29.01.2020

Event

Allgäuer Gedankenaustausch

von Sabine Schneider

Von links nach rechts: Reiner Nagel

Schon zum 14. Mal fand er statt, der Allgäuer Baufachkongress Mitte Januar in Oberstdorf. Veranstalter ist alle zwei Jahre Baumit, der Markenanbieter für Farb-, Dämm-, Putz-, Sanier- und Bodensysteme. Viele Besucher kommen immer wieder, vor allem die Handwerker, die knapp 50 Prozent ausmachen, doch auch zahlreiche Händler, Vertreter der Verbände sowie immer mehr Architekten und Planer.

Hier tauscht sich die Branche aus und verfolgt aufmerksam das umfangreiche, mehrtägige Programm mit parallelen Vortragsreihen. Die Beiträge gliedern sich in einen sogenannten „Zukunftstag“, einen „Baupraxistag“ und einen „Unternehmertag“. Dabei spielen Denkmalpflege- und Sanierungsthemen ebenso eine Rolle wie Wohngesundheit, Betriebsführung oder ganz praktische Probleme wie Schimmelpilze. Die Schwierigkeiten sind überall dieselben: Die Branche verfügt über gut gefüllte Auftragsbücher, leidet aber unter dem hohen Kostendruck und Fachkräftemangel.
Obwohl sich die Beiträge zum großen Teil an das ausführende Handwerk richten, kommen auch interessante Referate für die Architekten nicht zu kurz: So berichteten etwa das Hamburger Büro Blauraum und das Wiener Büro Querkraft über ihre laufenden Projekte vor vollen Stuhlreihen.
Highlight aus Architektensicht war sicherlich ein Thema, das deutschlandweit im Blickpunkt ist: der Berliner Schloss-Neubau, das Humboldt-Forum. Hier gaben einen Nachmittag lang zuerst der Bauherrnvertreter Hans-Dieter Hegner Auskunft, danach Christoph Sattler und Peter Westermann aus dem Partnerbüro des Wettbewerbsgewinners Franco Stella und schließlich Reiner Nagel von der Stiftung Baukultur, die schließlich alle vier miteinander debattierten und sich auch noch den Fragen des Publikums stellten. Dabei kam sowohl die aufwendige Konstruktion mit einem inneren Stahlbetonskelett und einer äußeren „historisch“ gebauten Hülle zur Sprache, die auch heutigen Normen gerecht werden muss, als auch die handwerklich anspruchsvolle Ausführung samt Einbau der wenigen Spolien, die man fand, dazu die städtebauliche Bedeutung als neue Mitte sowie die Art und Weise, wie die Architekten zusammengearbeitet haben, damit das Bauwerk gelingt.
Ob dies tatsächlich der Fall ist, ob das Schloss eine würdige Mitte bildet und mit seiner Nutzung überzeugt, können wir dann ab September dieses Jahr – nach der voraussichtlichen Eröffnung – alle selber beurteilen. Sehenswert sein wird es auf jeden Fall.

Mehr zum Allgäuer Baufachkongress vom 15. bis 17. Januar 2020 in Oberstdorf, alle zwei Jahre organisiert vom Allgäuer Baustoffproduzenten Baumit.

Scroll to Top