen Ort des Rückzugs und der Entspannung gestaltete.

Adresse

Hotel Mandarin Oriental
Passeig de Gràcia, 38-40,
08007 Barcelona
Spanien
www.mandarinoriental.com/barcelona